Petrus Lotichius

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Petrus Lotichius (I.), eigentlich Peter Lotz (* November 1501 in Niederzell-Schlüchtern; † 23. Juni 1567 in Hanau) war Abt des Klosters Schlüchtern.

Herkunft[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Petrus Lotichius wurde als Sohn des Klosterbauern Hen Lotz des Älteren (* um 1470) geboren und änderte seinen Namen später, wie damals üblich, in die lateinische Form „Loticius“ um. 1548 änderte er ihn auf Rat von Philipp Melanchthon erneut in „Lotichius“. Viele Mitglieder seiner Familie behielten diese latinisierte Form bei, so auch seine Neffen

Wirken[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Als fahrender Schüler besuchte Peter Lotz unter anderem die „gemeine Schul“ in Leipzig und trat 1517 in das Benediktinerkloster Schlüchtern ein. Er wurde 1523 von Konrad II. von Thüngen, dem Bischof von Würzburg, zum Priester geweiht. 1525 musste der ganze Konvent vor aufständischen Bauern in die Untergrafschaft der Grafschaft Hanau-Münzenberg fliehen. Im gleichen Jahr wurde Lotichius Stadtpfarrer von Schlüchtern. Am 31. März 1534 wurde er zum Abt des Klosters gewählt und vom Bischof von Würzburg benediziert.

Reformen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Als Abt wandelte Lotichius das Kloster ab 1540 in eine Bildungsstätte für kirchlichen Nachwuchs um. Daraus entwickelte sich in der Folge eine Lateinschule, die wiederum der Vorgänger des heutigen Ulrich-von-Hutten-Gymnasiums war. Vermittelt durch Michael Beuther, den Sohn eines Würzburgischen Beamten, kam Lotichius in Kontakt mit Philipp Melanchthon, mit dem er ein Leben lang verbunden blieb, der ihn hinsichtlich der Schule im Kloster Schlüchtern beriet und ihn auch besuchte.[2] In einem weiteren Schritt entsandte er sieben seiner besten Schüler 1544 zum Studium der Theologie an die Philipps-Universität nach Marburg. In der Folge immatrikulierte er sich dort selbst. Dort schloss er Freundschaften mit mehreren Professoren, so dem calvinistischen Theologen Andreas Hyperius, mit dem er einen regen Briefwechsel führte.

1543 schloss sich Lotichius mit dem gesamten Konvent der Reformation an, indem er am Pfingstfest auch Laien die Kommunion unter beiderlei Gestalt reichte. Letzteres war in der römisch-katholischen Kirche dem Priester vorbehalten. Lotichius zeigte das dem Bischof in Würzburg an. Erst als Petrus Lotichius auch Ordinationen durchführte, exkommunizierte man ihn. Im November 1548 wurde die Exkommunikation wieder aufgehoben.

In den ersten Jahren konnte der Bischof in Würzburg wenig gegen die Reformation in Schlüchtern ausrichten. Nachdem durch die Schlacht bei Mühlberg 1547 die römisch-katholische Seite in Deutschland gestärkt war, musste Petrus Lotichius sich in Würzburg verantworten. Er widerrief nicht, gab nur zu, dass er sich geirrt habe, als er Ordinationen durchführte, weil dafür allein der Bischof zuständig sei. Auch wegen des Klosterzehnten geriet Lotichius mit dem Bischof in Konflikt, was schließlich den vollständigen Bruch herbeiführte. Die Situation nutze die Landesherrschaft, das war damals die Vormundschaft für den noch minderjährigen Grafen Philipp III. von Hanau-Münzenberg, die selbst der Reformation anhing, und dem Kloster gegen Würzburg Schutz gewährte. Zugleich dehnte die Vormundschaft die Landesherrschaft auf das Kloster aus.

Seit 1563 war Lotichius’ Neffe, Christian Lotichius, sein Koadjutor, und Peter Lotichius verzichtete zwei Jahre später auf das Amt des Abtes.

Tod[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Petrus Lotichius starb am 23. Juni 1567 in Hanau und wurde zwei Tage später in der Klosterkirche in Schlüchtern begraben. Während der Besetzung des Klosters durch den Bischof von Würzburg im Dreißigjährigen Krieg wurde sein Grabstein zerschlagen, die erhaltenen, zusammengesetzten Bruchstücke wurden in der Katharinenkapelle aufgestellt. Er zeigt den Abt stehend im Gelehrtengewand mit den Abzeichen der geistlichen Würde, die Hände fassen das Neue Testament. Auf dem Sockel steht in Lateinisch: „Dieser Stein zeigt das Bild des berühmten Lotichius, der zuerst die reine Lehre in dieser Kirche einführte. Fromm hat er sein am Ziel angelangtes Leben beschlossen“.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Aschkewitz, S. 763f.
  2. Peter Gbiorczyk: Die Beziehungen Philipp Melanchthons zur Grafschaft Hanau. In: Neues Magazin für Hanauische Geschichte 2014, S. 2–60 (14–24).