Phubbing

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Mehrere Menschen verwenden ihre Mobiltelefone an einem Tisch

Phubbing (Aussprache: [ˈfʌb.ɪŋ], Kofferwort aus engl. ,phone‘ / ,Telefon‘ und ,snubbing‘ / ‚brüskieren‘) bezeichnet den unangemessenen Gebrauch eines Mobiltelefons in einer sozialen Sitation, also einen Verstoß gegen die Handy-Etikette.

Geschichte des Worts[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Begriff entstand 2013 für eine Marketingkampagne des australischen Wörterbuchverlages Macquarie Dictionary. Die Werbeagentur McCann Erickson erfand für den Kunden das Wort und die fiktive virale Kampagne Stopphubbing.[1] Weltweit berichteten Medien über den sich angeblich verbreitenden Begriff für eine Handy-Etikette, das Verhalten von Handynutzern und die vermeintliche Kampagne gegen die damit verbundene Unhöflichkeit. Im Oktober 2013 wurde bekannt, dass der angebliche Student Alex Haigh, der die Kampagne gestartet hatte, in Wirklichkeit für die Werbeagentur arbeitete.[2][3] Ein Spot mit dem Titel A Word is Born über die Werbekampagne für das Wörterbuch wurde veröffentlicht.[4] Das Cambridge Dictionary nahm das Wort im November 2013 auf.[5][6] In den folgenden Jahren bürgerte es sich im Sinne der Erfinder ein, um die als störend empfundene Nutzung eines Smartphones zu beschreiben.[7][8][9][10][11] Phubbing ist seit den 2010er Jahren Gegenstand zahlreicher kommunikationswissenschaftlicher und sozialpsychologischer Studien.[12]

Definition[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Wort wurde definiert als die Angewohnheit, sich mit dem Handy oder Smartphone zu beschäftigen, während man die Menschen, mit denen man gerade gesellschaftlich verkehrt, vernachlässigt. Zugleich wird indirekt darauf hingewiesen, dass dieses Verhalten in der Gesellschaft nicht nur von anderen Menschen als unhöflich empfunden wird, sondern es auch eine kommunikative Barriere oder Abschottung darstellt.[13]

Soziale Aspekte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ein entscheidender Faktor, der Phubbing begünstigt, ist laut einer Studie aus dem Jahr 2021 die persönliche Einstellung. Wer sich nicht daran stört, wenn andere aufs Handy schauen, neigt stärker zu einer ausgrenzenden Telefonnutzung in Gegenwart anderer. Gleichzeitig erleben Personen mit einer positiveren Einstellung zu Phubbing dieses Verhalten auch häufiger von anderen. Diejenigen, die ihr Telefon zuerst benutzen, phubben dabei tendenziell häufiger. Hingegen scheint weniger relevant zu sein, wie gut man die Beziehung zum Gegenüber bewertet: Eine geringere Wertschätzung der sozialen Interaktion erhöht zwar die allgemeine Telefonnutzung, nicht jedoch das ausgrenzende Phubbing. Besonders anfällig, so die Studie, seien Liebespartner sowie Freunde. Phubbing könne dazu führen, dass die Zufriedenheit mit sozialen Interaktionen wie Gesprächen oder gemeinsamen Erlebnissen sinkt und man sie weniger wertschätzt. Langfristig könne dieses Verhalten zur Distanzierung der Betroffenen führen.[14] Phubbing wurde auch als Form digitaler Willensschwäche (gr. Akrasia) gedeutet.[15]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Jesper Aagaard (2020): „Digital akrasia: a qualitative study of phubbing“, in: AI & Soc 35, 237–244, PDF
  • Mariek Vanden Abele (2020): „The social consequences of phubbing: A framework and a research agenda“, in: R. Ling, G. Goggin, L. Fortunati, S. S. Lim, & Y. Li (Eds.), The Oxford Handbook of Mobile Communication and Society, Oxford University Press.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. pc-magazin.de: Phubbing – der erfundene Trend, 21. Oktober 2013, abgerufen am 2. Oktober 2016.
  2. McCann Melbourne Made Up a Word to Sell a Print Dictionary. 7. Oktober 2013, abgerufen am 18. Februar 2022 (englisch).
  3. Redaktion bizzwire: Phubbing: Erfundener Trend als Marketingkampagne. Abgerufen am 16. Februar 2022.
  4. How McCann invented the word 'Phubbing' for Macquarie Dictionary 'A Word is Born' campaign. In: Campaign Brief. 9. Oktober 2013, abgerufen am 18. Februar 2022 (australisches Englisch).
  5. phubbing. Abgerufen am 13. Februar 2022.
  6. New Words 4. November 2013. Im Dictionaryblog auf cambridge.org
  7. Tagesspiegel: Warum wir ständig auf das Smartphone starren, 16. Juni 2014.
  8. t3n: Mit virtuellen Bäumen produktiver arbeiten: Das steckt hinter der App Forest, 9. September 2014.
  9. #DigitalDictionary: Phubbing – Wenn die Technik Beziehungen stört. Abgerufen am 13. Februar 2022.
  10. Phubbing – kannste mal das Handy weglegen?! 22. Januar 2022, abgerufen am 13. Februar 2022.
  11. Beziehungsglück: Phubbing stört die Zweisamkeit. Abgerufen am 13. Februar 2022.
  12. Estefanía Capilla Garrido, Tomayess Issa, Prudencia Gutiérrez Esteban, Sixto Cubo Delgado: A descriptive literature review of phubbing behaviors. In: Heliyon. Band 7, Nr. 5, 1. Mai 2021, ISSN 2405-8440, S. e07037, doi:10.1016/j.heliyon.2021.e07037 (sciencedirect.com [abgerufen am 18. Februar 2022]).
  13. Interview mit Alex Haigh. Technology Review online. Abgerufen am 25. August 2013.
  14. Christiane M. Büttner, Andrew T. Gloster, Rainer Greifeneder: Your phone ruins our lunch: Attitudes, norms, and valuing the interaction predict phone use and phubbing in dyadic social interactions. In: Mobile Media & Communication. 23. Dezember 2021, ISSN 2050-1579, S. 205015792110599, doi:10.1177/20501579211059914 (sagepub.com [abgerufen am 17. Februar 2022]).
  15. Aagard 2020.