Petrichor

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Regen

Als Petrichor wird der Geruch von Regen auf trockener Erde bezeichnet.

Das Wort setzt sich aus altgriechisch πέτρα pétrā „Fels, Felsstück“ oder πέτρος pétros „Stein“[1][2][3] und ἰχώρ īchṓr „Blut der Götter[1][2][4] zusammen und wurde 1964 von zwei australischen Forschern der CSIRO, Isabel J. Bear und Richard G. Thomas, in einem Artikel für die Fachzeitschrift Nature geprägt.[5] Im Artikel beschreiben die Autoren, wie der Geruch durch ein Öl entsteht, das bestimmte Pflanzen während Trockenperioden absondern, welches wiederum von Tonböden und Gesteinen absorbiert wird. Während des Regens wird das Öl, zusammen mit einer anderen Verbindung namens Geosmin, in die Luft freigesetzt. Durch die Verbindung entsteht der markante Geruch. In einem Folgebericht zeigten Bear und Thomas 1965, dass das Öl die Keimung von Samen und das frühe Pflanzenwachstum verzögert.[6][1]

In der Forschung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In seinem Buch Life of Marsupials stellte C. Hugh Tyndale-Biscoe die Hypothese auf, dass der Geruch einen Einfluss auf den Östrus (Brunstzyklus) von Kängurus besitzt. In zwei Studien wurde festgestellt, dass sich 65 % der untersuchten weiblichen Kängurus zwei Wochen nach einem Regenschauer in der Brunst befinden. Da die Ovarialfollikel zehn Tage zum Reifen benötigen, erfolgt also eine direkte Reaktion auf den Regenschauer. Tyndale-Biscoe geht davon aus, dass der Geruch durch den Riechnerv einen direkten Reiz an die Hypophyse erzeugt, ähnlich wie Pheromone, und dadurch der Sexualzyklus aktiviert wird. Laut Aussage von Tyndale-Biscoe gibt es dazu jedoch noch keine Untersuchungen.[7]

Auch mit dem Brauch des Erdeessens wird Petrichor in Verbindung gebracht. So beschreibt Sera L. Young in ihrem Buch Craving Earth ethnographische Interviews, bei denen die Testpersonen während ihrer Beschreibung des Geruchs von frisch befeuchteter Erde mit erhöhter Speichelproduktion reagierten. Young sieht Petrichor deshalb als wichtigen Faktor bei der Auswahl für die Eignung des Bodens zum Verzehr.[8]

Forscher des Massachusetts Institute of Technology fanden im Januar 2015 heraus, dass der Regengeruch durch kleine Bläschen hervorgerufen wird, die sich nach Auftreffen der Regentropfen auf einer Oberfläche bilden. Die Bläschen steigen auf und platzen, wodurch sie schließlich aromatische Aerosole freisetzen und den typischen Regengeruch hervorrufen.[9]

Vorkommen in der Popkultur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • In dem Scheibenwelt-Roman Heiße Hüpfer wird mehrmals auf das Volk der Ecksian (analog zu den australischen Aborigines) hinsichtlich der Tatsache verwiesen, dass diese die einzige Kultur auf der Scheibe seien, die ein Wort für „den Geruch, den man nach dem Regen bekommt“ haben.
  • Neil Gaiman erwähnt in seinem Roman American Gods mehrmals den Geruch der Erde nach dem Regen.
  • Das Wort besaß in der Doctor-Who-Folge The Doctor’s Wife (geschrieben von Neil Gaiman) eine Sonderrolle als Teil eines telepathischen Passworts, um einen alten Kontrollraum der TARDIS zu betreten. Dabei musste sich die Figur Amy Pond den „Geruch von trockener Erde nach dem Regen“ vorstellen. In einer späteren Folge der gleichen Staffel sieht man Amy in einer Werbung für ein Parfüm mit dem Namen Petrichor. Die Werbung zeigt ihr Gesicht und eine Parfümflasche mit dem Spruch „Petrichor – Für das Mädchen, das es leid ist, zu warten“. (englisch: „Petrichor – For the girl who’s tired of waiting“)
  • In Barton Bishops Theaterstück Still the River Runs diskutieren die Brüder Jesse und Wyatt ein markantes Aroma, welches Wyatt als Petrichor identifiziert.
  • In Kingdoms of Amalur: Reckoning gibt es einen Gegenstand namens Petrichor.
  • Ein Track des deutschen Rappers Tua auf der Bonus-EP „(R)evia“ (2014) trägt den Titel Petrichor, es fließt auch als Metapher in den Songtext mit ein.
  • Die US-amerikanische Sängerin und Internet-Persönlichkeit Poppy nennt Petrichor als eine ihrer Inspirationen.
  • Petrichor ist der Name eines Ende 2017 veröffentlichten Brettspiels. In diesem steuert man Wolken und beeinflusst das Wetter.[10]
  • Im 2018 erschienenen deutschen Roman Wo die Dünen schimmern von Patricia Koelle versucht die Protagonistin den Geruch von Petrichor in einer Bodylotion festzuhalten, die dadurch wohltuend und heilend für die Seele wirken soll.[11]
  • Auf dem 2018 erschienenen Album Dornenvögel der österreichischen Post-Black-Metal-Band Karg trägt ein Song den Titel Petrichor.
  • Im Album Elements (2015) von Ludovico Einaudi ist der Name des ersten Titels Petricor.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b c The Smell of Rain. In: Weatherwise. Band 33, 1980, S. 91, doi:10.1080/00431672.1980.9931898 (Leserbrief; anscheinend stammt der abgedruckte Text ursprünglich aus einer von der CSIRO herausgegebenen Zeitschrift: Ecos, Ausgabe vom Februar 1976, S. 32).
  2. a b Anu Garg: petrichor. In: Wordsmith.org. Abgerufen am 1. Mai 2020 (englisch).
  3. Hjalmar Frisk: Griechisches etymologisches Wörterbuch II, Heidelberg 1970, S. 522 f.
  4. Hjalmar Frisk: Griechisches etymologisches Wörterbuch I, Heidelberg 1960, S. 747.
  5. I.J. Bear, R.G. Thomas: Nature of Argillaceous Odour. In: Nature. Band 201, März 1964, S. 993–995, doi:10.1038/201993a0 (englisch): “The diverse nature of the host materials has led us to propose the name ‘petrichor’ for this apparently unique odour which can be regarded as an ‘ichor’ or ‘tenuous essence’ derived from rock or stone […] it does not imply that petrichor is necessarily a fixed chemical entity but rather it denotes an integral odour, variable within a certain easily recognizable osmic latitude.”
  6. I.J. Bear, R.G. Thomas: Petrichor and Plant Growth. In: Nature. Band 207, September 1965, S. 1415–1416, doi:10.1038/2071415a0 (englisch).
  7. Tyndale-Biscoe, C. Hugh: Life of marsupials, Csiro Publishing, Australien 2005, S. 324, ISBN 9780643062573.
  8. Young, Sera L.: Craving Earth: Understanding Pica, the Urge to Eat Clay, Starch, Ice, and Chalk, Columbia University Press, Columbia 2011, S. 6, ISBN 9780231146081.
  9. „So kommt der Regengeruch zustande“ N24, abgerufen am 20. Januar 2015.
  10. brettspiel-news.de: „Petrichor“ erscheint nun beim Schwerkraft Verlag
  11. Patricia Koelle: Wo die Dünen schimmern. Fischer Taschenbuch, 4. Aufl. 2018, 528 S. ISBN 9783596297634