Zum Inhalt springen

Raucherentwöhnung

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
(Weitergeleitet von Raucherentwöhnungsprogramm)

Bei einer Raucherentwöhnung handelt es sich um einen multimodalen Therapieansatz, mit dem Ziel einem Raucher das Bedürfnis zum Rauchen möglichst dauerhaft zu nehmen und einen Rauchstopp zu ermöglichen.

Bedarf und Erfolgsaussichten

[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die vom Bundesgesundheitsministerium geförderte DEBRA-Studie erhebt zweimonatlich Daten zum Rauchverhalten in Deutschland.[1] Sie konnte aufzeigen, dass etwa jeder fünfte Raucher in Deutschland innerhalb des vorigen Jahres versucht hat, mit dem Rauchen aufzuhören.[2] Der Bedarf an einer erfolgreichen Raucherentwöhnung bis hin zum Rauchstopp ist also hoch, während die Erfolgsquote einer Raucherentwöhnung im Selbstversuch bei etwa 3–5 % liegt.[3] Sie lässt sich durch professionelle Hilfe deutlich steigern.[4][5] In sogenannten Raucherentwöhnungsprogrammen erfolgt in der Regel eine psychosoziale Begleitung der Patienten über einen längeren Zeitraum sowie eine individuelle Kombination verschiedener Therapieformen.[6] Bei jeder Raucherentwöhnung ist eine persönliche Begleitung durch entsprechend qualifizierte Fachpersonen, beispielsweise im Rahmen von Kurzinterventionen oder durch Motivierenden Gesprächsführung Internetangeboten überlegen.[5]

Materialien und Methoden

[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die aktuelle Leitlinie zur Behandlung von Rauchen und Tabakabhängigkeit empfiehlt nach der Ausschöpfung niederschwelliger Verfahren (Kurzberatung, Telefonberatung oder Internet- bzw. Smartphonegestützte Verfahren) die verhaltenstherapeutische Einzel- oder Gruppenbehandlung, ggf. in Verbindung mit Medikamenten. Liegt eine körperliche Entzugssymptomatik vor, sollen Medikamente vorgeschlagen werden. Sollte eine Nikotinersatztherapie (z. B. Nicotinpflaster oder schnell wirksame Nikotinpräparate wie Nikotinkaugummi, Mundspray) nicht wirksam sein, soll nach Prüfung von Indikationen bzw. Kontraindikationen Nicotin-Agonisten angeboten werden.[7]

Am erfolgreichsten ist eine multimodale[8] individuelle[6] Therapie nach vorheriger Analyse der Rauchgewohnheiten, Auslöser, sozialer Umstände[8] und der Schwere der Sucht (z. B. mittels Fagerström-Test bzw. den FTND)[9][10]. Es sollten Strategien entwickelt werden, um einem aufkommenden Suchtdruck (Substanzverlangen) zu begegnen und der Motivationsprozess muss zu jeder Zeit gestärkt werden.[11] Manche Ansätze, wie z. B. das Abschließen eines Vertrages sind nur in Einzelfällen zielführend, während es bei der begleitenden ärztlichen medikamentösen Therapie[6][12] sowie der kognitiven Verhaltenstherapie[13] bzw. einer psychosozialen Unterstützung[8] gute wissenschaftliche Daten über deren Wirksamkeit gibt.[8] Insbesondere die Kombination dieser beiden Therapieprinzipien stellt heute die fundamentalen Säulen einer modernen strukturierten Raucherentwöhnung dar.[8][13] Dies spiegelt sich auch in dem Sachverhalt wider, dass es sich i. d. R. um körperliche sowie psychische Abhängigkeit handelt.[12]

Eine begleitende medikamentöse Therapie ist wegen Anwendungsbeschränkungen, Gegenanzeigen und möglicher Nebenwirkungen[24] Ärzten vorbehalten, die Erfahrung in dieser Behandlung haben. Einige Medikamente sind verschreibungspflichtig. Manche Kombinationen von Medikamenten steigern die Wirksamkeit,[8][15][4][16][12] manche haben jedoch auch eine entgegengesetzte Wirkung.[3] Insbesondere in der Schwangerschaft sind manche Medikamente allerdings kontraindiziert.

Rauchverhalten in der Schwangerschaft

[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ein Rauchstopp infolge einer erfolgreichen Raucherentwöhnung ist jedoch für die gesundheitliche Entwicklung des Fötus gerade besonders wichtig. Eine rauchende Mutter schädigt ihr Erbgut, insbesondere die sogenannten Enhancer, die dafür zuständig sind, im Laufe der Entwicklung des Fötus bestimmte Gene zu aktivieren, die dann ihrerseits beispielsweise für die Entwicklung von Organen zuständig sind. Neben entsprechenden Fehlbildungen bei der Entwicklung kann das Rauchen der Mutter zudem auch im späteren Leben des Kindes dessen gesundheitliche Risiken erhöhen. Das gilt sowohl für akute Erkrankungen, wie die Lungenentzündung, aber auch für chronische Erkrankungen, wie Diabetes mellitus, Adipositas oder Krebs.[25]

Ein wichtiger Bestandteil des Gesamtkonzeptes sollte ein festgelegter Termin für das Aufhören („Rauchstopptermin“ bzw. englisch quit date) sein, an dem der Raucher seinen Zigarettenkonsum beendet. Der Beginn und die Aufdosierung einer eventuell begleitenden medikamentösen Therapie richtet sich nach diesem Termin, der an die persönlichen Umstände des Patienten angepasst sein sollte. Eine ledigliche Reduktion der Anzahl der Zigaretten ist nicht wirksam bzgl. einer Verbesserung der Lungenfunktion und stellt keine Alternative zum Rauchstopp dar.[8]

Auch bei bereits diagnostiziertem Lungenkrebs oder anderen Folgeerkrankungen lohnt sich eine Therapie. Studien zeigen, dass die Wirksamkeit einer Behandlung der Krebserkrankung nach erfolgreicher Abstinenz steigt.[26]

Einzelnachweise

[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]
  1. Website der DEBRA Studie, aufgerufen am 31. Januar 2026
  2. a b Anil Batra, Kay-Uwe Petersen: "Evidenzbasierte Hilfestellungen zum Rauchstopp" in CME Schwerpunkt, 20. Jahrgang (2023) Seite 14–17
  3. a b T. Hering: Moderne medikamentöse Unterstützung der Tabakentwöhnung. In: Internist 2009, 50: S. 95–100.
  4. a b M. C. Fiore, C. R. Jaen, T. B. Baker et al.: 2008 PHS Guideline Update Panel, Liaisons and Staff. Treating Tobacco Use and Dependence: 2008 Update. U.S. Public Health Service Clinical Practice Guideline executive summary. Respir Care 53:1217–1222.
  5. a b Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften (hrsg.): Rauchen und Tabakabhängigkeit: Diagnostik, Screening und Behandlung, Leitlinienregisternummer 076-006, gültig bis 31. Dezember 2025, Seite 16 und Seite 50–53
  6. a b c d e A. Batra: Therapie der Tabakabhängigkeit. Deutsches Ärzteblatt, Jg. 108, Heft 33, August 2011.
  7. AWMF (Hrsg.): Leitlinie "Rauchen und Tabakabhängigkeit: Screening, Diagnostik und Behandlung". 1. Januar 2021.
  8. a b c d e f g h i S. Andreas, A. Batra, J. F. Behr et al.: Tabakentwöhnung bei COPD - S3 Leitlinie der Deutschen Gesellschaft für Pneumonologie und Beatmungsmedizin. Pneumonologie 2008, 62: 255–72. aktualisiert: 21. Dezember 2013.
  9. K. Fagerström, Ph. D.: Determinants of Tobacco Use and Renaming the FTND to the Fagerström Test for Cigarette Dependence. Nicotine Tob. Res. (2012), 14 (1): S. 5–78.
  10. T. F. Heatherton, L. T. Kozlowski, R. C. Frecker, K. O. Fagerström: The Fagerström Test for Nicotine Dependence: a revision of the Fagerström Tolerance Questionaire. Br. J. Addict 1991, 86: S. 1119–1127.
  11. D. T. C. Lai, K. Cahill Y. Quin, J. L. Tang: Motivational interviewing for smoking cessation, Cochrane Database of Systematic Reviews. Reviews 2010, Nr. 1, John Wiley and Sons, Ltd Chichester, UK.
  12. a b c d A. Zeller: Medikamentöse Therapie bei Nikotinentzug. Therapeutische Umschau (Übersichtsarbeit) 2010, 67 (8), S. 419–425.
  13. a b c Chr. Jenner: Kombinierte Strategiemodule der Raucherentwöhnung. (siehe Weblink)
  14. Arzneimittelkommission der deutschen Ärzteschaft (Hrsg.): Empfehlungen zur Therapie der Tabakabhängigkeit, Arzneiverordnungen in der Praxis. Band 37, Sonderheft 2, 2010.
  15. a b M. J. Carpenter et al.: Clinical strategies to enhance the efficacy of nicotine replacement therapy for smoking cessation: A review of the literature. Drugs 2013 Apr, 73 (5): S. 407–426.
  16. a b L. F. Stead et al.: Nicotine replacement therapy for smoking cessation. Cochrane Database Syst Rev 2012 Nov 14, 11: CD000146.
  17. D. Gonzales, S. I. Rennard, M. Nides et al.: Varenicline, an alpha4beta2 nicotinic acetylcholine receptor partial agonist, vs sustained-release bupropion and placebo for smoking cessation: a randomized controlled trial. Jama 2006, 296: S. 47–55.
  18. D. E. Jorenby, J. T. Hays, N. A. Rigotti et al.: Efficacy of varenicline, an alpha-4beta2 nicotinic acetylcholine receptor partial agonist, vs placebo or sustained-release bupropion for smoking cessation: a randomized controlled trial. Jama 2006, 296: 56–63.
  19. DP Tashkin, S Rennard, JT Hays et al.: Effects of varenicline on smoking cessation in patients with mild to moderate COPD: a randomized controlled trial. Chest 2011, 139: 591–599.
  20. R. D. Hurt, D. P. Sachs, E. D. Glover et al.: A comparison of sustained-release bupropion and placebo for smoking cessation. N engl J Med 1997, 337: S. 1195–1202.
  21. D. E. Jorenby, S. J. Leischow, M. A. Nides et al.: A controlled trial of sustained-release bupropion, a nicotine patch, or both for smoking cessation. N Engl J Med 1999, 340: S. 685–691.
  22. J. R. Huges, L. F. Stead, T. Lancaster: Antidepressants for smoking cessation. Cochrane Database Syst Rev 2007: CD000031.
  23. Steffen Moritz, Anja S. Göritz, Stella Schmotz, Roland Weierstall-Pust, Josefine Gehlenborg, Simone Kühn: Imaginal retraining decreases craving for high-calorie food in overweight and obese women: A randomized controlled trial. In: Translational Psychiatry. Band 9, Nr. 1, 2019, ISSN 2158-3188, S. 319, doi:10.1038/s41398-019-0655-7 (nature.com [abgerufen am 18. Juli 2021]).
  24. FDA: Public Health Advisory: FDA Requires New Boxed Warnings for the Smoking Cessation Drugs Chantix and Zyban 30. Dezember 2013.
  25. Tobias Bauer, Saskia Trump, Naveed Ishaque et al: "Enviroment-induced epigenetic reprogramming in genomic regulatory elements in smoking mothers and their children" in Molecular Systems Biology Volume 12 (2016), Artikel MSB 156520 24. (als PDF per open access hier) aufgerufen am 28. Januar 2026
  26. A. Stefan, A. Rittmeyer, M. Hinterthaner, R. M. Huber: Tabakentwöhnung bei Lungenkrebs durchführbar und wirksam. Deutsches Ärzteblatt, Jg. 110, Heft 43, Oktober 2013.