Rhetorik des Bildes

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Rhetorik des Bildes (Rhétorique de l'image) ist ein Essay des Semiologen Roland Barthes, der als ein semiologischer Grundlagentext anhand eines Reklamebildes der Firma Panzani in einer Spektralanalyse die Botschaften dieses Mediums untersucht.

Barthes formuliert hier für die Semiotik grundlegende Aussagen darüber, wie ein Bild seinen Sinn erklärt, an welchen Punkten der Sinn endet und was nach diesem Ende folgt. Er definiert dabei die Funktionen der linguistischen Nachricht, der kodierten ikonischen (symbolische) und der nicht kodierten ikonischen (buchstäblichen) Nachricht eines Bildes und ihr Verhältnis zueinander.

Das exemplarisch untersuchte Reklamebild der Teigwarenfirma Panzani erschien als Anzeige in einer Illustrierten. Roland Barthes beschreibt die Anzeige wie folgt: „Spaghettipäckchen, eine Dose, ein Beutel Tomaten, Zwiebeln, Paprika, ein Champignon – das ganze in gelber und grüner Farbe auf rotem Grund –, fällt aus einem halboffenen Netz.“ [1]

Die Rhetorik eines Bildes setzt sich aus den gesendeten und empfangenen linguistischen Nachrichten, der kodierten ikonischen (symbolischen) und der nicht kodierten ikonischen (buchstäblichen) Nachricht zusammen. Die Leseweisen (lexiques) eines Bildes werden durch das kulturelle und ästhetische Wissen (Identität) der Leserin und des Lesers bestimmt: „Ein und dieselbe Redeweise (lexie) mobilisiert unterschiedliche Leseweisen (lexiques).“ (Barthes) Die Konnotation Italianität, die die Assonanz des Wortes Panzani in Frankreich hervorruft, ist durch ein touristisches Wissen geprägt. In Italien würde sie – so vermutet Barthes – nicht wahrgenommen werden. Die Menge und Identität der Leseweisen wird mit dem Begriff ideolecte bezeichnet. Für eine wirkungsvolle Rhetorik (Konnotationssignifikate) müssen passende Konnotationssignifikante gefunden werden. Aufgrund der Verankerung und Vermittlung des Sinns durch die linguistischen Nachrichten sowie des Codes der buchstäblichen Nachricht gestaltet sich der ideologische Gehalt des Bildes.

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Roland Barthes: Rhetorik des Bildes. In Alternative, Heft 54, 1967. Die Übersetzung ist unvollständig. Vgl. Gabriele Röttger-Denker: Roland Barthes zur Einführung. Seite 133. Roland Barthes beschreibt die Szene nur sehr knapp, da diese Beschreibung bereits Metasprache darstellt.

Werk[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Roland Barthes: Rhetorik des Bildes („Rhétorique de l'image“). In: Ders.: Der entgegenkommende und der stumpfe Sinn („L'obvie et l'obtus“). Suhrkamp, Frankfurt/M. 2005, ISBN 3-518-11367-4.
  • Roland Barthes: Rhetorik des Bildes („Rhétorique de l'image“). In: Alternative. Blätter für Literatur und Diskussion, Jg. 9 (1967), Heft 54.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Roland Barthes: Schockfotos. In: Ders.: Mythen des Alltags („Mythologies“). Suhrkamp, Frankfurt/M. 2006, ISBN 3-518-10092-0.
  • Roland Barthes: Die helle Kammer. Bemerkungen zur Photographie („La chambre claire“). Suhrkamp, Frankfurt/M. 2007, ISBN 3-518-57731-X.
  • Gabriele Röttger-Denker: Roland Barthes zur Einführung (Zur Einführung; 295). Edition Junius, Hamburg 2004, ISBN 3-88506-395-6.