Vareniclin

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Strukturformel
Strukturformel von Vareniclin
Allgemeines
Freiname Vareniclin
Andere Namen
  • IUPAC: (6R,10S)-7,8,9,10-Tetrahydro-6,10-methano-6H-pyrazino[2,3-h]- [3]benzazepin
  • Latein: Vareniclinum
Summenformel C13H13N3
CAS-Nummer
  • 249296-44-4 (Vareniclin)
  • 375815-87-5 (Vareniclin·Tartrat)
PubChem 170361
ATC-Code

N07BA03

DrugBank DB01273
Arzneistoffangaben
Wirkstoffklasse

Mittel zur Raucherentwöhnung

Eigenschaften
Molare Masse 211,26 g·mol−1
Löslichkeit

löslich in DMSO[1]

Sicherheitshinweise
Bitte die eingeschränkte Gültigkeit der Gefahrstoffkennzeichnung bei Arzneimitteln beachten
GHS-Gefahrstoffkennzeichnung [1]

Varenicline-Tartrat

09 – Umweltgefährlich

Achtung

H- und P-Sätze H: 400
P: 273 [1]
EU-Gefahrstoffkennzeichnung [2][1]
Gesundheitsschädlich Umweltgefährlich
Gesundheits-
schädlich
Umwelt-
gefährlich
(Xn) (N)
R- und S-Sätze R: 22​‐​50
S: 22​‐​57
Toxikologische Daten

> 2000 mg·kg−1 (LD50Rattetransdermal, Varenicline-Tartrat)[1]

Soweit möglich und gebräuchlich, werden SI-Einheiten verwendet. Wenn nicht anders vermerkt, gelten die angegebenen Daten bei Standardbedingungen.
Vorlage:Infobox Chemikalie/Summenformelsuche vorhanden

Vareniclin ist ein Arzneistoff, der zur Raucherentwöhnung angewendet wird. Seine Wirkung entfaltet dieser Wirkstoff wie auch das strukturähnliche Cytisin, ein Alkaloid des Goldregens, an den Rezeptoren des Nicotins (Nicotin-Rezeptoren). Es ist als Tartrat in den USA unter dem Markennamen Chantix® zugelassen. Seit Oktober 2006 ist das Medikament auch in Europa zugelassen und wird unter dem Namen Champix® vertrieben. Der Pharmakonzern Pfizer vermarktet den Wirkstoff seit dem 1. März 2007 in Deutschland.

Pharmakologie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Wirkmechanismus[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Vareniclin ist ein Partialagonist an Nicotinrezeptoren des Subtyps α4β2, der für eine suchterzeugende Wirkung des Nicotins mitverantwortlich zu sein scheint. Als Partialagonist stimuliert es einerseits den Rezeptor teilweise, wodurch die Entzugssymptome der Raucherentwöhnung minimiert werden, und andererseits hemmt es die Effekte extern zugefügten Nicotins, womit zusätzliches Rauchen effektlos würde.

Nebenwirkungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Unter der Anwendung von Vareniclin können häufig Übelkeit, Kopfschmerz, Erbrechen, Blähungen und Schlafstörungen auftreten. Manche Patienten leiden unter Somnolenz (Benommenheit) und Vertigo (Schwindel), was zu einer Beeinträchtigung beim Autofahren oder beim Bedienen von Maschinen führen kann.[3] Ebenso wurde über abnormes Träumen, Geschmacksstörungen und weitere Nebenwirkungen berichtet. Fälle von Depression, Selbstmordgedanken und Selbstmord, Aggressivität und auffälligem Verhalten unter Vareniclin sind dokumentiert.[4] Weltweit kam es 2008 zu 39 vollendeten Suiziden von mit Vareniclin behandelten Patienten, wovon allerdings, wie die amerikanische Zulassungsbehörde FDA feststellte, 50 % eine psychiatrische Vorgeschichte hatten.[5] Die FDA hat deswegen einen auffälligen Warnhinweis angeordnet.[6] Eine Kohortenstudie stellte in England keinen Unterschied in der Auftrittswahrscheinlichkeit von Depressionen, Suizidgedanken bzw. -versuchen und Suiziden bei der Behandlung mit Vareniclin, Bupropion und Nicotinersatzstoffen fest.[5] Eine Metaanalyse aus 2014 widerspricht der Suizidgefährdung.[7]

2006 wurde ein Anstieg von Herzinfarkten und Herzrhythmusstörungen unter Vareniclin vermutet.[8] Auch dem wurde 2014 in einer Metaanalyse widersprochen.[9]

Chemie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Synthese[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Vareniclin kann in einer dreistufigen Synthese aus Benzazepin hergestellt werden. Diese Synthese verläuft über eine Dinitrierung des aromatisches Systems, eine Reduktion der Nitrogruppen und eine Kondensation mit Glyoxal.[10]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b c d e Datenblatt Varenicline tartrate bei Sigma-Aldrich, abgerufen am 28. April 2014 (PDF).
  2. Für Stoffe ist seit dem 1. Dezember 2012, für Gemische seit dem 1. Juni 2015 nur noch die GHS-Gefahrstoffkennzeichnung gültig. Die EU-Gefahrstoffkennzeichnung ist daher nur noch auf Gebinden zulässig, welche vor diesen Daten in Verkehr gebracht wurden.
  3. Fachinformation Champix.
  4. FDA: Early Communication About an Ongoing Safety Review Varenicline, 20. November 2007.
  5. a b P. Christalla, M. Dewenter, A. El-Armouche: [Effectiveness and safety of varenicline for smoking cessation]. In: Deutsche medizinische Wochenschrift (1946). Band 137, Nummer 18, Mai 2012, S. 940–944, doi:10.1055/s-0032-1304895. PMID 22492478.
  6. FDA drug safety newsletter, 2009, Vol. 2, Nr. 1 (PDF; 778 kB).
  7. JR Hughes: Varenicline as a Cause of Suicidal Outcomes.. In: Nicotine & tobacco research : official journal of the Society for Research on Nicotine and Tobacco. 8. Januar 2015. doi:10.1093/ntr/ntu275. PMID 25572451.
  8. Varenicline: new drug. Smoking cessation: no better than nicotine. In: Prescrire international. Band 15, Nummer 86, Dezember 2006, S. 210–212, PMID 17165237.
  9. EJ Mills, K Thorlund, S Eapen, P Wu, JJ Prochaska: Cardiovascular events associated with smoking cessation pharmacotherapies: a network meta-analysis.. In: Circulation. 129, Nr. 1, 7. Januar 2014, S. 28–41. doi:10.1161/circulationaha.113.003961. PMID 24323793.
  10. J. W. Coe, P. R. Brooks, M. G. Vetelino, M. C. Wirtz, E. P. Arnold, J. Huang, S. B. Sands, T. I. Davis, L. A. Lebel, C. B. Fox, A. Shrikhande, J. H. Heym, E. Schaeffer, H. Rollema, Y. Lu, R. S. Mansbach, L. K. Chambers, C. C. Rovetti, D. W. Schulz, F. D. Tingley, B. T. O'Neill: Varenicline: an alpha4beta2 nicotinic receptor partial agonist for smoking cessation. In: Journal of medicinal chemistry. Band 48, Nummer 10, Mai 2005, S. 3474–3477, doi:10.1021/jm050069n. PMID 15887955.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

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