Richard de Fournival

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Richard de Fournival (* 10. Oktober 1201; † 1259 oder 1260) war ein Trobador.

Richard de Fournival war ein Sohn von Roger de Fournival, Leibarzt Philipps II., und Elisabeth de Pierre. Seine Mutter brachte aus einer vorherigen Ehe einen Sohn namens Arnoul mit in diese Ehe, der somit Richards Stiefbruder war und 1236 Bischof von Amiens wurde. Richard wurde 1240 in Amiens Kanoniker und ab 1246 war er am dortigen Kapitel Cancellarius. Im gleichen Jahr trat Bischof Arnoul ab.

Richard übte auch chirurgische Tätigkeiten aus. Papst Innozenz IV. beurkundete dies am 29. September 1246. Aus der in Lyon ausgestellten Urkunde geht auch hervor, dass er in dieser Weise bereits zu Zeiten Gregors IX. tätig war. Eine 1248 angefertigte päpstliche Urkunde weist auf Amtsstreitigkeiten zwischen Richard und dem Nachfolger Arnouls im Bischofsamt, Gerard de Conchy, hin.

Testamentarisch verfügte Richard, dass jährlich am 1. März ein Seelenamt für ihn zu lesen sei, wofür die Einkünfte seines Besitzes in Rouen zu verwenden seien. Im Erzbistum Rouen war Arnouls Vetter Bischof.

Richard hinterließ eine Bibliothek, die über Gerhard von Abbeville, einen Freund Wilhelms von Saint-Amour, 1271 an die Sorbonne kam. Dazu gehört auch ein von Richard verfasster Bücher-Katalog mit dem Titel "Biblionomia". Da der Bestand erstmals in der Bibliotheksgeschichte öffentlich zugänglich wurde, gilt Richard als Gründer der ersten öffentlichen Bibliothek. In dem Katalog nannte er Namen wie Gerhard von Brüssel und Jordanus Nemorarius, die sich dadurch zeitlich einordnen lassen.

Bekannt wurde Richard durch sein Traktat Bestiaire d'amour, das erste weltliche Bestiarium, worin er auch selbst visualisiert ist.[1] Zudem schrieb er einige Gedichte und Lieder. Auch kommt er als Verfasser des für die Geschichte der Wahrscheinlichkeitsrechnung bemerkenswerten Textes "De vetula" in Frage.

Ausgaben[Bearbeiten]

(Auswahl)

  • C. Hippeau: Bestiaire d'amour. Aubry, Paris 1809 (Digitalisat bei Google Books)
  • Paul Klopsch: Mittellateinische Studien und Texte Band II. Pseudo-ovidius de vetula. 1965, S. 85ff. (Auszüge bei Google Books)
  • Paul Zarifopol: Kritischer Text der Lieder Richards de Fournival. Dissertation, Halle an der Saale 1904

Weblinks[Bearbeiten]

Belege[Bearbeiten]

  1. Ursula Peters: Das Ich im Bild: die Figur des Autors in volkssprachigen Bilderhandschriften des 13. bis 16. Jahrhunderts, 2008, S. 104 (Google Books)