Psycho-Physiognomik

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Als Psycho-Physiognomik bezeichnet man eine Pseudowissenschaft, die Charaktereigenschaften eines Menschen aus seiner Physiognomie, insbesondere seiner Schädelform und Gesichtszüge, ablesen zu können behauptet. Es handelt sich um eine Weiterentwicklung der pseudowissenschaftlichen Physiognomik, die mit Elementen der Phrenologie gemischt wird. Wissenschaftlich ist ein Zusammenhang nicht nachweisbar.

Der Begründer dieser Lehre war der Autodidakt Carl Huter, der das Erscheinungsbild eines Menschen nach der jeweiligen Ausprägung der sogenannten Keimblätter beurteilte: Bewegungs-, Empfindungs- und Ernährungs-Naturell. Bei fast allen Menschen seien diese unterschiedlich ausgeprägt. Die jeweilige Ausprägung entstehe während der Zeugung und dem Heranwachsen im Mutterleib. Huter legte mehrere hundert Analysepunkte am menschlichen Schädel fest und schrieb diesen bestimmte Eigenschaften zu. Amandus Kupfer, der Huters Schriften in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts verlegte, versuchte diese Methode als „wissenschaftlich“ darzustellen.[1]

Es gibt keine festgelegten, objektivierbaren Kriterien, nach denen die vielen zehntausend Merkmalsmöglichkeiten zu gewichten sind, weshalb die Diagnose von der Willkür des Deutenden abhängt. Mit Hilfe der Patho-Physiognomik glauben esoterisch orientierte Therapeuten insbesondere am Kopf und am Gesicht erkennen zu können, welche organischen Krankheiten ein Mensch hat.

Uwe Peter Kanning, Professor für Psychologie an der Hochschule in Osnabrück, hat seit den 2000er Jahren darauf hingewiesen, dass die „unseriöse“ Psycho-Physiognomik – anstelle der im Rückgang begriffenen, ebenso pseudowissenschaftlichen Graphologie – bei der Bildungs- und Personalberatung wieder verstärkt eingesetzt werde und das als gefährlichen Trend bezeichnet.[2]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Siehe etwa Amandus Kupfer: Die neue Heilmethode auf Grund der wissenschaftlichen Konstitutionstypenlehre Carl Huters und Meine Heilmittel. 2. Auflage. Schwaig bei Nürnberg 1953.
  2. Siehe neben den in der Literatur genannten Titeln Kannings auch Andreas-Kristin Schubert: Diversität in der Personalauswahl – Zwischen Fairness und Validität? In: Günther Vedder, Florian Krause (Hrsg.): Personal und Diversität (= Schriftenreihe zur interdisziplinären Arbeitswissenschaft. Bd. 5). Rainer Hampp, Hamburg, München, Mering 2016, S. 17–34, hier S. 18.