Putzmeister

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Putzmeister Holding GmbH

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Rechtsform GmbH
Gründung 1958
Sitz Aichtal, Deutschland
Leitung Martin Knötgen (CEO),
Christian Danninger (CFO)
Matthias Ruppel (COO)
Mitarbeiterzahl 3.137[1]
Umsatz 764 Millionen EUR[1]
Branche Maschinenbau
Website www.putzmeister.com
Stand: 31. Dezember 2017

Putzmeister-Hauptsitz in Aichtal
Putzmeister-Betonpumpe (1985)

Putzmeister mit Sitz in Aichtal in Baden-Württemberg ist ein Hersteller von Betonpumpen, Fahrmischerbetonpumpen, Mörtelmaschinen, Industriepumpen, mobile Förderbänder (Telebelt), Betonspritzmaschinen und Betonmischanlagen. Diese Maschinen werden zur Förderung, Verteilung, Aufbereitung, Zwischenlagerung und Verarbeitung von Beton, Mörtel und Dickstoffen eingesetzt. Bis 2005 war das Unternehmen nach Umsatz und Mitarbeiterzahl das weltweit größte seiner Branche. 2012 hat der chinesische Baumaschinenhersteller Sany Putzmeister übernommen.[2]

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Jahre 1958 gründete Karl Schlecht, der Sohn eines Gipsermeisters, in Bernhausen noch als Student an der Technischen Hochschule Stuttgart (heute Universität) die Firma KS-Maschinenbau zur Herstellung von Verputzmaschinen, die 1963 in Putzmeister Werk Maschinenfabrik umbenannt wurde. Seine erste für Vaters Geschäft gebaute Maschine wurde zum Gegenstand seiner Diplomarbeit.

Mit dem „Gipsomat“ brachte Putzmeister 1965 die erste automatische Gips-Verputzmaschine der Welt auf den Markt. Neuartige Pumpen für Transportbeton verhalfen dem Unternehmen 1969 zu 45 % Marktanteil. Mit der Inbetriebnahme des heutigen Firmengeländes in Aichtal begann 1971 der Bau von Autobetonpumpen mit Verteilermasten. Im folgenden Jahr wurde die zwanzigtausendste Verputzmaschine verkauft. Zu Beginn der 1970er-Jahre wurden Tochtergesellschaften in Frankreich, Italien, Spanien, England und Brasilien gegründet. Durch die Übernahme der Firma Thomsen, dem früheren Weltmarktführer bei Autobetonpumpen, ist Putzmeister seit 1982 auch in den USA mit eigener Herstellung aktiv. Es folgten weitere Niederlassungen in Japan, China, Dänemark, Russland, Korea, Thailand, der Türkei, Indien und in Südafrika.

1980 gründet das Unternehmen den Geschäftsbereich „Tunnelmaschinen“ und bringt 1983 den Spritzbüffel auf den Markt, Es handelte sich dabei um die größte Nassspritzmaschine der Welt.[3]

Rekorde[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Jahre 1986 erfolgte die Auslieferung der größten Betonpumpe der Welt mit 62 m Auslegerhöhe. 2008 wurde die erste Autobetonpumpe mit einem Verteilermast mit 70 m Reichhöhe ausgeliefert.

Mit einer Betonpumpe, die beim Bau des Frankfurter Fernmeldeturms eine Höhendifferenz von 310 m überwand, gelang Putzmeister 1977 erstmals ein Weltrekord. Dies war durch die Erfindung des sogenannten Automatik-Ringes möglich, der Rohrweichen und Ventile bei Betonpumpen wasserdicht machte. Im nächsten Jahr übertraf man dieses Ergebnis im Gotthard-Straßentunnel mit einer Förderhöhe von 340 m bei 600 m Distanz, 1984 in einem spanischen Kraftwerkstunnel mit 432 m Pumphöhe und schließlich 1994 an einem Kraftwerk im italienischen Riva del Garda mit 532 m Förderhöhe bei 900 m Leitungslänge.

Auch beim Bau des Burj Khalifa, dem höchsten Bauwerk der Welt, kamen Betonpumpen von Putzmeister zum Einsatz. Am 9. April 2008 wurde mit einer Förderhöhe von 606 m ein neuer Weltrekord erzielt. Eine noch größere Pumphöhe war nicht erforderlich, da der obere Teil des Burj Khalifa als Stahlkonstruktion ausgeführt worden ist.[4]

Im Februar 2014 wurde bei der Erstellung einer Bodenplatte für das New Wilshire Grand Center in Los Angeles mit der kontinuierlichen Einbringung von 16.200 m³ Beton ein weiterer Weltrekord aufgestellt.[5]

Andere Anwendungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Eine Putzmeister M58 kommt seit März 2011 bei den katastrophalen Unfällen in mehreren Reaktoren des japanischen Kernkraftwerks Fukushima zum Einsatz.[6] Gegenüber den zunächst eingesetzten Löschfahrzeugen der Feuerwehr erwies sich der Ausleger der Betonpumpe als besser geeignet, um große Mengen Kühlwasser präzise an den Reaktorsicherheitsbehälter und in das Abklingbecken zu spritzen.

Später wurden weitere Pumpen nach Fukushima geflogen, die zunächst die Kühlung unterstützen und später bei der möglichen Errichtung eines Sarkophages genutzt wurden.[7]

Schon bei der Errichtung des Sarkophages nach dem Reaktorunglück 1986 in Tschernobyl wurden elf Autobetonpumpen von Putzmeister eingesetzt[8], von denen einige zum Schutz vor der Strahlung mit Blei verkleidet wurden.[9]

Kennzahlen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Geschäftsjahr 2017 erzielte die Putzmeister-Gruppe mit ca. 3.000 Mitarbeitern einen Umsatz von 764 Mio. Euro. Etwa 10 % des Umsatzes wurden in Deutschland, 20 % in den USA und 50 % im restlichen Europa erwirtschaftet.

Unternehmensstruktur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Seit 2007 ist die Putzmeister Holding GmbH die Leitgesellschaft für die in sieben Marktfeldern tätigen Tochterfirmen. Die Putzmeister Concrete Pumps GmbH ist als größte Tochtergesellschaft für das Marktfeld PCT Putzmeister Concrete Technology (Betonpumpen) zuständig und durch einen Organschaftsvertrag mit der Holding verbunden. Sie ging aus der Putzmeister AG hervor, die bis 2007 die Hauptgesellschaft der Putzmeister-Gruppe war. Die Putzmeister Concrete Pumps GmbH betreibt u. a. neben dem Montagewerk am Hauptsitz in Aichtal ein weiteres Werk für die Basisfertigung von hochwertigen Stahlbaukomponenten in Gründau. Sie verfügt über 16 Putzmeister-Tochtergesellschaften weltweit sowie weitere Beteiligungen.

Die Putzmeister Betonmischanlage MT 1.0
Die Putzmeister Betonmischanlage MT 1.0 mit Doppelwellenmischer für eine Mischleistung von max. 60 m³ pro Stunde

Daneben liegen gleichrangig die anderen Firmen des Marktfelds PMT Putzmeister Mortar Technology (Putzmeister Mörtelmaschinen GmbH, Lancy Mixjet S.A.S), und die Putzmeister Solid Pumps GmbH im Markt-Technik-Feld PIT Putzmeister Industrial Technology. Die Putzmeister Engineering GmbH ist die Entwicklungsgesellschaft und damit für die weltweite Konstruktion der Putzmeister Maschinen verantwortlich.

Im Jahr 2011 wurde das Markttechnikfeld Putzmeister Water Technology (PWT) im Rahmen eines Asset Deals an private Investoren veräußert. Die bereits 2001 etablierte Marke Dynajet firmiert seither als eigenständiges Unternehmen Dynajet GmbH. 2013 wurde deren Firmensitz von Aichtal nach Nürtingen verlegt.[10]

Am 30. Januar 2012 gab das Unternehmen in Aichtal bekannt, dass die Firma an den chinesischen Baumaschinenkonzern Sany Corp. verkauft worden ist.[11] 2012 übernahm Putzmeister die Firma Intermix GmbH, einen Hersteller von Fahrmischern im bayerischen Heimertingen.

Putzmeister Concrete Machinery mit Sitz in Goa, Indien produziert seit 2015 Betonmischanlagen für die Herstellung von Transportbeton. Dadurch wird Putzmeister zum Vollsortimentanbieter bei Herstellung, Transport und Einbringung von Beton.

In Madrid, Spanien produziert Putzmeister Ibérica Tunnelspritzmaschinen (Serie Wetkret), Transportmaschinen wie Niederprofil Betonmischfahrzeuge (Serie Mixkret) sowie Hebeplattformen (Typ Minelift).

Putzmeister Fahrmischer P 10 mit einer Nennfüllung von max. 10 m³

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Commons: Putzmeister – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b Konzernabschluss zum 31. Dezember 2017 im elektronischen Bundesanzeiger
  2. Putzmeister geht an chinesischen Rivalen Handelsblatt Online, aufgerufen 27. Januar 2012
  3. Geschichte der Firma Putzmeister, abgerufen am 25. Mai 2019.
  4. Weltrekord-Förderhöhe am Burj Dubai (Khalifa). In: Nürtinger Zeitung. 19. April 2008, S. 22.
  5. Patzer Verlag GmbH & Co. KG, Berlin, Germany: Neuen Rekord in Los Angeles aufgestellt: Größte kontinuierliche Betonförderung. In: ABZ Allgemeine Bauzeitung - Baunachrichten. (allgemeinebauzeitung.de [abgerufen am 3. Dezember 2018]).
  6. Putzmeister-Pumpe für Japan. (Memento vom 13. Juli 2012 im Internet Archive) In: Nürtinger Zeitung. 22. März 2011.
  7. Putzmeister pumpt in Fukushima, auf www.welt.de, abgerufen am 18. Mai 2019
  8. Putzmeister Autobetonpumpe kühlt in Fukushima (Memento vom 8. September 2012 im Internet Archive)
  9. Tschernobyl 1986: Putzmeister half mit Pionierleistung
  10. Unternehmen — Deutsch. Abgerufen am 21. Februar 2017.
  11. Heftiger Protest gegen Putzmeister-Verkauf Stuttgarter Nachrichten Online vom 30. Januar 2012

Koordinaten: 48° 37′ 54″ N, 9° 13′ 46″ O