Proprium (Liturgie)

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche

Als Proprium (lat.: „das Eigene“, „das Wesentliche“) werden die nach dem Kirchenjahr (de tempore) oder Anlass wechselnden Elemente des christlichen Gottesdienstes bezeichnet. Im Unterschied dazu umfasst das Ordinarium die gleichbleibenden Teile der Liturgie.

Das Proprium in der Heiligen Messe[Bearbeiten]

Das Proprium Missae in der Liturgie der römisch- katholischen Kirche bezeichnet im Gegensatz zum Ordinarium Missae die nach Kirchenjahr bzw. Anlass wechselnden Teile der Heiligen Messe.

Man unterscheidet dabei:

  • Proprium de Tempore : nach den Erfordernissen des Kirchenjahres wechselnde Texte.
  • Proprium Sanctorum auch Proprium de Sanctis : die nach den Heiligenfesten wechselnden Texte.
Erste Seite des Missale Slesvicense (1486) mit dem Proprium für den ersten Adventssonntag

Zum Proprium der Messe gehören die folgenden Elemente:

  1. Introitus (Eingangsvers)
  2. Oratio (Tagesgebet)
  3. erste Lesung
  4. Antwortpsalm (Graduale)
  5. an Sonntagen und Hochfesten: zweite Lesung
  6. Halleluja mit Vers oder Ruf vor dem Evangelium (in der Fastenzeit: Tractus)
    an einigen Hochfesten mit anschließender Sequenz
  7. Evangelium
  8. Offertorium (Gesang zur Gabenbereitung)
  9. Gabengebet
  10. Präfation
  11. Communio (Gesang zur Kommunionausteilung)
  12. Schlussgebet (Postcommunio)

Werden zwei Lesungen vor dem Evangelium vorgetragen, entstammt die erste dem Alten Testament, die zweite der Apostelgeschichte, einem der neutestamentlichen Briefe oder der Johannes-Apokalypse. Bei nur einer Lesung wird sie aus dem Alten Testament oder einer der genannten neutestamentlichen Schriften genommen. In der Osterzeit werden beide Lesungen aus dem Neuen Testament genommen.

Introitus, Graduale, Halleluja bzw. Tractus, Sequenz, Offertorium und Communio sind die Teile, die traditionell von einer Schola, einem Sängerchor oder auch der Gemeinde gesungen werden können. Sie können auch durch Kirchenlieder ersetzt werden. Diese Teile sind das Proprium Missae im kirchenmusikalischen Sinne. Die meisten großen klassischen Vertonungen (Orchestermessen) der Messe betreffen nur das Ordinarium. Eine Ausnahme bildet die Totenmesse, das Requiem, mit der Vertonung sowohl des Ordinariums als auch des Propriums. In neuerer Zeit gibt es auch einige Propriumsvertonungen.

Das Proprium im protestantischen Gottesdienst[Bearbeiten]

In der evangelisch-lutherischen Liturgie umfasst das Proprium in der Regel:

  1. Wochenspruch
  2. Introitus (Eingangspsalm)
  3. Kollektengebet (Tagesgebet)
  4. Lesungen: Altes Testament, Epistel, Evangelium
  5. Haupt- oder Wochenlied
  6. Halleluja-(Vers)
  7. Predigttext
  8. bei Abendmahlsgottesdiensten: Präfation, Schlusskollekte (Dankgebet nach dem Abendmahl)
  9. die jeweils geltende Liturgische Farbe