Speichel

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Speichel (lateinisch saliva; veraltet Geifer, Sabber oder Sabbel; alltagssprachlich meist Spucke) ist das Sekret der Speicheldrüsen. Diese Körperflüssigkeit wird von Tieren und auch vom menschlichen Organismus produziert. Die Produktionsstätten des Speichels befinden sich im Bereich der Mundhöhle. Für das Sekret der Bauchspeicheldrüse ist der Begriff Speichel nicht mehr üblich, im Folgenden ist mit „Speichel“ immer der Mundspeichel gemeint. Die Speichelbildung wird in der medizinischen Fachsprache Salivation genannt.

Sekretion[Bearbeiten]

Speichel wird im Mund von den kleinen Speicheldrüsen, die sich in der Mundschleimhaut befinden, und den großen Speicheldrüsen

gebildet. Je nach sezernierender Drüse ist der dort gebildete Speichel eher wässrig-dünnflüssig („serös“) oder eher schleimig-zähflüssig (mukös). In der Mundhöhle findet man ein Gemisch dieser verschiedenen Speichelarten vor. Pro Tag sezerniert der erwachsene Mensch insgesamt etwa 0,6 bis 1,5 Liter Speichel, auch ohne Nahrungsaufnahme wird ständig Speichel abgesondert. Diese „Basalsekretion“ beträgt etwa einen halben Liter pro Tag.[1]

Zusammensetzung des menschlichen Mundspeichels[Bearbeiten]

Speichel besteht zu etwa 99,5 % aus Wasser und enthält etwa 0,5 % gelöste Bestandteile.

Menschlicher Speichel auf dem Gehweg.

Unter diesen sind hervorzuheben: Muzin (ein Polysaccharidgemisch), diverse Proteine und beim Menschen und manchen Tieren auch ein Verdauungsenzym (diastatisches Ferment), die α-Amylase Ptyalin. Unter den Proteinen ist ein stark schmerzstillendes Opiorphin nachgewiesen worden, welches vermutlich den Abbau körpereigener Opiate hemmt, die an der Schmerzwahrnehmung beteiligt sind.[2] Weitere Substanzen sind Calcium-Ionen, Kalium, Natrium und Chlorid. Spuren von Fluorid und Rhodanid sind für die Erhaltung des Zahnschmelzes wichtig. Bestandteile der Blutgruppen und Antikörper, das Immunglobulin A (IgA).

Der pH-Wert liegt bei Ruhesekretion zwischen 6,5 und 6,9, nach Stimulation steigt er auf etwa 7,0 bis 7,2[3] an, da durch den schnelleren Abfluss des Speichels weniger Zeit bleibt, aus dem zunächst plasmaisotonen Speichel Natrium-Ionen rückzuresorbieren.

Funktion[Bearbeiten]

Der Mundspeichel des Menschen befeuchtet zunächst die Mundhöhle, was das Schlucken, Sprechen und Schmecken erst möglich macht und auch das Riechen beeinflusst. Weiterhin hat der Speichel durch enthaltene Stoffe wie Lysozym, Immunglobulin A, Laktoferrin und Histatin antibakterielle Wirkung. Histatin fördert zusätzlich noch die Wundheilung.

Der Mundspeichel löst die löslichen Substanzen der Nahrungsmittel auf, mischt sich mit den trockenen Speisen zu einem feuchten Brei (Chymus) und macht diese somit zum Schlucken wie für die Magenverdauung geeignet; schließlich leitet er durch seinen Gehalt an Ptyalin die Verdauung der Kohlenhydrate ein. Diese Funktion des Speichels hat aber nicht immer physiologische Bedeutung, da das Ptyalin kaum Zeit zur Entfaltung seiner Wirkung hat, bis es im sauren Magen schon wieder inaktiviert wird (Inaktivierung bei pH < 4[3]).

Die im Mundspeichel enthaltenen Haptocorrine ermöglichen zusammen mit dem intrinsischen Faktor des Magens die Absorption von Vitamin B12.

Speichel ist aber auch zur Gesunderhaltung der Zähne wichtig. Bei verminderter Speichelproduktion (z. B. durch Bestrahlung) lässt sich eine erhebliche Steigerung des Kariesrisikos beobachten. Bekanntestes Beispiel ist das Nursing-Bottle-Syndrom bei Kleinkindern (Fläschchen-Karies oder auch early childhood caries), das auftritt, wenn Kleinkindern – vor allem nachts, wenn die Speichelproduktion vermindert ist – gesüßter Tee oder Brei verabreicht wird.

Die verbreitete Nutzung von Speichel zur provisorischen Wundreinigung und -desinfektion ist aufgrund der ebenfalls im Speichel enthaltenen Mundflora nur bei einer Selbstversorgung unbedenklich. Letztere ist individuell auf die jeweils eigenen Essgewohnheiten eingestellt und kann bei anderen Menschen zu einer lebensbedrohlichen Sepsis führen. Bei der Wundreinigung bzw. -behandlung mit (eigenem) Speichel ist aufgrund der darin enthaltenen Enzyme auch von einem Einfluss auf die Heilung und Schmerzverarbeitung auszugehen (s. o: Zusammensetzung, schmerzstillendes Opiorphin).[4]

Bei den Wiederkäuern spielt die Pufferfunktion des Speichels (durch HCO3- und Phosphate) eine entscheidende Rolle bei der Pufferung der durch die Vergärung im Pansen entstehenden Fettsäuren auf ein neutrales Niveau. Bei unzureichendem Wiederkauen wird der Panseninhalt sauer (Pansenazidose) und seine Wände werden durchlässig für Toxine.

Störungen der Speichelmenge[Bearbeiten]

Ein zeitweise verstärkter Speichelfluss (Hypersalivation) wird zumeist auf dem Wege des bedingten Reflexes (reflektorischer Weg) durch bestimmte äußere Einflüsse hervorgerufen. Dieser Reflexweg ist eine zeitlich aufeinander abgestimmte Abfolge von Reizungen verschiedener Nerven und ihrer Rezeptoren:

  • Schmecken: Reizung der Geschmacksknospen durch in die Mundhöhle eingeführte Geschmacksstoffe
  • Tasten: Reizung der Tastnerven der Mundhöhle
  • Riechen: Reizung der Geruchsnerven in den Nasenhöhlen
  • Sehen: Reizung der Sehnerven in den Augenhöhlen
  • Reizung der Magen- und Darmnerven im Verdauungstrakt

Ebenso kann große Wut oder sonstige Erregung zu einer vermehrten Speichelabsonderung führen.

Mundtrockenheit (Xerostomie) kann krankheitsbedingt (z. B. infolge Sjögren-Syndrom) oder therapiebedingt (z. B. als Folge einer Strahlentherapie) oder verhaltensbedingt (z. B. zu wenig Trinken oder nach Einnahme bestimmter Medikamente und Rauschdrogen) oder altersbedingt auftreten. Neben den direkten (unangenehmen) Folgen leidet meist die Zahngesundheit (häufige Folge ist Zahnkaries) in Abwesenheit der schützenden Begleitstoffe des normalen Speichelflusses.[5][6]

Soziologische Aspekte[Bearbeiten]

Das Anspucken einer Person ist eine große Demütigung. Deshalb wird es in vielen Sportarten wie z. B. beim Fußball als unsportliches Verhalten geahndet. Es wird auch als eine Technik der Erniedrigung des BDSM-Spiels von Dominanten benutzt.

Unter „Geifern“ oder „Sabbern“ versteht man in der Umgangssprache das Herausspritzen eines feinen Speichelstrahls aus dem Mund. Das passiert meist unkontrolliert beim Gähnen oder beim weiten Öffnen des Mundes. Manche Menschen können dies absichtlich herbeiführen.

Rechtliche Aspekte[Bearbeiten]

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Hinweisschild (Herkunft und Datum unbekannt)

Spucken in der Öffentlichkeit ist grundsätzlich rechtlich zulässig. Das Anspucken oder gar das starke Anhauchen[7] erfüllt den Tatbestand der Beleidigung nach § 185 StGB. Die Frage des Anspuckens von Gegenständen ist rechtlich nicht abschließend geklärt. Weiterhin kann für das Spucken in öffentlichen Zonen, wie z. B. Bahnhöfen, ein Ordnungsgeld auf Grundlage des Hausrechts verlangt werden.

Rechtshinweis Bitte den Hinweis zu Rechtsthemen beachten!

Siehe auch[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

 Wiktionary: Speichel – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen
 Commons: Speichel – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
 Wikiquote: Speichel – Zitate

S2k-Leitlinie Hypersalivation der Deutsche Gesellschaft für Hals-Nasen-Ohren-Heilkunde, Kopf- und Hals-Chirurgie. In: AWMF online (Stand 2013)
W. Buchalla, Speichel – Zusammensetzung und Funktion eines oft unterschätzten Helfers in zm, 08/2013

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1.  Robert F. Schmidt (Hrsg.), Florian Lang (Hrsg.), Gerhard Thews (Hrsg.): Physiologie des Menschen mit Pathophysiologie. 29. Auflage. Springer, Heidelberg 2005, ISBN 3-540-21882-3, S. 847.
  2. Anne Wisner et al.: Human Opiorphin, a natural antinociceptive modulator of opioid-dependent pathways Published online before print November 13, 2006 Proc. Natl. Acad. Sci. USA, 10.1073/pnas.0605865103
  3. a b  Robert F. Schmidt (Hrsg.), Florian Lang (Hrsg.), Gerhard Thews (Hrsg.): Physiologie des Menschen mit Pathophysiologie. 29. Auflage. Springer, Heidelberg 2005, ISBN 3-540-21882-3, S. 848.
  4. Arbeitsgemeinschaft Zahngesundheit: Der Speichel
  5. Krebsinformation zur Mund- und Zahnpflege des dkfz
  6. Patienteninformation der Bundesärztekammer (PDF)
  7. BGHSt Urteil des 4. Strafsenats vom 5. März 2009, Az. 4 StR 594/08