Reza Pahlavi

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Reza Pahlavi (2015)
Die Standarte des iranischen Kronprinzen

Reza Pahlavi (* 31. Oktober 1960 in Teheran, persisch رضا پهلوی Reza Pahlawi), später Reza Pahlavi II., ist der älteste Sohn des ehemaligen Schahs des Irans (Schah von Persien), Mohammad Reza Pahlavi, und der ehemaligen Kaiserin Farah Pahlavi. Er ist der designierte Kronprinz (persisch Schahzade).

Reza Pahlavi ist der Enkelsohn von Reza Schah Pahlavi, dem Begründer der Pahlavi-Dynastie. Nach dem Verlust des Pfauenthrons während der sogenannten Islamischen Revolution im Jahre 1979 blieb Reza Pahlavi II., der bereits zuvor im Rahmen seiner Ausbildung den Iran verlassen hatte, außerhalb seiner Heimat. Nach Aufenthalten in den USA sowie in Marokko und Ägypten lebt er seit 1984 erneut in den Vereinigten Staaten von Amerika – in Great Falls (Virginia)[1] und Washington.

Jugendjahre[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Reza Pahlavi, als Staatsgast in Moskau, 1976

Geboren wurde Reza Pahlavi am 31. Oktober 1960. Die Geburt fand in einer Geburtsklinik im Süden Teherans statt. Die Klinik, die in der Zeit von Reza Schah für Bedürftige erbaut worden war, wurde von der Gesellschaft zur Unterstützung von Müttern und Säuglingen (persisch بنگاه حمایت مادران و نوزادان bongah hemayat madaran va nozadan) betrieben.[2] Die Geburt Reza Pahlavis war von einem ungeheuren Medienaufgebot begleitet, da nun klar war, dass die Pahlavi-Dynastie endlich einen Kronprinzen hatte. Vor der Klinik hatte sich die Bevölkerung zahlreich versammelt und die Geburt mit frenetischem Jubel gefeiert.[3]

Im Niavaran-Palast wurde für den Kronprinzen eine Schule eingerichtet, die Reza zusammen mit anderen Schülern besuchte.[4]

Seine erste offizielle Mission war am 25. Juni 1975, als er das Königreich Belgien besuchte. Am 2. Juni 1976 wurde Reza Pahlavi als Staatsgast in Moskau empfangen.[5]

Ausbildung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Reza Pahlavi II. verließ den Iran im Sommer 1978,[6] um seine Ausbildung in den USA fortzusetzen. Nach der Ausbildung als Kampf-Jet-Pilot an der Reese Air Force Base in Lubbock (Texas), und dem Besuch des Williams College in Williamstown (Massachusetts), absolvierte er das Studium im Bereich Politikwissenschaft an der University of Southern California.

Tod des Vaters[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nach dem Tod seines Vaters Mohammad Reza Pahlavi wäre Reza Pahlavi am 31. Oktober 1980, mit seinem 20. Geburtstag, nach der nicht mehr geltenden Verfassung des Irans Nachfolger seines Vaters geworden. Aus diesem Anlass hielt er in Kairo eine Rede an die iranische Nation.[5]

Familie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Er ist seit 1986 verheiratet mit Yasmine Pahlavi, geborene Etemad-Amini (* 1968).[7] Er hat mit seiner Frau drei Töchter: Noor Pahlavi (* 1992), Iman Pahlavi (* 1993) und Farah Pahlavi (* 2004). Die Familie lebt heute, wie viele andere Exil-Iraner auch, in Maryland (USA).

Politische Aktivitäten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In zahlreichen Interviews, Diskussionen (neben Persisch[8] auch auf Französisch[9] und Englisch[10]), Vorträgen und Publikationen warb Reza Pahlavi für Frieden, Demokratie, Wahrung der Menschenrechte und einen friedlichen Wandel im Iran. Das Volk sollte in einem Referendum über seine politische Zukunft selbst bestimmen können.[11]

Nach der gewaltsamen Niederschlagung der Proteste nach den iranischen Präsidentschaftswahlen 2009 wandte sich Reza Pahlavi am 8. September 2009 mit einem „Offenen Brief an die religiösen Autoritäten des Regimes“. Er fragte darin:

„Mit welchem Recht und mit welcher religiösen Begründung starren Sie auf dieses Land, als ob es Ihnen fremd wäre? Mit welchem Recht und mit welcher religiösen Begründung behandeln Sie unser Land, als ob es ein Waise der Geschichte wäre? Mit welchem Recht und mit welcher religiösen Begründung betrachten Sie das historische Erbe des Irans als verkäuflich, oder dass man es bestenfalls den Flammen oder den Fluten übergeben und einfach zerstören könne? Mit welchem Recht und mit welcher religiösen Begründung behandeln Sie Iraner wie Sklaven, wie wertlose Kreaturen, deren Kinder man missbrauchen, deren Frauen man in die entlegensten Winkel der Erde verkaufen und deren Männer man unterdrücken könne? Mit welchem Recht und mit welcher religiösen Begründung betrachten Sie die Vergewaltigung der Söhne und Töchter dieses Landes als legal? […] Wenn ich die Wahl zwischen jenem jungen Iraner, den man aus dem Fenster geworfen hat, oder Ihrem Altar habe, wähle ich die Seite des Iraners, der zerschmettert am Boden liegt, den gequälten Sohn des Cyrus, und nicht Ihre Seite.“[12]

Am 11. September 2009 veröffentlichte der Ajatollah Ahmad Dschannati, der spirituelle Mentor des damaligen Präsidenten Mahmud Ahmadineschad und Vorsitzender des Wächterrates, eine Fatwa als Antwort auf die Anfrage von Reza Pahlavi:

„Der Angriff unserer Feinde gegen die Verwirklichung einer islamischen Regierung ist ein Angriff auf unser Regime und die heiligen Gesetze, die 1.400 Jahre alt sind. Es handelt sich dabei um einen Angriff gegen den Willen der Nation. Es muss Ihnen klar sein, dass wir während der letzten dreißig Jahre unserer Regierung noch nicht die Gesetze einer islamischen Regierung in der iranischen Gesellschaft verwirklichen konnten. Deswegen wurde für viele noch nicht deutlich, wie die islamischen Gesetze einer islamischen Regierung aussehen. Die islamische Identität und die Gesetze eines islamischen Staates gründen auf Gerechtigkeit, Liebe und Freundschaft. Das Prinzip und der Geist eines islamischen Staates basieren auf der Scharia, wie sie während der letzten 1.400 Jahre nach den Bedürfnissen der Gesellschaft entwickelt wurden. Ein anderes Prinzip ist, dass sich Gesetze nicht ändern. Aus diesen beiden Prinzipien leitet sich ein weiteres Prinzip ab, dass die Scharia in allen sozialen Angelegenheiten zu jeder Zeit und an allen Orten Gültigkeit hat. […] Wir haben die Maske vom Gesicht des Islams Aryamehrs [Mohammad Reza Pahlavis] gerissen. Mit einer Stimme kämpfen wir für den Schutz der Welt, die an den regierenden Islam glaubt …“[13]

2023 unterzeichneten in wenigen Tagen mehr als 300.000 Auslands-Iraner eine Onlinepetition, die Pahlavi die Vollmacht übertragen soll, in einer Übergangszeit bis zu einem Referendum im Namen der Opposition Irans über die Zukunft Irans zu sprechen. Pahlawi gab dazu auf Twitter an, dass er nur drei Grundsätze anerkenne und für sie kämpfe: für die territoriale Integrität Irans, für eine säkulare Demokratie auf Grundlage der Menschenrechte sowie für das Recht der Menschen, über das nächste politische System in freien Wahlen zu entscheiden. Er wolle ein demokratisches System und habe stets auf das Wiederbeleben der Monarchie in Iran verzichtet.[14]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Reza Pahlavi: Winds of Change: The Future of Democracy in Iran. Regnery Publishing, 2002, ISBN 0-89526-191-X (englisch)
  • Reza Pahlavi: Gozashteh va Ayandeh. Kayhan Publishing, 2000, ISBN 0-9538644-0-5 (persisch)
  • Farah Diba-Pahlavi: Erinnerungen. Luebbe-Verlagsgruppe, 2004, ISBN 3-7857-2157-9
  • Reza Pahlavi: Pour l’Iran: Entretiens avec Ahmad Ahrar. Éditions Flammarion, 2004, ISBN 2-08-068220-2 (französisch)
  • Reza Pahlavi, Michel Taubmann: Iran, L’heure du choix – Entretiens avec Michel Taubmann. Éditions Denoël, 2009, ISBN 978-2-207-26103-3 (französisch)

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Commons: Reza Pahlavi – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. http://citation.allacademic.com/meta/p417245_index.html Friedman, Andrew. "U.S. Imperial Tehran in Exile: Reza Pahlavi in the CIA’s Northern Virginia Suburbs" Paper presented at the annual meeting of the American Studies Association Annual Meeting, Grand Hyatt, San Antonio, TX. 2014-11-26
  2. Catherine Legrand, Jacques Legrand: Shah-i Iran. Creative Publishing International (farsi edition), Minnetonka MN 1999, S. 89.
  3. Farah Diba-Pahlavi: Erinnerungen. Gustav Lübbe Verlag, 2004, S. 123 f.
  4. Catherine Legrand, Jacques Legrand: Shah-i Iran. Creative Publishing International (farsi edition), Minnetonka MN 1999, S. 102.
  5. a b Catherine Legrand, Jacques Legrand: Shah-i Iran. Creative Publishing International (farsi edition), Minnetonka MN 1999, S. 120.
  6. spiegel.de
  7. Reza Pahlavi. Abgerufen am 30. März 2022.
  8. youtube.com
  9. youtube.com
  10. youtube.com
  11. rezapahlavi.org (Memento des Originals vom 18. September 2009 im Internet Archive)  Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.rezapahlavi.org Biografie von Reza Pahlavi
  12. mail.live.com
  13. iranpiroozi.blogspot.com
  14. Rainer Hermann, Onlinepetition für Reza Pahlawi als Sprecher der Opposition Irans, In: Frankfurter Allgemeine Zeitung vom 23. Januar 2023