Rachel Ruysch

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Porträt der Rachel Ruysch, Godfried Schalcken vor 1706

Rachel Ruysch auch Rahel Ruysch (* 1664 in Amsterdam; † 12. August 1750 ebenda) war eine niederländische Stilllebenmalerin des Barock.

Leben[Bearbeiten]

Rachel Ruysch erwarb bei ihrem Vater Frederik Ruysch (1638−1731) ihre ersten Kenntnisse in Botanik und Malerei. Er war hoch angesehener Professor für Anatomie und Botanik in Amsterdam und besaß eine Kuriositätensammlung, die in großen Teilen von Zar Peter dem Großen für seine Petersburger Kunstkammer aufgekauft wurde. Bereits mit 15 Jahren begann sie bei dem Blumenmaler Willem van Aelst zu studieren. Anfangs malte sie außer Blumen und Früchten auch Reptilien und Insekten. Rachel Ruysch heiratete 1695 den Porträtmaler Juriaen Pool, mit dem sie zehn Kinder hatte, die sie alle selbst großzog. Als erste Frau wurde sie 1701 zusammen mit ihrem Mann Mitglied der Malergilde in Den Haag. Der Kurfürst Johann Wilhelm von der Pfalz in Düsseldorf engagierte sie von 1708 bis 1716 als Hofmalerin. Abgesehen von zwei längeren Aufenthalten am Rhein 1710 und 1713 bei ihrem Mäzen verließ Ruysch Amsterdam nie. Durch den ihr verliehenen Hoftitel erwarb sich Wilhelm von der Pfalz Exklusivrechte wenigstens für die Hälfte ihrer Jahresproduktion ihrer begehrten Bouquets. Seinem Schwager Cosimo III. de’ Medici schenkte er zwei Ruysch Gemälde.

1723 gewann sie im Alter von 59 Jahren den mit 75.000 Gulden dotierten Hauptpreis einer staatlichen Lotterie der nördlichen Niederlande.

Aufgrund ihrer Bekanntheit und der großen malerischen Qualität erzielten ihre Bilder außergewöhnlich hohe Preise. Trotz großer Nachfrage arbeitete sie sehr lange an ihren Bildern und blieb über die ganzen Jahre ihren Ansprüchen an ihre Kunst treu. In ihrer Schaffenszeit von mehr als 65 Jahren stammt das früheste datierte Bild von 1681, das letzte von 1747.

Nicht nur in den Niederlanden beeinflusste ihr Stil Generationen von Blumenmalern. Ihre Blumenbouquets vor dunklem Hintergrund wirken üppig. Alles Licht konzentriert sich auf die Blüten, zarte Gräser setzen Akzente. Durch starke Hell-Dunkel-Kontraste, zurückgenommene braune Konturen und dem intensiven Zusammenspiel kalter und warmer Farben entsteht eine nie gekannte Plastizität. Stärker als ihre Vorgänger und Lehrer kombiniert Ruysch unterschiedlichste Blumen zu einer reichhaltigen Auswahl. Pofitiert haben wird sie von der umfangreichen Botaniksammlung ihres Vaters, der das Botanikum in Amsterdam als eine der reichsten Pflanzensammlungen aufgebaut und katalogisiert hatte. Vermutlich wird sie ihre ersten Skizzen dort gemacht haben. Auf einem Bild, das Michiel van Musscher von ihr malte, sind solche Zeichnungen von ihr abgebildet. Überliefert sind allerdings keine ihrer Vorlagensammlungen.

Im Alter von 86 Jahren starb sie am 12. August 1750 in Amsterdam.

Blumenstilleben mit Schmetterlingen auf einer Steinbank

Werke (Auswahl)[Bearbeiten]

Früchte und Insekten, 1711

Auktionen[Bearbeiten]

  • 1825 in Nürnberg: Im Vordergrund eine Landschaft liegen verschiedene Küchengewächse und Kräuter in einer malerischen Gruppierung.[4]

Literatur[Bearbeiten]

  • Erika Gemar-Költzsch: Holländische Stillebenmaler im 17. Jahrhundert, Lingen 1995
  • Marianne Berardi: Science into Art. Rachel Ruysch’s early development as a still-life painter, Pittsburgh 1998
  • Christina Haberlik, Ira Diana Mazzoni: 50 Klassiker - Künstlerinnen, Malerinnen, Bildhauerinnen und Photographinnen. Gerstenberg, Hildesheim 2002, ISBN 978-3-8067-2532-2, S. 40-43
  • Christiane Weidemann, Petra Larass, Melanie Klier: 50 Künstlerinnen, die man kennen sollte Prestel München 2008, ISBN 978-3-7913-3957-3, S. 38-41

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Rachel Ruysch – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. National Gallery: Blumen in der Vase (um 1685)
  2. Uffizien: Früchte und Insekten (1711)
  3. Rijksmuseum: Stillleben mit Blumen auf einem Marmortisch (1716)
  4. VERZEICHNISS ÜBER DAS v.DERSCHAUISCHE Kunstkabinett zu NÜRNBERG.... Nürnberg, bei dem verpflichteten Auctionator Schmidmer., 1825., 250 S., Verzeichniss der seltenen Kunst-Sammlungen.,1825., Google Books, online, S. 19