Repräsentativer Konzentrationspfad

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Szenarien atmosphärischer CO2-Äquivalent­konzentra­tionen aller Treibhausgase (in PPM pro Volumen) gemäß den vier RCPs laut Fünftem IPCC-Sachstandsbericht.

Der Begriff repräsentativer Konzentrationspfad (Audio-Datei / Hörbeispiel anhören?/i, engl. representative concentration pathway, daher abgekürzt RCP) wird seit dem Fünften Sachstandsberichts des Weltklimarates (IPCC) zur Beschreibung von Szenarien für den Verlauf der absoluten Treibhausgas­konzentration in der Atmosphäre verwendet.

Szenarien[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Fünften Sachstandsbericht werden vier Szenarien ausgewiesen, die entsprechend dem angenommenen Bereich des Strahlungsantriebs im Jahre 2100 (z. B. 2,6 W/m2) als RCP2.6, RCP4.5, RCP6.0 und RCP8.5 bezeichnet werden. RCP2.6 entspricht dabei einem Szenario mit deutlichen Anstrengungen beim Klimaschutz, die auch Anstrengungen im Bereich negativer Emissionen einschließen; RCP8.5 entspricht einem „Weiter-so-wie-bisher“-Szenario.

Inwiefern das RCP8.5-Szenario eintreffen kann ist nicht abschließend geklärt. Einige Wissenschaftler gehen von einer geringen Eintrittswahrscheinlichkeit aus,[1] andere Wissenschaftler sehen dieses Szenario jedoch als realitätsnah und sinnvoll an; es entspreche den kumulierten historischen CO2-Emissionen und passe bis in die Mitte des 21. Jahrhunderts am besten zur derzeitigen und angekündigten Klimapolitik.[2]

Wissenschaftlicher Konsens herrscht jedoch darin, dass die globale Erwärmung auch in den anderen Szenarien zu dramatischen Veränderungen führen wird und die Anstrengungen im Klimaschutz daher deutlich verstärkt werden müssen.[3] So ergeben Modellrechnungen aus dem Jahr 2019, dass bereits bei Eintritt des als optimistisch eingeschätzten RCP4.5-Szenarios viele Städte in eine andere Klimazone wandern würden; so wäre das Klima im spanischen Madrid bereits im Jahr 2050 dem aktuellen Klima im marokkanischen Marrakesch ähnlicher als dem heutigen in Madrid und analog wandeln sich die klimatischen Verhältnisse von Stockholm zu denen von Budapest, London zu Barcelona, Moskau zu Sofia, Seattle zu San Francisco, Tokio zu Changsha.[4] Beobachtungen des Meeresspiegelanstiegs deuten zuletzt auf einen Pfad zwischen RCP4.5 und RCP8.5.[5]

Deutung der Zahlenwerte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Zahlenwerte sollten dabei nicht als Werte für einen zu erwartenden Temperaturanstieg fehlgedeutet werden. So bedeutet etwa RCP4.5 nicht, dass die Temperatur bis zu einem bestimmten Zeitpunkt um 4,5 °C ansteigen wird. Vielmehr ist ein Temperaturanstieg die Folge des durch die Werte ausgedrückten Strahlungsantriebs durch erhöhte Treibhausgaskonzentrationen (für RCP4.5 somit 4,5 W/m2). Auch beziehen sich die Werte nicht auf den jährlichen Ausstoß an Treibhausgasen, sondern auf die durch die Treibhausgaskonzentration ausgedrückte kumulierte Gesamtmenge bis zum Jahr 2100 bzw. den daraus resultierenden Strahlungsantrieb.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • IPCC, 2014: Climate Change 2014: Synthesis Report. Contribution of Working Groups I, II and III to the Fifth Assessment Report of the Intergovernmental Panel on Climate Change [Core Writing Team, R.K. Pachauri and L.A. Meyer (eds.)]. IPCC, Geneva, Switzerland, 151 pp.

Referenzen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Zeke Hausfather, Glen P. Peters: Emissions – the ‘business as usual’ story is misleading. In: Nature. Band 577, 29. Januar 2020, S. 618–620, doi:10.1038/d41586-020-00177-3: „We must all — from physical scientists and climate-impact modellers to communicators and policymakers — stop presenting the worst-case scenario as the most likely one. Overstating the likelihood of extreme climate impacts can make mitigation seem harder than it actually is. This could lead to defeatism, because the problem is perceived as being out of control and unsolvable.“
  2. Christopher R. Schwalm, Spencer Glendon, Philip B. Duffy: RCP8.5 tracks cumulative CO2 emissions. In: Proceedings of the National Academy of Sciences. 3. August 2020, doi:10.1073/pnas.2007117117.
  3. Sonderbericht 1,5 °C globale Erwärmung – SR1.5 - de-IPCC. In: de-ipcc.de. 8. Oktober 2018, abgerufen am 9. Oktober 2018.
  4. J.-F. Bastin et al.: Understanding climate change from a global analysis of city analogues. In: PLoS One. Nr. 14(7), 2019, e0217592. https://doi.org/10.1371/journal.pone.0217592
  5. Jinping Wang, John A. Church, Xuebin Zhang, Xianyao Chen: Reconciling global mean and regional sea level change in projections and observations. In: Nature Communications. 12. Februar 2021, doi:10.1038/s41467-021-21265-6.