Remembrance Poppy

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Künstliche Mohnblume als Ansteckblume, hier in der Zeit vor dem Remembrance Day am Revers getragen
Kleines Gedenk-Kreuz aus Holz, mit einer Remembrance Poppy und Inschrift

Als Remembrance Poppy (deutsch ‚Erinnerungs-Mohnblume‘), auch kurz Poppy sowie engl. Mehrzahl Remembrance Poppies, werden im englischsprachigen Raum stilisierte künstliche Mohnblumen bezeichnet, die heute weltweit und vor allem in den englischsprachigen Ländern als ein Symbol des Gedenkens an die zahl- und namenlosen Opfer von Krieg und insbesondere an die in den beiden Weltkriegen gefallenen Soldaten gelten. Die Verwendung der Klatschmohn-Blüte (Papaver rhoeas) als symbolische Blume zum Gedenken an Kriegsopfer kam 1920 im englischsprachigen Raum auf und diente anfangs ausschließlich dem Gedenken an gefallene Soldaten des Ersten Weltkriegs.

Allgemein wird im englischsprachigen Raum die Bezeichnung poppy sowohl für die „echte“ Mohnblume als auch für mehr oder weniger naturgetreue künstliche Mohnblumen – die zu Dekozwecken etc. dienen – gebraucht; im engeren Sinne als remembrance poppy jedoch nur, wenn meist künstliche Mohnblumen zu entsprechenden Gedenkzwecken verwendet werden.

Insbesondere am Kriegstotengedenktag, der in englischsprachigen Ländern Remembrance Day, auch Poppy Day genannt wird, und in den davorliegenden Wochen werden in Großbritannien und einigen anderen Ländern symbolisch künstliche Mohnblumen verteilt und am Revers getragen. Die stilisierten Ansteckblumen bestehen aus einer vereinfacht nachgebildeten Mohnblüte, teils auch mit Blatt. Oft werden an den Gedenkstätten und Gräbern auch Mohnblumen niedergelegt, meistens in Form von mit künstlichen Mohnblumen versehenen Trauerkränzen oder -gestecken, oder aber kleine Holzkreuze bzw. -sterne oder -halbmonde, die mit einer einzelnen künstlichen Mohnblume und meistens zusätzlich mit einer kurzen Gedenk-Inschrift versehen sind, in die Erde bzw. den Rasen eingesteckt.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Anfangs wurde der Klatschmohn alsbald nach dem Ersten Weltkrieg im englischsprachigen Raum zu einem Symbol für das Gedenken an die gefallenen Soldaten. Die Mohnblume (englisch poppy) soll – in Anlehnung an das Gedicht „In Flanders Fields“ des Kanadiers John McCrae – an die vom Blut der Soldaten des Ersten Weltkrieges geröteten Felder Flanderns erinnern. Zudem begann damals auf den frisch aufgeschütteten Hügeln der Soldatengräber als erstes der Klatschmohn zu blühen. Neben der Assoziation mit der roten Farbe des Bluts der Gefallenen wird der Mohn in McCraes Gedicht auch in Zusammenhang mit der narkotisierenden Wirkung des Schlafmohns (Papaver somniferum) interpretiert, aus dem Morphium gewonnen wird, das als starkes Schmerzmittel für die schwer verwundeten Soldaten eingesetzt wurde.[1][2]

Im britischen Empire (heute: Commonwealth of Nations) wurde nach dem Ersten Weltkrieg im Jahr 1920 ein nationaler Gedenktag eingeführt, der Remembrance Day oder Poppy Day und teils auch Armistice Day (deutsch: Waffenstillstandstag) genannt wird. In den meisten englischsprachigen Ländern sowie in Belgien und Frankreich ist dieser Gedenktag der 11. November.

Die Remembrance Poppy wurde zuerst von der Amerikanischen Legion (engl. American Legion), einer Veteranenorganisation der US Army, ab 1920 zum Gedenken an die von 1914 bis 1918 im Ersten Weltkrieg getöteten US-amerikanischen Soldaten verwendet. Der Brauch wurde dann von Veteranenorganisationen im britischen Empire übernommen, insbesondere im Vereinigten Königreich, Kanada, Australien und Neuseeland. Heute wird die Remembrance Poppy vor allem in Großbritannien und Kanada genutzt, um deren gefallenen Soldaten und Soldatinnen beider Weltkriege zu gedenken.[2]

Besonders verbreitet ist der Brauch in Großbritannien in den Wochen vor dem und am Remembrance Day. In dieser Zeit werden dort Remembrance Poppies von der Royal British Legion im Rahmen ihres Poppy Appeals verkauft sowie oft von Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens getragen. Indes ist der Brauch in Nordirland umstritten und die meisten irischen Nationalisten und irischen Katholiken weigern sich aufgrund der Aktionen der British Army während des Nordirlandkonflikts, eine Remembrance Poppy zu tragen.[3]

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Stacy Chambless: A memorial in scarlet. The poppy and the ritual of remembrance (= Pre-publications of the English Department of Odense University, Band 130). Center for Engelsk, Odense (Dänemark) 2004, (englisch).
  • Niall Barr: Flanders Poppies and a "Brighter Britain". In: Niall Barr: The lion and the poppy. British veterans, politics, and society, 1921–1939. Praeger, Westport (Connecticut/USA) 2005, ISBN 0-313-32474-3, S. 85–116 (englisch).
  • Ted Harrison: Remembrance Today. Poppies, Grief and Heroism. Reaktion Books, London 2012, ISBN 978-1-7802-3052-8; auch als E-Book, 2013: ISBN 978-1-7802-3044-3 (jeweils englisch).

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Rob Ruggenberg: The making of 'In Flanders Fields'. Auf der Website The Heritage of the Great War/First World War 1914–1918; englisch, abgerufen am 2. Juli 2013.
  2. a b Where did the idea to sell poppies come from?. Auf: Website von BBC News vom 10. November 2006; englisch, abgerufen am 2. Juli 2013.
  3. Lisa Smyth: Thousands gather to remember war dead. In: The Belfast Telegraph vom 7. November 2009; englisch, abgerufen am 2. Juli 2013.