Philippstaler (Hessen)

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Zur Navigation springen Zur Suche springen
Philippstaler, Schautaler von 1552 (Durchmesser 45 mm, Gewicht 28,95 g), Kupferstich von 1729

Der Philippstaler, auch Spruchtaler genannt, ist ein Schautaler aus Hessen mit der Jahreszahl 1552, dem Jahr der Entlassung Philipps des Großmütigen von Hessen (1509–1567) aus kaiserlicher Haft. Die Vorderseite zeigt sein Hüftbild. Auf der Rückseite befinden sich fünf Wappenschilde und der Spruch BESS(er) LAND V(nd) LVD V(er)LORN ALS EN FALSCH(en) AID GESCHWORN (Besser Land und Leut verloren als einen falschen Eid geschworen). Es wird angezweifelt, dass Landgraf Philipp den Taler hat prägen lassen.[1]

Von dem sehr seltenen Schautaler sind im 17. Jahrhundert oder eventuell etwas später kleinere Nachbildungen in Silberguss hergestellt worden.[2]

Münzgeschichtliche Zusammenhänge[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Landgraf Philipps politische Macht wurde stark beeinträchtigt, als seine Doppelehe, die mit Einwilligung seiner Frau Christina von Sachsen und nach Einholung theologischer Gutachten geschlossen wurde, an die Öffentlichkeit gelangte. Auf Bigamie stand die Todesstrafe. Um den Kaiser gnädig zu stimmen, machte der Landgraf ihm Zugeständnisse. Der Schmalkaldische Krieg beendete die Verständigung zwischen Karl V. und Philipp.[3]

Der Schmalkaldische Bund unter Führung von Landgraf Philipp von Hessen und dem sächsischen Kurfürsten Johann Friedrich dem Großmütigen (1532–1547–1554) verlor am 24. April 1547 die Schlacht bei Mühlberg. Philipp unterwarf sich am 19. Juni 1547 in Halle dem Kaiser, der daraufhin Reichsacht und Todesurteil aufhob, aber ihn in Haft nehmen ließ.

Der Spruch auf der Rückseite des Talers bezieht sich auf seine Entlassung aus der Gefangenschaft des Kaisers im Jahr 1552, ohne dass er dem Protestantismus abgeschworen hatte.[4]

Die Philippstaler gehören nach Jacob Hoffmeister zu den merkwürdigsten hessischen Münzen, weil sie einerseits sehr gesucht sind und andererseits ihre Echtheit bestritten wird. In den Münzwerken werden sie, so Hoffmeister, „gewöhnlich die berufenen oder verrufenen oder auch falschen Philippsthaler“ genannt. Die Prägung der Talermünze wurde nach seinen Erkenntnissen nicht vom Landgraf, sondern von dessen Anhängern veranlasst.[5] Das wird damit begründet, dass Landgraf Philipp „bei seiner Befreiung aus der fünfjährigen Gefangenschaft im Jahre 1552 dem Kaiser habe geloben müssen, sich nicht zu rächen […]“. Im Widerspruch dazu steht jedoch, so Hoffmeister, „dass man aber das Ausprägen von Thalern mit der Aufschrift: ‚Besser Land und Leut verloren, als einen falschen Eid geschworen‘ jedenfalls als eine Rache gegen den Kaiser ansehen müsse […].“ Von Landgraf Philipp darf erwartet werden, „dass er sein gegebenes fürstliches Wort nicht sobald würde gebrochen haben und wäre es auch nur in dem Gepräge einer Münze gewesen“.[6]

Die gleiche Schlussfolgerung findet man auch in der Allgemeinen Encyklopädie der Wissenschaften und Künste … (1847). Die fraglichen „berufenen Philippsthaler“ habe der Landgraf gar nicht prägen lassen, heißt es dort. Die „allgemeinste Sage“ für den Anlass der Prägung dieser Taler mit dem Spruch in der Umschrift ist,

„daß Landgraf Philipp dem Kaiser Karl V. damit habe öffentlich vorwerfen wollen, daß er ihn, dem ihm gegebenen Worte entgegen, fünf Jahre hindurch gefangen gehalten habe […].“[7]

J. D. Köhler bezeichnete bereits 1729 den Schautaler als „fälschlich geprägt“.

Allerdings bezeichnete bereits Johann David Köhler 1729 in seiner Historischen Münzbelustigung den Schautaler als „Landgraf Philippe von Hessen fälschlich geprägter Thaler“ und begründete das sehr ausführlich in seiner Historischen Erklärung. Ein Beweis sei auch, dass der „Geheime Staats- und Kriegs-Secretarius“ Johann Balthasar Klaute dem sächsischen Rat und Historiograph Tentzel versicherte, dass weder im fürstlichen Archiv noch in der Münze zu Kassel solche Talerstempel vorhanden seien.[8] Köhlers Erklärungen mögen dann wohl als Grundlage oder Vorlage für alle weiteren Nachforschungen und Veröffentlichungen gedient haben.

Unter „fälschlich geprägter Taler“ ist allerdings nicht Münzfälschung im herkömmlichen Sinn zu verstehen, sondern bedeutet, dass Philipp die Schautaler nicht selbst in Auftrag gegeben hat. Der Zusatz „FIER(i) FE(cit) = hat (die Münze) gemacht“ in der Umschrift des Talers sollte Philipp als Auftraggeber der Münze nennen. Auf sämtlichen Talern Philipps erscheint jedoch niemals dieser Hinweis.

Nachbildung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das enorme Interesse der Sammler an dem mysteriösen Schautaler hatte bereits im 17. Jahrhundert einen verkleinerten Silbernachguss zur Folge. Die Bezeichnung der Nachbildung als Taler, die jedoch den Medaillen zuzuordnen werden kann, war nichts Außergewöhnliches. Talerförmige Medaillen erhielten nicht selten einen Talernamen, obwohl sie nicht umlauffähig waren. Beispiele dafür sind unter anderem die Medaillen Hustaler und Locumtenenstaler mit hohem Relief.

Münzbeschreibung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Philippstaler, datiert mit 1552, Nachbildung etwa 17. Jahrhundert, Silberguss (Durchmesser 40 mm, Gewicht 27,6 g)

Das Original ist ein sehr seltener vollwertiger silberner Schautaler (Breiter Taler) ohne Münzmeisterzeichen. Der Durchmesser beträgt 45 Millimeter, das Gewicht 28,95 Gramm. Hier nebenstehend abgebildet ist ein alter bildgleicher silberner Nachguss im Durchmesser von 40 Millimeter und einem Gewicht 27,6 Gramm.

Vorderseite[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Vorderseite zeigt das geharnischte Hüftbild des Landgrafen, in der Rechten den Kommandostab, die linke Hand am Schwertgriff.

  • Umschrift: PHILIP(pus) ∙ D(ei) ∙ G(ratia) ∙ LANDG(ravius) ∙ HASSIE ∙ C(omes) ∙ K(atimeliboci) ∙ D(iezae) ∙ Z(iegenhainae) ∙ N(iddae) ∙ A(nno) 1552 ∙ FIER(i) ∙ FE(cit)[9]
    • Übersetzung: Phillipp von Gottes Gnaden, Landgraf von Hessen, Graf von Katzenelnbogen, Diez, Ziegenhain und Nidda ließ im Jahr 1552 (die Münze) herstellen.
    • Die Angabe FIER. FE. sollte als Nachweis für eine Prägung des Landgrafen dienen, um so die Echtheit der Schautaler vorzutäuschen.[10] Die geheimnisvollen Stücke weckten derartig die Nachfrage bei Sammlern, dass ab dem 17. Jahrhundert auch Nachgüsse in Silber mit kleinerem Durchmesser hergestellt wurden.

Rückseite[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der hessische Löwenschild ist umgeben von den oberen Wappenschildern der Grafschaften Katzenelnbogen und Nidda und den unteren der Grafschaften Ziegenhain und Diez. Dazwischen befinden sich die Buchstaben P(arcere) – S(ubiectis) E(t) – D(ebellare) – S(uperbos) = Unterworfene schonen und Hochmütige niederkämpfen,[11] oder auch mild gegen die Unterworfenen und niederbeugen die Hochfahrenden. Das ist ein Wahlspruch Philipps, den bereits der erste Schmalkaldische Bundestaler von 1542 trägt.

  • Umschrift: BESS(er) ∙ LAND ∙ V(nd) ∙ LVD ∙ V(er) ∙ LORN ∙ ALS ∙ EN ∙ FALSCH(en) ∙ AID ∙ GESCHWORN ∙[12]

Anmerkung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Als Philippstaler wird auch eine spanische Silbermünze in Talergröße bezeichnet, die unter König Philipp II. von Spanien (1555–1598) für die spanische Niederlande geprägt wurde.[13]

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Schmalkaldischer Bundestaler der Hauptleute des Schmalkaldischen Bundes, des sächsischen Kurfürsten Johann Friedrichs des Großmütigen und des Landgrafen Philipps von Hessen mit einer sächsischen und einer hessischen Seite
  • Taler auf die Einnahme von Gotha (1567): Der Taler bezeugt den letzten Landfriedensbruch. – Der älteste Sohn Johann Friedrichs des Großmütigen konnte sich nicht damit abfinden, dass durch die Niederlage des Schmalkaldischen Bundes die Kurwürde verloren war.
  • Weidenbaumtaler der Landgrafen Wilhelm V. und Wilhelm VI. von Hessen-Kassel

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Johann David Köhlers Historische Münzbelustigung, Band 1, 1729
  • Heinz Fengler, Gerd Gierow, Willy Unger: transpress Lexikon Numismatik, Berlin 1976
  • Helmut Kahnt: Das große Münzlexikon von A bis Z, Regenstauf 2005
  • coingallerry: Aus Jacob Hoffmeisters historisch-kritischer Beschreibung aller bis jetzt bekannt gewordenen hessischen Münzen, (1857–1880), S. 106–108
  • M. H. E. Meier, Hrsg.: Allgemeine Encyclopädie der Wissenschaften und Künste ..., Leipzig 1847
  • Künker Auktion 220, Oktober 2012 – Raritäten aus Hessen, Die Sammlung Mercator, von Fritz Rudolf Künker GmbH & Co. KG, Nr. 7507, S. 23: Taler 1552, hier als Spruchtaler bezeichnet

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Heinz Fengler, …: transpress Lexikon Numismatik …, S. 238
  2. CNG: Nachguss
  3. Künker Auktion 220, 2012, S. 22
  4. Künker Auktion 220, Oktober 2012, Nr. 7507, S. 23: Taler 1552, hier als Spruchtaler bezeichnet
  5. Aus Jacob Hoffmeister: Historisch-kritische Beschreibung aller bis jetzt bekannt gewordenen hessischen Münzen, (1857–1880), S. 106–108: „Von seinen Anhängern geprägt“
  6. Jacob Hoffmeister: Historisch-kritische Beschreibung aller bis jetzt bekannt gewordenen hessischen Münzen, (1857–1880), S. 106–108: „Niemals von L. Philipp selbst ausgeprägt“
  7. M. H. E. Meier (Hrsg.): Allgemeine Encyclopädie der Wissenschaften und Künste ... (1847): Unter Philippsthaler, S. 288/299
  8. Johann David Köhler: Historische Münzbelustigung, Band 1, 1729, S. 233/239: „fälschlich geprägter Thaler“
  9. Johann David Köhlers „Historische Münzbelustigung“, Band 1, 1729, S. 233: Umschrift
  10. Aus Jacob Hoffmeisters historisch-kritischer Beschreibung aller bis jetzt bekannt gewordenen hessischen Münzen, (1857–1880), S. 106–108: Keine Münzen Philipps mit dieser Formel
  11. Künker Auktion 220, Oktober 2012, Nr. 7507, S. 23: Spruch
  12. Heinz Fengler, …: transpress Lexikon Numismatik …, S. 238: Spruch
  13. M. H. E. Meier, Hrsg.: Allgemeine Encyclopädie der Wissenschaften und Künste ... (1847) S. 288/299: Für die spanischen Niederlande