Raiko Krauß

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Raiko Krauß an der Universität Tübingen

Raiko Krauß (* 1973 in Berlin-Friedrichshain) ist ein deutscher Prähistorischer Archäologe.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Krauß legte 1992 das Abitur am Georg-Friedrich-Händel-Gymnasium in Berlin-Friedrichshain ab. Bereits als Schüler arbeitete er 1988–1990 im Rahmen von Ferienpraktika an der Antikensammlung der Staatlichen Museen zu Berlin und war an Grabungen des Museums für Ur- und Frühgeschichte Potsdam beteiligt.

Nach dem Zivildienst in der Notaufnahme eines Berliner Krankenhauses begann Krauß zum Sommersemester 1994 mit dem Studium der Ur- und Frühgeschichte und Klassischen Archäologie an der Humboldt-Universität zu Berlin[1]. Dort besuchte er auch Lehrveranstaltungen der Klassischen Philologie, Alten Geschichte und Philosophie sowie an der Freien Universität Berlin Vorlesungen in Vergleichender Indogermanischer Sprachwissenschaft. 1999–2000 war er als studentische Hilfskraft am Hermann von Helmholtz-Zentrum für Kulturtechnik für die Betreuung der Lehrsammlung des Lehrstuhls für Ur- und Frühgeschichte angestellt[2] und arbeitete an Grabungsprojekten in Deutschland, Bulgarien, Griechenland, Italien, Rumänien und der Türkei mit. 2000 schloss er sein Studium an der Humboldt-Universität mit einer Magisterarbeit über die kupferzeitliche Siedlung von Djakovo im Strumatal (Bulgarien) ab[3].

2004 wurde Krauß von Bernhard Hänsel und Hermann Parzinger an der Freien Universität Berlin mit einer Dissertation zum Thema „Die prähistorische Besiedlung am Unterlauf der Jantra“ promoviert[4]. 2002–2004 war er Promotionsstipendiat der Studienstiftung des Deutschen Volkes. Anschließend arbeitete er 2004 kurzfristig am Sächsischen Landesamt für Archäologie. Für seine Dissertation wurde er mit dem Reisestipendium des Deutschen Archäologischen Instituts ausgezeichnet und bereiste ein Jahr lang die Länder des Mittelmeer- und Schwarzmeerraumes.

Von 2005 bis 2008 war Krauß wissenschaftlicher Mitarbeiter der Eurasien-Abteilung des Deutschen Archäologischen Instituts und zwischenzeitlich von 2007 bis 2008 auch Assistent am Institut für Prähistorische Archäologie der Freien Universität Berlin. Seit dem Wintersemester 2008/09 lehrt und forscht er am Institut für Ur- und Frühgeschichte und Archäologie des Mittelalters der Eberhard Karls Universität Tübingen. 2014 konnte er sich dort mit einer Arbeit zur „Dynamik der Neolithisierung in Südosteuropa. Der Beginn von Ackerbau, Viehzucht und sesshafter Lebensweise“ habilitieren und erhielt die Venia Legendi für das Fach Ur- und Frühgeschichte. Seit 2017 ist Krauß Heisenberg-Stipendiat der Deutschen Forschungsgemeinschaft und seit November 2018 außerplanmäßiger Professor an der Eberhard Karls Universität Tübingen.

Im Mittelpunkt von Krauß' archäologischer Tätigkeit stehen die Epochen vom Mesolithikum bis zur Bronzezeit in Mittel- und Südosteuropa. Wichtige Forschungsprojekte beschäftigten sich mit der frühneolithischen Siedlung von Ovčarovo-Gorata (Bulgarien)[5], dem kupfer- bis frühbronzezeitlichen Fundplatz Foeni-Gaz (Rumänien)[6] und dem kupferzeitlichen Gräberfeld von Warna (Bulgarien)[7]. Für das vermeintlich frühneolithische Figurenensemble von Belica (Serbien) konnte er nachweisen, dass ein Teil der Funde modern gefertigt wurden[8] und somit einen von serbischen Kollegen erhobenen Fälschungsvorwurf[9] teilweise bestätigen. In Kooperation mit dem Museum des Banats in Timišoara leitet er seit 2010 die Grabungen auf der mehrphasigen prähistorischen Siedlung Bucova Pusta IV (Rumänien)[10] und zusammen mit dem Landesamt für Bodendenkmalpflege verschiedene Grabungen auf mesolithisch-frühneolithischen Fundplätzen in Baden-Württemberg. Schwerpunkte seiner Lehr- und Forschungstätigkeit sind auch die Musikarchäologie[11] und die Megalithik in Nordafrika[12].

Krauß ist Vize-Präsident der Deutsch-Bulgarischen Gesellschaft und Korrespondierendes Mitglied des Deutschen Archäologischen Instituts. 2015 erhielt er die Ehrenplakette der Gemeinde Dudeștii Vechi (Rumänien).

Schriften[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bislang veröffentlichte Raiko Krauß fünf Monographien und über 80 wissenschaftliche Aufsätze zu archäologischen und forschungsgeschichtlichen Themen.

  • Ovčarovo-Gorata. Eine frühneolithische Siedlung in Nordostbulgarien. Archäologie in Eurasien 29, Habelt, Bonn 2014, ISBN 978-3-7749-3914-1
  • Die prähistorische Besiedlung am Unterlauf der Jantra vor dem Hintergrund der Kulturgeschichte Nordbulgariens. Prähistorische Archäologie in Südosteuropa 20, Verlag Marie Leidorf, Rahden 2006, ISBN 3-89646-591-0
  • mit Harald Floss (Hrsg.): Southeast Europe before Neolithisation. Proceedings of the International Workshop within the Collaborative Research Centres SFB 1070 “RessourcenKulturen”, Schloss Hohentübingen, 9th of May 2014, Verlag der Universität Tübingen 2016, ISBN 978-3-946552-01-7
  • mit Martin Bartelheim, Barbara Horejs (Hrsg.): Von Baden bis Troia. Ressourcennutzung, Metallurgie und Wissenstransfer. Eine Jubiläumsschrift für Ernst Pernicka Verlag Marie Leidorf, Rahden 2016, ISBN 978-3-86757-010-7
  • (Ed.), Beginnings – New Research in the Appearance of the Neolithic between Northwest Anatolia and the Carpathian Basin. Menschen – Kulturen – Traditionen. Studien aus den Forschungsclustern des Deutschen Archäologischen Instituts 1, Verlag Marie Leidorf, Rahden 2011, ISBN 978-3-86757-381-8

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Anmerkungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Vergleiche Achim Leube: Raiko Krauß, geb. 1973. In: Derselbe: Prähistorie zwischen Kaiserreich und wiedervereinigtem Deutschland. 100 Jahre Ur- und Frühgeschichte an der Berliner Universität Unter den Linden. Habelt, Bonn 2010, ISBN 978-3-7749-3629-4, S. 224f.
  2. Vgl. Holger Grönwald, Gerson H. Leube, Raiko Krauß: Die Studiensammlung des Lehrstuhles für Ur- und Frühgeschichte der Humboldt-Universität zu Berlin. In: Archäologisches Nachrichtenblatt Bd. 6, 3/2001, S. 258–267.
  3. Publiziert als: Raiko Krauß: Die prähistorische Siedlung beim Dorf Djakovo, Kr. Kjustendil (Bulgarien). Ein Beitrag zum Äneolithikum im Strumatal. In: Prähistorische Zeitschrift 76, 2001, S. 129–170.
  4. Publiziert als: Raiko Krauß: Die prähistorische Besiedlung am Unterlauf der Jantra vor dem Hintergrund der Kulturgeschichte Nordbulgariens. (= Prähistorische Archäologie in Südosteuropa 20). Verlag Marie Leidorf, Rahden 2006, ISBN 3-89646-591-0.
  5. Raiko Krauß: Ovc̆arovo-Gorata. Eine frühneolithische Siedlung in Nordostbulgarien. Habelt, Bonn 2014, ISBN 978-3-7749-3914-1.
  6. Raiko Krauß, Dan Ciobotaru: Daten zum Ende des Badener Keramikstils und dem Beginn der Frühbronzezeit aus Foeni-Gaz im rumänischen Banat. Mit Beiträgen zur absoluten Datierung und zu den bronzezeitlichen Tierknochen von B. Weninger und G. El Susi. In: Praehistorische Zeitschrift 88, 2013, S. 38–113.
  7. Etwa Raiko Krauß, Vladimir Slavčev: Wen stellen die tönernen Gesichter im Gräberfeld von Varna I dar? In: Thomas Link, Dirk Schimmelpfennig (Hrsg.): Taphonomische Forschungen (nicht nur) zum Neolithikum. Fokus Jungsteinzeit. Berichte der AG Neolithikum 3 (Kerpen-Loogh 2012) S. 237–256 und Raiko Krauß, Verena Leusch, Steve Zäuner: Zur frühesten Metallurgie in Europa − Untersuchungen des kupferzeitlichen Gräberfeldes von Varna. In: Bulgarien-Jahrbuch 2012, S. 64–82 sowie Raiko Krauß, Steve Zäuner, Ernst Pernicka: Statistical and Anthropological Analysis of the Varna Necropolis. In: Harald Meller, Roberto Risch, Ernst Pernicka (Hrsg.): Metalle der Macht – Frühes Gold und Silber. 6. Mitteldeutscher Archäologentag vom 17. bis 19. Oktober 2013 in Halle (Saale). Tagungen des Landesmuseums für Vorgeschichte Halle 11/II (Halle 2014) S. 371–387.
  8. Vgl. dazu http://www.ufg.uni-tuebingen.de/juengere-urgeschichte/forschungsprojekte/abgeschlossene-forschungsprojekte/belica.html
  9. Dragana Antonovic, Slaviša Peric, O neolitskoj autenticnosti nalaza iz Belice. In: Starinar 62, 2012, S. 257–268.
  10. Vgl. 15. Sânnicolau Mare, jud. Timiș: Punct: Bucova Pusta IV. In: D. Mihai/R. Iosipescu/R. Șerban (Hrsg.): Cronica Cercetărilor Arheologice din România 2015. Campania 2014 (Bucureşti 2015) S. 41–43 und 44. Sânnicolau Mare, jud. Timiş. Punct: Bucova Pusta IV. In: I. Opriş/Z.K. Pinter/F.M. Popescu (Hrsg.): Cronica Cercetărilor Arheologice din România 2015. Campania 2015 (Bucureşti 2016) S. 78–79.
  11. http://www.ufg.uni-tuebingen.de/juengere-urgeschichte/mitarbeiter/nach-funktion/krauss-raiko-pd-dr/lehrverzeichnis.html
  12. Raiko Krauß: Wie alt sind die nordafrikanischen Megalithen? In: H.-J. Beier et al. (Hrsg.): Neolithische Monumente und neolithische Gesellschaften. Varia neolithica VI. Beiträge zur Ur- und Frühgeschichte Mitteleuropas 56 (Langenweißbach 2009) S. 153–159 und Raiko Krauß: Die frühgeschichtlichen Megalithgräber Tunesiens. In: Zeitschrift für Archäologie außereuropäischer Kulturen 2, 2007, S. 163–181.