Preh

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Preh GmbH
Logo der Preh Gruppe
Rechtsform GmbH
Gründung 11. März 1919
Sitz Bad Neustadt an der Saale, Deutschland

Leitung

  • Christoph Hummel, Vorsitzender der Geschäftsführung [1]
  • Ernst-Rudolf Bauer, CFO
  • Zhengxin Cai, Einkauf / Supply Chain Management / Commercial Vehicles
  • Jochen Ehrenberg, Produktentwicklung
  • Jeff Wang, Aufsichtsratsvorsitzender [2]
Mitarbeiter 4.900 (31. Dezember 2015)[3]
Umsatz 763 Mio. EUR (2015)[3]
Branche Automobilzulieferer
Website www.preh.com

Die Preh GmbH ist eine weltweit tätige Unternehmensgruppe mit Stammsitz in Bad Neustadt an der Saale in Bayern. Als Automobilzulieferer fertigt Preh Fahrerbediensysteme im Interieur, Sensorsysteme und Steuergeräte. Darüber hinaus entwickelt und produziert der Bereich Preh Innovative Automation (PIA) Systemlösungen für Montage- und Fertigungsanlagen, vorwiegend für Automobilzulieferer. Für das Tochterunternehmen der Ningbo Joyson Electronic Corp. arbeiten rund 4.900 Mitarbeiter an Standorten in Deutschland, Portugal, Rumänien, Mexiko, den USA und in China.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

1919–1945: Die Gründerjahre[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Am 11. März 1919 wurde die Preh GmbH von Jakob Preh gegründet. In einer ehemaligen Gastwirtschaft, in Bad Neustadt an der Saale, wurden zunächst Elektroinstallationsmaterialien und Zubehörteile für die noch in den Kinderschuhen steckende Rundfunkindustrie gefertigt. Preh stellte bereits 1924 sein erstes eigenes Rundfunkgerät vor: den Zwei-Röhren-Empfänger „Preh-Funk“. 1932 stieg Preh zudem vorübergehend in die Produktion von elektrischem Autozubehör ein. Autowinker und Rückleuchten wurden produziert. Komplizierte behördliche Abnahmeverfahren, aber auch Schwierigkeiten technischer Art führten dazu, die Fertigung von Rundfunkempfangsgeräten wieder aufzugeben und den Betrieb auf die Fertigung von Präzisionsteilen für Rundfunkgeräte umzustellen. 1938 wurde die Firma in Preh Elektromechanische Feinwerke Jakob Preh Nachf. umbenannt. Das Unternehmen beschäftige 1200 Mitarbeiter. In den letzten Kriegstagen des Jahres 1945 kam der Firmengründer Jakob Preh auf tragische Weise ums Leben.[4] Seine Frau Agnes Preh und sein Sohn Walter Preh führten das Unternehmen weiter.

1945–1971: Neuanfang[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nach dem Zweiten Weltkrieg schaffte das Unternehmen den Neuanfang und begann im Herbst 1949 zunächst mit der Produktion von Spielwaren, wie ferngesteuerte Blech-Autos und Puppen aus Polystyrol. Ab 1960 konzentrierte man sich wieder ausschließlich auf die Fertigung von elektromechanischen Bauelementen und erreichte hiermit den Einstieg in den verheißungsvollen Zukunftsmarkt Fernsehen. Preh fertigte zu dem Zeitpunkt Potentiometer, Abstimmspeicher (Preostate, Memostate etc.) und Steckverbinder.

1969 feierte Preh sein fünfzigjähriges Firmenjubiläum. In diesem Jahr wurde ein Umsatz von 93 Millionen DM bei einer Belegschaft von 3900 Mitarbeitern erzielt. Das Unternehmen gründete 1970 mit der Electromecanica Portuguesa ein Produktionsstätte im portugiesischen Trofa.

1971–1993: Krise und Neuorientierung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nach dem Tod von Walter Preh im Jahr 1971 war es vor allem seine Frau Rosemarie, die in Krisenzeiten die Zügel in die Hand nahm und das Unternehmen vor Schaden bewahrte. Ende der achtziger Jahre, zog sich das Unternehmen aus der Unterhaltungselektronik[5] zurück und engagierte sich erneut in der Automobilelektronik.

Eine Verlagerung des Kerngeschäftes weg von der Unterhaltungselektronik hin zu Tastaturen, Kfz-Technik und Industrieausrüstungen wurde vollzogen und die weltweiten Vertriebsaktivitäten wurden verstärkt. In Singapur entstand ein Vertriebsbüro und gleichzeitig wurde die Preh Electronics Industries Inc. in Chicago zur Bedienung des amerikanischen Marktes gegründet. Im selben Jahr erfolgte die Ausgliederung des Werkzeugbaus zu einem eigenständigen Bereich. Für europäische Automobilhersteller und Zulieferer fertigte Preh potentiometrische Sensoren sowie Klimabediensysteme.

1993–2003: Die Rheinmetall-Ära[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

1993 übernahm die Rheinmetall AG die Kapitalmehrheit an Preh.[6] Es kam zu einer weiteren Konzentration auf Bediensysteme für die Automobilindustrie. Im Jahr 2000 erzielte die Preh Gruppe einen Umsatz von 220 Millionen Euro mit 1947 Mitarbeitern. Prestigeträchtige Großaufträge positionierten Preh fortan als Automobilzulieferer. Aber auch frei programmierbare Dateneingabesysteme und innovative Montagelinien gehörten zur Erfolgsgeschichte dieser Ära.

2003–2007: Gesellschafterwechsel und Management-Buy-out[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

2003 veräußerte Rheinmetall die Preh Gruppe an die Deutsche Beteiligungs AG. Familiengesellschafterin Rosemarie Preh und das Preh Management wurden im Rahmen eines Management-Buy-out ebenfalls am Unternehmen beteiligt. Am 16. August 2005 verstarb Rosemarie Preh im Alter von 84 Jahren. Im selben Jahr wurde zur Erschließung des nordamerikanischen Automotive-Marktes ein Customer Service Center im Großraum Detroit eröffnet. In den Jahren 2005 und 2008 erfolgten Werksgründungen in Monterrey (Mexiko) sowie in Brașov (Rumänien).

Im Zuge der Globalisierung und speziell für den nordamerikanischen Markt wurde 2003 für den Geschäftsbereich Automotive ein Customer Service Center in Novi/Detroit eröffnet. 2005 folgte die Gründung eines Produktionsstandorts in Monterrey/Mexiko. 2007 wurden die Bereiche PrehKeyTec (Dateneingabesysteme, Kassentastaturen)[7] und der Bereich PrehTronics (EMS- Serviceleister) in eigenständige GmbH überführt. Letztere wurde Anfang 2008 an die französische Lacroix-Gruppe verkauft.[8]

2008–2009: Finanzkrise und globale Rezession[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Umsatzentwicklung 2003–2011

2008 wurde die Preh Romania S.R.L. gegründet. 2009 begann in Brașov (Rumänien) die Produktion von Schaltern für Multifunktionslenkräder und von Klimabediensystemen.

Trotz des dramatischen Einbruchs der globalen Automobilkonjunktur im Jahre 2008 entwickelte sich die Preh GmbH vergleichsweise stabil. Unter Berücksichtigung der Veräußerung der PrehTronics GmbH in 2008 lag die Preh-Gruppe mit einem Umsatz von rund 305 Millionen Euro nur leicht unter dem vergleichbaren Vorjahreswert.

Im Januar 2009 gründete Preh ein Vertriebsbüro in Shanghai, China.

ab 2010: Reiner Automobilzulieferer und Chinesischer Gesellschafter[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die PrehKeyTec wird 2011 vom Management im Zuge eines Management-Buy-Out (MBO) übernommen. Seither ist Preh ein reiner Automobilzulieferer. Der Umsatz stieg auf 412 Mio. EUR (2010: 351 Mio. EUR). Die Zahl der Mitarbeiter legte Ende 2011 um 330 Personen auf 2.800 Beschäftigte weltweit zu.

Seit Ende Juni 2011 hielt die Joyson-Gruppe aus Ningbo/China 74,9 Prozent der Anteile an der Preh GmbH, während die Deutsche Beteiligungs AG, Frankfurt a. M., und das Management mit insgesamt 25,1 Prozent beteiligt waren. Joyson Automotive ist Teil der Joyson-Unternehmensgruppe mit Sitz in Ningbo. Die Auto-Sparte besteht aus den operativen Gesellschaften Joyson Automotive Ningbo, Changchun Joyson, Bosen Corporation Ningbo und Huade Plastics Shanghai.[9] Am 17. Dezember 2012 erwarb die Joyson-Gruppe die restlichen 25,1 Prozent von der Deutschen Beteiligungs AG. Jeff Wang, Joyson Inhaber, übernahm den Sitz im Aufsichtsrat bei Preh. Die Preh Gruppe gliedert sich als Automotive Electronics im Joyson-Konzern neben Automotive Components ein.[10]

2014 wird die 1975 gegründete IMA Automation in die Preh-Gruppe eingegliedert. Der Hersteller von Automatisierungslösungen wird 2015 in die IMA Automation Amberg GmbH umgewandelt.[11] Am 29. Januar 2016 übernahmen die Preh-Guppe und deren Mutterkonzern, die Joyson-Gruppe, zu je 50 Prozent den 1.200 Mitarbeiter führenden Geschäftsbereich TechniSat Automotive der TechniSat Digital GmbH, Daun.[12]

Beginnend im Geschäftsjahr 2010 begann die Preh-Gruppe rasant zu wachsen. Zwischen 2010 und 2014 nahm die Anzahl der Mitarbeiter um mehr als 70 Prozent zu.[13] Von 2010 bis 2015 stieg der Umsatz der Preh-Gruppe jährlich um mehr als 10 Prozent und lag damit deutlich über dem Branchendurchschnitt.

Produkte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Climate Control

Preh entwickelt und fertigt Klimabediensysteme einschließlich der Klima-Regelungssoftware. Zu den jüngsten Entwicklungen gehört ein lüfterloser Temperatursensor, der sowohl für den Heiz- wie auch für den Kühlfall die gleiche Berechnungsmethode anwendet und auf einer Kombination von NTCs basiert.

  • Driver Controls

Preh ist spezialisiert auf die Entwicklung zentraler Bediensysteme. Daneben gehören integrierte Bedienlösungen für das Center Stack, Bedienoberflächen für Infotainment sowie Schalter für Multifunktionslenkräder und Fahrerassistenz zum Produktportfolio.

  • Sensor Systems

Preh ist Lieferant für Sensoren für Automotive-Anwendungen, insbesondere Positionssensoren für anspruchsvolle Einsatzbedingungen, wie zur Messung von Bremsbelagverschleiß, Drosselklappensensoren oder Sensoren zur Füllstandsmessung. Je nach Einsatzgebiet kommen unterschiedliche Messprinzipien zum Einsatz.

  • ECUs and Instruments

Preh entwickelt und produziert Steuergeräte nicht nur für die Klimaregelung, sondern auch für diverse weitere Anwendungen, wie der Integral-Aktivlenkung und dem Batteriemanagement für Hybrid- und Elektrofahrzeuge. Zum Leistungsumfang von Preh gehört die Entwicklung der Steuerungselektronik und Leistungskomponenten sowie das Packaging, einschließlich intelligenter Entwärmungskonzepte.

Unter diese Produktgruppe fallen zudem Anzeigesysteme für harte Einsatzbedingungen, wie Kombiinstrumente für Traktoren und Motorräder.

  • Innovative Automation

Der Produktbereich „PIA - Preh Innovative Automation“ konzeptioniert, entwickelt, plant und baut flexible Montage- und Fertigungslinien. Auf der Basis von Standardkomponenten entstehen individuelle Produktionslösungen - vom manuellen Montagearbeitsplatz bis zur vollautomatischen Produktionsanlage mit integrierter Prüftechnik und Datendokumentation.

Standorte der Preh Gruppe[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Deutschland, Bad Neustadt an der Saale: Stammsitz
  • Deutschland, Amberg in der Oberpfalz: Produktion und Entwicklung
  • Portugal, Trofa: Preh Portugal, Lda / Produktionsstandort
  • Mexiko, Monterrey: Preh de México S.A. de C.V. / Produktionsstandort
  • Rumänien, Brașov: S.C. Preh Romania S.R.L. / Produktionsstandort
  • China, Ningbo: Ningbo Preh Joyson Automotive Electronics Co.,Ltd. / Produktionsstandort
  • USA, Novi (Michigan): Preh, Inc. / Customer Service Center

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Geschäftsführung. Preh GmbH. Abgerufen am 1. März 2016.
  2. Aufsichtsrat. Preh GmbH. Abgerufen am 1. März 2016.
  3. a b Daten & Fakten. Preh GmbH. Abgerufen am 1. März 2016.
  4. http://www.rhoen.info/lexikon/staetten/Preh-Werke_in_Neustadt_und_ihr_Begr%9Fnder_Jakob_Preh_10991944.html
  5. Produktion von Widerständen, Potentiometern, Tasten-Aggregaten etc
  6. http://www.rheinmetall.de/de/rheinmetall_ag/group/corporate_history/1993_1999/1993-1999.php
  7. http://www.prehkeytec.de/
  8. http://www.elektroniknet.de/e-fertigung/news/article/15509/0/Lacroix_Electronique_uebernimmt_PrehTronics/
  9. http://www.deutsche-beteiligung.de/presse/pressemeldungen/?cms_press_id=1667
  10. http://www.preh.de/rw_nlmm/news.asp?WebID=preh2&NewsID=176&PageID=2&inline=
  11. Preh übernimmt die IMA Automation Amberg. Preh GmbH. 17. Juni 2014. Abgerufen am 1. März 2016.
  12. Joyson und Preh vereinbaren mit TechniSat Übernahme des TechniSat Automotive-Geschäfts. Preh GmbH. 1. Februar 2016. Abgerufen am 1. März 2016.
  13. Preh mit besonders kräftigem Wachstumsschub in 2014 – auch im laufenden Geschäftsjahr geht es weiter aufwärts. Preh GmbH. 27. Mai 2015. Abgerufen am 1. März 2016.