Reflecting Team

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Zur Navigation springen Zur Suche springen

Das Reflecting Team ist eine von Tom Andersen entwickelte Methode des Reflexionsgesprächs in der Systemischen Therapie. Dabei geht es um eine angeleitete Reflexion durch mehrere zusätzlich anwesende Therapeuten. Das Besondere dabei ist, dass die zusätzlich anwesenden Therapeuten (zaT) hinter einer Einwegscheibe im Beobachtungsraum - mit Zustimmung der Klienten - den Therapieprozess und somit auch die Klienten reflektieren.

Vorgehen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Therapieraum findet zwischen Psychotherapeut und Klient oder Klienten ein therapeutisches Gespräch statt. Systemisch gesehen kreieren sie ein therapeutisches System bestehend aus ihren Interaktionen bzw. Kommunikationen. In einem zweiten Raum, dem Beobachtungsraum, befindet sich ein therapeutisches Team, das durch eine Einwegscheibe den Therapieprozess beobachten und hören kann. Eine Variation besteht im sog. Fokussierenden Team. Dabei sitzt das therapeutische Team direkt mit im Raum mit Therapeut und Klienten. Diese Variation wird oft aus pragmatischen Gründen gewählt, wobei diverse Störfaktoren der teilnehmenden Beobachtung nicht berücksichtigt werden und somit das Konzept des Reflecting Team wissenschaftlich wertlos wird.

Das Reflecting Team beteiligt sich in der Regel nicht aktiv am Gespräch, hört jedoch aufmerksam zu. Nach einer gewissen Zeit werden die Positionen gewechselt. Die Mitglieder des Reflecting Teams denken jetzt laut über den von ihnen beobachteten Gesprächsprozess nach und tauschen Ideen bezüglich der Klienten aus. Klienten und Therapeut hören sich die Gedanken des Reflecting Teams an, die in einer wertschätzenden, unterstützenden und hilfreichen Art und Weise geäußert werden. Anschließend sprechen die Klienten mit dem Therapeuten über ihre Gedanken, die beim Zuhören entstanden sind. Der Wechsel von Interviewebene zur Reflexionsebene kann mehrmals erfolgen.

Auf diese Weise kann eine zusätzliche Beobachtungsebene und Außenperspektive erzeugt werden: Der Therapeut, der mit den Klienten arbeitet, kann von Beobachtern, die nicht Teil dieser therapeutischen Beziehung sind, Informationen erhalten, die ihm ohne dieses Setting nicht zugänglich wären.

Ziel[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Setting lässt sich zur Erreichung therapeutischer Ziele nutzen. Vom therapeutischen Team kann aus dem Beobachtungsraum heraus unterstützend (im Sinne einer gewollten Störung der Zirkularität) auf das therapeutische System im Therapieraum eingewirkt werden. Diese unterstützende Ergänzung kann eine einfache Unterbrechung der Sitzung bis hin zu komplexen Botschaften an die Klienten sein.

Der erhöhte Aufwand (mehrere Therapeuten) führt zu einer höhere Vielfalt der Perspektiven, vermindert Therapiefehler und Einseitigkeiten und ermöglicht Effektivität. Unter anderem durch diese Methode setzt die Systemischen Therapie ihre auf mehrere Perspektiven umfassenden Analyse um.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Schlippe, A. von & Schweitzer, J.: Lehrbuch der systemischen Therapie und Beratung. 10. Auflage. Vandenhoeck & Ruprecht, 2003, ISBN 978-3-525-45659-0, Kapitel: Kooperation statt Intervention: Das Reflektierende Team.
  • Tom Andersen: Das reflektierende Team. Dialoge und Dialoge über Dialoge. Modernes Lernen, Dortmund 1990.
  • Jürgen Hargen & Arist von Schlippe (Hrsg.) Das Spiel der Ideen. Reflektierendes Team und systemische Praxis. borgmann, 1998, ISBN 978-3-86145-157-0
  • Sühlsen, Thorsten: Forschen als System. Rekursive Reflexion als Methode der Erziehungswissenschaft, Waxmann Verlag, Münster 2017, ISBN 978-3-8309-8641-6

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Kurzbeschreibung im Methodenpool der Uni Köln