Philipp Moritz Fischer

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Philipp Moriz Fischer
Fischers Tretkurbelfahrrad
von 1853 (Original der Städtischen Sammlungen Schweinfurt)

Philipp Moritz Fischer (alternativ Philipp Moriz Fischer) (* 8. März 1812 in Oberndorf (Schweinfurt); † 6. September 1890 ebenda) war Schreiner, Orgelbauer, Musikinstrumentenmacher und Erfinder des Tretkurbel-Fahrrads.[1] Sein Vater war der Gastwirt Samuel Georg Ernst Fischer und seine Mutter Sophia Louise Christiane.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Fischer fuhr bereits mit 9 Jahren eine Drais’sche Laufmaschine, um zur Lateinschule zu kommen. Ab dem 13. Lebensjahr absolvierte er eine Schreinerlehre in Würzburg. Danach ging er bei einem Orgelbauer in Bamberg in die Lehre. Nach Wanderjahren durch verschiedene europäische Großstädte kehrte er 1837 nach Schweinfurt zurück. 1840 wanderte er mit seiner Verlobten Wilhelmine Lambinus nach London aus und heiratete sie dort. Als der dort geborene erste Sohn jedoch im Kleinkindalter starb, kehrten die Fischers nach Schweinfurt zurück. In Schweinfurt erwarb er in der Nähe des Marktplatzes ein Anwesen, in dem er Wohnung und Werkstatt für Orgel- und Klavierreparaturen vereinigte. Eine Orgelreparatur erfolgte jedoch meist vor Ort. Die Wege zur Kundschaft auf dem Land versuchte er durch die Benutzung einer Laufmaschine zeitlich zu verkürzen.

1853 baute Fischer die erste Laufmaschine mit Tretkurbelantrieb,[1] die Fischer – im Gegensatz zu Michaux – nicht an die Öffentlichkeit brachte.[2][3][4] A. Zorn datierte in einer Mitteilung an den Münchner „Radfahrhumor“ (VIII. Jahrg. Nr. 82) das Fischer-Rad auf „anfang der fünfziger Jahre, nicht nach 1855“, das vom Magistrat der Stadt Schweinfurt bestätigt wurde.[5] Das Original befindet sich heute im Städtischen Museum Schweinfurt. Fischer erhielt einen Grabstein mit der Inschrift „Hier ruht PMF, Erfinder des Tretkurbel-Fahrrades“.

Fischer ist der Vater von Friedrich Fischer (1849–1899), der 1883 die erste Kugelschleifmaschine entwickelte und die Firma FAG Kugelfischer gründete.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Rudolf Hundhausen: Erste automatische Gussstahlkugel-Fabrik, vormals Friedr. Fischer Schweinfurt In: Die deutsche Industrie (1888–1913), Berlin 1913 S. X40-X41.
  • Franz Maria Feldhaus: Die Technik. Ein Lexikon der Vorzeit, der geschichtlichen Zeit und der Naturvölker. Engelmann, Leipzig und Berlin 1914.
  • Germanisches Nationalmuseum: Leben und Arbeiten im Industriezeitalter. Konrad Theiss Verlag Stuttgart, 1985, ISBN 3-8062-0443-8.
  • Max J. B. Rauck, Gerd Volke, Felix R. Paturi: Mit dem Rad durch zwei Jahrhunderte. Das Fahrrad und seine Geschichte. 2. Auflage. AT Verlag, Aarau u. a. 1979, ISBN 3-85502-038-8.
  • Paul von Salvisberg: Der Radfahrsport in Bild und Wort. München 1897 (Nachdruck Olms 1980, ISBN 978-3-487-08216-5)

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b Im Ggs. zu Pierre Michaux (1861) brachte P. M. Fischer seine im Schweinfurter Museum für Stadtgeschichte ausgestellte Erfindung nicht an die Öffentlichkeit, weshalb er in vielen Quellen zu Fahrradgeschichte bis heute nicht erwähnt wird. Die angeblichen vorhergehenden Erfindungen von Baader (1825) und Heinrich Mylius (1845) sind strittig und unbelegt: foelss.de: Die Entwicklung des Fahrrads. Abgerufen am 21. Oktober 2018.
  2. Helmuth Poll in: Germanisches Nationalmuseum, S. 61.
  3. Max J. B. Rauck, S. 30.
  4. Feldhaus, S. 274.
  5. Paul von Salvisberg, S. 15.