Petrus Martyr von Anghiera

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Frontispiz von De orbe novo
Karte der Neuen Welt von Petrus Martyr, 1511; Faksimile nach Justin Winsor: Narrative and critical history of America, Volume 2, 1889

Petrus Martyr von Anghiera, italienisch Pietro (Martire) d’Anghiera oder Pietro d’Anghera, lateinisch Petrus Martyr Anglerius (* 2. Februar 1457 in Arona, gegenüber von Anghiera, am südlichen Lago Maggiore; † 1526 in Granada), war ein italienischer Mönch, Prior der Kathedrale von Granada und Geschichtsschreiber sowie Freund und Chronist von Columbus. Er veröffentlichte die erste Darstellung der Entdeckung Amerikas mit Beschreibung der Bräuche der dort angetroffenen Einwohner sowie der Flora und Fauna, wie er sie den Berichten der von dort zurückkehrenden Forschungsreisenden entnommen hatte. Möglicherweise hatte er auch als Erster über das Pfeilgift Curare[1][2] berichtet.

Pietro, getauft auf den Märtyrernamen Petrus Martyr, stammte nach eigenen Angaben aus dem Geschlecht der Markgrafen von Anghiera, dem heutigen Angera in Nordwestitalien. Er ging, nachdem er einige Jahre am Herzogshof von Mailand verbracht, sich ab seinem 20. Lebensjahr in Rom Bildung, Gönner und die Freundschaft des Kardinals Ascanio Sforza erworben, dort als Sekretär des römischen Statthalters Francisco Negro gearbeitet hatte und für seine Gelehrsamkeit bekannt geworden ist, 1487 an den spanischen Hof, wo er als Gelehrter bald die Gunst Ferdinands und Isabellas gewann.

1492 nahm er die Weihen und wurde Kanonikus an der Kathedrale von Granada, bald darauf wurde er am Hof Isabellas von dem Kardinal Pedro González de Mendoza mit der Leitung der Hofschule für die jungen Granden betraut und zum königlichen Kaplan ernannt.

Eine erste diplomatische Mission führte ihn 1497 nach Rom und 1501 reiste er als spanischer Botschafter über Venedig nach Alexandria an den Hof des Sultans von Ägypten, wo er auch Kairo besuchte. Er wurde anschließend Prior des Domkapitels in Granada, päpstlicher Protonotar und Mitglied des hohen Rats von Indien. Im Jahr 1520 war Petrus Martyr zm Historiographen von Karl V. ernannt worden. 1524 wurde er als Abt von „Santiago“ designierter Bischof von Jamaika. Er starb, an einem Leberleiden erkrankt, Ende 1526 in Granada, wo im Juni desselben Jahres der spanische Hofstaat Einzug gehalten hatte.[3]

Werke[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • De Orbe Novo Decades ist eine umfassende Beschreibung der Entdeckung Amerikas durch die Spanier. Die erste Dekade wurde ohne Petrus Martyrs Einvernehmen bereits 1511 in Sevilla gedruckt, die erste autorisierte Fassung (De Rebus Oceanicis et Novo Orbe) erschien hingegen erst 1516 in Alcalá. Eine frühe italienische Übersetzung der ersten drei Dekaden erschien bereits 1504 unter dem Titel Libretto de tutta la navigatione de Re de Spagna de le Isole et terreni novamente trovati bei Albertino da Lessona in Venedig, sie ging auch in die von Fracanzano da Montalboddo herausgegebene Anthologie Paesi novamente retrovati (Vicenza, 1507) ein. Die Übersetzung geht auf Angelo Trevisan, den Sekretär des venezianischen Botschafters am spanischen Hof zurück.[4]
  • Opus epistolarum (Alcalá 1530, Amsterdam 1670) liefert als Werk für die romanische Zeitgeschichte der Jahre 1488–1525 die wertvollsten Materialien.
  • De legatione babylonica libri III (1516) schildert Martyrs Abenteuer in Ägypten.

Ausgaben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Acht Dekaden über die neue Welt, hrsg. von Hans Klingelhöfer, 2 Bände, Darmstadt 1972–1976, ISBN 3-534-05703-1.
  • De orbe novo decades I-VIII, hrsg. von Rosanna Mazzacane, 2 Bände, Genua 2005.
  • De Orbe Novo. Translated from the Latin, with notes and introduction by Francis Augustus MacNutt. G. P. Putnam′s Sons, New York 1912.
  • Geoffrey Eatough (Hrsg.): Selections from Peter Martyr (= Repertorium Columbianum, Bd. 5). Brepols, Turnhout 1998, ISBN 2-503-50790-5 (kritische Teiledition von De orbe novo mit englischer Übersetzung und Kommentar; im Anhang einige Briefe)

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Norbert Ankenbauer: „das ich mochte meer newer dyng erfaren“. Die Versprachlichung des Neuen in den Paesi novamente retrovati (Vicenza, 1507) und in ihrer deutschen Übersetzung (Nürnberg, 1508). Frank & Timme, Berlin 2010.
  • Martin Biersack: Mediterraner Kulturtransfer am Beginn der Neuzeit. Die Rezeption der italienischen Renaissance in Kastilien zur Zeit der katholischen Könige. München 2010, ISBN 978-3-89975-196-3.
  • Albert Faulconer, Thomas Edward Keys: Pietro Martire d’Anghiera. In: Foundations of Anesthesiology. Charles C Thomas, Springfield (Illinois) 1965, S. 1133 und 1135 f.
  • Ursula Hecht: Der „Pluto furens“ des Petrus Martyr Anglerius. Dichtung als Dokumentation (= Studien zur klassischen Philologie, Bd. 70). Peter Lang, Frankfurt am Main 1992, ISBN 3-631-44938-0 (enthält Edition und Übersetzung des Pluto furens).

Anmerkungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Peter of Anghiera: De Orbe Novo. Translated from the Latin, with notes and introduction by Francis Augustus MacNutt. G. P. Putnam′s Sons, New York 1912, Band 2, S. 385 f.
  2. Albert Faulconer, Thomas Edward Keys: Pietro Martire d’Anghiera. 1965, S. 1136 (Curare).
  3. Albert Faulconer, Thomas Edward Keys: Pietro Martire d’Anghiera. In: Foundations of Anesthesiology. Charles C Thomas, Springfield (Illinois) 1965, S. 1135 (Pietro Martire d’Anghiera).
  4. Vgl. Ankenbauer (2010), S. 94–97.
Meyers Dieser Artikel basiert auf einem gemeinfreien Text aus Meyers Konversations-Lexikon, 4. Auflage von 1888 bis 1890.
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