Pusher (1996)

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Filmdaten
Deutscher TitelPusher
OriginaltitelPusher
ProduktionslandDänemark
OriginalspracheDänisch, Schwedisch, Serbokroatisch
Erscheinungsjahr1996
Länge106 Minuten
AltersfreigabeFSK 16[1]
Stab
RegieNicolas Winding Refn
DrehbuchJens Dahl
Nicolas Winding Refn
ProduktionHenrik Danstrup
MusikPovl Kristian
Peter Peter
KameraMorten Søborg
SchnittAnne Østerud
Besetzung
Chronologie

Nachfolger →
Pusher II

Pusher ist ein dänischer Film aus dem Jahr 1996, der im Drogenmilieu spielt. Regie führte Nicolas Winding Refn. Er war die erste große Rolle für Mads Mikkelsen. In Deutschland wurde dem Filmtitel teilweise die Unterzeile Du hast keine Chance – nutze sie! angehängt.

Handlung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Frank und sein bester Freund Tonny sind zwei stadtbekannte Drogendealer. Sie dealen allerdings nur mit geliehenem Heroin, welches sie von dem Gangster Milo bekommen. Als bei einem geplanten Drogengeschäft die Polizei auftaucht, muss Frank das gesamte Heroin in einen See schütten. Dadurch hat zwar die Polizei nichts gegen ihn in der Hand, allerdings schuldet er Milo nun das Geld für die Drogen. Zusammen mit den Schulden aus einem anderen Drogendeal und "Zinsen" schuldet Frank Milo nun 230.000 Kronen. Da er Tonny für die Polizeiaktion mit verantwortlich macht, verprügelt er ihn schwer und trennt sich von ihm.

Milo gibt ihm 48 Stunden Zeit, um das Geld zu besorgen, womit für Frank ein verzweifelter Wettlauf gegen die Zeit beginnt. Dabei wird er anfangs noch von Milos Schläger unterstützt, später aber selbst drangsaliert. Lediglich seine Freundin, die Tabledancerin Vic, hält zu ihm. Gegenüber Vic verhält er sich jedoch stets kühl und abweisend und reagiert sogar gewalttätig, wenn sie ihre Gefühle zeigen will. Frank lässt nichts unversucht, um an das Geld zu kommen. Unter anderem versucht er Schulden von Bekannten einzutreiben, bittet seine Mutter um Geld und überfällt sogar andere Gangster. Einige dieser Versuche scheitern jedoch kläglich. Schließlich kehrt er unverrichteter Dinge zu Milo zurück, der ihn darauf schwer misshandeln lässt. Frank gelingt die Flucht und später der Diebstahl von Drogen aus dem Besitz eines der Schläger Milos. Mit dem mittlerweile zusammengeklaubten Geld von fast 70.000 Kronen will Frank mit Vic nach Spanien flüchten. Vic schöpft daraus die Hoffnung, dass Frank doch Gefühle für sie hat und ein Neuanfang möglich ist. Ein Telefonat mit Milo lässt Frank in dem Glauben, seine Schuld mit den fast 70.000 Kronen begleichen zu können. Er sagt den Neubeginn mit Vic daraufhin ab. Die enttäuschte Vic stiehlt ihm sein Geld und flüchtet. Frank steht somit erneut ohne Geld da.

Produktion[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Entstehung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Film begann als zehnminütiger Kurzfilm, den Winding Refn als Bewerbung zur dänischen Filmschule entwickelt hatte. Refn lehnte das anschließende Angebot derer ab und entschied sich Pusher stattdessen in einen Independentspielfilm zu verwandeln, nachdem ihm ein Angebot über 6 Millionen Kronen gemacht wurde.[2]

Refn arbeitete mit dem Filmstudent Jens Dahl am Drehbuch des Films. Sein Ziel war es, die Geschichte eines Mannes unter Druck zu erzählen, ohne dabei das Leben eines Drogendealers zu glorifizieren. Refn legte die Ereignisse des Plots in seinen Notizen gemäß der Wochentage an. Dies ist schließlich als Stilmittel im fertigen Film zu finden.

Dreharbeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Während der Proben war Refn mit dem Schauspieler unzufrieden, den er als Frank besetzt hatte. Er hielt ihn für zu milde und langweilig. Zwei Wochen bevor gedreht werden sollte, feuerte Winding Refn den Darsteller ohne Ersatz in Aussicht. Winding Refn kontaktierte Kim Bodnia, der zu der Zeit schon ein etablierter Schauspieler war, und Bodnia sagte zu. Obwohl auch die restlichen größeren Rollen mit erfahrenen Schauspielern besetzt wurden, wurden einige der kleineren Parts an Winding Refns Freunde oder an mit dem Leben auf der Straße vertraute Personen verteilt.

Bodnia brachte einen hohen Grad an Intensität und Aggressivität in den Charakter ein, worauf einige seiner Kollegen nicht vorbereitet waren. Winding Refn behauptet, dass die überraschten Reaktionen einiger Darsteller echt waren, da sie keine Proben mit Bodnia hatten und die ruhige Darbietung des vorhergehenden Schauspielers erwarteten.

Slavko Labović, der den serbischen Gangster Radovan spielte, war ein Freund Željko Ražnatovićs. Er stellte ein Poster von Ražnatović als Requisite in Milos Hauptquartier zur Verfügung. Der Darsteller Milos, Zlatko Burić, ist eigentlich Kroate. Die Gewalt, die zur Zeit der Dreharbeiten auf dem Balkan zwischen Serben und Kroaten aufflammte, beunruhigte Winding Refn. Die dortigen Ereignisse hatten aber keinerlei negativen Einfluss auf die Stimmung am Set.

Der Film wurde unter Einhaltung dänischer Gewerkschaftsregeln gedreht, was nur acht Stunden Dreharbeiten am Tag und am Wochenende gar keine erlaubte. Die Vorschriften, in Kombination mit den hohen Kosten für Drehgenehmigungen, verursachten große Zeit- und Budgetengpässe. Es wurde ausschließlich mit Handkamera gedreht. Winding Refn wollte ein realistisches, dokumentarisches Gefühl einfangen. Das verursachte Verzögerungen des Drehplans und dadurch musste Winding Refn, was seinen Wunsch anging, den Film düster zu halten, Kompromisse eingehen. Aufgrund des mangelhaften Lichtes sind die Darsteller oft von hinten beleuchtet.

Der Film wurde fast komplett chronologisch gedreht. Winding Refn gab später an, dass ihn das nicht chronologische Drehen verwirrte. Trotzdem wurden einige Szenen nachgedreht und später eingefügt. Die Szene, in der Frank Milos Schläger anschießt, wurde ursprünglich ohne Spezialeffekte gefilmt. Winding Refn war aber mit dem Ergebnis unzufrieden und wiederholte die Szene mit Platzpatronen. Die Szene, die den Junkie beinhaltet, wurde nach der Beendigung der Dreharbeiten aufgenommen, um eine ehemalige Szene zu ersetzen, die eine alte, überholte Version von Franks Charakter behandelt hatte.

Kritiken[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

„Um Authentizität bemühter, harter Drogenthriller über die düsteren Gassen und gescheiterten Existenzen, die Voraussetzungen für diese Art von Kriminalität sind. Das erhebliche Gewaltpotenzial des Films schockiert gerade durch seine Wirklichkeitsnähe.“

„Die dänischeGoodFellas‘-Variante im grobkörnig-rauen Undergroundfilm-Look gleicht einem Schlag in die Magengrube. Morten Søborgs Handkamera-Bilder sind ganz nah dran an den Figuren: kaputte Existenzen, die im improvisierten Gossenjargon reden und als verzweifelte Überlebenskämpfer keine Schwächen zeigen dürfen – u. a. Mads Mikkelsen als Tonny mit kahl rasiertem Schädel, rückseitig geziert von einem RESPECT-Tattoo! 2005 drehte Regisseur Refn zwei Fortsetzungen, die zwei Nebenfiguren des ersten Films in den Fokus rücken. […] Fazit: Dänisches Dynamit! Furioses Straßenkino.“

Hintergrund[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Das Budget des Films betrug 6 Millionen dänische Kronen, was in etwa 780.000 Euro entspricht.

Auszeichnungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Fortsetzungen und Neuverfilmungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Dank des Erfolgs konnten zwei Nachfolger gedreht werden, Pusher II (2004, wieder mit Mads Mikkelsen und Zlatko Buric) und Pusher 3 (2005, mit Zlatko Buric).
  • Im Sommer 2007 erschien eine hauptsächlich in England gedrehte Neuverfilmung auf Hindi; Hauptdarsteller sowie Regisseur war Assad Raja. Mahima Chaudhry spielte eine Nebenrolle. Eine deutsche Veröffentlichung ist nicht geplant.[5]
  • 2012 entstand mit Pusher eine britische Neuverfilmung des Stoffes.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Freigabebescheinigung für Pusher. Freiwillige Selbstkontrolle der Filmwirtschaft, Juni 2005 (PDF; Prüf­nummer: 102 695 DVD).
  2. by Brad Westcott: Crime Pays: An Interview with Nicolas Winding Refn. In: Reverse Shot. ReverseShot.com. 2006. Abgerufen am 29. Juli 2012.
  3. Pusher. In: Lexikon des internationalen Films. Zweitausendeins, abgerufen am 2. März 2017.Vorlage:LdiF/Wartung/Zugriff verwendet 
  4. Cinema.de: Filmkritik
  5. Pushermovie.com: Pusher - The Movie (Memento vom 16. Oktober 2008 im Internet Archive) (Zugriff am 4. Juni 2008)