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Remember not, Lord, our offences

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Porträt des Komponisten Henry Purcell von John Closterman

Remember not, Lord, our offences (Gedenke, Herr, nicht unserer Verfehlungen), Z.50, ist ein Kirchenlied der anglikanischen Kirche, komponiert von Henry Purcell um 1680 als eine Motette für fünfstimmigen Chor a cappella. Der Text in englischer Sprache ist Teil einer Litanei, die von Thomas Cranmer, dem Erzbischof von Canterbury, zusammengestellt und später in das Gebetbuch Book of Common Prayer aufgenommen wurde. Purcell schrieb das Werk zwischen 1679 und 1682, zu Beginn seiner Amtszeit als Organist and Master of the Choristers (Kantor) an Westminster Abbey.

Der Text für Purcells Kirchenlied ist eine Passage am Anfang der Litanei Exhortation and Litany, die 1544 von Thomas Cranmer, dem Erzbischof von Canterbury, zusammengestellt wurde.[1] Cranmer legte die liturgischen Strukturen der Kirche von England nach der Reformation fest und bereitete den ersten offiziellen Gottesdienst in englischer Sprache vor. Er entwickelte seinen Text aus Elementen aus zwei mittelalterlichen lateinischen Litaneien des Sarum-Usus und Martin Luthers Deutscher Litanei.[2][3] Cranmer fügte seine Litanei 1549 der Neuausgabe des Book of Common Prayer hinzu, und sie blieb als The Litany Bestandteil in späteren Ausgaben.[4][5] Purcell vertonte den folgenden Abschnitt:

Remember not, Lord, our offences,
Nor th' offences of our forefathers;
Neither take thou vengeance of our sins,
But spare us, good Lord.
Spare thy people, whom thou has redeem'd
With thy most precious blood,
And be not angry with us for ever.
Spare us, good Lord.

In deutscher Übersetzung:

Gedenke, Herr, nicht unserer Verfehlungen,
Und auch nicht derer unserer Vorväter;
Übe auch nicht Vergeltung an uns für unsere Sünden,
Sondern verschone uns, barmherziger Herr.
Verschone Dein Volk, das Du erlöst hast,
Mit Deinem höchst kostbaren Blut,
Und zürne uns nicht bis in Ewigkeit.
Erbarme Dich unser, guter Herr.

Remember not, Lord, our offences ist für fünfstimmigen Chor a cappella gesetzt, bestehend aus geteilten Sopran, Alt, Tenor und Bass (SSATB). Purcell schrieb das Werk in 44 Takten in a-Moll. Einige Bearbeitungen ergänzen eine instrumentale Begleitung durch continuo. Der amerikanische Musikwissenschaftler Franklin B. Zimmerman listet das Anthem als Z.50 in seinem Katalog der Werke Purcells.[6] Eine Aufführung dauert ungefähr drei Minuten.[7]

Die Vertonung geht auf die polyphone Tradition von William Byrd und Thomas Tallis zurück, ist jedoch durch einfache Melodik (mit schönen Tritoni) und syllabische Wortbehandlung textverständlich. Claude Hermann findet in der Musik Ausdruckskraft und, typisch für anglikanische Kirchenmusik, Feingefühl, Gemessenheit und Schlichtheit.[8]

Datierung und Stil

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Chor von Westminster Abbey

Die Entstehungszeit der Komposition wird von Musikwissenschaftlern zwischen 1679 und 1682 angegeben.[6][9] Zimmerman, der Verfasser des Zimmerman Catalogue, datiert sie ca. 1680–82,[6] Robert Shay und Robert Thompson geben ca. 1679–1681 an.[9] William Cummings bemerkt, dass Purcell das Werk 1683 in eine Sammlung von Anthems aufnahm.[10] Zur Kompositionszeit war Purcell Organist and Master of the Choristers an Westminster Abbey. Er wurde 1679 als Nachfolger von John Blow ernannt und war damit verantwortlich für die Musik an der Kirche der englischen Monarchie.[11] Purcell widmete die folgenden Jahre ausschließlich der Komposition geistlicher Musik.[11] Im Juli 1682 wurde Purcell nach dem Tod von Edward Lowe zusätzlich zum Organisten der Chapel Royal ernannt.[12]

Purcell sammelte zur Verwendung in beiden Kirchen frühere und neue Kirchenmusik, darunter zahlreiche seiner eigenen Werke. Zwei Handschriften der Sammlung werden im Fitzwilliam Museum der University of Cambridge, aufbewahrt. Beide enthalten Remember not, Lord, our offences.[13][14][15]

Die Anthems, darunter Remember not, Lord, our offences, die Purcell für Westminster Abbey komponierte, bevor er auch an die Chapel Royal berufen wurde, werden beschrieben als seine letzte konzentrierte Auseinandersetzung mit dem Vers-Anthem ohne Streicher („last concentrated involvement with the verse anthem without strings“),[16] denn nach 1681 fügte Purcell seinen Anthems Streicherbegleitung hinzu, was ihm an der Chapel Royal möglich war, wie der Musikwissenschaftler Martin Adams bemerkt.[16] Adams stellt fest, dass viele Anthems dieser Periode Bearbeitungen früherer Werke sind, darunter die bekannten Anglican funeral sentences (Anglikanische Begräbnissprüche), und dass diese Werke sich auszeichnen durch komplexe kontrapunktische Textur, Beschränkung auf begrenztes motivisches Material, und den dunklen Ausdruck der Bußtexte („distinguished by complex contrapuntal textures, a concentration on a limited quantity of motivic material, and the somber expression of penitential texts“).[16]

Einzelnachweise

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  1. Resources: Exhortations and Litany (1544). Society of Archbishop Justus; abgerufen am 26. November 2013.
  2. Diarmaid MacCulloch: Thomas Cranmer. Yale University Press, New Haven 1996, S. 326–328.
  3. Die Litanei. Bach Cantatas Website, Texte und Übersetzungen (englisch).
  4. Brian Cummings (editor): The Book of Common Prayer: The Texts of 1549, 1559, and 1662. Oxford University Press, New York 2011, S. 41, 117, 260; books.google.com
  5. The Litany from The Book of Common Prayer. The Church of England; abgerufen am 24. November 2013.
  6. 1 2 3 Franklin B. Zimmerman: Henry Purcell 1659–1695: An Analytical Catalogue of his Music. MacMillan & Co., London 1963.
  7. 3:09 for Collegium Vocale, dir. Philippe Herreweghe, “Remember not, Lord, our offences” (track 2) on Henry Purcell Funeral Sentences Musique Funèbre Pour la Reine Mary. harmonia mundi 901462 (1995); allmusic.com
    2:55 on Choir of Clare College, Cambridge, dir. Timothy Brown. “Remember not, Lord, our offences” (track 6) on Purcell Choral Works, Te Deum, Jubilate Deo & more. Regis Records (2006); allmusic.com; abgerufen am 7. Februar 2014.
  8. Claude Hermann: Musik der Reformation. (PDF). harmonia mundi, 2010, S. 175–176; abgerufen am 23. April 2014.
  9. 1 2 Robert Shay, Robert Thompson: Purcell Manuscripts: The Principal Musical Sources. Cambridge University Press, Cambridge 2000, S. 44, 179.
  10. William Hayman Cummings: Henry Purcell, 1658–1695. Haskell House Publishers, New York 1881, S. 41–42; books.google.com
  11. 1 2 John F. Runciman: Purcell. George Bell & Sons, London 1909.
  12. Arthur Hutchings: Purcell. British Broadcasting Corporation, London 1982, S. 85.
  13. University of Cambridge, Fitzwilliam Museum MS 88, item 25, folio 99r, und MS 117, item 79, folio 124, S. 213 as “Vers of ye litany” (Remember not, O Lord)
  14. Robert Thompson: Purcell's great autographs. In: Curtis Price (editor): Purcell Studies. University of Cambridge Press, Cambridge 1995, S. 6–34, hier S. 31.
  15. Robert Shay: Purcell as collector of ‘ancient’ music: Fitzwilliam MS 88. In: Curtis Price (editor): Purcell Studies. University of Cambridge Press, Cambridge 1995, S. 35–50.
  16. 1 2 3 Martin Adams: Henry Purcell: The Origins and Development of His Musical Style. Cambridge University Press, Cambridge 1995, S. 24, 179.