Pharmazie-Historisches Museum der Universität Basel

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Blick vom Nadelberg in das Totengässlein, im Zentrum das Pharmaziemuseum der Universität Basel im «Haus zum Sessel»

Das Pharmaziemuseum der Universität Basel zeigt in seiner Dauerausstellung die Geschichte der Heilmittel und ihrer Herstellung. Als universitäre Studien- und Belegsammlung wurde das Museum 1924 gegründet von Prof. Josef Anton Häfliger (1873–1954) und ist in seiner ursprünglichen Form als wissenschaftliches Kabinett bis heute erhalten geblieben. 

Das Museum beherbergt eine der weltweit grössten und bedeutendsten Sammlungen pharmaziehistorischer Objekte. Man findet dort Apothekerkeramik, ganze Apothekenmobiliare, ein Alchemisten-Laboratorium, Mörser, Reiseapotheken, Bücher, Medikamente aus früheren Tagen und alles, was mit der Herstellung von Medikamenten zu tun hatte.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Mitten in der Basler Altstadt, zwischen Marktplatz und Peterskirche, steht das Haus «Zum Vorderen Sessel». Als Badstube «Unter Krämern» bereits 1316 erstmals erwähnt, wurde das Haus zu einem Ort wechselvoller Geschichte. Ab 1480 wohnte hier der Buchdrucker Johannes Amerbach, der Stammvater der berühmten Gelehrtenfamilie. 1507 wurde das Haus durch Johannes Frobenius übernommen, dem wohl berühmtesten Buchdrucker seiner Zeit. Erasmus von Rotterdam fand bei Froben von 1514 bis 1516 eine gastliche Wohn- und Arbeitsstätte.

Zu den Druckern gesellten sich berühmte Illustratoren wie der junge Hans Holbein und sein Bruder Ambrosius, sowie der Formenschneider Urs Graf. 1526 und 1527 wirkte hier der frisch zugereiste Hausarzt Frobens, der noch heute weithin berühmte Arzt Theophrastus von Hohenheim, der sich Paracelsus nannte.

Seit 1925 befindet sich im Haus «Zum Sessel» das Pharmaziemuseum der Universität Basel. Das Museum hat das Ziel, die Geschichte der Pharmazie in ihren wissenschaftlichen, kunstgeschichtlichen und volkskundlichen Aspekten zur Geltung zu bringen.

Sammlung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Pharmaziemuseum stammt aus einer Zeit, als Sammlungen materieller Objekte noch einen zentralen Bestandteil der wissenschaftlichen Lehre und Forschung bildeten. Seinen Ursprung hat das Museum in der Privatsammlung des Apothekers und Lektors für praktische Pharmazie und Pharmaziegeschichte, Josef Anton Häfliger (1873–1954). Er übergab 1924 seine Sammlung von alten Apothekergefässen, obsoleten Medikamenten, Rezepten, Holzschnitten, Bildern und Büchern der Universität. Der Direktor der 1917 gegründeten pharmazeutischen Anstalt, Prof. Heinrich Zörnig, stellte dafür mehrere Räume zur Verfügung. Mit der Einrichtung der Sammlung in der pharmazeutischen Anstalt konnte Häfliger die Studentinnen und Studenten über die historischen Entwicklungen an die praktische Pharmazie heranführen. Die Objekte dienten als Lehrmittel zur Vermittlung von Pharmaziegeschichte und zu den Techniken der Arzneimittelherstellung. Die Sammlung entstand in direkter Verbindung mit den historischen Entwicklungen in der pharmazeutischen Praxis. Denn in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts befand sich die gesamte Pharmazie – von der Forschung über die Produktion bis zum Verkauf von Arzneimitteln – in einem tiefgreifenden Wandel.

Ausstellung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Heilmittel[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Eine umfangreiche Sammlung früher gebrauchter Arzneistoffe aus der ganzen Welt veranschaulicht unterschiedliche Krankheitsvorstellungen und Heilkonzepte im Laufe der Zeit.

Laboratorien[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Unter den zwei historischen Laboratorien in der Ausstellung zeugt das Alchemistenlabor mit Originalen des 16. und 17. Jahrhunderts von der Suche nach dem Stein der Weisen. Im Apothekenlabor aus der Zeit um 1800 bestimmt das handwerkliche Aufbereiten von Heilpflanzen die Arbeit.

Apotheken[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Drei Apothekeneinrichtungen führen den Wandel der Zeit vor Augen: Die reich dekorierte Hofapotheke aus Innsbruck entstand um 1755. Klassisch, im Stil des Empires, stellt sich die Apotheke um 1820 dar. Den Schritt ins Industriezeitalter zeigt das Mobiliar der Basler Barfüsser-Apotheke aus der Zeit kurz vor 1900. Es dient heute als Museumsladen und bildet den Eingang zum Museum.

Fayencen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Museum zeigt eine bedeutende Sammlung pharmazeutischer Keramik. Die sogenannten Fayencen dienten seit dem 15. Jahrhundert zur Aufbewahrung von Rohstoffen und Arzneien in den Apotheken.

Forschung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Pharmaziemuseum sieht sich als eines der beiden Basler Universitätsmuseen verpflichtet, aktiv an der wissenschaftlichen Forschung und Lehre teilzunehmen. Von Mitarbeitern des Museums werden regelmässig Lehrveranstaltungen zur Pharmaziegeschichte, der Geschichte der Naturwissenschaften und der Life Sciences angeboten. Das Pharmaziemuseum fördert zudem die wissenschaftliche Erforschung der Geschichte der Pharmazie und der objekt- sowie sammlungsbezogenen Forschung.

Leitbild[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Pharmaziemuseum hat sich folgendes Leitbild gegeben:

Mission

Wir sammeln, bewahren, dokumentieren, erforschen und vermitteln die Geschichte der Heilmittel, ihrer Herstellung, Anwendung und Entwicklung.

Wir verstehen Pharmaziegeschichte als interdisziplinären Zugang zur historischen Entwicklung des Phänomens des Krankseins und Gesundwerdens durch den Einsatz von Heilmitteln.

Heilmittel sind für uns materielle und auch immaterielle Ausdrucksformen von Menschen im Umgang mit Krankheit, Gesundheit, Leben und Sterben.

Wir dokumentieren den wissenschaftlichen und technischen Wandel der Pharmazie, ihrer Orte und ihrer gesellschaftlichen Wahrnehmung.

Als Universitätsmuseum verstehen wir uns als eine Schnittstelle zwischen der wissenschaftlichen Forschung, insbesondere an der Universität Basel, und der Öffentlichkeit.

Wir berücksichtigen dabei, dass der Wirtschaftsstandort der Region Basel massgeblich durch pharmazeutische Forschung und industrielle Arzneimittelherstellung geprägt ist.

Als Teil und im Auftrag der Universität Basel handeln wir autonom und unabhängig.

Vision

Wir reflektieren unsere eigenen Inhalte und fördern eine kritische Auseinandersetzung mit der Pharmaziegeschichte sowie den gegenwärtigen und zukünftigen Entwicklungen in der pharmazeutischen Wissenschaft und Praxis.

Mit unseren vielfältigen Aktivitäten fördern wir die Präsenz des Pharmaziemuseums in der Region Basel und darüber hinaus.

Bibliothek[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Pharmaziemuseum beheimatet eine wissenschaftliche Bibliothek. Sie beherbergt Literatur und Informationen zur Pharmazie, den ihr verwandten Wissenschaften und zu ihrer Geschichte. Zudem finden sich Informationen, die nicht ursprünglich zur Archivierung gedacht waren (Arzneimittelkompendien, Werbebroschüren, Preislisten etc.). Die Bibliothek ist eine Präsenzbibliothek, d. h. es werden keine Bücher ausgeliehen. Die Benutzung der Bibliothek ist kostenlos. Über den Katalog des Bibliotheksverbunds ist der Bestand abrufbar.

Museumsladen – Einkaufen wie vor hundert Jahren[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im historischen Mobiliar der alten Barfüsser-Apotheke befindet sich heute der Museumsladen. Im Angebot werden eigene Teekreationen, Kräuter, Süssigkeiten, Apothekergefässe, Seifen und weitere Mitbringsel sowie museumseigene Publikationen angeboten. Der Eintritt zum Museumsladen ist frei.

Öffnungszeiten, Tickets und Führungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Museum ist geöffnet von Dienstag bis Sonntag, jeweils von 10.00 Uhr bis 17.00 Uhr. Montags und an Feiertagen bleibt das Museum geschlossen.

Das Ticket berechtigt auch zum Eintritt in das Anatomische Museum der Universität Basel (Ticket gültig am selben oder nächstfolgenden Öffnungstag). Mitarbeitende und Studierende der Universität Basel haben in beiden Universitätsmuseen freien Eintritt.

Am ersten Sonntag jedes Monats wird jeweils um 14.00 Uhr eine öffentliche Führung durch das Museum angeboten. Informationen zu den Eintrittspreisen, zu privaten Führungen und Anlässen sind auf der Website des Pharmaziemuseums zu finden.

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Pharmazie-Historisches Museum, Basel – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Koordinaten: 47° 33′ 31″ N, 7° 35′ 10,1″ O; CH1903: 611102 / 267555