Pfarrkirche Hallein

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Kath. Dekanatskirche hl. Antonius Eremit in Hallein
vom Langhaus zum Chor

Die römisch-katholische Dekanatspfarrkirche Hallein steht im Ort Hallein in der Stadtgemeinde Hallein im Bezirk Hallein im Land Salzburg. Die Pfarrkirche zu den hll. Antonius Eremit und Hieronymus gehört zum Dekanat Hallein in der Erzdiözese Salzburg. Das Patrozinium wird am Antoniustag, dem 17. Jänner, gefeiert.[1] Die Kirche steht unter Denkmalschutz.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Stadtpfarrkirche Hallein in Brand 1943. Im Vordergrund das Egglauer Schlössl
Stadtpfarrkirche Hallein in Brand 1943
Freigelegter Pestfriedhof im Kirchenboden unterhalb der Gruberorgel. Renovierungsarbeiten 2005
Romanik

Der romanische Kirchenbau dürfte in den letzten Jahren des 12. Jahrhunderts errichtet worden sein, als sich die Siedlung "Mühlbach" durch die wachsende Bedeutung des Halleiner Salzbergwerks rasch auszudehnen begann. Diese Kirche wurde 1206 erstmals urkundlich erwähnt. Im 13. Jahrhundert wurde ein sechsgeschossiger Turm angebaut. Eine weitere urkundliche Erwähnung ist mit 1347 datiert.[2]

Gotik

Bis 1533 war die Kirche dem Stift St. Peter inkorporiert. Am Ende des 14. Jahrhunderts erfolgte unter Pfarrer Eberhard Pachmayer ein Umbau im gotischen Stil. Der Grundriss blieb unverändert, die hölzernen Flachdecken tauschte man gegen ein Rippengewölbe aus. Anstelle der romanischen Apsis wurde ein hoher Quadratischer Chor mit 3/8-Schluss und darunterliegender Krypta errichtet.

Klassizismus

Nachdem der Entwurf eines Halleiner Baumeisters abgelehnt wurde, entstand von 1769 bis 1775 nach den Plänen des Architekten Wolfgang Hagenauer der Neubau. Das Kirchenschiff wurde um 10 Meter nach Westen über einen Pestfriedhof verlängert. Der Kirchenraum erhielt zwei weitgespannte Kuppelgewölbe, wodurch die Seitenschiffe mit den Pfeilerreihen wegfielen. Der Chor mit darunterliegender Krypta, Teile der Außenmauern und der Turm wurden in den Neubau integriert. 1787 erhielt der romanische Turm eine Turmkuppel, das alte Spitzdach war zu erneuern. Entworfen wurde das Turmdach von Wolfgang Hagenauer. Nachdem alle neuen Altäre der Kirche fertiggestellt waren, wurde die Kirche am 25. Mai 1800 vom Fürstbischof von Chiemsee, Sigmund Christof Graf Zeil, neu konsekriert.

Großbrand 1943

Bei dem Großbrand, der am 22. März 1943 vom Augustinerkloster Hallein ausging, wurde der Dachstuhl der Stadtpfarrkirche vernichtet und der Kirchturm schwer in Mitleidenschaft gezogen, dieser stürzte in Folge der enormen Hitzeeinwirkung auf das romanische Mauerwerk im Jahr 1945 ein. In den Jahren 1953/1954 erfolgte eine Kirchenrestaurierung.[3]

Neuer Kirchturm und neue Glocken

1965 erhielt Hallein wieder einen Kirchturm nach Plänen des Architekten Jakob Adlhart, das Relief, signiert mit JA 66, über dem Portal ist von dessen Vater Jakob Adlhart (Bildhauer).

Die Glockengießerei Oberascher fertigte im Jahr 1968 alle sechs Glocken für den neuen Kirchturm. Als Motiv weisen diese eine "Moll-Mischform" auf. In der Glockenstube befinden sich die Salvatorglocke (168, 1 cm, 3109 kg, h°), die Rupertusglocke (140, 2 cm, 1850 kg, d´), die Schutzmantelmadonnaglocke (126,1 cm, 1258 kg, e´), die Antoniusglocke (112, 1 cm, 884 kg, fis´), die Thomasglocke (94,9 cm, 528 kg, a´) und die Josefsglocke (84,2 cm, 364 kg, h´).

Pestmassengrab

2005 bis 2006 wurden im Inneren der Stadtpfarrkirche Renovierungsarbeiten durchgeführt. Renoviert wurden der Boden der Kirche (leider konnten dabei die erhofften Eingänge zur Krypta nicht entdeckt werden), die Kirchenbänke und Beichtstühle sowie die Seitenaltäre. Neue elektrische Anlagen und eine Heizung wurden installiert.

Bei den Bodengrabungen wurden im hinteren Bereich des Kirchenraums 200 menschliche Skelette freigelegt, die im Jahr 1597 außerhalb der gotischen Kirche am Westportal bestattet wurden. Bei diesem Massengrab handelte es sich um den ersten dokumentierten Pestfriedhof des Landes Salzburg, auch zahlreiche Kinder waren unter den Opfern dieser Pestepidemie.

Architektur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der einschiffige klassizistische Saalbau mit einem gotischen Chor mit Krypta hat einen Nordturm der Moderne.

Ausstattung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Hochaltar von 1799 mit einem Marmor-Aufbau baute Johann Anton Högler. Das Hochaltarblatt Anbetung der Hirten malte Andreas Nesselthaler. Die seitlichen Konsolfiguren Antonius Eremit und Hieronymus schuf Franz Xaver Nißl. Der Tabernakel ist von 1880. Die Seitenaltäre mit Marmoraufbauten schuf Johann Doppler (um 1790).

Orgeln[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Chororgel[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Kirche besaß bis 1879 eine Chororgel, Franz Xaver Gruber jun. schrieb 1870: „Im Presbyterium steht ein Positiv mit 4 Registern.“[4] Das Positiv wurde 1879 von Dechant (1872–1903) Johann Bap. Moser (* 25. Mai 1814 in Köstendorf; † 12. März 1903 in Hallein) um 50 Gulden nach Scheffau verkauft.[5]

„Gruber-Orgel“[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

„Gruber-Orgel.“ Inschrift:
Laudate Eum [in] Chordis & Organo[6]

Die Orgel wurde 1704 geschaffen und stammte wahrscheinlich von Christoph Egedacher. Das Gehäuse fertigte der Halleiner Tischler Jacob Daigl um 80 Gulden, 1707 wurden Gehäuse und Schleierbretter vergoldet.[7] Sie hatte 13 Register auf zwei Manualen und Pedal, wie bei den meisten Orgeln Egedachers war das Zifferblatt einer Uhr Bestandteil des Orgelprospektes. 1837 erweiterte Karl Mauracher die Orgel auf 19 Register, wobei er allein für das Hauptwerk zehn Stimmen vorsah. Für das Positiv reichte das Geld nicht mehr aus und er erneuerte nur die „wurmstichige Flöte“.[8]

Franz Xaver Gruber war ab 1833 Regens chori und Organist an der Stadtpfarrkirche Hallein und verfolgte, „seit längerer Zeit schon die Gebrechen der Orgel bemerkend“, einen Umbau nach seinen Intentionen. Er wandte sich u. a. an Matthäus Mauracher, der eine neue Orgel schuf, Gruber erlebte deren Fertigstellung 1864 nicht mehr.

1962/1963 veränderte die Firma Dreher & Reinisch die Matthäus Mauracher-Orgel grundlegend und baute eine elektropneumatischen Traktur ein, 2018 ersetzte Rieger Orgelbau sie komplett, lediglich das Orgelgehäuse wurde beibehalten.[9] Am 25. November 2018 fand die Orgelweihe statt.

Disposition Rieger-Orgel 2018[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Hauptwerk C–g3
Bourdun 16′
Principal 8′
Viola Baritona 8′
Rohrflöte 8′
Philomela 8′
Octave 4′
Flauto dolce 4′
Quinte 223
Superoctave 2′
Mixtur IV 113
Cornett II-V 8′
Trombone 8′
Oberwerk C–g3
Geigenprincipal 8′
Salicional 8′
Unda maris 8′
Liebl. Gedeckt 8′
Fugara 4′
Flauto traverso 4′
Nasard 223
Octavino 2′
Terz 135
Bassklarinette 16′
Oboe 8′
Tremulant
Pedal C–f1
Subbass 16′
Violonbass 16′
Octavbass 8′
Bassflöte 8′
Superoctave 4′
Bombardon 16′
Posaune 8′
  • Koppeln: II/I, I/P, II/P.
  • Spielhilfen: Rieger Setzersystem, Sequenzerschaltung, Kopierfunktion, Wiederholungsfunktion, Generalabsteller

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Hallein, Dekanatskirche hl. Antonius Eremit, Dechanthof. In: Die Kunstdenkmäler Österreichs. Dehio Salzburg 1986. S. 141–143.
  • Österreichische Kunsttopographie 20. Die Denkmale des politischen Bezirkes Hallein. (ÖKT 20) Hg. vom Kunsthistorischen Institute der Bundesdenkmalamtes. Wien/Augsburg/Köln 1927.
  • Franz Xaver Gruber: Chronologisch-statistische Beschreibung der Stadt Hallein und ihrer Umgebung. Ein Beitrag zur Heimatkunde. Verlag von M. Glonner (Duyle’sche Buchhandlung am Mozartplatz), Salzburg 1870.
  • Gerhard Walterskirchen: „… Weil der Organist doch immer am besten versteht, was sein Bedarf ist.“ Ein unbekanntes Orgelgutachten von Franz Xaver Gruber. In: De Editione Musices. Festschrift Gerhard Croll zum 65. Geburtstag. Hrsg. Wolfgang Gratzer, Andrea Lindmayr. Salzburg 1992, S. 339–347.
  • Gruber & Mohr. Festival 2018. gruber and more. Festschrift & Programmheft. Hrsg. vom Halleiner Puppentheater. Oberalm 2018.
  • Fritz Moosleitner: Hallein – Portrait einer Kleinstadt. Bilddokumente zur Bau- und Kulturgeschichte der Salinenstadt. Hrsg. Ortsbildschutzkommission der Stadt Hallein in Zusammenarbeit mit dem Keltenmuseum Hallein. Mitarbeit von Fritz Koller, Linde Moldan, Anton Puttinger, Christa Svoboda, Friederike Zaisberger, Kurt Zeller. Hallein 1989.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

SalzburgWiki: Stadtpfarrkirche zu den Hll. Antonius Er. und Hieronymus

Commons: Stadtpfarrkirche St. Anton (Hallein) – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Fußnoten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Personalstand der Welt- und Ordens-Geistlichkeit der Erzdiözese Salzburg für das Jahr 1957 (Schematismus 1957). Hg. vom Erzbischöflichen Ordinariat Salzburg. 1957, S. 187.
  2. Fritz Moosleitner: Hallein – Portrait einer Kleinstadt. Bilddokumente zur Bau- und Kulturgeschichte der Salinenstadt. Hrsg. Ortsbildschutzkommission der Stadt Hallein in Zusammenarbeit mit dem Keltenmuseum Hallein. Mitarbeit von Fritz Koller, Linde Moldan, Anton Puttinger, Christa Svoboda, Friederike Zaisberger, Kurt Zeller. Hallein 1989, S. 102.
  3. Fritz Moosleitner: Hallein – Portrait einer Kleinstadt. Bilddokumente zur Bau- und Kulturgeschichte der Salinenstadt. Hrsg. Ortsbildschutzkommission der Stadt Hallein in Zusammenarbeit mit dem Keltenmuseum Hallein. Mitarbeit von Fritz Koller, Linde Moldan, Anton Puttinger, Christa Svoboda, Friederike Zaisberger, Kurt Zeller. Hallein 1989, S. 104.
  4. Franz Xaver Gruber: Chronologisch-statistische Beschreibung der Stadt Hallein und ihrer Umgebung. Salzburg 1870, S. 64.
  5. Der Gollinger Pfarrer (1879–1885) Franz Xaver Lechner bat das Konsistorium: „Laut gütigster Mittheilung von Seiten [...] des Dechants von Hallein Johann B. Moser wäre die dort sich befindliche kleine Orgel durch Ankauf von 50 fl zu empfangen und nach Angaben entsprechend für eine kleine Kirche. Da in der Filialkirche zu Scheffau, die bestehende Orgel recht schadhaft, fast unbrauchbar wird und auf jeden Fall deren Renovierung für das Vermögen der armen Kirche kostspielig würde, so möchte gehorsamst gefertigte f. e. Kirchenverwaltung [...]“. Das Ansuchen wurde mit Schreiben vom 19. August 1879 bewilligt; AES: Golling, Kasten 6, Fach 104, Faszikel 2 (Kopie aus Oeconomica 6/102).
  6. „Preist ihn mit Saiten- und Orgel-[Spiel]“; Aus dem vierten Vers von Psalm 150.
  7. Österreichische Kunsttopographie 20: Die Denkmale des politischen Bezirkes Hallein. (ÖKT 20). Hg. vom Kunsthistorischen Institute des Bundesdenkmalamtes. Wien/Augsburg/Köln 1927, S. 88.
  8. Walterskirchen: „… Weil der Organist doch immer am besten versteht, was sein Bedarf ist.“. Salzburg 1992, S. 340.
  9. Hallein, Kath. Stadtpfarrkirche Hallein, aufgerufen am 20. November 2018.

Koordinaten: 47° 40′ 49,9″ N, 13° 5′ 31,5″ O