Popper (Jugendkultur)

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Popper im Sommerlook, Juli 1981

Popper waren die Mitglieder einer deutschen Jugendkultur in Westdeutschland, West-Berlin und der DDR der ersten Hälfte der 1980er Jahre. In Österreich bezeichneten sie sich auch als Snob.[1]

Hintergrund[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Jugendbewegung breitete sich 1979, von Hamburger Gymnasien ausgehend, während der ersten Hälfte der 1980er Jahre aus. Am 14. März 1980 erschien Die mit der Tolle, der erste Artikel über die Hamburger Popperszene im ZEITmagazin. Die meist aus der Mittel- bis Oberschicht stammenden Anhänger gaben sich bewusst konformistisch und unpolitisch. Sie zelebrierten demonstrativ den Konsum, aus Überdruss an und aus Protest gegen die vorangegangenen und vorhandenen konsumkritischen Jugendkulturen („Rebellion gegen die Rebellion“). Sie ist in der Art als Subkultur vergleichbar mit den Teddy Boys in den 1960er Jahren.

Unter dem Slogan Sehen und gesehen werden, ist des Poppers Glück auf Erden traten bei ihnen ästhetische an die Stelle ethischer und gesellschaftlicher Fragen, die beispielsweise bei der 68er- oder der Alternativbewegung dominierten. Mit ihrem demonstrativen und auch gestalterisch anspruchsvollen Konsumstil versuchten sie sich aber auch abzugrenzen vom traditionellen Konservativismus („Spießer“). An die Stelle traditionell konservativer Werte, wie Harmoniestreben, Obrigkeitstreue, Pflichtgefühl und Bescheidenheit traten nun auch zum Teil provozierende Werte wie zelebrierter Hedonismus, unverhohlener Egoismus und materialistisches Imponiergehabe, mit denen sie sowohl das alternative Milieu als auch klassisch konservative Kreise vor den Kopf stießen.

Ab 1984 ebbte die Bewegung stark ab. Die entsprechenden Jahrgänge machten Abitur und wechselten an die Universität. Dadurch lösten sich die bestehenden Gruppen meistens auf.

In anderen europäischen Ländern wie Frankreich, Italien (siehe Paninaro) und teilweise England gab es ähnliche modische Entwicklungen, die jedoch nicht so betont unpolitisch und namentlich formuliert waren wie in Deutschland.

Konsumverhalten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Exklusive und teure Modemarken wie Burberry, Etienne Aigner, Burlington, Timberland, Fiorucci, Benetton, Diesel oder Lacoste bestimmten das äußere Erscheinungsbild der Popper. Die typische Frisur war die „Poppertolle“ mit Seitenscheitel; ein Kurzhaarschnitt mit sehr kurzen, ausrasierten Haaren im Nacken, rasierten Koteletten, längerem, stufig geschnittenem Deckhaar und einem großen, asymmetrischen Pony, der so ins Gesicht fiel, dass ein Auge vollständig bedeckt war. Das bevorzugte Transportmittel der Popper waren Mofas (z. B. Bravo und Ciao von Piaggio) sowie Motorroller wie die Vespa.

Man rauchte „internationale Zigaretten“ der Marken Cartier, Dunhill oder JPS und benutzte die Düfte der Firmen Cartier, Chanel und Lagerfeld. Der Modestil der Popper lehnte sich an Vorbilder wie Felix Krull, Martin Fry, Bryan Ferry, die Modefotografien Helmut Newtons und deren betont elegante und exklusive Moderichtung an. Popper trugen etwa eine Kombination von Tasselloafern, damals „Slipper“ oder „College-Schuhe“ genannt, mit „Bömmelchen“ und Burlington-Socken, die ersten Karottenhosen der Marke „Fiorucci“, Polohemden mit Strick- und Lederkrawatten auch inklusive Krawattenspange sowie Cashmere-Pullovern mit V-Ausschnitt, einfarbig oder mit Rautenmuster. Die Kleidung war bei weiblichen und männlichen Poppern weitestgehend gleich.

Musik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ein eigener Musikstil, wie er für Jugendkulturen charakteristisch ist, fand sich bei Poppern nicht durchgängig. Gehört wurde von Synthesizern und Streicherarrangements dominierte Popmusik der damaligen Zeit. Typische Popper-Bands/Alben sind zum Beispiel ABC / The Lexicon of Love, Haircut 100 / Pelican West, Spandau Ballet / True und Roxy Music. Unpolitische, romantische Themen wie Liebe und Lebensstil bestimmten die Inhalte der typischen „Poppermusik“. Beliebte Produzenten waren unter anderen Tony Mansfield und Trevor Horn.

Verhältnis zu anderen Jugendkulturen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Popper bildeten keine exklusive Subkultur, sondern formten mehr oder weniger lose Cliquen. In einer politisch bewegten Zeit mit zahlreichen Demonstrationen und Protestbewegungen (Friedensbewegung zur Zeit des NATO-Doppelbeschlusses, Bau der Startbahn West des Frankfurter Flughafens, Atomkraftgegner gegen die WAA Wackersdorf etc.) bot diese Jugendkultur einen unpolitischen, bewusst angepassten Gegenentwurf zur eher konfrontativ ausgerichteten Alternativszene. Das wiederum führte zu Spannungen mit anderen Jugendkulturen, allen voran den Punks. 1980 kam es vor allem in Hamburg und kurz darauf in West-Berlin, später auch in anderen Städten, zu mehreren Massenschlägereien zwischen beiden Gruppen. Im Mai 1980 stürmten hunderte Jugendliche, in der Mehrzahl Hamburger Punks, das als Popperviertel bekannte Pöseldorf, eine noble Gegend westlich der Hamburger Außenalster, und attackierten Statussymbole, warfen Scheiben ein und kippten Autos um. Nur wenige Monate später eskalierten die Auseinandersetzungen besonders in West-Berlin, als die Musikband Die Popper im Veranstaltungszentrum Hasenheide ein Konzert veranstaltete und ca. 400 Punks versuchten, zum Ort der Veranstaltung durchzubrechen. Die Polizei setzte diesem Vorhaben ein Ende. Die Medien griffen das Thema auf und stilisierten diese Konflikte zu einer Art Klassenkampf unter Jugendlichen.

Eine andere Gegenkultur zur Konsumgesellschaft der Popper war die zweite Welle der Mods. Es gibt mit dieser Gruppe auch einige Gemeinsamkeiten wie die unpolitische Haltung, „Spaß am Leben“ und den Motorroller. Sie waren nicht für jeden leicht unterscheidbar. Mods waren auch gestylt, kamen aber mit günstigeren Accessoires aus und trugen oft Parka.[1]

Wer kein Popper war – besonders Punks, Rocker und Mods – war aus ihrer Sicht ein „Prolo“.[1]

Name[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Herkunft des Begriffes „Popper“ ist unklar, er stammt aber nicht aus dem Englischen. Die Pluralform ist die Popper.

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b c Panorama – Klassiker der Reportage Folge: Jugendkultur von 1950 bis heute – I can’t get no, 3sat, 25. März 2011 4:05, Beitrag aus Ohne Maulkorb vom 4. Juni 1980