Phillip Boa and the Voodooclub

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Phillip Boa and the Voodooclub
Phillip Boa and the Voodooclub 2007 in Leipzig
Phillip Boa and the Voodooclub 2007 in Leipzig
Allgemeine Informationen
Genre(s) Independent, Pop, Rock, Avantgarde
Gründung 1985
Website www.phillipboa.de
Gründungsmitglieder
Gesang, Gitarre
Phillip Boa
Aktuelle Besetzung
Gesang, Gitarre
Phillip Boa
Schlagzeug
Moses Pellberg
Keyboard, Percussion, Programming, Samples
Toett/Detlef Götte
Gitarre
Oliver Klemm
Bass
Thilo Erhardt
Gesang, Percussion, Piano
Vanessa Anne Redd
Ehemalige Mitglieder
Gitarre
Ted Chau
Gitarre
Chris Van Helsing
Bass
Taif Ball
Voodoodrums, Schlagzeug
Voodoo
Schlagzeug
Der Rabe (Guido Eickelmann † 2015)
Gesang
Pia Lund
Gitarre
David Rebel
Bass
Maik Timmermann
Gesang
Pris
Gesang, Percussion
Thari

Phillip Boa and the Voodooclub ist eine deutsche Avantgarde-Pop- bzw. Independent-Band, die stark von ihrem Kopf bzw. Songwriter, Sänger und Gitarristen Phillip Boa geprägt ist.

Phillip Boa and the Voodooclub zählen zu den renommiertesten deutschen Bands, die auch international von Kritikern und Fans anerkannt sind (ARD).[1] Bis heute sind sie die deutsche Band mit den meisten „Album-und-Single-der-Woche“-Auszeichnungen in der britischen Musikpresse (8 × „Single der Woche“ und 5 × „Album der Woche“ im NME, Melody Maker und Sounds). Bei der Umfrage „Made in Germany – Die einflussreichsten deutschen Musiker“ wurde Phillip Boa in den Top 20 geführt (laut.de).[2] Zudem gilt er als einer der schärfsten Beobachter unserer Gesellschaft und profiliertesten Songwriter Deutschlands, mit „zynisch-poetischen Blick, voller rätselhafter Metaphern und scharfen Weisheiten“ (NME).

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Phillip Boa and the Voodooclub wurde 1985 von Phillip Boa gegründet. Weitere Bandmitglieder der ersten Stunde waren Pia Lund, Voodoo und Der Rabe[3]. Im selben Jahr veröffentlichten sie ihr erstes Album, Philister.[4] Philister erschien auf dem Label JA! Music und gelangte in die deutschen Indie-Charts. Ab 1986 wurde Philister über das Label Red Flame europaweit verkauft.[5] Das zweite Album, Aristocracie, veröffentlichten Phillip Boa and the Voodooclub auf dem Label Constrictor, Phillip Boas eigenem Label. Es wurde von Eroc produziert, einem Schüler des Produzenten Conny Plank. Dieses Album erfreute sich zunehmender Beliebtheit, so findet es sich auf Platz 10 der Bestenliste der Independent-Musikzeitschrift Spex des Jahres 1986 wieder.[6] Besonders in Großbritannien feierte es seine Erfolge. Seit 1987 tourte die Band in Europa. Phillip Boa and the Voodooclub unterzeichneten anschließend einen Vertrag mit dem Label Polydor, auf dem die nächsten Alben Copperfield und Hair erschienen. Mit der Single Container Love gelang 1989 der kommerzielle Erfolg und internationale Anerkennung.[7] 1991 wurde das Album Helios (bzw. als rares Doppelalbum) auf Polydor veröffentlicht.

Nach dem bisher erfolgreichsten Album der Band, Boaphenia (1993 auf dem Label Polydor erschienen), widmete sich Phillip Boa seinem Metalprojekt Voodoocult. Weitere Alben (God, 1994, She, 1996, Lord Garbage, 1998) erschienen in der Folgezeit auf Motor Music. Nach dem Ausstieg von Pia Lund zwischen 1997 und 2003 trat Alison Galea von der maltesischen Band Beangrowers an ihre Stelle und übernahm die hohen Gesangsparts. Die Beangrowers wurden von Phillip Boa gefördert und traten um 2000 als Vorband bei den Touren von Phillip Boa and the Voodooclub auf.[8] Seit 2001 finden alljährlich zur Weihnachtszeit an drei Abenden hintereinander „Kult-Konzerte“ in der Leipziger Moritzbastei statt („Die legendären Weihnachtskonzerte“).[9][10][11]

In den Jahren 2000 bis 2003 veröffentlichten Phillip Boa and the Voodooclub insgesamt drei Alben beim Label Sony/BMG-RCA (My Private War, 2000, The Red, 2001, C 90, 2003). Im Jahr 2005 erschien das Album Decadence & Isolation auf dem Label Motor Music, das an den Sound der 1980er Jahre von Bands, wie The Cure und Joy Division, anknüpft.[12][13] Im Herbst 2006 ging Boa mit seinem Voodooclub auf Remastered-Tour. Dort wurden konsequent nur Stücke der drei wieder veröffentlichten Alben Copperfield, Hair und Hispanola gespielt. 2007 erschien das Album Faking to Blend In auf Motor Music. Im Februar 2009 ist das Album Diamonds Fall bei Rough Trade erschienen. Dafür wurde der Can-Schlagzeuger Jaki Liebezeit für die kompletten Drums und Percussion als Voodooclub-Mitglied engagiert. Im Sommer 2010 erschien das Live-Album Exile on Strait Street auf dem eigenen Label Constrictor. Die Alben Helios und Boaphenia wurden im Frühjahr 2011 auf Vertigo/Universal neu gemastert veröffentlicht.

Im August 2012 erschien mit Loyalty ein neues Studioalbum auf Cargo Records. Das Album wurde auf Malta und in London aufgenommen und von David Vella, Boa und Brian Viglione produziert, von Ian Grimble in London gemixt und von Frank Arkwright in den Abbey Road Studios gemastert. Im selben Jahr schrieb John Robb, ein renommierter englischer Musikkritiker, im Louder Than War Magazine: „Boa ist einer der bedeutendsten deutschen Künstler der letzten 30 Jahre.“[14] 2013 erschien im Juli das Fan-Album Reduced!, das im Winter 2012 in der Moritzbastei aufgenommen wurde. Es soll „den Dreck und die Intensität von intimen Clubkonzerten“ ausstrahlen. Im Studio wurde nur die Instrumentierung herausgearbeitet, Fehler blieben aber unkorrigiert. Zugleich soll es Pia Lund „ein Denkmal“ setzen, die Ende 2013 die Band auf eigenen Wunsch verließ.[15] Seit 2014 arbeitet der Voodooclub mit verschiedenen Gastsängerinnen.[16] Am 22. August 2014 erschien das Studioalbum Bleach House bei Cargo Records,[17] und erreichte Platz 7 in den Albumcharts. Das Album wurde produziert von David Vella auf Malta und in London, gemixt in den Konk Studios London von Dougal Lott und von Fred Kevorkian in den New Yorker Avatar Studios gemastert.

Nach vielen intensiven Jahren und mehr als 2,5 Millionen verkauften Tonträgern wurde am 16. September 2016 die Werkschau Blank Expression – A History Of Singles 1986–2016 auf Capitol Records/Universal Music veröffentlicht und erreichte Platz 8 in den Albumcharts. Die Werkschau enthält neben den wichtigsten Singles u. a. auch 12 neue Songs unter dem Albumtitel „Fresco – A Collection Of 12 New Songs“.[18][19] Die „Blank Expression“ Tour 2016/2017 war für die Band ein weiterer Meilenstein Richtung alter Größe. Die aktuellen Besucherzahlen erreichen wieder das Niveau vom bisher erfolgreichsten Jahr (1993), u. a. spielte der Voodooclub ausverkaufte Shows in Hamburg, Köln, Dresden und München sowie an zwei Abenden hintereinander im ausverkauften Berliner „Huxleys Neue Welt“.[20]

Am 10. August 2018 ist das neue Studioalbum Earthly Powers via Cargo Records erschienen [21] und erreichte (trotz einer Musikstreaming-Verweigerung) mit Platz 3 der deutschen Albumcharts die höchste Chartsplatzierung in der Bandgeschichte. [22] Entstanden und aufgenommen wurde das Album größtenteils in London, produziert von David Vella und Boa. Abgemischt wurde das Album durch Ian Grimble in den Church Studios, London, bekannt für seine Arbeit für die Manic Street Preachers, Mumford & Sons, Daughter oder Temples. Das Mastering erfolgte in den Power Station Studios, New York, durch Fred Kevorkian (The National, Sonic Youth, White Stripes).[23] "Earthly Powers klingt fantastisch, bietet großartig geniales Songwriting. Ein vielfältiges Album voller kleiner Geschichten, die allesamt in starke Songs verpackt wurden und auf einen neuen künstlerischen Gipfel führen." [24]

Auf der Bühne spielte der Voodooclub u. a. mit anderen Bands und Künstlern wie David Bowie, Bob Dylan, John Lydon’s Public Image Ltd., Nick Cave, Sonic Youth, Björk, The Fall, Residents, Gun Club, Iggy Pop und Manic Street Preachers. Produziert wurde der Voodooclub u. a. von Tony Visconti (David Bowie), John Leckie (Morrissey, New Order), Gareth Jones (Interpol, Depeche Mode), Gordon Raphael (Strokes), Ian Grimble (Manic Street Preachers, Bauhaus, Mumford and Sons) und arbeitete mit Aphex Twin, LFO, Schneider TM, The Notwist, Jaki Liebezeit (CAN) sowie Brian Viglione (Dresden Dolls, Nine Inch Nails) zusammen.

Stil[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Musik Boas ist beeinflusst vom britischen Post-Punk, Indie-/Alternative Rock und Avantgarde. Boas Kompositionen und cinematische Songtitel werden europaweit oft als Hintergrundmusik oder Soundtracks für Reportagen, Dokumentationen und Filme verwendet, u. a. steuerte er diverse Songs für das preisgekrönte BBC-Drama „Redemption“ bei (mit den Oscar nominierten Schauspielern Sir Tom Courtenay und Miranda Richardson).[25] Als deutscher Komponist und Songwriter grenzt sich Boa bereits durch seine Herangehensweise beim Komponieren vom klassischen Songwriting ab. Er beginnt mit einem Storyboard, als ob er einen Kurzfilm drehen würde, etwa wie einen Cartoon, mit groben Scribblings, Zeichnungen und kompletten Texten. Erst wenn er dieses Storyboard beendet hat, geht er ins Studio und dreht mit meinen Musikern diesen Film als „Regisseur ohne Bilder“. Was die Musiker dann als Vorgabe von ihm bekommen, ist die Tonart, die präzise Geschwindigkeit sowie eine exakte Beschreibung der „Filmszenen“.[26]

Trivia[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Phillip Boa and the Voodooclub leben von einer sehr loyalen Anhängerschaft und fanatisch eingeschworenen Fangemeinde. Es gibt kaum einen deutschen Künstler, der mehr von seinen Fans verehrt wird als Phillip Boa. Die Anhänger nennen sich „Members of the Voodooclub“ oder „Twisted Fans“. Die Preise für vergriffene, rare Veröffentlichungen der Band sind daher (oft auch durch amerikanische oder japanische Fans) extrem hoch.
  • Die Band Die Ärzte singt in ihrem Song Wir sind die Besten (Bonus-EP zum Album Jazz ist anders) über Phillip Boa. Dabei stellt sie Boa und sich in ironischer Weise als die letzten guten Musiker dar.
  • Pia Lund und Phillip Boa waren privat ein Paar.[27] Nach dem ersten Best-of-Album verließ Lund 1997 die Band und veröffentlichte 1999 ihr Soloalbum Lundaland. 2002 schloss sie sich der Band wieder an und war seit dem Album C 90 (2003) Mitglied bis zu ihrem Ausstieg Ende 2013. Seit 2014 arbeitet der Voodooclub mit verschiedenen Gastsängerinnen.[16]
  • Im April 1991 wanderte Phillip Boa nach Malta aus. Das im selben Jahr erschienene Live-Album trägt den Namen Live! Exile on Valletta Street. Im Juli 2010 folgte das Album Live! Exile on Strait Street.
  • Seine Zelte auf der Insel Malta hat Phillip Boa seit geraumer Zeit abgebrochen und sein neues Domizil in den Norden von London verlegt. Weiterhin lebt er nach wie vor in seiner Heimatstadt Dortmund.[28][29]

Diskografie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Studioalben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Jahr Titel Charts[30] Anmerkungen
DeutschlandDeutschland DE
1985 Philister
300!
Ja! Musik
Independent-Charts: Platz 1
1986 Aristocracie
300!
Constrictor
Independent-Charts: Platz 1
1988 Copperfield
47
(6 Wo.)
1989 Hair
26
(14 Wo.)
Polydor
1990 Hispañola
14
(19 Wo.)
Polydor
1991 Helios
32
(9 Wo.)
Polydor
1993 Boaphenia
15
(18 Wo.)
Polydor
1994 God
23
(10 Wo.)
1995 She
32
(9 Wo.)
Motor Music
1998 Lord Garbage
22
(5 Wo.)
Motor Music
Solo Album (ohne Voodooclub)
2000 My Private War
23
(4 Wo.)
2001 The Red
59
(1 Wo.)
RCA/BMG
2003 C 90
46
(1 Wo.)
RCA/BMG
2005 Decadence & Isolation
40
(2 Wo.)
Motor Music
2007 Faking to Blend In
59
(1 Wo.)
Motor Music
2009 Diamonds Fall
45
(1 Wo.)
2012 Loyalty
13
(3 Wo.)
2014 Bleach House
7
(3 Wo.)
Cargo Records
2018 Earthly Powers
3
(… Wo.)
Cargo Records

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. programm.ard.de, abgerufen am 31. Mai 2014.
  2. „Made in Germany – Die einflussreichsten deutschen Musiker“, laut.de, 26. März 2011, abgerufen am 21. Mai 2015.
  3. Guido Eickelman alias Der Rabe bei Discogs (englisch)
  4. phillipboa.de: Website von Phillip Boa and The Voodooclub, Unterseite zum Album Philister.
  5. phillipboa.de: Website von Phillip Boa and The Voodooclub, Unterseite zum Album Philister.
  6. Bestenlisten aus deutschen Rock- und Popmusik-Zeitschriften, Website.
  7. Popsplits: Interview mit Phillip Boa und Pia Lund, Popsplits – „Container Love“, 2007, in: YouTube.
  8. Interview Phillip Boa auf VIVA Zwei, April 2000.
  9. „Phillip Boa in Bestform – Leipziger Kult-Konzerte“ Leipziger Volkszeitung, Dezember 2017.
  10. „Die legendären Weihnachtskonzerte“ MonkeyPress, Dezember 2017.
  11. „Die legendären Weihnachtskonzerte“ PowerMetal, Dezember 2010.
  12. Stephan Glietsch: PHILLIP BOA & THE VOODOOCLUB. Decadence & Isolation. In: Spex, 7. Februar 2006.
  13. Interview mit Phiilipp Boa, CrazyClipTV 98 Philip Boa Interview, in: YouTube.
  14. John Robb en: „One of the best German bands of the last three decades, Phillip Boa and the Voodoo Club have been on a creative surge recently“, louderthanwar.com, 7. Dezember 2012, abgerufen am 8. Februar 2013.
  15. phillipboa.de: Reduced! A more or less acoustic performance Juni 2013.
  16. a b phillipboa.de: Website von Phillip Boa and The Voodooclub, Presse Biografie/Vita, Mai 2017.
  17. phillipboa.de, abgerufen am 4. Juli 2014.
  18. [1], radioeins.de, abgerufen am 26. September 2016.
  19. [2], offiziellecharts.de, abgerufen am 26. September 2016.
  20. Website von Phillip Boa and The Voodooclub, Biografie/Vita, September 2017.
  21. MusikWoche, 06. Juli 2018.
  22. GfK Entertainment/Offizielle Deutsche Charts, 17. August 2018.
  23. Cargo Records, 14. August 2018.
  24. Album der Woche, 10. August 2018.
  25. Website von Phillip Boa and The Voodooclub, Biografie/Vita, Juli 2017.
  26. Website von Phillip Boa and The Voodooclub, Biografie/Vita, Mai 2018.
  27. Popsplits: Interview mit Phillip Boa und Pia Lund, Popsplits – „Container Love“, 2007, in: YouTube.
  28. MusikWoche, 06. Juli 2018.
  29. Website von Phillip Boa and The Voodooclub, Biografie/Vita, Mai 2018.
  30. Chartquellen: Interpret in den deutschen Charts. Abgerufen am 18. August 2018.