Märkisches Museum (Witten)

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Märkisches Museum Witten
Eingang zum Märkischen Museum Witten
Eingang zum Märkischen Museum Witten
Daten
Ort Witten
Art Kunstmuseum
Architekt Carl Franzen
Eröffnung 1911
Betreiber Kulturforum Witten (AÖR der Stadt Witten)
Leitung Dirk Steimann
Website www.museum-witten.de
ISIL DE-MUS-176216

Das Märkische Museum Witten ist ein Museum in Witten. Es präsentiert vor allem moderne deutsche Malerei.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Engelbert-Statue
Strünkede-Grabmal

Das Märkische Museum ist als industrie-, gewerbe- und montangeschichtliches, insgesamt als historisches Heimatmuseum vom Verein für Orts- und Heimatkunde in der Grafschaft Mark (VOHM) 1886 gegründet worden. Nach drei provisorischen Standorten erbaute der VOHM 1909 bis 1911 mit Hilfe einer Stiftung des Fabrikanten Friedrich Lohmann das Märkische Museum an der heutigen Husemannstraße. Das Museum vereinigte paläontologische, geologische, mineralogische, biologische und kulturhistorische Sammlungen (zu den letzteren zählten u. a. die Engelbert-Statue und das Strünkede-Grabmal). Eine gewerbe- und industriehistorische Sammlung glückte nicht. Den Sammlungen wurde eine umfangreiche Bibliothek zur Ortsgeschichte und zur Geschichte Westfalens, zur Rechts-, Kirchen- und Medizingeschichte hinzugefügt. Ein wesentlicher Bestandteil der Sammlungen wurde sodann das Archiv (u. a. mit den ältesten Unterlagen zur Wittener Geschichte und zur Zeitungsgeschichte der Region). Später kamen eine Münz- und Medaillensammlung hinzu (Deutsche (geistliche) Territorien vor 1800, Medaillen zu den Themen Otto von Bismarck, Luftfahrt, Christine von Braunschweig, Ehefrau Kaiser Karls VI.). Kunst wurde bis in die 1920er Jahre nur insoweit gesammelt, als sie auf die Region bezogen war und historische Zustände dokumentierte. Darüber hinausgehende Kunstausstellungen waren in der Regel als Verkaufsausstellungen konzipiert, durch die der Verein als Träger des Museums über Provisionen verdiente und sich damit zusätzlich zu finanzieren suchte

Peter Emil Noelle, damals Direktor des Wittener Ruhr-Gymnasiums und Vorsitzender des VOHM, verlegte als Museumsdirektor den Sammlungsschwerpunkt auf moderne deutsche Malerei. Als jedoch 1937 der Stern des Reichspropagandaministers Joseph Goebbels, der bestimmte Vertreter des Expressionismus protegiert hatte, zu sinken begann und der Parteiideologe Alfred Rosenberg über ihn obsiegte, wurde auch Noelles Stellung in Witten trotz seiner nationalsozialistischen Überzeugung unhaltbar. Er hatte auf die Goebbels-Richtung gesetzt. Die Nationalsozialisten setzten anschließend auf ein in ihrem Sinne arbeitendes historisches Museum, doch formte sich diese Richtung kriegsbedingt nicht aus. 1944 übereignete der damalige „Vereinsführer“, Oberbürgermeister Karl-August Wietfeld, das dem VOHM gehörende Märkische Museum samt den Sammlungen der Stadt Witten.

Wilhelm Nettmann, Leiter des Museums von 1953 bis 1978, setzte die Arbeit im Bereich der modernen Kunst fort. In seiner Amtszeit wurde das Museum um die benachbarte Villa Berger erweitert, die heute das Kulturforum Witten beherbergt.

Unter dem Nachfolger Wolfgang Zemter, Leiter des Hauses von 1978 bis 2009, wurde das Museum von 1985 bis 1988 geschlossen, restauriert und deutlich erweitert. Es wurde das Prinzip der offen konzipierten Räume aufgenommen, um die dialogische Struktur der Sammlungspräsentation mit zeitgenössischen Mitteln fortzusetzen.[1]

Im Oktober 2014 begann der Bau eines Anbaus für die Bibliothek Witten. 2016 zog die Bibliothek Witten in diesen Anbau.

Märkisches Museum

Architektur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Märkische Museum wurde nach Plänen von Carl Franzen als Betonbau errichtet.[2] Die Fassade aus Ruhrsandstein sollte den Eindruck eines massiven Mauerwerks erwecken.[2] Der Grundriss ist dem einer dreischiffigen Kirche nachempfunden.[1] Seit 1984 ist das Museum als Baudenkmal in der städtischen Denkmalliste aufgeführt.

Sammlung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Entsprechend seiner Gründungstradition lag der Schwerpunkt der Sammlung zunächst auf kulturhistorischen Gütern aus dem Bereich der Grafschaft Mark, die durch den Verein für Orts- und Heimatkunde in der Grafschaft Mark zusammengetragen worden waren. Bei der Besitzübertragung an die Stadt Witten gingen große Teile dieser Sammlung in den Besitz der Stadt über. Dazu zählen neben der Statue des Erzbischofs Engelbert I. von Köln (um 1230, derzeit an die Dauerausstellung des Ruhr Museums Essen ausgeliehen) auch das Grabmal der Familie Strünkede (sogn. Strünkede-Gruppe, 16. Jh.), welche bis heute die wohl bedeutendsten Kunstobjekte der Sammlung sind.

Den Kern der kunsthistorischen Sammlung bilden etwa „4.000 Gemälde, Skulpturen und Grafiken“ der modernen Malerei des 20. Jahrhunderts in Deutschland.[3] Das Museum verfügt über Werke verschiedener bedeutender Expressionisten, darunter Gemälde von Max Pechstein, Ernst Ludwig Kirchner, Emil Nolde, Erich Heckel, Conrad Felixmüller, August Macke, Gabriele Münter und Heinrich Campendonk. Besonderes Interesse gilt den westfälischen Expressionisten Wilhelm Morgner und Christian Rohlfs.

Weitere Sammlungsschwerpunkte bilden die Neue Sachlichkeit (u. a. Werke von Eberhard Viegener, Josef Wedewer und Elisabeth Schmitz) und der Kritische Realismus (u. a. Werke von Rissa, Wolfgang Petrick, Hans-Jürgen Diehl, Maina-Miriam Munsky, Lambert Maria Wintersberger, Peter Sorge, Konrad Klapheck, Bruno Goller).

Nach eigenen Angaben beherbergt das Museum zudem die größte Sammlung des Deutschen Informel.[3]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Wilhelm Nettmann: Wie das alles angefangen hat. 1886–1976. 90 Jahre Verein für Orts- und Heimatkunde in der Grafschaft Mark zu Witten und Märkisches Museum der Stadt Witten. In: Jahrbuch des Vereins für Orts- und Heimatkunde in der Grafschaft Mark. Band 74, 1976.
  • Heinrich Schoppmeyer: Die Grundsteinlegung zum Märkischen Museum vor einhundert Jahren am 18. Mai 1909. In: Märkisches Jahrbuch für Geschichte. Band 110, 2010.
  • Verband Westdeutscher Eisenbeton-Unternehmungen (Hrsg.): Bauausführungen der Mitglieder. Düsseldorf 1909.
  • Dagmar Drebusch: Das Märkische Museum unter Peter Emil Noelle, 1946 bis 1953 (= Beiträge zur Geschichte des Märkischen Museums der Stadt Witten. Band 1). Märkisches Museum, Witten 1986.
  • Wolfgang Zemter: Das Märkische Museum unter Wilhelm Nettmann 1953 bis 1978 (= Beiträge zur Geschichte des Märkischen Museums der Stadt Witten. Band 2). Märkisches Museum, Witten 1995.
  • Ralph Klein: Das Märkische Museum in Witten unter der Leitung von P.E. Noelle 1930 bis 1937. In: Jahrbuch des Vereins für Orts- und Heimatkunde in der Grafschaft Mark. Band 112. Dortmund 2012, S. 170–208.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Märkisches Museum (Witten) – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Quellen und Anmerkungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b Märkisches Museum Witten. RUHR.2010 GmbH i. L., abgerufen am 14. August 2013.
  2. a b Dieter Schidt: Das Jahr 1911. VOHM, abgerufen am 26. Dezember 2012.
  3. a b Angaben zur Sammlung auf der Webpräsenz des Museums beim Kulturforum Witten

Koordinaten: 51° 26′ 4,6″ N, 7° 20′ 18,6″ O