Phillip Boa

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Zur Navigation springen Zur Suche springen
Phillip Boa im Jahr 2012

Phillip Boa (* 18. Januar 1963 in Dortmund) ist ein deutscher Independent-Musiker, Songwriter, Sänger, Gitarrist und Komponist und Kopf der Band Phillip Boa and the Voodooclub. Er lebt in London und Dortmund.[1]

Phillip Boa beim Amphi Festival 2013

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Phillip Boa gründete 1985 zusammen mit seiner damaligen Partnerin Pia Lund die Independent-Band Phillip Boa and the Voodooclub.[2] Er ist das einzige Bandmitglied mit durchgehender Mitgliedschaft. Mit dem Album Hair und der Single Container Love gelang 1989 der kommerzielle Erfolg und internationale Anerkennung.

Nach seinem bisher erfolgreichsten Album, Boaphenia (1993), setzte Boa einen bewussten Bruch, um sich seinem Metalprojekt Voodoocult zu widmen. Mit Voodoocult gründete Phillip Boa eine Heavy-Metal-Band bestehend aus Dave Lombardo (Slayer) am Schlagzeug, Chuck Schuldiner † (Death), Waldemar Sorychta und Mille Petrozza (Kreator) als Gitarristen und ihm selbst als Sänger. Die Band veröffentlichte 1994 das Album Jesus Killing Machine. Ein Jahr später brachte die Band ein zweites, selbstbetiteltes Album heraus. Danach löste sich die Band wieder auf.

Seit 1994 bis heute arbeitet Phillip Boa weiter mit Phillip Boa and the Voodooclub. Es erschienen eine Reihe Studioalben, Livealben und neu gemasterte ältere Alben. Im Jahr 1997 trennten sich Phillip Boa und Pia Lund. Pia Lund verließ die Band Phillip Boa and the Voodooclub und widmete sich der Veröffentlichung von Soloalben. Zwischen 2003 und 2013 war sie wieder Mitglied der Band, ehe sie Ende 2013 die Band erneut verließ.[3] Seit 2014 arbeitet die Band mit verschiedenen Gastsängerinnen.[4]

Das 2014er Studioalbum, Bleach House, wurde am 22. August auf Cargo Records veröffentlicht und erreichte Platz 7 in den Albumcharts. Nach vielen intensiven Jahren und mehr als 2,5 Millionen verkauften Tonträgern wurde am 16. September 2016 die Werkschau "Blank Expression – A History Of Singles 1986-2016" auf Capitol Records/Universal Music veröffentlicht und erreichte Platz 8 in den Albumcharts. Die Werkschau enthält neben den wichtigsten Singles u. a. auch 12 neue Songs unter dem Albumtitel "Fresco – A Collection Of 12 New Songs".[5][6] Die "Blank Expression" Tour 2016/2017 war für die Band ein weiterer Meilenstein Richtung alter Größe. Die aktuellen Besucherzahlen erreichen wieder das Niveau vom bisher erfolgreichsten Jahr (1993), u. a. spielte der Voodooclub ausverkaufte Shows in Hamburg, Köln, Dresden und München sowie an zwei Abenden hintereinander im ausverkauften Berliner "Huxleys Neue Welt".[7]

Seine Zelte auf der Insel Malta hat Phillip Boa seit geraumer Zeit abgebrochen und sein neues Domizil in den Norden von London verlegt. Weiterhin lebt er nach wie vor in seiner Heimatstadt Dortmund.[8]

Am 10. August 2018 ist das neue Studioalbum Earthly Powers via Cargo Records erschienen [9] und erreicht (trotz Album Streaming Verweigerung) mit Platz 3 der deutschen Albumcharts die höchste Chartsplatzierung in der Bandgeschichte. [10] Entstanden und aufgenommen wurde das Album größtenteils in London, produziert von David Vella und Boa. Abgemischt wurde das Album durch Ian Grimble in den Church Studios, London, bekannt für seine Arbeit für die Manic Street Preachers, Mumford & Sons, Daughter oder Temples. Das Mastering erfolgte in den Power Station Studios, New York, durch Fred Kevorkian (The National, Sonic Youth, White Stripes).[11] "Earthly Powers klingt fantastisch, bietet großartig geniales Songwriting. Ein vielfältiges Album voller kleiner Geschichten, die allesamt in starke Songs verpackt wurden und auf einen neuen künstlerischen Gipfel führen." [12]

Stil[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Musik Boas ist beeinflusst vom britischen Post-Punk, New Wave und Avantgarde. Boa's Kompositionen und cinematische Songtitel werden europaweit oft als Hintergrundmusik oder Soundtracks für Reportagen, Dokumentationen und Filme verwendet, u. a. steuerte er diverse Songs für das preisgekrönte BBC-Drama "Redemption" bei (mit den Oscar nominierten Schauspielern Sir Tom Courtenay und Miranda Richardson).[13] Als deutscher Komponist und Songwriter grenzt sich Boa bereits durch seine Herangehensweise beim Komponieren vom klassischen Songwriting ab. Er beginnt mit einem Storyboard, als ob er einen Kurzfilm drehen würde, etwa wie einen Cartoon, mit groben Scribblings, Zeichnungen und kompletten Texten. Erst wenn er dieses Storyboard beendet hat, geht er ins Studio und dreht mit meinen Musikern diesen Film als "Regisseur ohne Bilder". Was die Musiker dann als Vorgabe von ihm bekommen, ist die Tonart, die präzise Geschwindigkeit sowie eine exakte Beschreibung der "Filmszenen".[14]

Werk[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Constrictor Records[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Phillip Boa begründete 1986 zusammen mit Pia Lund das Label Constrictor Records. Neben den Platten von Phillip Boa and the Voodooclub wurden dort etwa 50 Alben und 10 Singles deutscher und vor allem britischer Independentbands, wie z. B. von Jowe Head, Talulah Gosh und Television Personalities, veröffentlicht. Zweigbetriebe des Labels Constrictor waren der Constrictor Musikverlag (oder Constrictor Publishing) und Film Noir. Im Jahr 1991 beendete das Label Constrictor Records seine Arbeit. Über den Verlag Film Noir erscheinen seit 1998 die Veröffentlichungen von Phillip Boa and the Voodooclub[15]

Rezeption[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Phillip Boa and the Voodooclub zählen zu den renommiertesten deutschen Bands, die auch international von Kritikern und Fans anerkannt sind (ARD).[16]
  • 2012 schrieb John Robb, ein renommierter englischer Musikkritiker, im Louder Than War Magazine: „Boa ist einer der bedeutendsten deutschen Künstler der letzten 30 Jahre.“[17]
  • Bei der Umfrage "Made in Germany – Die einflussreichsten deutschen Musiker" wurde Phillip Boa in den Top 20 geführt (laut.de).[18]
  • Die Band Die Ärzte singt in ihrem Song „Wir sind die Besten“ (Bonus-EP zum Album „Jazz ist anders“) über Phillip Boa. Dabei stellt sie Boa und sich in ironischer Weise als die letzten guten Musiker dar.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. MusikWoche, 06. Juli 2018.
  2. Interview mit Philipp Boa und Pia Lund, popsplits – Phillip Boa: „Container Love“, 2007, bei: YouTube.
  3. Interview mit Phillip Boa in LabKultur, 29. März 2011.
  4. Website von Phillip Boa and The Voodooclub, Presse, Mai 2017.
  5. Radioeins, abgerufen am 26. September 2016.
  6. Offizielle Charts, abgerufen am 26. September 2016.
  7. Website von Phillip Boa and The Voodooclub, Biografie/Vita, September 2017.
  8. Website von Phillip Boa and The Voodooclub, Biografie/Vita, Mai 2018.
  9. MusikWoche, 06. Juli 2018.
  10. GfK Entertainment/Offizielle Deutsche Charts, 17. August 2018.
  11. Cargo Records, 14. August 2018.
  12. Album der Woche, 10. August 2018.
  13. Website von Phillip Boa and The Voodooclub, Biografie/Vita, Juli 2017.
  14. Website von Phillip Boa and The Voodooclub, Biografie/Vita, Mai 2018.
  15. Myspaceseite von Constrictor Records.
  16. ARD, abgerufen am 31. Mai 2014.
  17. John Robben: „One of the best German bands of the last three decades, Phillip Boa and the Voodoo Club have been on a creative surge recently“, louderthanwar.com, 7. Dezember 2012, abgerufen am 8. Februar 2013.
  18. "Made in Germany – Die einflussreichsten deutschen Musiker", laut.de, 26. März 2011, abgerufen am 21. Mai 2015.