Polizeirevier Dessau-Roßlau

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Polizeirevier Dessau-Roßlau

Das Polizeirevier Dessau-Roßlau ist ein Polizeirevier der Polizei Sachsen-Anhalt.[1] Es zählt zur Polizeiinspektion Dessau-Roßlau und ist zuständig für die kreisfreie Stadt Dessau-Roßlau mit einer Fläche von 244,74 km² und 82.505 Einwohnern.Stand 2016

Standort[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Gebäude in der Wolfgangstraße 25, in dem die Dienststelle untergebracht ist, ist denkmalgeschützt.[2]

Vorfälle[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Dezember 1997 wurde Hans-Jürgen Rose „nach einer Alkoholfahrt von Polizisten aufgegriffen […] Kurz darauf wird der sterbende Mann wenige Häuser entfernt mit schweren inneren Verletzungen aufgefunden.“

2002 wurde der Obdachlose Mario Bichtemann in Zelle 5 eingesperrt. „Als die Zellentür aufgeschlossen wird, liegt er mit einem Schädelbasisbruch tot auf dem Boden.“[3]

Der in Deutschland lebende Sierra Leoner Oury Jalloh starb am 5. Januar 2005 unter unklaren Umständen während eines Brandes in der Zelle 5 im Keller des Dienstgebäudes. Ein forensisches Gutachten zeigt auch bei ihm einen Schädelbruch sowie weitere Verletzungen, bei denen davon auszugehen ist, dass sie vor seinem Tod entstanden sind[4]. Der zuständige Dienstgruppenleiter wurde im Dezember 2008 zunächst vom Landgericht Dessau-Roßlau freigesprochen, aber nach Aufhebung des Urteils durch den Bundesgerichtshof und Zurückverweisung an das Landgericht Magdeburg im Dezember 2012 wegen fahrlässiger Tötung zu einer Geldstrafe verurteilt. Dieses Urteil wurde 2014 letztinstanzlich bestätigt.[5]

Der stellvertretende Polizeipräsident von Dessau forderte im Mai 2007 Beamte des „Polizeilichen Staatsschutzes“ auf, Erfassungen rechtsextremer Straftaten zu bremsen. Obwohl diese Aufforderung durch die Gedächtnisprotokolle dreier Beamter dokumentiert war, lehnte die Staatsanwaltschaft die Eröffnung eines Strafverfahrens zu dieser Dessauer Polizeiaffäre ab. Die drei Beamten wurden außerdem versetzt.[6]

Im Mordfall Li Yangjie geriet der Revierleiter Jörg S. im Mai 2016 unter Verdacht, gemeinsam mit seiner Frau, die ebenfalls Polizistin ist, die Ermittlungen gegen seinen Stiefsohn behindert zu haben. Die Staatsanwaltschaft sah aber keinen ausreichenden Verdacht für ein Strafverfahren. Nur einen Tag nach der Trauerfeier für die Ermordete nahm Jörg S. – der sich an diesem Tag wie seine Frau krankgemeldet hatte – an der feierlichen Eröffnung einer Gaststätte teil, die seine Frau als Nebentätigkeit betreibt. Er wurde deshalb vom Innenministerium an die Fachhochschule der Polizei in Aschersleben versetzt. Das Verwaltungsgericht Halle machte die Versetzung wieder rückgängig.[7]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Polizeirevier Dessau-Roßlau
  2. http://padoka.landtag.sachsen-anhalt.de/files/drs/wp6/drs/d3905gak.pdf
  3. Jan Schumann: Drei Tote in Dessau: Ein eigentlich unvorstellbares Szenario. In: Berliner Zeitung. (berliner-zeitung.de [abgerufen am 9. Mai 2018]).
  4. initiativeouryjalloh: Neues forensisch – radiologisches Gutachten im Fall Oury Jalloh / Pressemitteilung – Initiative in Gedenken an Oury Jalloh, vom 28.10.2019. In: BREAK THE SILENCE. 28. Oktober 2019, abgerufen am 29. Oktober 2019 (britisches Englisch).
  5. Ursula Knapp: BGH bestätigt Urteil: Strafe gegen Polizisten im Fall Jalloh. 14. September 2014. Archiviert vom Original am 13. Januar 2020. Abgerufen am 7. Juni 2020. 
  6. Einblick in die Dessauer Polizeiaffäre. Abgerufen am 18. August 2020.
  7. Mordfall Y. Li in Dessau – Früherer Revierleiter muss nicht in Aschersleben arbeiten. (Memento vom 12. Dezember 2016 im Internet Archive) MDR.de, 9. November 2016.

Koordinaten: 51° 50′ 23,4″ N, 12° 14′ 30″ O