Philip Schlaffer

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Philip Schlaffer (2020)

Philip Schlaffer (* 1. Juni 1978[1] in Lübeck) ist ein deutscher Webvideoproduzent, Streamer, Buchautor sowie verurteilter Straftäter der Neonazi-Szene und des Rotlichtmilieus.[2]

Seit seinem Ausstieg aus der rechtsextremen Szene sowie der Abkehr von dem kriminellen Milieu ist Schlaffer als Anti-Gewalt- und Deradikalisierungstrainer und zusammen mit Axel Reitz als YouTuber tätig.[3]

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Philip Schlaffer wuchs in Stockelsdorf auf und schloss eine Berufsausbildung zum Groß- und Außenhandelskaufmann ab.[4] Als Jugendlicher stieg Schlaffer in den Neonazismus ein. Fortan war er lange in der rechten Musikszene aktiv sowie Gründer und Anführer der neonazistischen „Kameradschaft Werwolf“ in Wismar.[5] Zwischenzeitlich war Schlaffer Mitglied der Partei Die Republikaner und der rechtsextremen NPD.[6] Im Alter von 19 Jahren wurde er erstmals verurteilt und erhielt wegen einer gefährlichen Körperverletzung eine Bewährungsstrafe.[1] Öffentliche Bekanntheit erlangte Schlaffer bereits 2006 durch ein Internetvideo vor einem rechten Szenegeschäft, in welchem er und weitere Neonazis mit Baseballschlägern bewaffnet am Rande einer Demonstration gegen antifaschistische Demonstranten vorgehen wollten und von der Polizei mit gezogenen Waffen daran gehindert wurden.[7] Innerhalb der rechten Szene war Schlaffer als „Geschäftemacher“ umstritten, prägte aber über lange Jahre die Neonazi-Subkultur im Raum Wismar. Im Oktober 2006 wurde Schlaffer in seiner Wohnung wegen „alter Rechnungen“ von bewaffneten Berliner Neonazis aus dem Umfeld der Rechtsrock-Band Spreegeschwader überfallen. Lange war Schlaffer Motor der Neonazi-Szene in Wismar und Hauptakteur der „Wolfshöhle“, eines Neonazi-Konzert- und Veranstaltungsraums auf dem Gelände eines ehemaligen Holzhandels. Er gründete den Szeneladen „Werwolfshop“ mit angeschlossenem Onlinehandel und ein Tattoostudio namens „Needle of Pain“. In der Wismarer Innenstadt etablierte sich ein sogenanntes „nationales Wohnprojekt“ mit Kneipe und Band-Proberäumen. Das Projekt wurde auch als „Wolfshöhle II“ bezeichnet.[8]

Schlaffer war Präsident des später verbotenen Outlaw-Motorcycle ClubSchwarze Schar MC“, der in den Bereichen der organisierten Kriminalität und der Prostitution aktiv war.[9] In diesem Zusammenhang wurde Schlaffer als „Rockerboss“ im Dezember 2014 vom Landgericht Schwerin wegen illegalen Drogenhandels zu einer Gefängnisstrafe von 2 Jahren und 10 Monaten verurteilt,[10] die er in der JVA Stralsund verbüßte.[1] Schlaffer wurde nach knapp 2 Jahren vorzeitig entlassen.[11] Nach eigenen Angaben kam es einige Monate nach seiner Entlassung aus der Haft zu einer erneuten Hausdurchsuchung bei ihm aufgrund alter, nicht versteuerter Einnahmen aus dem Drogenhandel sowie dem Rotlichtgewerbe. In diesem Steuerstrafverfahren wurde Schlaffer nach eigenen Angaben wegen Steuerhinterziehung[12] zu hohen Steuernachzahlungen und einer weiteren Bewährungsstrafe (1 Jahr Haft mit 2-jähriger Bewährungszeit) verurteilt.[13][12]

Schlaffer hat nach seinem Ausstieg eine Ausbildung als Anti-Gewalt- und Deradikalisierungstrainer beim Berliner Violence Prevention Network durchlaufen[14] und setzt sich unter anderem im Rahmen von Schulbesuchen gegen den Rechtsextremismus ein.[15] Sein Wirken wird begleitet von Fernsehberichten[11] und Zeitungsartikeln.[1] In einem kritischen Artikel der taz aus dem Jahr 2017 wurden Zweifel an der Glaubwürdigkeit seiner Motivation zum Ausstieg geäußert.[6]

Am 1. April 2020 wurde Schlaffers Autobiographie Hass. Macht. Gewalt. im Droemer Knaur Verlag veröffentlicht und war in der ersten Woche auf Platz 16 der Spiegel-Bestsellerliste Sachbuch (Paperback).

Heute betreibt er als Webvideoproduzent einen YouTube-Kanal, auf dem er über seine Vergangenheit berichtet.[16] Außerdem ist Schlaffer mit einem eigenen Kanal auf Twitch aktiv.[17]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b c d Schwarze Schar MC: Vom Nazi-Biker zum Sozialarbeiter | Nordkurier.de. 24. März 2019, abgerufen am 20. Juni 2019.
  2. Ex-Rockerchef blickt auf sein Leben zurück. Abgerufen am 20. Juni 2019.
  3. EX - Rechte Rotlicht Rocker - Philip Schlaffer
  4. Vom gelernten Kaufmann zum Neonazi: Der Fall "Philip Schlaffer". 12. Mai 2021, abgerufen am 16. Dezember 2021.
  5. Schwarze Schar MC: Vom Nazi-Biker zum Sozialarbeiter | Nordkurier.de. 24. März 2019, abgerufen am 16. August 2020.
  6. a b Hannes Stepputat, Andreas Speit: Ausstieg als Inszenierung. In: die tageszeitung: taz. 18. Februar 2017, ISSN 0931-9085, S. 56 ePaper 44 Nord (taz.de [abgerufen am 16. August 2020]).
  7. redok - "Schwarze Schar" mit rechtem Hintergrund. 28. März 2013, abgerufen am 29. Mai 2022.
  8. Redaktion Belltower.News: Die Naziszene in Nordwestmecklenburg. In: Belltower.News. Abgerufen am 25. März 2020.
  9. ENDSTATION RECHTS: Innenminister Caffier verbietet Rockerclub mit Wurzeln im Neonazi-Milieu. Abgerufen am 20. Juni 2019.
  10. Ex-"Schwarze-Schar"-Chef muss in Haft | NDR.de - Nachrichten - Mecklenburg-Vorpommern. 27. Dezember 2014, abgerufen am 31. März 2022.
  11. a b Galileo: Zehn Fragen an einen Ex-Neonazi | Galileo | ProSieben. YouTube, 11. Februar 2019, abgerufen am 20. Juni 2019.
  12. a b Hat die Justiz versagt bei mir? 20 Jahre Bewährung was bedeutet das? Abgerufen am 12. Juli 2022 (deutsch).
  13. Leben nach dem Knast | Geständnis - 6 Jahre warten & arbeiten | Bewährungsfrei. Abgerufen am 29. Mai 2022.
  14. Extremislos e.V: Referenten. Abgerufen am 20. Juni 2019.
  15. Ex-Neonazi macht Präventionsunterricht an Schulen. Abgerufen am 20. Juni 2019.
  16. EX - Rechte Rotlicht Rocker - Philip Schlaffer. YouTube, abgerufen am 20. Juni 2019.
  17. familyschlaffer - Twitch. Abgerufen am 30. Mai 2022.