Peter Madsen (Konstrukteur)

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Peter Madsen (November 2010)

Peter Langkjær Madsen (* 12. Januar 1971) ist ein dänischer Konstrukteur. Er wurde vor allem dadurch bekannt, dass er gemeinsam mit Freunden und Bekannten drei U-Boote und mehrere Raketen privat finanziert und gebaut hat. Im April 2018 wurde er wegen des im August 2017 begangenen Mordes an der schwedischen Journalistin Kim Wall zu lebenslanger Haft verurteilt, wogegen er eine Berufung angekündigt hat.

Biografie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ausbildung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Peter Madsen verfügt außer dem dänischen Abitur über keinen weiteren Bildungsabschluss.[1] Ein Ingenieur­studium brach er ab.[2]

U-Boot-Bau[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

UC3 Nautilus 2008

Madsen hat bisher an drei privat finanzierten U-Booten gebaut. Der Prototyp war im Jahr 2002 die Freya.[3] 2005 folgte das U-Boot Kraka.[4] Kraka war mit 12 Metern Länge doppelt so groß wie Freya. Es wog acht Tonnen, hatte einen Dieselmotor mit 12 kW und einen Elektromotor mit 4,5 kW. Freya hatte eine Taucherschleuse, durch die ein Taucher das Boot nach unten verlassen konnte.

Sein letztes und größtes U-Boot, im Jahr 2008 fertiggestellt, war die UC3 Nautilus. Sie war mit 17,8 Metern Länge und einem Gewicht von 40 Tonnen bei voller Ausstattung das bisher wohl größte von einer Privatperson gebaute U-Boot.

Raketenbau[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Start der HEAT-1X-Tycho Brahe am 3. Juni 2011
Start der Kapsel Tycho Deep Space mit der Rettungsrakete am 12. August 2012

Madsen beschäftigt sich seit vielen Jahren auch mit dem Bau von Raketentriebwerken und Raketen. Er ist Mitglied im dänischen „Amateur Rocket Club“ und arbeitete in der „Aurora Project Group“[5] mit. Gemeinsam mit Kristian von Bengtson begann er beim Verein Copenhagen Suborbitals 2008 mit dem Bau verschiedener Raketen mit dem Ziel, in wenigen Jahren einen Menschen mit einer privat finanzierten und gebauten Rakete in den Weltraum zu bringen.

2010 erfolgte ein erster Startversuch der Rakete HEAT-1X-Tycho Brahe. Dieser schlug fehl, das Raketentriebwerk zündete nicht. Am 3. Juni 2011 wurde ein zweiter Startversuch durchgeführt. Die Rakete erreichte eine Höhe von 2,8 km. Am 27. Juli 2012 wurde die zweistufige Rakete Smaragd-1 von Copenhagen Suborbitals erfolgreich auf der Ostsee gestartet.[6] Am 11. August 2012 wurde die Raumkapsel Tycho Deep Space mit der Rettungsrakete gestartet,[7] sie erreichte eine Flughöhe von etwa einem Kilometer. Die Rettungsrakete wurde im Flug planmäßig von der Raumkapsel abgesprengt und die Kapsel mit Hilfe der Fallschirme sicher gelandet. Der Erstflug der Rakete Sapphire erfolgte am 23. Juni 2013, wobei sie 8,2 km hoch flog.[8]

2014 verließ Madsen Copenhagen Suborbitals.[9] Er gründete daraufhin als Konkurrenz sein eigenes Raketenunternehmen Raketmadsens Rumlaboratorium.[10]

Für den 26. August 2017 hatte er den nächsten Start einer Rakete geplant. Am gleichen Tag plante auch Copenhagen Suborbitals einen Raketenstart.[10]

Untergang der UC3 „Nautilus“ und Verurteilung wegen Mordes[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Am 11. August 2017 ging die Nautilus südlich von Kopenhagen in der Køgebucht unter, Madsen konnte gerettet werden.[11] Die Polizei verdächtigte ihn, das Boot absichtlich versenkt zu haben, möglicherweise um ein Verbrechen an der schwedischen Journalistin Kim Wall zu vertuschen, die für eine Reportage an Bord gegangen war. Im Inneren des gesunkenen U-Bootes fanden Ermittler später Blutspuren der Frau. In ersten Aussagen behauptete Madsen, er habe Wall vor dem Untergang auf einer Halbinsel am Kopenhagener Hafen abgesetzt.[12][13][14] Er revidierte diese Aussage später und gab an, dass die Journalistin bei einem Unfall an Bord ums Leben gekommen sei und er die Leiche danach in der Køgebucht seebestattet habe.[15]

Am 21. August 2017 fand ein Radfahrer am Ufer der Insel Amager, südlich von Kopenhagen nahe der Køgebucht, einen weiblichen Torso. Die gerichtsmedizinische Analyse ergab, dass Kopf und Gliedmaßen gezielt abgetrennt worden waren.[16][17] Am Torso entdeckten die Ermittler eigenen Angaben zufolge mindestens 15 Messerstiche. Ein DNA-Test ergab, dass es sich dabei um sterbliche Überreste der vermissten Kim Wall handelte.[18] Eine vorläufige Leichenschau zeigte auch, dass der Torso durch ein an ihm befestigtes Metallstück am Meeresboden gehalten werden sollte.[19]

Nach Madsens Aussage vor Gericht sei Wall die Luke „mit voller Wucht“ auf den Kopf gefallen und sie an den dabei erlittenen Verletzungen gestorben.[20] Anschließend habe er die noch vollständige und bekleidete Leiche ins Meer geworfen.[21] Walls am 6. Oktober aufgefundener Schädel wies bei ersten Untersuchungen jedoch keine Verletzungen auf, die Madsens Aussage belegen.[22] Auf einem Rechner Madsens wurden Videos von Frauen-Hinrichtungen gefunden.[23]

Ende Oktober 2017 änderte Madsen seine Aussage dahingehend, dass Wall an einer Kohlenmonoxidvergiftung im U-Boot gestorben sei. Danach habe er die Leiche zerteilt. Laut Polizei soll Madsen an Wall kurz nach deren Tod sexuelle Handlungen „unter besonders schwerwiegenden Umständen“ vorgenommen haben.[24]

Mitte Januar 2018 erhob die Staatsanwaltschaft gegen Madsen Anklage wegen Mordes; sie forderte nicht nur eine lebenslange Freiheitsstrafe, sondern auch eine Sicherungsverwahrung.[25][26] Der Prozess gegen Madsen, auf seinen Wunsch ohne Geschworene, begann am 8. März 2018 in Kopenhagen.[27] Am 25. April 2018 wurde er zu lebenslanger Haft verurteilt. Nach Ansicht der Richter hat Madsen sein Opfer sexuell missbraucht, ermordet und zerstückelt. Seine Anwältin kündigte an, gegen das Urteil Berufung einzulegen.[28]

Privatleben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Madsen war verheiratet, lebte aber offen promiskuitiv.[29] Nach Kim Walls Tod ließ sich seine Frau von ihm scheiden.[30]

Medien[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bücher:

Filme:

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Peter Madsen – Sammlung von Bildern

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Lars Fogt: Dansker vil sejle jorden rundt i ubåd. In: Avisen.dk. 29. April 2008, abgerufen am 23. August 2017 (dänisch).
  2. Kasper Brøndgaard Andersen: Raket-Madsen: Ingeniørerne skal redde os fra at ende som dinosaurerne. Ingeniøren, 10. Oktober 2010, abgerufen am 23. August 2017 (dänisch).
  3. Peter Madsen’s Freya (Memento vom 14. Februar 2012 im Internet Archive) In: vulcaniasubmarine.com
  4. Pete Madsen’s Kraka (Memento vom 24. Februar 2012 im Internet Archive) In: vulcaniasubmarine.com
  5. Pulse-jet Experiments
  6. Peter Madsen: Debriefing SMARAGD. (Memento vom 2. Februar 2013 im Internet Archive) In: Ingeniøren vom 28. Juli 2012 (dänisch)
  7. Copenhagen Suborbitals: Launch Campaign 2012 (Memento vom 21. Oktober 2013 im Internet Archive), abgerufen am 21. Oktober 2013 (englisch)
  8. Test geglückt: Amateur-Rakete aus dem Baumarkt fliegt 8000 Meter hoch. In: WirtschaftsWoche, 26. Juni 2013.
  9. Mads Wilson: Farvel Peter, goddag til et nyt CS. Ingeniøren, 10. Juni 2014, abgerufen am 22. August 2017 (dänisch).
  10. a b Danske raketbyggere overbooker samme dag til opsendelse. In: Fyens.dk. 2. August 2017, abgerufen am 22. August 2017 (dänisch).
  11. Verschwundene Journalistin: Dänischer U-Boot-Tüftler Madsen unter Verdacht. In: Spiegel Online. 12. August 2017, abgerufen am 12. August 2017.
  12. Rhett Jones: Man Charged With Killing Missing Journalist After Crowdfunded Sub Sinks. In: Gizmodo. 11. August 2017, abgerufen am 12. August 2017 (englisch).
  13. Kopenhagen: Dänischer U-Boot-Kapitän Peter Madsen bleibt in U-Haft. In: Spiegel Online. 14. August 2017, abgerufen am 15. August 2017.
  14. Vermisste schwedische Journalistin laut U-Boot-Besitzer tot. In: tagesschau.de. Abgerufen am 21. August 2017.
  15. Journalistin laut Kapitän tot: Angeblich in einer Bucht bestattet. In: orf.at. 21. August 2017, abgerufen 21. August 2017.
  16. Dieser Kriminalfall hält Dänemark in Atem. In: NWZ online, 23. August 2017.
  17. Verschwundene Journalistin: Polizei findet weiblichen Torso. In: t-online.de. Abgerufen am 22. August 2017.
  18. Von U-Boot verschwundene Journalistin: Frauenleiche aus dänischer Bucht ist Kim Wall. In: Spiegel Online. 23. August 2017, abgerufen am 23. August 2017.
  19. Kim Walls Leiche identifiziert. In: Tagesschau Online, 23. August 2017.
  20. Madsen erklärt, wie Kim Wall starb. In: n-tv.de. 5. September 2017, abgerufen am 11. Oktober 2017.
  21. U-Boot-Kapitän Madsen gibt Leichenschändung zu. In: sueddeutsche.de. 5. September 2017, abgerufen am 11. Oktober 2017.
  22. Ermittler finden Kopf von toter schwedischer Journalistin Kim Wall. In: Spiegel Online, 7. Oktober 2017.
  23. Erfinder Peter Madsen hatte Hinrichtungs-Videos auf dem Rechner. In: Spiegel Online, 3. Oktober 2017.
  24. Madsen gibt Zerstückelung von Leiche zu. In: ORF.at, 30. Oktober 2017.
  25. U-Boot-Bauer wegen Mordes an Journalistin angeklagt. In: Tages-Anzeiger, 16. Januar 2018.
  26. Fall Kim Wall: Immer mehr erschütternde Details zu ihrem Tod kommen ans Licht. In: GMX News. 8. März 2018, abgerufen am 8. März 2018.
  27. Leiche zerstückelt und versenkt – Angeklagter will keine Geschworenen. In: orf.at, 8. März 2018.
  28. Peter Madsen zu lebenslanger Haft verurteilt. 25. April 2018. Abgerufen am 25. April 2018.
  29. Was geschah wirklich im U-Boot? In: Westfalenpost, 9. März 2018.
  30. Erfinder Madsen schrieb Abschieds-SMS. In: n-tv.de. 28. März 2018, abgerufen am 6. April 2018.
  31. Amateurs in Space. film-Rezensionen.de, 5. November 2017.