Quecksilber(I)-iodid

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Kristallstruktur
Quecksilber(I)-iodid
__ Hg+     __ I
Allgemeines
Name Quecksilber(I)-iodid
Verhältnisformel Hg2I2
CAS-Nummer 15385-57-6
Kurzbeschreibung

gelbes Pulver[1]

Eigenschaften
Molare Masse 654,98 g·mol−1
Aggregatzustand

fest

Dichte

7,7 g·cm−3[2]

Schmelzpunkt

140 °C[2]

Siedepunkt

290 °C[2]

Löslichkeit

nahezu unlöslich in Wasser, Ethanol und Ether[3]

Sicherheitshinweise
GHS-Gefahrstoffkennzeichnung aus EU-Verordnung (EG) 1272/2008 (CLP) [4]
06 – Giftig oder sehr giftig 08 – Gesundheitsgefährdend 09 – Umweltgefährlich

Gefahr

H- und P-Sätze H: 300​‐​310​‐​330​‐​373​‐​410
P: 260​‐​264​‐​273​‐​280​‐​284​‐​301+310Vorlage:P-Sätze/Wartung/mehr als 5 Sätze [1]
EU-Gefahrstoffkennzeichnung [5] aus EU-Verordnung (EG) 1272/2008 (CLP) [4]
Sehr giftig Umweltgefährlich
Sehr giftig Umwelt-
gefährlich
(T+) (N)
R- und S-Sätze R: 26/27/28​‐​33​‐​50/53
S: (1/2)​‐​13​‐​28​‐​45​‐​60​‐​61Vorlage:S-Sätze/Wartung/mehr als 5 Sätze
Soweit möglich und gebräuchlich, werden SI-Einheiten verwendet. Wenn nicht anders vermerkt, gelten die angegebenen Daten bei Standardbedingungen.
Vorlage:Infobox Chemikalie/Summenformelsuche vorhanden

Quecksilber(I)-iodid ist eine chemische Verbindung und gehört zu den Quecksilberhalogeniden.

Vorkommen[Bearbeiten]

Quecksilber(I)-iodid kommt natürlich in Form der Minerale Moschelit und Iodhydrargyrit vor.

Gewinnung und Darstellung[Bearbeiten]

Quecksilber(I)-iodid kann direkt aus den Elementen Quecksilber und Iod dargestellt werden:[6]

\mathrm{2 \ Hg + I_2 \longrightarrow Hg_2I_2}

Es entsteht auch durch Fällung aus einer verdünnten Quecksilber(I)-Lösungen wie Quecksilber(I)-nitrat-Lösung mit Iodidionen. Ein Überschuss an Iodid ist dabei zu vermeiden, da das Quecksilber(I)-iodid dann zu einem 1:1-Gemisch aus elementarem Quecksilber und Tetraiodomercurat(II) disproportioniert, das als Neßler-Reagenz bekannt ist.[7]

\mathrm{Hg_2(NO_3)_2 + HI \longrightarrow Hg_2I_2 + 2 \ HNO_3}

Quecksilber(I)-iodid kann auch durch Reaktion von Quecksilber mit Quecksilber(II)-iodid bei Temperaturen unter 564 Kelvin oder durch Reaktion von Quecksilber(II)-chlorid mit Zinn(II)-chlorid in alkoholischer Lösung von Kaliumiodid.[8]

Eigenschaften[Bearbeiten]

Quecksilber(I)-iodid ist ein gelber Feststoff, der sich unter Licht leicht zu Quecksilber und Quecksilber(II)-iodid zersetzt. Es formt keine Hydrate und besitzt eine tetragonale Kristallstruktur.[8] Bei Erwärmung färbt es sich über orange zu rot.[9]

Verwendung[Bearbeiten]

Quecksilber(I)-iodid wurde früher als Medikament benutzt, was aber aufgrund der hohen Giftigkeit der Substanz heutzutage nicht mehr der Fall ist.[10]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b Datenblatt Mercury(I) iodide bei Sigma-Aldrich, abgerufen am 22. April 2011 (PDF).
  2. a b c Quecksilber(I)-iodid bei webelements.com
  3. Dale L. Perry, Sidney L. Phillips: Handbook of inorganic compounds; ISBN 978-0-84938671-8.
  4. a b Nicht explizit in EU-Verordnung (EG) 1272/2008 (CLP) gelistet, fällt aber dort mit der angegebenen Kennzeichnung unter den Sammelbegriff „Anorganische Quecksilberverbindungen“; Eintrag aus der CLP-Verordnung zu Anorganische Quecksilberverbindungen in der GESTIS-Stoffdatenbank des IFA, abgerufen am 8. April 2012 (JavaScript erforderlich).
  5. Für Stoffe ist seit dem 1. Dezember 2012, für Gemische seit dem 1. Juni 2015 nur noch die GHS-Gefahrstoffkennzeichnung zulässig. Die EU-Gefahrstoffkennzeichnung ist nur noch auf Altbeständen zu finden und von rein historischem Interesse.
  6.  Bernard Moody: Comparative Inorganic Chemistry. Elsevier, 2013, ISBN 978-1-4832-8008-0, S. 414 (eingeschränkte Vorschau in der Google-Buchsuche).
  7.  Erwin Riedel, Christoph Janiak: Anorganische Chemie. Walter de Gruyter, 2007, ISBN 978-3-11-018903-2, S. 765 (eingeschränkte Vorschau in der Google-Buchsuche).
  8. a b  L. F. Kozin, S. C Hansen: Mercury Handbook Chemistry, Applications and Environmental Impact. Royal Society of Chemistry, 2013, ISBN 978-1-84973-409-7, S. 101 (eingeschränkte Vorschau in der Google-Buchsuche).
  9.  Dale L. Perry: Handbook of Inorganic Compounds. CRC Press, 1995, ISBN 978-0-8493-8671-8, S. 256 (eingeschränkte Vorschau in der Google-Buchsuche).
  10.  Mark Weller, Tina Overton, Jonathan Rourke, Fraser Armstrong: Inorganic Chemistry. OUP Oxford, 2014, ISBN 978-0-19-964182-6, S. 513 (eingeschränkte Vorschau in der Google-Buchsuche).