Reinhardtswalde (Wüstung)

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Reinhardtswalde ist eine Wüstung auf dem Gebiet der Gemeinde Arnsdorf im Landkreis Bautzen, Sachsen.

Lage[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

„Die wüsten Dorf-Wiesen“ zeugen noch im 19. Jahrhundert von der früheren Dorfstelle.

Die Wüstung Reinhardtswalde befindet sich im Südwesten der Gemeinde Arnsdorf und somit im äußersten Südwesten des Landkreises Bautzen. Wenige 100 Meter westlich der alten Dorfstelle treffen die kommunalen Außengrenzen von Arnsdorf, Radeberg und Dresden an einem Punkt aufeinander. Der Ort der Wüstung ist bewaldet und liegt am nordwestlichen Rand des Karswaldes in der Aue eines linken Nebenbachs der Schwarzen Röder. Umliegende, noch bestehende Siedlungen sind der Arnsdorfer Ortsteil Kleinwolmsdorf im Norden, der Radeberger Ortsteil Großerkmannsdorf im Nordwesten mit Kleinerkmannsdorf im Westen sowie der Dresdner Ortsteil Rossendorf im Südwesten.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Mittelalter war der Raum zwischen den heutigen Städten Dresden und Bischofswerda vom Grenzwald zwischen den sorbischen Gauen Nisan und Milska bedeckt, aus denen sich die Mark Meißen und die Oberlausitz entwickelten. Zu diesem Wald gehörte neben Dresdner Heide, Friedewald, Harthe, Landwehr, Massenei, Niederforst, Laußnitzer und Königsbrücker Heide auch der Karswald. Im Rahmen der deutschen Ostsiedlung entstanden in diesem Gebiet Rodungssiedlungen. Dem Namen nach wurde Reinhardtswalde von einem deutschen Lokator namens Reinhardt in einem Wald gegründet. Das Waldhufendorf, dessen Gründung auf das 13. Jahrhundert datiert wird, hatte Schätzungen zufolge eine etwa 300 bis 400 Hektar große Flur. Im Jahr 1445 findet ein Ort „uff dem Reniswalde“ Erwähnung in den Urkunden, der 1517 „uffm Renertzwalder“ genannt wurde. Im Jahr 1551 heißt das Dorf „Reinhartswalde“; als „Wüstes Dorf“ taucht es unter anderem 1819 auf. Eine kleine Erhebung in diesem Bereich heißt Kirchberg, möglicherweise stand dort eine Filialkirche der Pfarre Kleinwolmsdorf.[1]

In den 1960er Jahren fanden umfangreiche Ausgrabungen in der Wüstung statt, bei denen zahlreiche mittelalterliche Zeugnisse zu Tage traten. Im Jahr 1967 legten Archäologen mehrere Backöfen frei. Sie bestanden aus Steinen, hatten kuppelförmige Lehmdächer und dienten den Dorfbewohnern als Gemeinschaftseinrichtung. Feststellbar sind auch der Mühldamm und mehrere kleinere Dämme, die das Wasser eines Baches stauten.[2] Über Hohlwege war Reinhardtswalde mit umliegenden Orten und dem Bischofsweg verbunden. Scherbenfunde sprechen zudem für eine Besiedlung des Gebiets bis zur Völkerwanderungszeit.

Nachweisbar fiel Reinhardtswalde in der Mitte des 15. Jahrhunderts wüst. Im Zuge der Hussitenkriege wurde das Dorf vollständig zerstört. Die Bewohner galten als wohlhabend und machten den Ort zu einem bevorzugten Ziel für Plünderungen. Außerdem gehörte Reinhardtswalde dem Bistum Meißen an, dessen Bischof der Hinrichtung des Reformators Jan Hus, die als Auslöser der Hussitenkriege gilt, zugestimmt hatte. Trotz Gegenwehr verloren die Einwohner den Kampf um ihr Dorf. Die Überlebenden verzichteten auf einen Wiederaufbau und siedelten in die benachbarten Ortschaften. Die Flur wurde an umliegende Dörfer verteilt. Reinhardtswalde wurde Gegenstand mehrerer Sagen.[3] An der alten Dorfstelle befindet sich heute eine Hinweistafel über die Wüstung.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Klaus Kroitzsch: Ausgrabungen auf der Wüstung Reinhardtswalde bei Kleinwolmsdorf, Lkr. Dresden. Arbeits- und Forschungsberichte zur sächsischen Bodendenkmalpflege. Bd. 20/21, 1976.
  • Friedrich Bernhard Störzner (Hrsg.): Reinhardtswalder Sagenbüchlein. Zur Erinnerung an das Waldfest im wüsten Dorfe Reinhardswalde am 15. Juni 1924 herausgegeben als eine Festgabe von Fr. Bernh. Störzner. Buchhandlung Otto Schmidt, Arnsdorf in Sachsen 1924 (Texte auf Wikisource).
  • Friedrich Bernhard Störzner: Was die Heimat erzählt. Sagen, geschichtliche Bilder und denkwürdige Begebenheiten aus Sachsen. [Beiträge zur Sächs. Volks- und Heimatkunde]. I. Ostsachsen. Verlag von Arwed Strauch, Leipzig 1904, 18. Das wüste Dorf Reinhardtswalde, S. 52–56 (Mit Zeichnungen von Professor O. Seyffert und Maler F. Rowland).

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Kirche Kleinwolmsdorf im Digitalen Historischen Ortsverzeichnis von Sachsen
  2. Wälder im Radeberger Land (Carswald). In: radeberger-land.de. Archiviert vom Original am 6. Juni 2008; abgerufen am 22. Juli 2014.
  3. Friedrich Bernhard Störzner: Was die Heimat erzählt. Sagen, geschichtliche Bilder und denkwürdige Begebenheiten aus Sachsen. Beiträge zur Sächsischen Volks- und Heimatkunde. Verlag Arwed Strauch, Leipzig 1904, 18. Das wüste Dorf Reinhardtswalde, S. 52–56.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Wikisource: Reinhardtswalde (Wüstung) – Quellen und Volltexte

Koordinaten: 51° 4′ 28″ N, 13° 57′ 30″ O