Reckenthal

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Reckenthal
Stadt Montabaur
Koordinaten: 50° 25′ 2″ N, 7° 52′ 5″ O
Höhe: 248 (210–250) m
Fläche: 1,51 km²
Einwohner: 107 (30. Jun. 2010)
Bevölkerungsdichte: 71 Einwohner/km²
Eingemeindung: 22. April 1972
Postleitzahl: 56410
Vorwahl: 02602
Reckenthal (Rheinland-Pfalz)
Reckenthal

Lage von Reckenthal in Rheinland-Pfalz

Reckenthal (mundartlich „Reckedol“, auch „Reggedohl“) ist ein Stadtteil und ein Ortsbezirk von Montabaur im Westerwaldkreis in Rheinland-Pfalz. Der Ort war früher landwirtschaftlich geprägt, heute ist er ein Wohnort im Sinne einer Pendlergemeinde. Bis 1972 war Reckenthal eine eigenständige Gemeinde im damaligen Unterwesterwaldkreis.

Geographie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Dorf Reckenthal liegt im Norden des westerwälder Teils des Naturparks Nassau auf einer Anhöhe rechts des Gelbachtals etwa vier Kilometer südöstlich der Innenstadt von Montabaur. Im Norden von Reckenthal liegt der Montabaurer Stadtteil Wirzenborn, im Osten die Ortsgemeinde Heilberscheid, im Süden der Stadtteil Bladernheim und im Westen die Ortsgemeinde Holler. Zum Ortsbezirk Reckenthal gehört auch der Wohnplatz Kurhotel Waldesruhe.[1]

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Mittelalter und kurtrierische Zeit[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Reckenthal liegt im Gebiet des zwischen 930 und 959 erstmals beschriebenen Bannes und Kirchspiels Humbach (später Montabaur genannt).[2] Die erste urkundliche Erwähnung des Ortes unter dem Namen „Reckindal“ erfolgte 1383, als die Ausstattung eines Altars in der Pfarrkirche von Montabaur beschrieben wurde.

Nach einem Verzeichnis aus dem Jahre 1548 bildeten die drei Ortschaften Bladernheim, Reckenthal (Reckendal) und Wirzenborn (Wirzendal) eine „Zeche“ (Verwaltungsbezirk) des kurtrierischen Amtes Montabaur. Die Verwaltung der „Zeche“ war einem vom Montabaurer Amtmann eingesetzten Heimburger übertragen. Die drei Dörfer hatten zusammen 19 Feuerstätten (Hofstellen). Dem Stift St. Florin in Koblenz waren jährlich sechs Malter Hafer abzugeben. Zwischen Reckenthal und Bladernheim war eine Mühle, die „Hannes Muel“ genannt wurde. Im Trierer Feuerbuch von 1563 werden für Reckenthal acht Feuerstellen angegeben. 1684 waren es ebenfalls acht, es wurden sechs trierische und drei nassauische Untertanen (Familien) gezählt.[3]

Im Jahre 1786 hatte Reckenthal 62 Einwohner.[4]

Nassauische und preußische Zeit[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Reckenthal gehörte bis zum Anfang des 19. Jahrhunderts zum rechtsrheinischen Teil von Kurtrier, der infolge des Reichsdeputationshauptschlusses 1803 dem Fürstentum Nassau-Weilburg zugeordnet wurde. Nach der Bildung des Rheinbundes gehörte Reckenthal von 1806 an zum Herzogtum Nassau. Unter der nassauischen Verwaltung war Reckenthal dem nassauischen Amt Montabaur und bis 1815 dem Regierungsbezirk Ehrenbreitstein danach dem Regierungsbezirk Wiesbaden zugeordnet.

Nach einer Statistik des Herzogtums Nassau aus dem Jahre 1843 hatte die Gemeinde Reckenthal 135 Einwohner, die mit 27 Familien in 22 Häusern lebten. Die Einwohner waren ausnahmslos katholisch.[5]

1866 wurde das Herzogtum Nassau von Preußen annektiert. Die Gemeinde Reckenthal wurde 1867 Teil der preußischen Provinz Hessen-Nassau und gehörte zum damals neu gebildeten Unterwesterwaldkreis. 1946 wurde die Gemeinde Reckenthal Teil des Landes Rheinland-Pfalz.

Eingemeindung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Rahmen der Mitte der 1960er Jahre begonnenen rheinland-pfälzischen Kommunalreform wurde die bis dahin eigenständige Gemeinde Reckenthal zum 22. April 1972 mit 121 Einwohnern in die Stadt Montabaur eingemeindet.[6]

Kirche[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Reckenthal war immer Filialort der Pfarrei Montabaur. Im Ort stand eine kleine Fachwerkkapelle, deren Entstehung unbestimmt ist, aber spätestens aus der Mitte des 18. Jahrhunderts stammte. In einem Eintrag in der Schulchronik des Dorfs aus dem Jahre 1922 ist vermerkt, dass eine neue Glocke als Ersatz für die im Ersten Weltkrieg eingezogene Glocke angeschafft wurde und die alte Glocke aus dem Jahr 1756 stammte. Die Kapelle diente den Einwohnern von Reckenthal zum Gebet, andere Gottesdienste wurden in ihr nicht gehalten. Von 1898 bis 1952 war das Gnadenbild aus der Wallfahrtskirche in Wirzenborn in der Reckenthaler Kapelle aufgestellt.

Anstelle der Fachwerkkapelle wurde 1959/60 die heutige Herz-Jesu-Kapelle errichtet.

Schule[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Anfang des 19. Jahrhunderts wurde in Reckenthal ein erstes Schulgebäude errichtet, das gemeinsam mit den Nachbargemeinden Bladernheim und Wirzenborn genutzt wurde. 1929 und 1964 folgten neue Schulgebäude. Seit 1972 gehen die Kinder nach Montabaur zur Schule. Reckenthal gehört zum Schulbezirk der Joseph-Kehrein-Grundschule.

Kurhotel Waldesruhe[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das sogenannte „Spielmann´s Kurhotel Waldesruhe“ war vor allem in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts eine beliebte Adresse bei Ausflüglern und ist seit einigen Jahren geschlossen. Es liegt im Gelbachtal, etwa einen Kilometer nordöstlich von der Ortslage Reckenthals unmittelbar an der Grenze zur Ortsgemeinde Holler.

2010 führte die Frage nach der Renovierung des Hotels zu einer Kleinen Anfrage der CDU-Landtagsabgeordneten Ulla Schmidt an den rheinland-pfälzischen Landtag. In der Anfrage wurde auf die „landespolitisch eine ruhmreiche Geschichte“ des Hotels hingewiesen, weil sich in dem Hotel 1947 die „Beratende Landesversammlung“ unter der Leitung von Adolf Süsterhenn und dem späteren Ministerpräsidenten des Landes, Peter Altmeier zu Beratungen über den Entwurf der Verfassung von Rheinland-Pfalz getroffen habe. Das Ministerium des Innern und für Sport lehnte eine Landesförderung zur Renovierung des Hotels ab und begründete dies u.a. damit, dass die maßgeblichen Sitzungen des „Verfassungsausschusses der Gemischten Kommission zur Gründung des Landes Rheinland-Pfalz“ in Koblenz und Bad Kreuznach stattgefunden hätten.[7]

Ortsbezirk[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Ortsbezirk Reckenthal ist identisch mit der gleichnamigen Gemarkung, die dem früheren Gemeindegebiet von Reckenthal entspricht. Die Interessen des Ortsbezirks werden durch den gewählten Ortsbeirat, dem drei Mitglieder angehören, und der Ortsvorsteherin vertreten. Ortsvorsteherin ist Christine Kraus.[8][9]

Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Infrastruktur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Reckenthal ist über die Landesstraße L 313 mit der Innenstadt von Montabaur und in südlicher Richtung mit den Montabaurer Stadtteilen Bladernheim und Ettersdorf verbunden. Die Kreisstraße K 161 verbindet mit der Ortsgemeinde Heilberscheid.
  • Der Dorfgemeinschaftsverein Reckenthal richtet die Kirmes und andere örtliche Feiern aus.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Statistisches Landesamt Rheinland-Pfalz – Amtliches Verzeichnis der Gemeinden und Gemeindeteile, Seite 49 (PDF; 2,3 MB)
  2. Josef Hörle: Die westerwälder Termineien, der Zehntbezirk der Kirche zu Montabaur, Archiv für Mittelrheinische Kirchengeschichte, 5. Jahrgang 1953, S. 363 ff (Online-Ausgabe bei dilibri)
  3. Melchior Thamm: Verzeichnis der Dörfer und Feuerstätten sowie der Renten und Gülten fremder Herren in der Stadt und im Banne Monthabaur, anno domini 1548, Montabaur: Sauerborn, 1906, S. 30 ff. (Online-Ausgabe bei dilibri)
  4. Melchior Thamm: Die Montabaurer Amtsbeschreibung des kurtrierischen Hofrats Damian Linz aus dem Jahre 1786, Montabaur : Sauerborn, 1909, S. 9 (Online-Ausgabe bei dilibri)
  5. Christian Daniel Vogel: Beschreibung des Herzogthums Nassau, Beyerle, 1843, S. 670 (Online-Ausgabe bei Google Books)
  6. Statistisches Landesamt Rheinland-Pfalz, Amtliches Gemeindeverzeichnis 2006, Seite 187 (PDF; 2,1 MB)
  7. Drucksache 15/5163, Landtag Rheinland-Pfalz, 15. Wahlperiode, vom 25. November 2010 (PDF; 45 kB)
  8. Hauptsatzung der Stadt Montabaur (PDF; 121 kB) vom 15. Juli 2004, Stand 15. April 2010
  9. Der Landeswahlleiter Rheinland-Pfalz – Wahl der Ortsvorsteher