Reichstädt (Dippoldiswalde)

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Reichstädt
Große Kreisstadt Dippoldiswalde
Koordinaten: 50° 52′ 58″ N, 13° 38′ 24″ O
Höhe: 379 (370–550) m
Einwohner: 1353 (2017)[1]
Eingemeindung: 1. Juli 1995
Postleitzahl: 01744
Vorwahl: 03504
Reichstädt (Sachsen)
Reichstädt

Lage von Reichstädt in Sachsen

Reichstädt ist ein Ortsteil der sächsischen Großen Kreisstadt Dippoldiswalde im Landkreis Sächsische Schweiz-Osterzgebirge.

Geografie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Lage[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Reichstädt ist eines der längsten Dörfer Sachsens, es misst mehr als sieben Kilometer Länge. Der Ort verläuft im Tal des Reichstädter Baches, der zur Roten Weißeritz nach Nordosten hin entwässert. Der höchste Punkt des Ortes ist der alte Wegweiser in Oberreichstädt auf 550 Meter Meereshöhe. Von seiner Siedlungsform ist Reichstädt ein großes Waldhufendorf. Reichstädt wird von der Staatsstraße 187 erschlossen.

ehem. Kahlehöhenkirche 1866

Nachbarorte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ruppendorf Paulsdorf Dippoldiswalde
Beerwalde Nachbargemeinden Ulberndorf, Obercarsdorf
Hartmannsdorf Hennersdorf Sadisdorf

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Schloss Reichstädt
Dorfkirche Reichstädt
Blick auf die Reichstädter Hofmühle. Der Name belegt, dass die Mühle bis 1766 zum Rittergut Reichstädt gehörte. Der Mühlenbetrieb endete hier in der Zeit des Ersten Weltkriegs.

Reichstädt wurde im Jahr 1319 als Richenstad das erste Mal urkundlich erwähnt, und zwar in einem Schreiben Papst Johannes XXII. an den Abt des Klosters Ossegg. In diesem Schreiben wird der dortige Pfarrer mit Nicolaus de Henkendorf plebanus ecclesie in Richenstad erwähnt.[2] Reichstädt unterstand zunächst der Burg Freiberg, später dem dortigen Amte. Ab 1569 wurde es von Dippoldiswalde aus verwaltet.

Die Geschichte Reichstädts wurde wesentlich durch den Herrensitz Reichstädt mit Rittergut und einer großen Schäferei beeinflusst. Das Schloss von 1535 ist Nachfolger einer befestigten Anlage von 1335 und wurde im 18. Jahrhundert im barocken Stil umgebaut. So befand sich die Grundherrschaft über die Reichstädter Flur beim Herrensitz, dass sich später zum Rittergut und Schloss entwickelte. 1875 sind ein Nieder- und ein Oberreichstädt aktenkundig.

Reichstädt besaß ursprünglich zwei Kirchen. Die ältere Mutterkirche Reichstädts war eine im Jahr 1872 abgerissene und im Oberdorf befindliche mittelalterliche Kirche zu den Vierzehn Nothelfern, an deren Stelle heute die Kapelle an der Kahlen Höhe existiert. Seit etwa 1500 existiert im Niederdorf von Reichstädt zudem eine eigene Pfarrkirche, die Niederkirche.[3] Der Ort besitzt eine eigene Grundschule.

Das Schloss Reichstädt, von 1717 bis 1945 und seit 1998 wieder im Besitz derer von Schönberg. Das Schloss wurde 1945/46 in der Bodenreform in Deutschland enteignet und als Kulturhaus, Kindergarten, zuletzt als Kreispionierhaus sowie für Wohnungen genutzt.

Am 1. Juli 1995 wurde Reichstädt nach Dippoldiswalde eingemeindet.[4]

Entwicklung der Einwohnerzahl[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Entwicklung der Einwohnerzahl Reichstädts:[5][1]

Jahr Einwohner
1552 104 besessene Männer, 112 Inwohner
1569 66 besessene Mann, 39 Häusler, 17 Gärtner
1764 52 besessene Mann, 12 Gärtner, 41 Häusler
1834 1092
1871 1095
1890 1248
1910 1238
1925 1263
1939 1190
1946 1644
1950 1673
Jahr Einwohner
1964 1400
1990 1430
2006 1406
2007 1375
2008 1368
2009 1357
2010 1357
2011 1340
2012 1334
2013 1321
2014 1306

Ortsnamenformen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Name des Ortes Reichstädt änderte sich geschichtlich wie folgt:[5]

  • 1319: Richenstat
  • 1378: Richenstat
  • 1445/47: Richstat, Richstad
  • 1460: Reichstat
  • 1548: Reychstedt
  • 1791: Reichstädt

Mühlen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Turmholländermühle

Bekannt ist Reichstädt für die kleinste und höchstgelegene Windmühle Sachsens, eine konische Turmholländer-Windmühle. Der aus Bruchsteinen gemauerte Mühlenkörper hat einen Durchmesser von ca. 4 Metern, die Mühle selbst misst bis zur Spitze des Schindeldachs 7,50 Meter. Erbaut wurde sie 1850 als „Bauernwindmühle“ für den Eigenbedarf und war bis 1883 in Betrieb. Die später verfallene Mühle wurde 1950/60 restauriert und seitdem mehrfach erneuert.[6]

Außerdem gab es im Ort früher mehrere Wassermühlen am Reichstädter Bach, wie die Schurig- oder Trumplermühle, die Hofmühle (auch Ehrlichmühle) und die Buschmühle.

Persönlichkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Gedenkstein von 1996 für Rudolf Sigismund Blochmann an seinem Geburtshaus

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Arthur Klengel: Die Kirche zu den Vierzehn Nothelfern auf der Kahlen Höhe bei Reichstädt. In: Landesverein Sächsischer Heimatschutz, Mitteilungen, Band XI/ 1922, Heft 4–6, S. 101 ff.
  • Richard Steche: Reichstädt. In: Beschreibende Darstellung der älteren Bau- und Kunstdenkmäler des Königreichs Sachsen. 2. Heft: Amtshauptmannschaft Dippoldiswalde. C. C. Meinhold, Dresden 1883, S. 70.
  • Ulrich Schulte am Hülse: Kirchen in Reichstädt – Beiträge zur mittelalterlichen und neuzeitlichen Geschichte Reichstädts im Osterzgebirge. Berlin / Dippoldiswalde 2011.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Commons: Reichstädt (Sachsen) – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b Einwohnerzahlen für Dippoldiswalde und Ortsteile auf dippoldiswalde.de
  2. abgedruckt in: Ulrich Schulte am Hülse: Kirchen in Reichstädt – Beiträge zur mittelalterlichen und neuzeitlichen Geschichte Reichstädts im Osterzgebirge. Berlin / Dippoldiswalde 2011, S. 72–75
  3. Webpräsenz der Kirchgemeinde Reichstädt
  4. Änderungen bei den Gemeinden Deutschlands, siehe 1995 StBA
  5. a b Reichstädt im Digitalen Historischen Ortsverzeichnis von Sachsen
  6. Webseite der Deutschen Gesellschaft für Mühlenkunde, abgerufen am 1. Juni 2015