68er-Bewegung

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US-amerikanischer Napalm-Angriff im Vietnamkrieg

Unter dem Schlagwort 68er-Bewegung werden internationale und politisch linksgerichtete Bürgerrechtsbewegungen zusammengefasst, die Mitte der 1960er Jahre aktiv geworden sind. Sie begannen mit den Protesten US-amerikanischer Bürgerrechtler. In Deutschland, ebenso wie in anderen Ländern Europas, gab es intensive zivile Konflikte. Nach dem Mauerbau am 13. August 1961 verlagerte sich der Fokus des Ost-West-Konflikts. Die sowjetisch-chinesischen Spannungen und die Stellvertreterkriege, wie sie in Vietnam geführt wurden, gerieten in den Vordergrund. Die kubanische Revolution, die erste Eskalation des amerikanischen Krieges in Vietnam, die Klassenkämpfe im Kongo und die Revolution in Algerien gaben dem Denken eine neue Richtung. 1968 uferten die von diesen Bewegungen thematisierten Konflikte aus. In den USA kam es zu Demonstrationen gegen den Vietnamkrieg, sowie gegen die Folgen der Ermordung des Theologen und Bürgerrechtlers Martin Luther King. Die Intensivierung des Vietnamkrieges bot der Neuen Linken einen zentralen Bezugspunkt, der sie zu einem globalen Phänomen machte.

Transnationale Dimension[Bearbeiten]

Vom Prager Frühling abgesehen wird die 68er-Bewegung häufig als westliches Phänomen wahrgenommen. 1968 sei sogar „zum Synonym für die kulturelle Verwestlichung geworden“.[1] Dagegen deutet Immanuel Wallerstein die Bürgerrechtsbewegungen der 1960er-Jahre als ein gegen den Kapitalismus gerichtetes globales Ereignis. Er verwendet den Begriff der „Weltrevolution“. Wallerstein geht von der Annahme aus, dass der Kapitalismus als Weltsystem existiere, sodass es auf nationaler Ebene keine Revolution geben könne. In der Gleichzeitigkeit vieler Aufstände – sowohl 1848 als auch 1968 – erkennt er echte Weltrevolutionen. 1968 sei die Hegemonie der USA die wichtigste gemeinsame Angriffsfläche gewesen.[2]

Marcel van der Linden versuchte zu erklären, warum innerhalb eines kurzen Zeitraums Ende der 1960er, Anfang der 1970er Jahre viele verschiedene Prozesse abliefen. Zum einen nennt er drei strukturelle Faktoren:

  1. Das starke Wirtschaftswachstum nach dem Zweiten Weltkrieg, das in der Krise von 1966/67 stockte.
  2. Die weltweit stärkere Beteiligung an Bildung, einschließlich der universitären Ausbildung.
  3. Die Dekolonisierung, die nach dem Zweiten Weltkrieg begann und sich Anfang der 1960er Jahre beschleunigte.

Neben diesen strukturellen Einflüssen nennt er mehrere Ereignisse, die zu anderen Formen der Politik inspirierten: Die kubanische Revolution, die chinesische Große Proletarische Kulturrevolution und der Prager Frühling 1968. Ebenso wichtig war die Tet-Offensive im Vietnamkrieg. Als weiteres Argument führt van der Linden wechselseitige Lernprozesse und internationale Kontakte an. Kontakte sowohl zwischen Arbeitern, die im Zuge des Aufstiegs multinationaler Unternehmen eine globale Vertretung ihrer Interessen zu organisieren suchten, als auch zwischen radikalen Studenten und Arbeitern.[3] Damit lenkt van der Linden die Aufmerksamkeit auf nichtstudentische Bewegungen, insbesondere auf die Arbeiteraufstände in Frankreich, Italien und Spanien.

Die transnationale Dimension der 68er-Bewegung ist durch Dekolonisierung, Antiimperialismus und durch den Widerstand gegen verschiedene Formen des Neokolonialismus gefördert worden. Besonders der Antikolonialismus stellte eine große Verbundenheit zwischen Akteuren auf der ganzen Welt her. Die Fokustheorie des Ernesto Che Guevara und die Schriften des algerischen Befreiungskämpfers Frantz Fanon bildeten einen gemeinsamen Integrationsrahmen und führten zu konkreten Organisationsformen im Sinne einer Guerillamentalität. Die kubanische Revolution (1959) und der Algerienkrieg (1954-1962) können als Wegbereiter der 68er-Bewegung betrachtet werden.[4]

Im Zeitgeist der 68er begünstigte die transnationale Struktur der katholischen Kirche die Entstehung der Befreiungstheologie. Das Zweite Vatikanische Konzil von 1962 bis 1965 forderte eine umfassende Erneuerung der Kirche. Vor diesem Hintergrund sowie angesichts der von Armut, Unterdrückung und Ungerechtigkeit geprägten Lebenssituation in Lateinamerika akzeptierte 1968 die Bischofskonferenz von Medellín die Idee von der Theologie der Armen.[5] Ähnliche Konzepte entwickelten sich in Südafrika und in Asien. Die aus der US-amerikanischen Bürgerrechtsbewegung hervorgegangene „schwarze Theologie“ verstand sich als eine radikale Form der Befreiungstheologie.[6]

68er-Generation[Bearbeiten]

Ihrer internationalen Bedeutung ungeachtet, bezeichnet der deutsche Sprachgebrauch die Ereignisse in der Bundesrepublik Deutschland, die von der Studentenbewegung der 1960er Jahre ausgingen, als 68er-Bewegung.[7][8] Sie hat einer ganzen Generation ihren Namen gegeben. Für diese Menschen waren die späten 1960er Jahre eine prägende Phase. Wer dieser Generation angehörte und sich aktiv an den Protesten beteiligte, wurde als 68er oder Alt-68er bezeichnet. Der Publizist Rainer Böhme definiert die acht Millionen Deutschen der Jahrgänge 1940 bis 1950 als 68er. Ab 2005 erreichte diese Generation ihr Renteneintrittsalter.[9] Aufgrund alltäglicher Wahrnehmungen kategorisieren einige Länder die Auflehnung der 68er als Generationenkonflikt oder als Jugendbewegung. Diese Sichtweise lässt unbeachtet, dass unterschiedliche Generationen an den Konflikten beteiligt waren. Auf der Basis eines differenzierten theoretischen Konzepts lässt sich die soziale Bewegung von 1967/68 als generationale Protestbewegung begreifen, die internationale Bedeutung erlangte.[10][11]

Ausgangssituation und Ursachen der 68er-Bewegung[Bearbeiten]

Bundesrepublik[Bearbeiten]

Der 1930 geborene Verleger Klaus Wagenbach beschreibt die Ursachen der 68er-Bewegung aus seiner eigenen Erfahrung: „1954, als sie in Bern Fußballweltmeister wurden, habe ich in Frankfurt gehört, wie nach der Deutschlandhymne wie früher das Horst-Wessel-Lied gebrüllt wurde. Das Gebrüll des Dritten Reichs konnte man in den Wochenschauen hören, und im Rundfunk wurde wie früher gebellt. Wenn einer laut Gitarre spielte, kam sofort der Polizeiknüppel. Das waren die Schwabinger Krawalle. Sie machten sich strafbar, wenn Sie Geschlechtsverkehr hatten, ohne verheiratet zu sein. Wenn Hildegard Knef eine halbe Brust heraushängen ließ, wurde die Aktion Saubere Leinwand aktiv.“[12]

Das Ende der 1940er Jahre einsetzende Wirtschaftswunder und die antikommunistisch geprägte Westorientierung der Politik Konrad Adenauers[13] bewirkte schnelle gesellschaftliche und kulturelle Veränderungen. Die 1949 erfolgte Gründung des sozialistischen Staates der DDR verstärkte diesen Wandel. In dieser Zeit entwickelten sich zwischen der Generation, die den Krieg erlebt hat, und den Nachgeborenen Spannungen. Hinzu kam die gesellschaftliche Aufgabe der Eingliederung von acht Millionen Vertriebenen, sowie von eineinhalb Millionen Zuwanderern aus der sowjetischen Besatzungszone beziehungsweise der DDR.[14]

DDR[Bearbeiten]

1945 gab es in der sowjetischen Besatzungszone und ab 1949 in der DDR Widerstand gegen die SED. Am stärksten lehnten sich die ostdeutschen Sozialdemokraten auf. Sie sprachen sich zu Tausenden gegen die Vereinigung ihrer Partei mit der KPD aus. Die sowjetische Militäradministration inhaftierte 6000 ihrer Mitglieder. 1949 wurde der Student Wolfgang Natonek wegen seines Engagements für die Meinungsfreiheit zu 25 Jahren Zwangsarbeit verurteilt. Er verbüßte sieben Jahre. 1950 verurteilten die Gerichte der DDR 78.000 Angeklagte wegen politischer Delikte. Unter diesen Bedingungen war politischer Widerstand nur verdeckt möglich.[15] Nach Stalins Tod im März 1953 stand die reformorientierte Kritik am Sozialismus der DDR im Mittelpunkt der politischen Opposition. Allerdings war klar, dass sich in der SED kein neuer Kurs durchsetzen würde. Am 17. Juni 1953 eskalierte die Situation in einem Volksaufstand, den sowjetische Truppen blutig niederschlugen.[16] Die anschließend einsetzende Abwanderung von DDR-Bürgern, vor allem in die Bundesrepublik, führte in der DDR zu ökonomischen Problemen. Zwischen 1949 und dem Bau der Mauer 1961 waren knapp 2,7 Millionen Menschen nach Westdeutschland geflohen.[17]

Tschechoslowakei[Bearbeiten]

1946 kam die kommunistische Partei der Tschechoslowakei aus eigener Kraft an die Regierung.[18] Die Partei genoss wegen ihres aktiven Widerstands gegen die deutsche Besatzung unter Nichtkommunisten Anerkennung. Sie versprach einen sozialistischen Weg, der den demokratischen Traditionen des Landes gerecht werden sollte. Aber nach Stalins Tod 1953 gab es innerhalb der Partei keine nennenswerten Kräfte, die eine Entstalinisierung unterstützt hätten. 1954 wurden slowakische Kommunisten wegen „bourgeoisem Nationalismus“ zu lebenslanger Haft verurteilt. Zwischen 1948 und 1954 soll es in der Tschechoslowakei bei einer Bevölkerung von 14 Millionen Menschen 150 000 politische Häftlinge gegeben haben. Vor allem Jugendliche und Intellektuelle protestierten gegen die fehlende Aufarbeitung des Stalinismus.[19]

Polen[Bearbeiten]

24. Oktober 1956: Gomulkas Rede.

Die seit dem Tod Josef Stalins im März 1953 eingetretene Lockerung des politischen Klimas erreichte im polnischen Oktober 1956 ihren Höhepunkt. Der Stalinismus galt als überwunden. Die Bevölkerung hoffte, dass die Regierung von Wladyslaw Gomulka den Kommunismus liberalisieren würde. Politische und ökonomische Probleme konnten öffentlich thematisiert werden. Kardinal Wyszynski kehrte aus der Verbannung zurück.[20] In den folgenden Jahren rückte Gomulka von einem demokratisch verfassten Sozialismus ab. Die Erwartungen der Bevölkerung wurden enttäuscht. Die Regierung schränkte die Errungenschaften des Oktober 1956 wieder ein. Als Westeuropa ein Wirtschaftswunder erlebte, ging es in Polen wirtschaftlich bergab.[21]

Frankreich[Bearbeiten]

Am Ende des Zweiten Weltkriegs war die Parti communiste français (PCF) stärkste Partei. In der Zeit nach dem Krieg waren die französischen Arbeiter vorwiegend in der PCF organisiert.[22] Anschließend zersplitterte sich die französische Linke, es entstand die Parti Socialiste (PS). Gleichwohl waren die kommunistischen Parteien, die in der Resistance gegen den Faschismus kämpften, wichtige Elemente der Demokratie.[23] Die politisch Rechte war ebenso stark, weil es dem späteren Präsidenten Charles de Gaulle gelang, die Resistance für sich zu gewinnen. Die 1958 unter de Gaulle gegründete Fünfte Französische Republik profitierte von einem starken wirtschaftlichen Aufschwung. Diese Konjunktur veränderte die soziale Struktur der französischen Gesellschaft. Viele Bauern zog es in die Städte. Dort erweiterten sie „gemeinsam mit Immigranten die Arbeiterklasse um eine junge, militante und von der Bürokratie der Gewerkschaft schwer zu kontrollierende Schicht“.[24]

Italien[Bearbeiten]

Die konservative Democrazia Cristiana regierte das Land seit 1948. Ihr stand mit Partito Comunista Italiano (PCI) die stärkste kommunistische Partei Westeuropas gegenüber. Bis Anfang der 1960er Jahre gelang es, die PCI systematisch von der Macht fernzuhalten.[25] Ökonomisch betrachtet entwickelte Italien sich nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs vom Agrar- zum Industrieland. Die heutige Globalisierung erinnert an diese Umwälzungen. Die Migration von Arbeitern aus Süditalien in den Norden ließ dort anonyme Trabantenstädte entstehen. Das aufkommende Unbehagen in Kreisen der Bevölkerung, die vom wirtschaftlichen Aufschwung ausgeschlossen waren, fing der Staat nicht durch sozialpolitische Maßnahmen auf. Das italienische Wirtschaftswunder der 1950er Jahre verlief gespalten.

Außerdem war das Bildungssystem zu reformieren. Die Lehrinhalte an den Universitäten waren noch faschistisch geprägt.[26]

Für Italiens Intellektuelle ging es um die Fortsetzung der Resistenza von 1940. Es ging um die Frage, warum die Widerstandskämpfer keine Revolution wagten. Diese Idee des verratenen Widerstands, den die PCI nach 1945 nicht weitergeführte, spielte 1968 eine große Rolle.[27]

1960 demonstrierten in Genua Hafenarbeiter, frühere Widerstandskämpfer, Studenten und Jugendliche gegen einen Kongress des faschistischen Movimento Sociale Italiano. Das harte Eingreifen der Polizei löste landesweit eine Welle des Protests aus.[27]

Vereinigte Staaten[Bearbeiten]

In den 1950er Jahren begannen Afroamerikaner unter der Führung von Martin Luther King mit Boykotts, Märschen und gewaltfreien Protesten. Sie strebten ein Ende der Rassendiskriminierung an.[28] Als Earl Warren, ein ehemaliger Gouverneur von Kalifornien, Richter am Obersten Gerichtshof wurde, gelang es ihm, das Gericht in dem Verfahren Brown vs. Board of Education at Topeka dazu zu bewegen, gegen die bis dahin geltende Doktrin separate but equal zu stimmen. Damit war dieser Grundsatz ab dem 17. Mai 1954 verfassungswidrig.[29] Diese Entscheidung war der erste Wandel im Leben der Afroamerikaner seit der Reconstruction.

Martin Luther King beteiligte sich 1955 maßgeblich an dem sogenannten Busboykott von Montgomery. Im Dezember 1956 entschied das Oberste Gericht der USA, dass jede Form der Rassentrennung in Bussen verfassungswidrig ist.[30] Trotz allem setzten sich die Schikanen gegen Farbige fort. Diese Übergriffe werden unter dem Begriff „raffinierter amerikanischer Rassismus“ zusammengefasst. Schwarze tendierten dazu, in die Großstädte des Nordens zu ziehen. Dort versprachen sie sich Arbeit und eine bessere gesellschaftliche Position als in den Südstaaten. Im Laufe der Zeit bildeten sich dadurch Ghettos. Diese wirtschaftlichen, politischen, sozialen und rechtlichen Probleme bereiteten den Boden für die US-amerikanische Bürgerrechtsbewegung der 1960er Jahre.[31]

Mexiko[Bearbeiten]

Ab 1929 regierte die Partei der Institutionalisierten Revolution (PRI). Die PRI schaffte ein politisches Gebilde, das große Teile der erwerbsfähigen Bevölkerung formell beschäftigte. Als Arbeitgeber fungierten Gewerkschaften, Bauernorganisationen und städtische Institutionen. Soziale Leistungen von oben wurden mit politischer Loyalität von unten bezahlt. Die PRI integrierte systematisch soziale Interessen. Sie wirkte wie eine Brücke zwischen den lokalen Machtblöcken. „Lange Zeit wurde in ihren Reihen und in Symbiose mit dem jeweiligen Präsidenten die Machtbalance zwischen einer das Land modernisierenden metropolitanen Koalition (Unternehmer, städtische Arbeitnehmer und technokratische Politiker) und peripheren Machtcliquen (Caudillos und Caciquen) erfolgreich ausgehandelt“.[32]

Ab 1940 prosperierte die Wirtschaft. Industrialisierung und moderne Elemente eines Sozialstaats prägten das Land. Zu dieser Zeit entstand eine wohlhabende urbane Mittelschicht. Aber die soziale und ökonomische Ungleichheit verschärfte sich, besonders auf dem Lande. Bei größeren Konflikten ging es um regionale Landkämpfe. 1958/59 wurde ein Streik der Eisenbahner gewaltsam aufgelöst. Die Behörden verhafteten 6000 Demonstranten. Trotzdem wurde das politische System erst in den 1960er Jahren hinterfragt.[33]

Die 1960er Jahre als politischer Wendepunkt[Bearbeiten]

Roman Rosdolskys 1968 veröffentlichtes Standardwerk Zur Entstehungsgeschichte des Marxschen Kapital war für die Neue Linke eine maßgebende Interpretation der Kritik der politischen Ökonomie von Karl Marx. Es bestärkte die bundesdeutsche 68er-Bewegung in ihrer Forderung nach einem Ausstieg aus dem kapitalistischen System.[34] Dieses Motiv der „großen Verweigerung“ stammt von dem deutsch-amerikanischen Soziologen und Philosophen Herbert Marcuse. In seinem 1964 veröffentlichten Werk Der eindimensionale Mensch versuchte er, die befreite Gesellschaft vernunfttheoretisch und triebtheoretisch zu begründen. 1967 führte Marcuse in seinem an der Freien Universität Berlin gehaltenen Vortrag Das Ende der Utopie diesen theoretischen Ansatz aus. Nach Ansicht des US-amerikanischen Sozialwissenschaftlers Immanuel Wallerstein ist die aufbegehrende Mittelschicht das Charakteristikum der internationalen 68er-Bewegung. Diese Mittelschicht und mit ihr das kapitalistische Weltsystem sieht Wallerstein untergehen.

In den weltweiten Protesten der 1968er Jahre erlebte die von Max Horkheimer und Theodor W. Adorno entwickelte Kritische Theorie ihre Blütezeit. Sie will gesellschaftliche Mechanismen der Beherrschung und Unterdrückung aufdecken. Ihr Ziel ist eine vernünftige Gesellschaft mündiger Bürger.

Bundesrepublik[Bearbeiten]

Pflasterstein mit Anstecker „Enteignet Springer“, 1969
Sammlung Kindheit und Jugend (Stiftung Stadtmuseum Berlin), Wallstraße, Berlin-Mitte

Am 10. Oktober 1962 erschien ein Artikel im Nachrichtenmagazin Der Spiegel. Er trug den Titel Bedingt abwehrbereit. Die Autoren zogen den Schluss, dass die Verteidigung der Bundesrepublik im Falle eines Angriffs der Warschauer Pakt-Staaten nicht gesichert sei. Außerdem würde das von Franz-Josef Strauß verfolgte Konzept des vorbeugenden Schlags den Frieden eher gefährden als sichern. Nach dem Erscheinen dieses kritischen Artikels verhaftete die Polizei den Herausgeber Rudolf Augstein, den Direktor des Verlags und mehrere leitende Redakteure. Diese und andere Maßnahmen begründete die Staatsanwaltschaft mit dem Vorwurf des Landesverrats. Die Verletzung von Grundrechten durch Strafverfolgungsbehörden führte zu Protesten und veränderte die politische Streitkultur.[35] Auch die 1963 geplanten Notstandsgesetze, die Einschränkungen der Grundrechte vorsahen, stießen auf eine außerparlamentarische Opposition. Die große Koalition (1966–1969) setzte sie gegen diesen Widerstand durch.[36] 1965 bis 1969 kämpften die Studierenden der Freien Universität Berlin für eine bundesweite Studien- und Hochschulreform.[37]

Eines der wichtigsten Publikationsorgane der außerparlamentarischen Opposition war das Kursbuch (Zeitschrift). Es wurde 1965 von Hans Magnus Enzensberger und Karl Markus Michel gegründet. Das Kursbuch erschien im Suhrkamp Verlag, ab 1970 im Verlag Klaus Wagenbach.[38]

Am 1. Januar 1967 gründeten neun Männer und Frauen gemeinsam mit einem Kind in West-Berlin die politisch motivierte Wohngemeinschaft Kommune I als Gegenmodell zur bürgerlichen Kleinfamilie. Begründung: Aus der Kleinfamilie entstehe der Faschismus. Im November 1969 löste sich die Kommune auf.[39]

Am 9. November 1967 entrollte Detlev Albers gemeinsam mit einem Kommilitonen bei der Rektoratsübergabe an der Universität Hamburg ein Transparent mit der Aufschrift Unter den Talaren – Muff von 1000 Jahren. Albers setzte sich als Vorsitzender des Hamburger AStA für die Drittelparität zwischen Professoren, dem akademischen Mittelbau und den Studierenden ein.

Am 17. und 18. Februar 1968 fand an der TU Berlin ein Internationaler Vietnamkongress statt. Der Sozialistische Deutsche Studentenbund und die Brüsseler Konferenz riefen zum Widerstand gegen den westlichen Imperialismus, sowie gegen den Vietnamkrieg auf. Nach Angaben der Veranstalter nahmen 44 Delegationen aus 14 Ländern teil.[40]

Zwischen 1968 und 1975 gründeten sich linksalternative kulturelle Einrichtungen, die sich für die Meinungsfreiheit einsetzten. Sie nannten sich Club Voltaire. Aus dem Club in Frankfurt am Main ist folgender Ausspruch verbürgt:

„Daniel Cohn-Bendit schüttet den Inhalt seines Weinglases an meinem Gesicht vorbei gegen die Wand des Club Voltaire.“

Bernward Vesper: Die Reise[41]

1968 entstand in West-Berlin der zur außerparlamentarischen Opposition gehörende Aktionsrat zur Befreiung der Frauen. Maßgebliche Initiatorin war die feministische Filmemacherin und Autorin Helke Sander. Der Aktionsrat zur Befreiung der Frauen protestierte gegen die patriarchalen Strukturen der maskulin dominierten 68er-Bewegung.[42] In Deutschland gilt dieses Ereignis als Beginn der Frauenbewegung. In verschiedenen Universitätsstädten entstanden studentisch-feministische Weiberräte.[43]

Als Stimme der 68er-Bewegung galt der Liedermacher Franz Josef Degenhardt. Er war in der Ostermarschbewegung aktiv, gehörte zur westdeutschen Friedensbewegung und protestierte gegen den Radikalenerlass. In seinem 1968 erschienenen Livealbum thematisiert er die griechische Militärdiktatur, den Prager Frühling und mit seinem Lied Der Gott der Pille die Empfängnisverhütung.

Andreas Baader, Gudrun Ensslin, Thorwald Proll und Horst Söhnlein waren für die politisch motivierten Kaufhaus-Brandstiftungen am 2. April 1968 in Frankfurt am Main verantwortlich. Kaufhäuser galten als Symbol des Kapitalismus. Über den Prozess gegen die Brandstifter schrieb Ulrike Meinhof. Eine Journalistin und Publizistin, die sich später als Terroristin radikalisierte. Sie war Gründungsmitglied der Rote Armee Fraktion (RAF).[44]

Am 11. April 1968 schoss der Hilfsarbeiter Josef Bachmann dreimal auf den marxistischen Soziologen und politischen Aktivisten Rudi Dutschke. Dutschke erlitt schwere Hirnschäden. Er verstarb 1979 an den Spätfolgen dieses Attentats. Bachmann trug einen Artikel aus der Deutschen National-Zeitung bei sich. Die Titelzeile lautete: „Stoppt den roten Rudi jetzt“. Bei einer Demonstration nach diesem Attentat am 17. April 1968 starb der Pressefotograf Klaus Frings durch einen Steinwurf.[45]

Im Februar 1969 erschien die erste Ausgabe der anarchistisch-libertären Zeitschrift Agit 883. Sie war nach der Erschießung des Studenten Benno Ohnesorg durch die Polizei als linke Gegenöffentlichkeit konzipiert. An dieser Untergrundzeitung arbeitete Holger Meins mit. Kurz darauf war er Gründungsmitglied der RAF. Agit 883 wurde von Peter-Paul Zahl gedruckt. Er war Verleger und Autor anderer subkultureller Schriften der radikalen Linken.[46]

Am 1. Mai 1969 gründeten Klaus Eschen, Horst Mahler und Hans-Christian Ströbele in Berlin das Sozialistische Anwaltskollektiv. Diese Sozietät vertrat Aktivisten der 68er-Bewegung. Später wurde sie durch ihre Verteidigung von Mitgliedern der RAF im Stammheim-Prozess bekannt.[47]

Ab Herbst 1969 verübte die linksgerichtete Terrorgruppe Tupamaros München einige Brand- und Sprengstoffanschläge. Ein führendes Mitglied war der Berliner Kommunarde Fritz Teufel. Er wurde am 2. Juni 1967 durch seine Festnahme bei der Demonstration gegen den Schah-Besuch 1967 bekannt. Er soll einen Stein gegen Reza Pahlavi geworfen haben. Bei der Gerichtsverhandlung kam er der Aufforderung des Richters, sich zu erheben, mit der Bemerkung nach: „Wenn’s denn der Wahrheitsfindung dient“.[48] Die Tupamaros West-Berlin bekannten sich dazu, am 31. Jahrestag der Novemberpogrome einen Bombenanschlag auf das Jüdische Gemeindehaus in Berlin versucht zu haben. Als deren Kopf galt Dieter Kunzelmann. 2005 wurde bekannt, dass ein V-Mann und Agent Provocateur des Berliner Verfassungsschutzes, Peter Urbach, die Bombe geliefert hat. Wegen einer überalterten Zündkapsel explodierte der Sprengstoff nicht.[49]

DDR[Bearbeiten]

1961 wurde die Berliner Mauer gebaut und 1962 in der DDR die allgemeine Wehrpflicht eingeführt. Zunächst gab es keine Regelung, die eine Verweigerung des Wehrdienstes erlaubt hätte.[50] Als Kompromiss führte die DDR den Bausoldatendienst in der Nationalen Volksarmee ein. Wer diese Form der Ableistung seiner Wehrpflicht antrat, musste noch nach der Dienstzeit mit persönlichen Nachteilen rechnen.[51] Die Bausoldatenbewegung war ein wichtiger Ausgangspunkt der Oppositionsgeschichte der DDR.[52]

Besonders im Kontext zum Prager Frühling und zunehmender Proteste von Heranwachsenden wurde die Protestjugend ein wichtiges politisches Thema. Die Jugendlichen gewannen Einfluss auf die Demokratiebewegung.[53] Laut Bernd Gehrke entstanden „1967/68 neue oppositionelle Milieus, deren Kontinuität trotz mancherlei Veränderungen bis 1989 reichte“ und zum „Träger immer wieder neuer und sich verändernder politischer Aktivitäten oder Gruppenbildungen“ führten. Diese Opposition ging aus der „Vernetzung und partiellen Überlappung von Milieus der kritisch-marxistischen und christlichen Intelligenz sowie der subkulturellen Jugendbewegung hervor“.[53] In der DDR hofften viele Menschen auf ein Gelingen des Prager Frühlings. Nach seinem Scheitern kam es zu Protesten und Verhaftungen. Der Glaube an die Reformierbarkeit des realen Sozialismus schwand.[54]

Tschechoslowakei[Bearbeiten]

Hauptartikel: Prager Frühling
Archiv für christlich-demokratische Politik (ACDP). Tony Kerpel

1960 erhielt das Land eine neue Verfassung. Aus der Tschechoslowakischen Republik wurde die Tschechoslowakische Sozialistische Republik.[55] Die neue Verfassung sollte den Sieg des Sozialismus verkünden. Die ideologischen Konsequenzen wirkten sich auf das reale Leben aus. Es gab jetzt weder Klassenkampf noch eine Diktatur des Proletariats. Staat und Partei wollten die Bedürfnisse der Bevölkerung erkennen und befriedigen. Allerdings wurde die kommunistische Partei von denselben Leuten geführt, die für das harte Vorgehen gegen Oppositionelle in den 1950er Jahren verantwortlich waren. Die vom 22. Parteitag der KPdSU im Oktober 1961 ausgehende Entstalinisierung geschah also halbherzig.[19]

Die neue Verfassung reduzierte die ohnehin geringen Kompetenzen der slowakischen Staatsorgane. Dies verschärfte die slowakisch-tschechischen Konflikte. Der tschechoslowakische Regierungschef Antonín Novotný wurde für nationalbewusste Slowaken in der Zeit bis zu seiner Entmachtung 1968 zu einer Reizfigur.[19]

Das größte politische Problem bestand darin, dass die Staatsführung rhetorisch Reformen zusicherte, obwohl sie stalinistische Strukturen konservierte. In der zweiten Hälfte der 1960er Jahre stand Novotnýs Macht auf tönernen Füßen. Dennoch wandte er sich gegen die seit 1964 von Wissenschaftlern geforderten Reformen des wirtschaftlichen und politischen Systems. Alexander Dubček stellte sich an die Spitze der Reformbewegung und wurde später zur Leitfigur des Prager Frühlings. In der osteuropäischen Region waren der Prager Frühling und seine Niederschlagung durch die Rote Armee der UdSSR Schlüsselereignisse, die auf Polen, Ungarn, Jugoslawien und Rumänien ausstrahlten. Im sowjetischen Machtbereich, dem Ostblock, fanden unter sehr verschiedenen Vorzeichen tiefgreifende gesellschaftliche Veränderungen statt.[56]

Polen[Bearbeiten]

Hauptartikel: Geschichte Polens

Durch die unterbliebene Liberalisierung der kommunistischen Herrschaft und den konjunkturellen Abschwung breitete sich in den 1960er Jahren in der polnischen Gesellschaft Unzufriedenheit aus. Namhafte Intellektuelle zeigten sich besorgt. Ihren im März 1964 veröffentlichten Brief der 34 unterschrieben bedeutende Persönlichkeiten, wie die Schriftstellerin Maria Dąbrowska, sowie der Dichter und Feuilletonist Antoni Słonimski.[57] Der Staat reagierte durch Konfrontation. Je mehr Missmut in der Bevölkerung aufkam, desto mehr Menschen galten als Revisionisten, Antikommunisten und bürgerlich-liberale Opportunisten, die mit dem Westen gemeinsame Sache machten. General Mieczysław Moczar, Chef der polnischen Sicherheitsbehörden, war eine Symbolfigur der dogmatischen Kommunisten. Das Jahr 1968 begann mit einem politischen Richtungskampf und einer allgemeinen Krise.[21]

Am 30. Januar 1968 verboten die Behörden weitere Aufführungen der Totenfeier (Drama), die mit ihren antisowjetischen Anklängen unter Studierenden beliebt war. Im Gegenzug begannen die ersten Proteste und namhafte Schriftsteller verabschiedeten eine Resolution. Wo es möglich war, stellten die Behörden die jüdische Herkunft der Protestierenden heraus.[58] Der seit dem Sechstagekrieg im Juni 1967 spürbar gewordene staatlich gelenkte Antisemitismus verstärkte sich.[59] Es kam zu regelrechten Säuberungsaktionen.[60] „Systemfeinde“ wurden ausgebürgert.[61] Gomulka sprach in aller Öffentlichkeit von der Fünften Kolonne.[62] Bei den März-Unruhen 1968 in Polen gab es wochenlang Demonstrationen und Proteste. Die Arbeiterbrigaden der polnischen Armee schlugen diese Proteste nieder.[63]

Frankreich[Bearbeiten]

Hauptartikel: Mai 1968
„Es lebe die Besetzung der Fabriken“ – Atelier populaire de l’ex-École des beaux-arts – BnF, Département des Estampes et de la photographie, ENT QB-(1968) /W3755

Zu Beginn der 1960er Jahre waren die Arbeiter in ihren Betrieben nicht angemessen repräsentiert. Wegen der politischen Zentralisierung gab es vor Ort keine regulären Betriebsräte. Dadurch entstanden in den Unternehmen autoritäre Strukturen. Die Arbeiter waren mit den Bedingungen, unter denen sie arbeiteten, unzufrieden. Als 1967 die Auswirkungen der ökonomischen Rezession spürbar wurden, radikalisierten sie sich.[64]

Die Pariser Demonstrationen gingen von der Universität Paris-Nanterre aus[65] Nach einer Aktion gegen den Krieg in Vietnam gründeten Angehörige der Hochschule die Bewegung des 22. März. Zu den führenden Köpfen gehörte Daniel Cohn-Bendit.[66] Nach dem Attentat auf den deutschen Studentenführer Rudi Dutschke bekundeten viele Menschen ihre Solidarität. Als in Paris die Polizei Demonstrationen gewaltsam beendete, protestierten in der Provinz zahlreiche Bürger.[67] Frankreich erlebte in der Nacht vom 10. auf den 11. Mai 1968 eine der gewaltsamsten Auseinandersetzungen seit dem Ende des Zweiten Weltkriegs. Am 13. Mai demonstrieren im ganzen Land Hunderttausende.

Jetzt ging es nicht mehr um die Forderungen der Studenten, sondern um Lohnerhöhungen und um die Einführung der 40-Stunden-Woche. Frankreichs Arbeiter verlangten eine Regierung des Volkes. 10 Millionen Werktätige waren im Warnstreik, drei Wochen lang besetzten sie ihre Fabriken.[68] Die Arbeiter übernahmen von den Studenten deren Formen des Protests und politische Inhalte. Ihre Forderungen richteten sich gegen die Hierarchien in den Betrieben, die sich in einem großen Lohngefälle ausdrückten.[64]

Ende Juni 1968 ebbten Streiks und Fabrikbesetzungen ab.[69] Anschließend wurde die Frage gestellt, ob es sich tatsächlich um eine soziale Bewegung gehandelt habe oder eher um eine „Spaßveranstaltung“[70].

Italien[Bearbeiten]

Hauptartikel: Geschichte Italiens

Junge Wissenschaftler entwickelten ihre Vorstellung von einer marxistischen Gesellschaftstheorie namens Operaismus. In dieser Theorie gibt es eine Gesellschaft ohne Parteien und ohne hierarchische Strukturen. Sie inspirierte die Proteste an den Universitäten und in den Betrieben. Im Herbst 1968 erreichten die Demonstrationen ihren Höhepunkt.[26] Arbeiter und Studenten protestierten solidarisch.[71]

Nachdem die Democrazia Cristiana jahrelang allein regierte, beteiligten sich 1962/63 die Sozialisten an der Führung des Staates. Sie wollten die Kommunisten isolieren. Die in dieser Konstellation beschlossenen Reformen des Schul- und Universitätswesens weckten übertriebene Hoffnungen und beschleunigten die 68er-Bewegung. Historiker sprechen von einem Scheitern dieses Mitte-Links-Experiments. Sie betrachten es als wichtigen Ausgangspunkt für Italiens 1968.[25]

Ende der 1960er Jahre plädierte der prominente Verleger Giangiacomo Feltrinelli für die Abschaffung des Kapitalismus. Er hatte zu den extremistischen Gruppen Lotta Continua, Potere Operaio il Manifesto und zu den Roten Brigaden Kontakt. Weil er einen Staatsstreich von rechts befürchtete, gründete er seine eigene Gruppe, die Gruppo d’Azione Partigiana (GAP). Die GAP sollte, wenn nötig, gewaltsame Mittel nutzen, um ihre politischen Ziele zu verwirklichen.

Vereinigte Staaten[Bearbeiten]

Der US-amerikanische Evolutionspsychologe und Linguist Stephen Pinker gibt psychologische und bevölkerungsbiologische Erklärungen für das Phänomen der „Baby-Boomer“, wie die Umbruchbewegungen um 1960 im Englischen genannt werden.[72] Pinker selbst nennt das Phänomen „Entzivilisation in den 1960er Jahren“, weil die politisch-gesellschaftlichen Umwälzungen in den westlichen Ländern erhebliche aggressive Begleiterscheinungen hatten, die es in den zwei Jahrzehnten zuvor nicht gab, wie einen massiven Anstieg der Morde und Terrorismus. Er führt an, dass wegen der vielen jungen Männer in der Bevölkerung, die infolge der hohen Geburtenrate (dem sogenannten „Baby-Boom“) nach dem Zweiten Weltkrieg vorhanden waren, ein Gewaltanstieg in Gesellschaften assoziiert wurde. Darüber hinaus war der Anteil junger Menschen gegenüber der Eltern- und Großeltergeneration relativ gesehen erheblich höher als je zuvor, so dass es für die Älteren schwieriger war, die erreichten zivilisatorischen Normen an die zahlreichen Kinder und Enkel weiterzugeben (James Q. Wilson). Die junge Generation in den 1960ern war durch die Entstehung einer selbständigen Jugendkultur (Musik, Kleidung) und durch Vermittlung neuer elektronischer Medien stärker horizontal vernetzt und war daher in der Lage, sich eher an (auch weit entfernten) Gleichaltrigen statt an den Älteren zu orientieren. Ein zusätzliches Phänomen der 1960er Jugend ist ein nie zuvor gekannter Massenwohlstand, damit einhergehend eine erheblich höhere Bildungsrate und somit ein sozialer Aufstieg breiter Bevölkerungsschichten. Nach der Theorie der Maslowschen Bedürfnispyramide motiviert dies verstärkt zur Selbstverwirklichung und Befriedigung individueller Bedürfnisse gegenüber tradierten gesellschaftlichen Normen.

28. August 1963: Straßendemonstration in Washington D.C. United States Information Agency

Martin Luther King sprach sich als einer der ersten prominenten US-Amerikaner gegen den Vietnamkrieg aus. Er trat für eine Zusammenarbeit zwischen der Bürgerrechtsbewegung und der Friedensbewegung ein. „Er entfernte sich teilweise von seinem Dogma der Gewaltlosigkeit, indem er davon sprach, dass er nicht einsehe warum der Staat in Vietnam gewaltsam gegen Zivilisten vorgehe, während gleichzeitig die Schwarzen der USA gegen eben diesen gewalttätigen Staat friedlich bleiben sollten. In einem Krieg, indem anteilig mehr Schwarze als Weiße kämpften, für eine Nation, die unfähig ist, sich miteinander auf die gleiche Schulbank zu setzen. King sah den Grund aller Ungerechtigkeit im Rassismus, Militarismus und Materialismus“.[31]

Am 28. August 1963 erreichte die Bürgerrechtsbewegung der Afroamerikaner ihren Höhepunkt als mehr als 250 000 Menschen, die sich in Washington D.C. vor dem Lincoln Memorial versammelten, Martin Luther Kings Rede „Ich habe einen Traum“ zuhörten. Unter ihnen waren etwa 60 000 Weiße.[73] Am 2. Juli 1964 verabschiedete der Kongress der Vereinigten Staaten Gesetze gegen die politische, soziale und rechtliche Diskriminierung.[74] 1964 erhielt King den Friedensnobelpreis. Am 4. April 1968 wurde Martin Luther King erschossen. Die Studentenbewegungen in den USA orientierten sich teilweise an der Black Panther Party und deren identitärer Politik.[75]

Seit dem Tonkin-Zwischenfall im August 1964 befanden sich die Vereinigten Staaten im Krieg mit Nordvietnam. Auf Seiten der USA kämpften vor allem Wehrpflichtige. Dies führte in der US-amerikanischen Bevölkerung zu Kritik und Widerstand.[76] Zwischen 1965 und 1968 eskalierte der Krieg. Dabei setzten die USA Entlaubungsmittel, sogenanntes Agent Orange ein, wodurch die Bevölkerung enorme gesundheitliche Schäden erlitt.[77] Dies trug maßgeblich zur Entstehung der 68er Bürgerrechtsbewegung bei. Am 15. April 1967 demonstrierten in New York City 300 000 Menschen gegen die amerikanischen Bombenangriffe auf Nordvietnam und forderten den sofortigen Abzug der US-Amerikaner aus Südvietnam.[78] Im Oktober 1967 kam es in Washington D.C. zu großen Straßendemonstrationen. Diese Proteste strahlten auf Paris, Amsterdam, Kopenhagen, Berlin und Tokio aus.

Aus der studentisch geprägten Antikriegsbewegung entstand die Hippiebewegung mit Aufrufen, wie „Make Love Not War“. Nach der Tet-Offensive durch die Nationale Front für die Befreiung Südvietnams waren die Menschen in den USA bestürzt über das Ausmaß des Krieges. Im Wahlkampf um das Präsidentenamt 1968 behinderte Richard Nixon erfolgreich die laufenden Friedensverhandlungen, um zu verhindern, dass es vor den Wahlen zu einem Frieden zwischen den USA und Vietnam kam.[79] 1968 demonstrierten in den USA zahlreiche Menschen gegen den Vietnamkrieg.[80]

Mexiko[Bearbeiten]

Hauptartikel: Massaker von Tlatelolco

Ab 1959 verzeichnete die mexikanische Volkswirtschaft hohe Zuwachsraten. Diese Entwicklung versprach soziale und ökonomische Stabilität. Bei der Übernahme der Regierung durch Gustavo Díaz Ordaz im Dezember 1964 deutete nur wenig auf die vor ihm liegenden schweren Konflikte hin. Es gab eine allgemeine Unzufriedenheit, die aus der wachsenden sozialen Ungleichheit resultierte. Auch die urbane Mittelschicht ließ sich nicht mehr ohne weiteres in die kooptativen Institutionen der PRI einbinden.[32]

28. Juli 1968: Mexikanische Studenten in einem brennenden Bus. Marcel·lí Perelló

Die Studentenbewegung begann am fünfzehnten Jahrestag des Sturzes des kubanischen Diktators Fulgencio Batista, am 26. Juli 1968. Die Studierenden demonstrierten wie in jedem Jahr für Kuba, wurden diesmal jedoch von den staatlichen Sicherheitsbehörden brutal niedergeschlagen. Im August 1968 begannen die Studenten der UNAM, der größten Universität Lateinamerikas, damit, gegen die Herrschaft der allein regierenden PRI-Partei zu rebellieren. An dem legendären „Schweigemarsch“ Mitte September 1968 beteiligte sich eine halbe Million Menschen. Lehrer, Eltern und Arbeiter solidarisierten sich mit den Protesten. Die Proteste waren zu keinem Zeitpunkt auf universitäre Themen beschränkt. Es war eine Studentenbewegung ohne studentische Forderungen. Verlangt wurde die Freilassung politischer Gefangener und ein öffentlicher Dialog mit dem Präsidenten.[81]

Zehn Tage vor dem Beginn der olympischen Spiele in Mexiko versammelten sich auf dem Platz der Drei Kulturen in Mexiko-Stadt etwa 10 000 Menschen, um auf eine Ansprache des Studentenführers Campos Lemus zu warten. Die Stimmung ist nervös, nachdem Präsident Ordaz seit Wochen protestierende Jugendliche niederknüppeln ließ. Als der Studentenführer ans Mikrofon trat, eröffneten Soldaten das Feuer auf die Menge. Am Ende waren Hunderte Menschen tot. Durch das Massaker von Tlatelolco am 2. Oktober 1968 wurden die Studentenproteste niedergeschlagen.[82] Das Museum Memorial del 68 erinnert an diese Tragödie.[83]

Themen[Bearbeiten]

Die 68er-Bewegung war ein internationales Phänomen. Als erstes wichtiges Ereignis gilt der Sieg der kubanischen Revolution am 1. Januar 1959.[84]

In der Bundesrepublik unterschieden sich die einzelnen Bewegungen deutlich voneinander. Häufige Themen waren der Protest gegen den laufenden Vietnamkrieg (Ostermarsch- und Friedensbewegung), der Kampf gegen Autorität (insbesondere in Bildung („Unter den Talaren – Muff von 1000 Jahren“), die Ablehnung der Großen Koalition von Dezember 1966 bis Oktober 1969 im Kabinett Kiesinger (der die sozialliberale Koalition im Kabinett Brandt folgte) und Erziehung (Jugendbewegung) und für die Gleichstellung von Minderheiten sowie der Einsatz für mehr sexuelle Freiheiten (Frauenbewegung, Sexuelle Revolution: „Wer zweimal mit derselben pennt, gehört schon zum Establishment“, Schwulenbewegung, Flowerpower- und Hippie-Bewegung). Außer den Studenten waren Schüler ab etwa 15 Jahren beteiligt, was mit den Demonstrationen gegen Fahrpreiserhöhungen in Bremen und Niedersachsen sowie der Neuorganisation der Schülermitverwaltungen zusammenhing, die ebenfalls in diese Zeit fielen.[85] So kam es beispielsweise zu den Bremer Straßenbahnunruhen 1968.

Das zentrale Thema der DDR war das Scheitern des Prager Frühlings. Es wurde eine Demokratisierung des Sozialismus angestrebt. Es wird die Meinung vertreten, dass ohne diese Generation, die die Niederschlagung des Prager Frühlings erlebt hatte, die friedliche Revolution von 1989 nicht denkbar ist. Weitere Themen sind Kirchensprengungen, wie die der Universitätskirche Leipzig, als Drohsymbol des sozialistischen Herrschaftsanspruchs und freiheitsfeindliche Änderungen der Verfassung der Deutschen Demokratischen Republik, die die Gründungsverfassung ablöste. Die meisten DDR-Bürger waren über die westdeutsche 68er-Bewegung gut informiert. Die Tumulte an westdeutschen Universitäten lösten Befremden aus. Angela Merkel sagte über diese Zeit: „Mir erschienen die Bundesrepublik, die D-Mark, die Soziale Marktwirtschaft, die Westbindung und die sozialen Sicherungssysteme als ein gut funktionierendes, plurales Gebilde, ein demokratisches, freiheitliches Land. Man musste dieses Land und seine Systeme nicht bekämpfen, schon gar nicht mit Gewalt“.[86] In dieser Zeit begann sich die Blueserszene in der DDR zu entwickeln, die Ende der 1970er Jahre auf ihrem Höhepunkt war.

In der Schweiz kam es zu den Globuskrawallen. In Österreich gab es den Wiener Aktionismus mit der Aktion Kunst und Revolution; außerdem die Arena (Wien)1976 und das WUK (Kulturzentrum)1981, ersterer als Nachfolgerin der Arena 1970 im Rahmen der Wiener Festwochen.

Die nur halbherzige Entstalinisierung der Tschechoslowakei, der slowakisch-tschechische Konflikt, Liberalisierung und Demokratisierung, sowie vor allem wirtschaftliche Reformen waren die Hauptthemen des Prager Frühlings. Er war der Versuch, einen Sozialismus mit menschlichem Antlitz zu schaffen. Am 21. August 1968 wurde dieser Versuch durch die Warschauer Pakt-Truppen gewaltsam niedergeschlagen.

In Polen standen politische Richtungskämpfe zwischen Reformern und kommunistischen Dogmatikern, sowie ein staatlich gelenkter Antisemitismus im Mittelpunkt der Geschehnisse. Es galt: Revisionismus gleich Zionismus gleich Antikommunismus.[21]

Im Unterschied zu anderen Ländern war in Frankreich die Arbeiterbewegung im Vordergrund. Ihre Forderungen waren auf bessere Entlohnung, kürzere Arbeitszeiten und auf eine angemessene Vertretung durch Betriebsräte gerichtet. Das starke hierarchische Gefälle in den Betrieben sollte abgebaut werden, ebenso die autoritären Beziehungen.

Die wirtschaftliche Spaltung zwischen Nord- und Süditalien beziehungsweise zwischen einheimischer Bevölkerung und Arbeitsimmigranten in Norditalien, sowie ein in der Nachkriegszeit noch viele Jahre von faschistischer Ideologie geprägtes Bildungssystem waren wichtige Themen der 68er-Bewegung in Italien. Ebenso der „verratene Widerstand“ der Resistenza, die nach Kriegsende keine Revolution wollte. In Südtirol stand die Neue Linke im Mittelpunkt.

Deniz Gezmiş gründete die Volksbefreiungsarmee der Türkei.

In den Vereinigten Staaten gab es zwei große Themen, die alltägliche Rassendiskriminierung und den Vietnamkrieg. In Kalifornien forderte die Free Speech Movement eine Anerkennung ihrer Rechte auf freie Rede und freie Forschung innerhalb der Universitäten.

In Mexiko richteten sich die Studentenproteste, mit denen sich weite Teile der Bevölkerung solidarisierten, gegen die seit 1929 allein regierende Partei der Institutionalisierten Revolution (PRI). Ausschlaggebend war die große soziale Ungleichheit im Lande. Man forderte die Freilassung politischer Gefangener und einen öffentlichen Dialog mit dem Präsidenten.

Kritik[Bearbeiten]

Bundesrepublik[Bearbeiten]

Der Journalist und Chefkommentator der Tageszeitung Die Welt,[87] Torsten Krauel, bewertete 2001 die 68er-Bewegung so: Das Auftreten „dezidierte[r] Jugendrevolutionäre, die das Establishment verjagen wollten“, das Bedienen „antibürgerlicher, antireligiöser, antifamiliärer Reflexe“ und der „antikulturelle Zertrümmerungsfeldzug“ hätten viele Parallelen zu den Ereignissen gegen Ende der Weimarer Republik und zu den Strategien der damaligen rechts- und linksextremen Bewegungen aufgewiesen. Auch die „Aufpeitschung von Leidenschaften und die Hingabe an sie“ sei bereits „konstitutiv für das NS-Regime gewesen“. Dies habe gerade in Deutschland zu einer besonders heftigen Konfrontation zwischen Kriegs- und Nachkriegsgeneration geführt, wobei beide auf ihre Weise geglaubt hätten, „im antifaschistischen Recht zu sein“.[88] Besonders drastisch wurden diese angeblichen Parallelen im Gedankengut und in der politischen Aktionsform vom Politologen Götz Aly in seinem Werk Unser Kampf 1968 – ein irritierter Blick zurück[89] dargestellt.

Heftige Konflikte entstanden zwischen den Veteranen der Studentenbewegung und konservativen Politikern und Publizisten. Die einen meinten, dass die Ereignisse jener Zeit das obrigkeitsstaatlich geprägte Land geistig im Westen verankert hätten und erst eine Vergangenheitsbewältigung ermöglichten. Die anderen wiesen auf die Sympathie der Studentenführer für kommunistische Diktatoren hin. Zu ihren Idolen zählten Ho Chi Minh und Mao Tse-Tung. Außerdem sprachen sie von einem Abgleiten eines Teils der Bewegung in Gewalt und Terrorismus.[90] Die Konservativen behaupteten, die gesellschaftliche Erneuerung habe seit Mitte der 1960er Jahre ohnehin stattgefunden, ebenso eine intensivere Auseinandersetzung mit der Vergangenheit. Dies hätten die Auschwitz-Prozesse gezeigt.[91]

In Deutschland wurde in den 1990er Jahren diskutiert, ob der beginnende Vandalismus im öffentlichen Raum, Graffitisprayer, Gewalt in den Schulen und ähnliche Tendenzen auf die Ideen der 68er-Bewegung zurückzuführen waren.[92] Weltweit hatten Jugendliche für Selbstbestimmung und Freiheitsrechte demonstriert. Dabei nahmen sie sich Mao Tsetung, Ho Chi Minh und Che Guevara zum Vorbild, obwohl sie als Stalinisten galten. Diese Paradoxie gehöre zu den „dunkelsten Aspekten von 1968“.[93]

Italien[Bearbeiten]

In Italien gibt es hauptsächlich drei Interpretationen der 68er Ereignisse:

  1. Sie sind ein Aufstand von Studenten aus kleinbürgerlichen Verhältnissen gegen die Globalisierung.
  2. Ein zweiter Deutungsversuch würdigt den sozio-kulturellen Wandel, den die 68er-Bewegung ausgelöst hat, ohne politische Konsequenzen zu erkennen.
  3. Der dritte Versuch einer Interpretation betrachtet den katholischen Dissens, die Meinungsverschiedenheiten unter Marxisten und nimmt den Blickwinkel des avantgardistischen Kinos ein.

Historiker betrachten die 68er in Italien als traumatischen Bruch zwischen Studenten und dem Bildungssystem. Die junge Generation sei von den staatlichen Institutionen enttäuscht worden.[25]

Wirkungen[Bearbeiten]

Die 68er-Bewegung führte zu sozialen Veränderungen und bewirkte eine neue politische Kultur. Dazu gehörten die zunehmende Teilhabe von Minderheiten am öffentlichen Leben, sich verändernde Geschlechterrollen, sowie öffentliche Bekenntnisse zur Homosexualität. In Frankreich, Italien, der Bundesrepublik Deutschland und in den Vereinigten Staaten bildete sich eine außerparlamentarische Opposition. Diese politischen Gegenbewegungen mit ihren eigenen Flugblättern, alternativen Radiostationen und neuen Publikationsformen schufen neue Zugänge zu Informationen. Möglicherweise war dies ein Wegbereiter für die Internetkultur der Gegenwart. Für die internationalen Verbreitung der 68er-Bewegung waren Pressebilder und das Fernsehen wichtig, also die für die damalige Zeit neuen Medien. Weltweit gab es eine fortschreitende Demokratisierung und die Gründung von Nichtregierungsorganisationen. Diese Politisierung der Privatsphäre wird den Protesten der 1968er Jahre zugeschrieben.[94]

Weblinks[Bearbeiten]

  Wikiquote: 68er-Bewegung – Zitate
 Commons: Demonstrationen und Proteste im Jahr 1968 – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
 Wiktionary: Achtundsechziger – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen

Literatur[Bearbeiten]

  • Udo Benzenhöfer: Das kleine 68: Proteste von Medizinstudenten in Frankfurt am Main um 1968. Mit einem Beitrag des ehemaligen Frankfurter AStA-Vorsitzenden Hans-Jürgen Birkholz. Klemm + Oelschläger, Münster 2011, ISBN 978-3-86281-017-8.
  • Götz Aly: Unser Kampf 1968 – ein irritierter Blick zurück. Fischer, Frankfurt am Main 2008. ISBN 3-596-17778-2
  • Willi Baer, Carmen Bitsch, Karl-Heinz Dellwo (Hrsg.): Der 2. Juni 1967. (Bibliothek des Widerstands, Band 1), Laika, Hamburg 2010, ISBN 978-3-942281-70-6.
  • Thomas P. Becker, Ute Schröder: Die Studentenproteste der 60er Jahre. Archivführer, Chronik, Bibliographie. Böhlau Verlag, Köln 2000. 381 S.[95]
  • Jens Benicke: Von Adorno zu Mao. Über die schlechte Aufhebung der antiautoritären Bewegung. ça ira Verlag, Freiburg 2010, ISBN 978-3-924627-83-6.
  • Thomas Etzemüller: Imaginäre Feldschlachten? „1968“ in Schweden und Westdeutschland. In: Zeithistorische Forschungen / Studies in Contemporary History. 2, 2005, S. 202–223.
  • Jens Kastner, David Mayer (Hrsg.): Weltwende 1968? Ein Jahr aus globalgeschichtlicher Perspektive. Mandelbaum, Wien 2008, ISBN 978-3-85476-257-7.
  • Ingrid Gilcher-Holtey: Die 68er Bewegung. Deutschland – Westeuropa – USA. 3. Auflage. Beck, München 2001, ISBN 3-406-47983-9.
  • Ingrid Gilcher-Holtey: 1968. Eine Zeitreise. Suhrkamp, Frankfurt am Main 2008, ISBN 978-3-518-12535-9.
  • Ulrike Heider: Keine Ruhe nach dem Sturm. Rogner & Bernhard bei Zweitausendeins, Frankfurt 2001, ISBN 3-8077-0202-4
  • Stefan Hemler: Der Protest einer generationellen Sozialbewegung. Überlegungen zu Erklärungsansätzen für ‘1968’. In: Jörg Calließ (Hrsg.): Die Reformzeit des Erfolgsmodells BRD. Die Nachgeborenen erforschen die Jahre, die ihre Eltern und Lehrer geprägt haben. Evangelische Akademie Loccum (Loccumer Protokolle 19/03), Rehburg-Loccum 2004, ISBN 3-8172-1903-2, S. 235–262.
  • Rudolf Sievers: 1968. Eine Enzyklopädie. Suhrkamp Verlag, Frankfurt am Main 2004, ISBN 3-518-12241-X.
  • Friedrich Koch: Sexualität und Erziehung. Zwischen Tabu, repressiver Entsublimierung und Emanzipation. In: Jahrbuch für Pädagogik 2008: 1968 und die neue Restauration. Frankfurt am Main 2009, S. 117 ff.
  • Gerd Koenen: Das rote Jahrzehnt. Unsere kleine deutsche Kulturrevolution. 1967–1977. Kiepenheuer & Witsch, Köln 2001, ISBN 3-462-02985-1.
  • Norbert Kozicki: Aufbruch im Revier. 1968 und die Folgen. Klartext, Essen 1993, ISBN 3-88474-063-6.
  • Martin Klimke, Joachim Scharloth (Hrsg.): 1968. Handbuch zur Kultur- und Mediengeschichte der Studentenbewegung. Metzler, Stuttgart 2007, ISBN 978-3-476-02066-6.
  • Manuel Seitenbecher: Mahler, Maschke & Co. Rechtes Denken in der 68er Bewegung. Schöningh, Paderborn 2013, ISBN 978-3-506-77704-1.
  • Detlef Siegfried: Furor und Wissenschaft. Vierzig Jahre nach „1968“ In: Zeithistorische Forschungen / Studies in Contemporary History. 5, 2008, S. 130–141.
  • Boris Spernol: Notstand der Demokratie. Der Protest gegen die Notstandsgesetze und die Frage der NS-Vergangenheit. Klartext, Essen 2008, ISBN 978-3-89861-962-2.
  • Karl Stankiewitz: München ’68. Traumstadt in Bewegung. Volk Verlag, München 2008, ISBN 978-3-937200-46-0.
  • Stefanie Pilzweger: Männlichkeit zwischen Gefühl und Revolution. Eine Emotionsgeschichte der bundesdeutschen 68er-Bewegung. Transcript, Bielefeld 2015, ISBN 978-3-8376-3378-8.
  • Karla Verlinden: Sexualität und Beziehungen bei den »68ern«. Erinnerungen ehemaliger Protagonisten und Protagonistinnen. Transcript, Bielefeld 2015, ISBN 978-3-8376-2974-3.
  • Norbert Frei: 1968, Jugendrevolte und globaler Protest. dtv, München 2008, ISBN 978-3-423-24653-8.
  • Stefan Wolle: Der Traum von der Revolte. Die DDR 1968. Links, Berlin 2008, ISBN 978-3-86153-469-3.
  • Stefan Bollinger: 1968 – Die unverstandene Weichenstellung. rls-Texte Bd. 44, Dietz, Berlin 2008
  • Chris Harman: 1968. Eine Welt in Aufruhr. Frankfurt 2008, ISBN 978-3-934536-13-5.
  • Norbert Kozicki: Aufbruch in NRW. 1968 und die Folgen. Klartext, Essen 2008, ISBN 978-3-89861-956-1.
  • Philipp Gassert, Martin Klimke (Hrsg.): 1968: Memories and Legacies of a Global Revolt. Bulletin of the German Historical Institute, Supplement 6/2009, Washington DC 2009, ISSN 1048-9134
  • Erwin K. Scheuch (Hrsg.): Wiedertäufer der Wohlstandsgesellschaft. Eine kritische Untersuchung der „Neuen Linken“ und ihrer Dogmen. Sonderausgabe für die Hessische Landeszentrale für Politische Bildung. Markus, Köln 1968.
  • Bilgin Ayhan: Die 68er Bewegung in der Türkei und BRD im Vergleich: Ein theoretischer Vergleich der 68er Bewegungen. (Dissertation, Uni Hannover) VDM, Saarbrücken 2009, ISBN 978-3-639-14360-7.[96]
  • Mathias Brandstädter: Folgeschäden. Kontext, narrative Strukturen und Verlaufsformen der Väterliteratur 1960 bis 2008. Bestimmung eines Genres. Königshausen und Neumann, Würzburg 2010, ISBN 978-3-8260-4446-5.
  • Johannes Grötecke, Thomas Schattner: „Der Freiheit jüngstes Kind“. „1968“ in der Provinz. Spurensuche in Nordhessen. Jonas, Marburg 2011, ISBN 978-3-89445-453-1.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. 1968 - Alles nur Geschichte? In: Forschungsjournal Soziale Bewegungen. September 2008, S. 5, 21, abgerufen am 11. November 2015 (pdf).
  2.  Immanuel Wallerstein: Utopistik. Historische Alternativen des 21. Jahrhunderts. Wien 2002, ISBN 3-85371-184-7.
  3.  Marcel van der Linden: 1968: Das Rätsel der Gleichzeitigkeit. In: Jens Kastner, David Mayer (Hrsg.): Weltwende 1968? Ein Jahr aus globalgeschichtlicher Perspektive. Mandelbaum, Wien 2008, ISBN 978-3-85476-257-7, S. 23-37.
  4. Jens Kastner, David Mayer: Weltwende 1968? Ein Jahr aus globalgeschichtlicher Perspektive. Abgerufen am 11. November 2015 (pdf).
  5. Mareike Lühring: Befreiungstheologie. Lateinamerika-Institut der FU Berlin, abgerufen am 12. November 2015.
  6.  Klaus Aschrich: Theologie schreiben: Dorothee Sölles Weg zu einer Mystik der Befreiung. 14, LIT, 2006, ISBN 3-8258-9953-5, S. 108f.
  7. 68er-Bewegung. In: Spiegel Online. Abgerufen am 30. August 2015.
  8. Dieter Rucht: Die 68er-Bewegung und die Politik. Forschungsgruppe Zivilgesellschaft, Citizenschip und politische Mobilisierung in Europa, abgerufen am 30. August 2015 (PDF).
  9. Rainer Böhme: Revolution des Alters: Die 68er gehen in Rente. Bundeszentrale für politische Bildung, 25. März 2008, abgerufen am 8. Februar 2016.
  10.  Stefan Hemler: Soziale Bewegung oder Generationskonflikt?. Ein Schlichtungsvorschlag im Deutungskampf um 1968. In: Vorgänge. Zeitschrift für Bürgerrechte und Gesellschaftspolitik. 42 (2003), Nr. 164 H. 4, ISBN 3-8100-2440-6, S. 32-40.
  11. Michael Hölscher: Die 68er- Eine kultursoziologische Analyse. In: Magisterarbeit. 1999, abgerufen am 28. August 2015 (PDF).
  12. Klaus Wagenbach: „Kann ich mal bei Dir pennen?“ Süddeutsche Zeitung, 17. Mai 2010, abgerufen am 8. Februar 2016.
  13. Wilfried von Bredow: Die zwei Kreise der Westintegration – Europa und Amerika. 21. April 2008, abgerufen am 27. August 2015 (PDF).
  14. Gesellschaftliche Entwicklung. Bundeszentrale für politische Bildung, abgerufen am 27. August 2015.
  15. Wege in die Opposition – Widerständiges Verhalten in der DDR. Bundeszentrale für politische Bildung, abgerufen am 28. August 2015.
  16. Deutsche Geschichten. In: deutschegeschichten.de. Abgerufen am 28. August 2015.
  17. Opposition und Widerstand in der DDR – Überblick. Bildungsserver Berlin-Brandenburg, abgerufen am 28. August 2015 (PDF).
  18.  On the sunny side. In: Der Spiegel. Nr. 34, 1964 (online).
  19. a b c Reinhard Veser: Der Prager Frühling 1968. Landeszentrale für politische Bildung Thüringen, 2008, S. 11, abgerufen am 28. August 2015 (PDF).
  20. Orientierung - Katholische Blätter für weltanschauliche Informationen. 15. November 1966, abgerufen am 30. August 2015 (PDF).
  21. a b c Daniel Passent: Ein weißer Fleck wird getilgt. Die Zeit, 26. Februar 1988, abgerufen am 9. Februar 2016.
  22. Stefan Ulrich: Frankreichs Kommunisten trennen sich von Hammer und Sichel. In: sueddeutsche.de. Abgerufen am 30. August 2015.
  23. György Széll: 1968 und die Sozialwissenschaften. Abgerufen am 28. August 2015 (PDF).
  24. Vorlage:Internetquelle/Wartung/Zugriffsdatum nicht im ISO-FormatPeter Schwarz: 1968 – Generalstreik und Studentenrevolte in Frankreich. Abgerufen am 2015-28-08.
  25. a b c Stefan von Kempis: Das lange 68. Italiens Blick auf die Protestbewegung vor vierzig Jahren. 2008, abgerufen am 30. August 2015 (PDF).
  26. a b Die 1968er Italien. Abgerufen am 30. August 2015.
  27. a b Aureliana Sorrento: 1968 in Italien. In: Frankfurter Rundschau Online. 29. Juli 2008, abgerufen am 30. August 2015.
  28. Der Traum vom Amerika ohne Rassenschranken. Abgerufen am 30. August 2015.
  29. The Court’s Decision. Seperate Is Not Equal. Abgerufen am 30. August 2015.
  30. 1. Dezember 2005: Vor 50 Jahren. Rosa Parks gibt Anstoß für Busboykott in den USA. In: Zeitgeschichtliches Archiv-WDR.de. Abgerufen am 30. August 2015.
  31. a b Christoph-Mathias Krones: Die Bürgerrechtsbewegung in den USA. Von der Sklaverei in den Südstaaten der USA ins Weiße Haus. In: Diplomarbeit. 2010, S. 66 f., abgerufen am 30. August 2015 (PDF).
  32. a b Dossier Lateinamerika. Politische Geschichte Mexikos. Bundeszentrale für politische Bildung, abgerufen am 30. August 2015.
  33. Vom mexikanischen Wunder zum blutigen Alptraum. Abgerufen am 30. August 2015.
  34.  Michael Heinrich: Kommentierte Literaturliste zur Kritik der politischen Ökonomie. In: Elmar Altvater, Rolf Hecker, Michael Heinrich, Petra Schaper-Rinkel, (Hrsg.): Kapital.doc. Münster 1999, S. 188-220 (http://www.rote-ruhr-uni.com/cms/IMG/pdf/Heinrich_KommLitverzeichnis.pdf, abgerufen am 9. Februar 2016).
  35. Die Spiegel-Affäre 1962. Mehr als eine Episode. Abgerufen am 28. August 2015.
  36. Christoph Kleßmann: Das Jahr 1968 in westlicher und in östlicher Perspektive. In: Potsdamer Bulletin für Zeithistorische Studien 28/29. 2003, abgerufen am 28. August 2015 (PDF).
  37. Bodo Zeuner: Die Freie Universität vor dem Börsengang? Bemerkungen zur Ökonomisierung der Wissenschaft. Abgerufen am 28. August 2015 (PDF).
  38.  Oral ausgemacht. In: Der Spiegel. Nr. 25, 1970 (15. Juni 1970, online).
  39. Felicitas Schwarz: das Foto: die Kommune 1. Arte TV, 19. Januar 2014, abgerufen am 8. Februar 2016.
  40. Käthe Jowanowitsch, Stephanie Rapp: Die Pflicht des Revolutionärs ist die Revolution. Deutschlandfunk, 19. Februar 2008, abgerufen am 29. Oktober 2015.
  41. Milan Jaeger: Einer ungewissen Zukunft entgegen. 22. August 2014, abgerufen am 4. Oktober 2015.
  42.  Stefanie Pilzweger: Männlichkeit zwischen Gefühl und Revolution. Eine Emotionsgeschichte der bundesdeutschen 68er-Bewegung. 1. Auflage. transcript, Bielefeld 2015, ISBN 978-3-8394-3378-2, S. 278 f., DNB 1077922973 (Dissertation, http://d-nb.info/1077922973/04, abgerufen am 9. Februar 2016).
  43. Rede von Helke Sander (Aktionsrat zur Befreiung der Frauen) auf der 23. Delegiertenkonferenz des Sozialistischen Deutschen Studentenbundes (SDS) im September 1968 in Frankfurt/Main. Deutsches Historisches Museum, archiviert vom Original am 17. April 2001, abgerufen am 8. Februar 2016.
  44. Uwe Nettelbeck: Frankfurter Brandstifter. Die Zeit, 23. Februar 2006, abgerufen am 29. Oktober 2015.
  45. Marcus Heumann: Anschlag auf die Permanente Revolution. Deutschlandfunk, 11. April 2008, abgerufen am 8. Februar 2016.
  46. Die Titelseiten der Agit 883. Abgerufen am 29. Oktober 2015.
  47. Gereon Asmuth: Aus der Zeit gefallen. taz.de, 6. Juni 2009, abgerufen am 29. Oktober 2015.
  48.  Justiz/Teufel: 7 x 2 bis 3. In: Der Spiegel. Nr. 1, 1968 (1. Januar 1968, online).
  49. Gerd Koenen: Rainer, wenn Du wüsstest! Berliner Zeitung, 6. Juli 2005, abgerufen am 29. Oktober 2015.
  50. Gesetz über die allgemeine Wehrpflicht. Abgerufen am 30. August 2015.
  51. Nadine Schrempel: Bausoldaten in der DDR. Ein Gesetz befolgen und dafür lebenslänglich bestraft werden. Abgerufen am 30. August 2015 (PDF).
  52. Rezension von: Bausoldaten in der DDR. In: Sehepunkte, Ausgabe 11 (2011). Abgerufen am 28. August 2015.
  53. a b Bernd Gehrke: Die 68er-Proteste in der DDR. In: Aus Politik und Zeitgeschichte 14-15/2008. Bundeszentrale für politische Bildung, 18. März 2008, abgerufen am 8. Februar 2016.
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