Pieter Cornet

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Pieter Cornet (* um 1575 in Brüssel; † 27. März 1633 ebenda) war ein franko-flämischer Komponist und Organist der Renaissance.[1][2][3]

Leben und Wirken[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Über die Herkunft und die Ausbildungsjahre von Pieter Cornet sind keine Informationen überliefert. Die erste belegte Nachricht über sein Wirken ist seine Anstellung als Organist an der Kirche Saint-Nicolas in Brüssel in den Jahren 1603 bis 1606. Anschließend übernahm er in der gleichen Stadt die Stellung eines Hoforganisten bei Erzherzog Albrecht und seiner Frau Isabella. Seine Kollegen in der gleichen Stellung waren Peter Philips, John Bull, Juan Zacarias und Vicenzio Gumai. Aus der Überlieferung geht hervor, dass Peter Philips hauptsächlich dem Erzherzog und Pieter Cornet mehr Herzogin Isabella dienstlich zugeordnet war. Cornet übernahm im Jahr 1611 in der Stadt Zinnik (Soignies) das Amt eines Kanonikers, gab diese Stellung aber schon nach einem Monat wieder auf, weil er sich zur Heirat im gleichen Jahr entschlossen hatte. Für die Jahre 1612 bis 1623 ist die Geburt von sieben Kindern belegt. In den Rechnungsbüchern der Brüsseler Hofkapelle ist Pieter Cornet für die Jahre 1612 bis 1618 als Musiker verzeichnet; er blieb dieser Institution jedoch sehr wahrscheinlich auch in den folgenden Jahren bis an sein Lebensende verbunden, bei gleichzeitiger Zusammenarbeit mit John Bull und Peter Philips. Die Verantwortlichen der Sankt-Rombouts-Kathedrale von Mechelen hatten schon im Jahr 1615 Cornets Rat wegen ihrer Orgel in Anspruch genommen; 1624 verpflichtete er sich vertraglich, den Neubau eines Teils dieser Orgel zu überwachen.

Bedeutung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Wenn auch nur wenige Werke von Pieter Cornet überliefert sind, bezeugen diese jedoch eine große Vielseitigkeit und eine am internationalen Hof in Brüssel gewonnene Vertrautheit mit der Orgelmusik aus Deutschland, England, Spanien und Italien. Eine Toccata mit Fantasia erinnern deutlich an die Werke von Girolamo Frescobaldi, Andrea und Giovanni Gabrieli, Girolamo Diruta oder Claudio Merulo. Der Stil spanischer Orgelstücke mit ihren charakteristischen Zügen eines „Tiento de medio registro de baxon“ zeigt sich in einer anderen Fantasia von Cornet. In der Figuration und Ornamentierung einiger Werke zeigt sich englischer Einfluss, der möglicherweise von John Bull und Peter Philips vermittelt wurde. Im Gegensatz zu seinem berühmten Zeitgenossen Jan Pieterszoon Sweelinck sind seine großen Fantasien mit mehreren Themen angelegt; sie zeichnen sich durch lebhafte Erfindung und reichhaltige Struktur aus.

Werke (alle für Orgel)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur (Auswahl)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Charles Van den Borren: Les Origines de la musique de clavier dans les Pays-Bas (Nord et Sud) jusque vers 1630, Brüssel 1914
  • M. A. Ferrard: Peeter Cornet (?–1633), organiste à la cour d’Albert et Isabelle à Bruxelles, Dissertation an der Vrije Universität Brüssel 1970
  • M. Armstrong: Peeter Cornet (?–1633), organiste à la cour d’Albert et Isabelle à Bruxelles, Mémoire de Licence, Brüssel 1970
  • R. H. Kelton: Christ Church (Oxford) Music Manuscript #89: A Seventeenth-Century Organ Book, Dissertation an der Boston University 1974
  • Guido Persoons: De orgels en organisten van de Onze Lieve Vrouwekerk te Antwerpen van 1500 tot 1650, Brüssel 1981

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Quellen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Die Musik in Geschichte und Gegenwart (MGG), Personenteil Band 4, Bärenreiter und Metzler, Kassel und Basel 2000, ISBN 3-7618-1114-4
  2. Marc Honegger, Günther Massenkeil: Das große Lexikon der Musik, Band 2, Herder, Freiburg im Breisgau 1979, ISBN 3-451-18052-9
  3. Lexikon der Orgel, herausgegeben von Hermann Josef Busch und Matthias Geuting, 2. Auflage, Laaber 2008, ISBN 978-3-89007-508-2