Rheinisches Bildarchiv

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Das Rheinische Bildarchiv (RBA) ist eines der großen öffentlichen kunsthistorischen Bildarchive in Deutschland und bietet mit seinen etwa 5,4 Millionen analogen und digitalen Bildern eine umfangreiche, wissenschaftlich erschlossene Grundlage für Forschung und Wissenschaft wie auch kommerzielle Bildverwerter und private Nutzer. Es ist Dienstleister der Stadt Köln für anspruchsvolle fotografische Sachaufnahmen von Kunst und Architektur in Köln.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Archiv wurde im Mai 1926 als Abteilung des Rheinischen Museums in Köln-Deutz auf Anregung des damaligen Kölner Oberbürgermeisters Konrad Adenauer gegründet. Seit 1953 übernahm die Provinzialverwaltung den Ausgleich des defizitären Haushalts. Seit dem Jahr 1955 war das Rheinische Bildarchiv im Kölnischen Stadtmuseum untergebracht, 1974 wurde es der Kunst- und Museumsbibliothek der Stadt Köln organisatorisch angegliedert. Seit 2012 ist es dem Kulturdezernenten bzw. der Kulturdezernentin unterstellt. Im Januar 2013 wurde im Internet der private Zugang zu etwa 400.000 Fotos freigeschaltet.

Seit seiner Gründung gehören zum RBA Fotografen und eine FotoMedienWerkstatt, die fotografische Dienstleistungen erfüllen. In den ersten Jahrzehnten, speziell in den 1930er Jahren, leisteten die Fotografen des RBA auch Architekturdokumentation in Köln und im gesamten Rheinland; ein großer Teil der Fotobestände sind Sachaufnahmen von Kunstwerken in den und für die Kölner Museen. In gleichem Maß wie die Kölner Museen Kunst unterschiedlichster Länder und Epochen von internationalem Rang anbieten, spiegelt der Bildbestand des RBA einen Ausschnitt des internationalen Kunstgeschehens für fast ein ganzes Jahrhundert wider. Zusätzlich dokumentieren die Fotografen des RBA etwa seit den 1960er Jahren auch immer wieder Veranstaltungen, wie Empfänge, Ausstellungseröffnungen oder Besuche hochgestellter Persönlichkeiten in der Stadt. Hinzu kommt ein umfassender Bestand Architekturaufnahmen aus Köln und dem Rheinland, die zum Teil von den eigenen Fotografen erstellt wurden, zum Teil als Übernahmen aus anderen Bildarchiven. Ergänzend werden sukzessiv die aktuellen Fotodokumentationen aus dem Amt des Stadtkonservators in die Bestände eingearbeitet.

Anlässlich seines 90-jährigen Jubiläums im Jahr 2016 hat das Rheinische Bildarchiv eine ausführliche Chronik auf seinen Internetseiten veröffentlicht.

Im Juni 2011 entschied der Rat der Stadt Köln, das RBA im neu geplanten Historischen Archiv der Stadt Köln unterzubringen, dessen Fertigstellung aktuell für 2019/2020 vorgesehen ist.[1] Die offizielle Grundsteinlegung fand am 17. März 2017 statt.

Leitung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Leiter und Leiterinnen des Rheinischen Bildarchivs:

  • Joseph Boymann (23. Juli 1894 – 11. Juni 1966), ab 1. Mai 1926 bis etwa 1942[2]
  • Joseph Klersch, kommissarischer Leiter, 1945 bis August 1948
  • Elisabeth Reiff (16. April 1911 – 2. August 1993), August 1948 bis 1976[3]
  • Paul von Naredi-Rainer (geb. 1950), März 1976 bis September 1988[4]
  • Michael Euler-Schmidt (geb. 1953), 1985/1986 vertretend während Studienjahr von Naredi-Rainer[5]
  • Roswitha Neu-Kock (geb. 1946), 1989 bis 2007[6]
  • Evelyn Bertram-Neunzig (geb. 1957), kommissarische Leiterin, 2008 bis Februar 2010[7]
  • Johanna Gummlich (geb. 1969), seit 16. Februar 2010[8]

Bestand[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Übergabe einer Schenkung des Fotografen Peter H. Fürst an Johanna Gummlich-Wagner, Leiterin des Rheinischen Bildarchivs, im April 2014

In den 90 Jahren seines Bestehens ist der Bestand auf etwa 5,4 Millionen Aufnahmen angewachsen – darunter zahlreiche Aufnahmen bekannter Kölner Fotografen wie:

Unter den historischen Beständen befinden sich Glasnegative in den Formaten 9 × 12 Zentimeter, 13 × 18 Zentimeter, 18 × 24 Zentimeter und 24 × 30 Zentimeter. Die größten Glasnegative messen 90 × 70 Zentimeter. Von zahlreichen Glasnegativen wurden für den Microfichekatalog "Marburger Index" Positivabzüge beziehungsweise Microfiches und später Microfiche-Digitalisate hergestellt. Schwarz/Weiß-Planfilmnegative liegen in den Formaten 9 × 12 Zentimeter, 13 × 18 Zentimeter, 18 × 24 Zentimeter und 24 × 30 Zentimeter vor. Dieser Bestand an Negativen wurde von Mitte der siebziger Jahre an um etwa 25.000 Color-Dias in Mittel- und Großformat ergänzt, die überwiegend Sachaufnahmen von Kunst und musealen Sammlungsobjekten, aber auch Architektur abbilden. Gleichzeitig wurde die Veranstaltungsdokumentation auf Farb-Kleinbildfilm umgestellt. 2007 erfolgte der Umstieg auf die Digitalfotografie. Seitdem wächst dieser Bestand stetig, wobei der Schwerpunkt auf Sachaufnahmen von Kunst- und Sammlungsobjekten in den städtischen Kölner Museen liegt.

Zusammen mit den von den eigenen Fotografen erzeugten Beständen betreut das Rheinische Bildarchiv bedeutende Bestände der Kölner und Xantener Dombauarchive (heute Stiftsmuseum Xanten) und vom Amt des Kölner Stadtkonservators. Die Bestände des RBA wachsen außerdem durch die Übernahme von Beständen anderer Einrichtungen und Fotografen. So wurde auch das analoge Bildarchiv der KölnMesse GmbH mit mehr als vier Millionen Negativen und Dias übernommen. Eine Negativrestauratorin betreut die RBA-Bestände konservatorisch und bereitet restaurierungsbedürftige Negative für die Nutzung vor. Die Art der Aufbewahrung strebt optimale Bedingungen für die Bewahrung der Bildbestände an und folgt gleichzeitig immer auch dem Prinzip, dass deren Zugänglichkeit für die Nutzung gewährleistet sein muss, da die Herstellung von Handabzügen und digitalen Reproduktionen im Kundenauftrag zur alltäglichen Arbeit des RBA gehört.

Einzelbestände[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nutzung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Eines der Fotos: Hansaplatz - Kunstgewerbemuseum und Schnütgen-Museum, rechts der Hansaplatz (um 1910)

Am 30. Januar 2013 hat die Stadt Köln die neue wissenschaftliche Bilddatenbank „Kulturelles Erbe Köln“ freigeschaltet, die im Februar 2017 ungefähr 421.000 Fotos von etwa 223.000 Objekten, Ausstellungen und Ereignissen umfasst.[9] Ein thematischer Schwerpunkt der Bilddatenbank liegt auf den Kölner Museen und Sammlungen. Neben Fotografien von Kunstwerken und anderen Objekten aus den Sammlungen gibt es auch Bilder von Ausstellungseröffnungen, von Präsentationen der Objekte und Fotos von wichtigen Ereignissen in den städtischen Häusern. Weitere Schwerpunkte bilden die Aufnahmen verschiedener Fotografen und Architekturdokumentationen.

Die Objektbeschreibungen wurden in den Kölner Museen und Sammlungen sowie vom Rheinischen Bildarchiv erarbeitet. Nutzer der Bilddatenbank können mit der Kommentarfunktion unterhalb der Objektbeschreibungen Anmerkungen verfassen, die das Rheinische Bildarchiv an die entsprechende Sammlung weiterleitet.

„Kulturelles Erbe Köln“ ist objektzentriert aufgebaut, der Standardsuchschlitz mit Vorschlagsfunktion und die „Erweiterte Suche“ bieten zahlreiche Einstiege für das Suchen. Über die Suchfunktion, Filter und den Rubriken „Kölner Sammlungen“, „Ausstellungen“ und „Projekte“ kann gezielt auf Ausschnitte der Gesamtdatenbank zugegriffen werden.

Darüber hinaus können Bildrecherchen und Bildbestellungen im Lesesaal II der Kunst- und Museumsbibliothek der Stadt Köln, der sich im Museum für Angewandte Kunst, befindet, durchgeführt werden. Im Lesesaal steht neben dem Online-Zugriff auf die Bilddatenbank und den Bildindex auch der MicrofichekatalogMarburger Index“ zur Verfügung. Außerdem befindet sich dort der KMB-Bestand von über 40.000 Büchern zur Fotografie.

Das Rheinische Bildarchiv bietet an:

  • Neuaufnahmen aus den städtischen Sammlungen im Auftrag
  • Fotodienstleistungen zu den eigenen Beständen
  • Bildrecherche im Auftrag
  • Einsichtnahme in das Positivarchiv (über 300.000 Schwarzweiß-Abzüge)

Ausstellungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Der unbekannte Dom, 1978
  • Bankgebäude in Köln - damals und heute, Januar - März 1992, in der Commerzbank Hauptfiliale Köln
  • Sülz in Köln, 29. April – 20. Mai 1992, in der Commerzbank, Filiale Köln-Sülz
  • Mal was anderes - Freie Fotografien von Fotografen des Rheinischen Bildarchivs in Köln, 26. Januar bis 28. Februar 1993, im Kölnischen Stadtmuseum
  • Der Stadtteil Weidenpesch, 1994, in der Commerzbank Köln-Weidenpesch
  • August Kreyenkamp, 1995/1996, im Kölnischen Stadtmuseum
  • Köln 1970 / 1995. Fotografien von Chargesheimer und Wolfgang Vollmer, 1997
  • Köln vor hundert Jahren - Alte Fotografien in historischer Technik. Wiederbelebt von Bernd Rodrian in Zusammenarbeit mit dem Rheinischen Bildarchiv, ab 16. September 1999
  • Zwischen Einfühlung und Objektivität: Die Fotografien der Kölner Domskulpturen von Karl Hugo Schmölz. Aufnahmen von 1945/47, 26. August 2001 – 12. Januar 2002, im Rheinischen Bildarchiv
  • August Kreyenkamp. Italienfotografien 1927–1938, bis 19. Februar – 17. Mai 2002, verlängert bis 11. Oktober 2002, im Rheinischen Bildarchiv
  • Eifelbilder. Fotografien von Heinrich Pieroth (1893–1964), 3. Dezember 2002 – 30. Mai 2003, im Rheinischen Bildarchiv
  • Eifelbilder. Fotografien von Heinrich Pieroth (1893–1964), 7. September – 5. Oktober 2004, in der Stadtsparkasse Mayen
  • Schätze der Stadt: „Was ist das Original?“, 21. September – 26. September 2010, in der Visual Gallery 2010 im Rahmen der Photokina
  • Retrospektiv Köln 1945 - 1967- 28. November 2013 bis 28. Februar 2014 Eine Ausstellung der Universitäts- und Stadtbibliothek Köln mit dem Rheinischen Bildarchiv und weiteren Archiven aus Köln.
  • 90 Jahre Rheinisches Bildarchiv. Fotografien für Köln und die Welt, 10. bis 20. November 2016, Kunsthaus Rhenania Köln Geschichte des Rheinisches Bildarchives

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Paul Naredi-Rainer: Das Rheinische Bildarchiv in Köln, in: Der Archivar 33/1980, 437–438.
  • Paul Naredi-Rainer: Romanische Kirchen in Köln V: Ausstattungsstücke des Mittelalters (Begleittext zu einer Diaserie von Helmut Buchen, Fotograf im Rheinischen Bildarchiv), Köln 1985
  • Roswitha Neu-Kock: August Kreyenkamp. Ein Kölner Fotografenleben in der ersten Jahrhunderthälfte. Köln 1995.
  • Roswitha Neu-Kock: August Kreyenkamp (1875 – 1950): ein photographisches Allround-Talent in Köln. In: Kölner Museumsbulletin 1995, Sonderheft 1 / 2, S. 31–38.
  • Roswitha Neu-Kock: Dom-Ansichten. Fotografien des Kölner Doms von Karl Hugo Schmölz. 1939 bis 1962. Mit Beiträgen von Dombaumeister Arnold Wolff und Roswitha Neu-Kock. 1997
  • Roswitha Neu-Kock: „1900 - 2000“. Hg.: Stadt Köln., Köln, 2000
  • Elke Purpus: „…mit dem Ziele, ein grosses Rheinisches Bildarchiv zu errichten…“ Zur Geschichte des Rheinischen Bildarchivs in der Kunst- und Museumsbibliothek der Stadt Köln. In: Kölner Museums-Bulletin. 2005, 2, S. 26–44.
  • Elke Purpus, mit einem Beitrag von Roswitha Neu-Kock: Die Kunst- und Museumsbibliothek der Stadt Köln. Die Geschichte der Bibliothek und des Fotoarchivs. Klartext Verl., Essen 2007 (= Schriftenreihe der Kunst- und Museumsbibliothek der Stadt Köln, 2), S. 65–118.
  • Elke Purpus: Das Rheinische Bildarchiv der Stadt Köln. Dienstleister für die Kölner Museen und Abteilung einer Dokumentationseinrichtung zur Kunst. In: Rundbrief Fotografie, Bd. 16 (2009), No. 1.
  • Johanna Gummlich-Wagner: Das Rheinische Bildarchiv der Stadt Köln In: Der Archivar, 03/2013 S. 300–310
  • 90 Jahre Rheinisches Bildarchiv. Fotografien für Köln und die Welt. Archivbox. Herausgegeben von Johanna Gummlich, mit einem Grußwort der Kulturdezernentin Susanne Laugwitz-Aulbach und Beiträgen von Michael Albers, Evelyn Bertram-Neunzig, Letha Böhringer, Johanna Gummlich, Susanne Kube, Markus Mischkowski und Petra Scholz. Köln 2016. (ISBN 978-3-9818363-0-1)

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Rheinisches Bildarchiv – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Presseveröffentlichung der Stadt Köln vom 19. Juni 2011, Wettbewerb für Neubau des Historischen Archivs ist entschieden
  2. Deutsche Nationalbibliothek
  3. Deutsche Nationalbibliothek
  4. Deutsche Nationalbibliothek
  5. Deutsche Nationalbibliothek
  6. Deutsche Nationalbibliothek
  7. Deutsche Nationalbibliothek
  8. Deutsche Nationalbibliothek
  9. Kulturelles Erbe Köln