Einhorn

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Der Titel dieses Artikels ist mehrdeutig. Weitere Bedeutungen sind unter Einhorn (Begriffsklärung) aufgeführt.

Das Einhorn ist ein Fabelwesen von Pferdegestalt mit einem geraden Horn auf der Stirnmitte. Es wurde im Mittelalter besonders durch den Physiologus bekannt, gilt als das edelste aller Fabeltiere und steht als Symbol für das Gute.

Einhornmosaik auf einem Kirchenfußboden von 1213 in Ravenna

Aussehen[Bearbeiten]

Einhorn. Conrad Gesner: Historiae animalium, 1551

Das Einhorn ist in der europäischen Tradition ein Fabeltier, das einem Pferd (manchmal auch einer Ziege) ähnelt, jedoch ein erhabenes Horn auf der Stirn trägt. Häufig wird es auch mit weiteren vom Pferd abweichenden Merkmalen beschrieben, wie zum Beispiel gespaltenen Hufen (ähnlich einem Paarhufer), dem Schwanz eines Löwen oder Wildschweins, einem Hirschkopf, Elefantenfüßen oder einem Ziegenbart. Sein Brüllen wird mit dem eines Löwen verglichen. [1]

In der chinesischen Mythologie gleicht das Qilin eher einem Ochsen.

Die Farbe des Fells wird unterschiedlich beschrieben: Mal heißt es, das Einhorn sei reinweiß, mal besitzt es alle Schattierungen von weiß, ein andermal soll es alle Farben haben. Bei Aelianus heißt es, sein Horn sei schwarz und die Mähne gelb.[2] Es wird auch über Einhörner mit Flügeln, ähnlich einem Pegasus fabuliert. Für die männliche bzw. weibliche Form des Einhorns werden die Bezeichnungen Einhornhengst und Einhornstute verwendet.

Hypothetischer Ursprung[Bearbeiten]

Siegel der Indus-Kultur, die „Einhörner“ zeigen.

Aus der zwischen etwa 2300 v. Chr. und 1750 v. Chr. blühenden Indus-Kultur sind eine größere Zahl von Steatit-Siegeln erhalten, die ein einhornartiges Tier zeigen, über dessen Bedeutung keine Klarheit herrscht. Das Tier kommt in unterschiedlichen Variationen vor, in Mohenjodaro und Harappa fand man Abbildungen mit einem leicht gebogenen Horn wie bei einem Auerochsen oder einem Zebu, aus Chanhu Daro stammen Tierfiguren mit gewundenen Antilopenhörnern. Alle Tiere sind streng von der Seite und naturalistisch dargestellt, es könnte sich also um ein Rind handeln, dessen zweites Horn hinter dem ersten verborgen ist.[3] Andere Forscher erkennen auf den Siegeln ein mythisches Einhorn, das auch in späteren religiösen Texten erwähnt wird. Im indischen Epos Mahabharata kommt ein männliches Tier mit dem Sanskrit-Namen rshya vor. Dort und im Ramayana wird die Geschichte eines im Wald lebenden Jungen namens Rshyashringa erzählt (shringa, „Horn“), dem ein einzelnes Horn auf dem Kopf wächst. In frühen buddhistischen Texten ist diese Figur als Ekashringa („Einhorn“) bekannt. Im Zusammenhang entsteht so der altindische Mythos vom Einhorn.[4]

Einige zeitgenössische Wissenschaftler vertreten die Hypothese, dass der Ursprung des Einhorns in Rindern oder Ziegen liegt, denen man im Orient des 3. vorchristlichen Jahrhunderts zu Schmuck- oder kultischen Zwecken in jungen Jahren die Hörner zusammenband, so dass diese im Laufe der Jahre scheinbar zu einem einzigen Horn zusammenwuchsen. Das könnte auch die gespaltenen Hufe und den „Löwenschwanz“ erklären, die besser zu einem Paarhufer als zu einem Pferd passen.

Josef H. Reichholf beschreibt Oryxantilopen als Tiere, die alle den Einhörnern zugeschriebenen Eigenschaften besitzen und in der ägyptischen Darstellung auch mit einem Horn dargestellt werden.[5]

Im Juni 2008 wurde in einem italienischen Naturpark in der Toskana ein 10 Monate altes Reh mit nur einem Horn (sog. morphologische Anomalie) entdeckt und vom Naturwissenschaftlichen Zentrum Prato (CSN) dokumentiert.[6] Diese Entdeckung lässt vermuten, dass in der Vergangenheit gesichtete Hirsche, Rehe oder andere Tiere mit nur einem Horn den Mythos Einhorn entstehen ließen.

Eine andere Theorie geht davon aus, dass in der Antike eine römische Expedition in Asien auf Nashörner getroffen ist. Weil diese nur ein Horn auf der Nase hatten, wurden sie 'unicornus' (lat. Einhorn) genannt. Da man in Europa keine Nashörner kannte, wurden sie beschrieben mit „sie sind so schnell wie Pferde und haben ein Horn auf der Nase“. Im Laufe der Zeit ist das wahre Aussehen des unicornus verloren gegangen und man stellte sich den unicornus immer pferdeähnlicher vor.

Im 16. Jahrhundert vermutet Conrad Gesner, das Einhorn habe seinen Lebensraum in Indien, Asien und Arabien, da es in Europa nie gesehen wurde. Gesner verweist auf Plinius, der berichtet, das Volk der „Orsei" würde dort Einhörner fangen und es werde dort ‚Cartazanon' genannt. Da das Einhorn als einzelgängerisches Tier gilt, wird ihm als Lebensraum das Gebirge zugeschrieben.

Das Einhorn in der Bibel[Bearbeiten]

Darstellung eines Auerochsen auf Babylons Ischtar-Tor (6. Jahrhundert v. Chr.), heute im Pergamonmuseum, Berlin. Die Darstellung im Profil zeigt nur ein einziges Horn.

An mehreren Stellen des Alten Testaments wird ein seltsames kräftiges und wildes Tier erwähnt, das „Re’em“ (zum Beispiel Num 23,22 EU, Hi 39,9-12 EU, Ps 22,22 EU). Als der hebräische Text im dritten Jahrhundert v. Chr. ins Griechische übersetzt wurde, übersetzten die 72 Übersetzer dieses Wort mit Μονόκερως Monokeros, zu deutsch: Einhorn. Gemeint war nach heute verbreiteter Vermutung vielmehr der Wildstier oder Auerochse. Dem sprossen zwar zwei Hörner aus dem Schädel, aber da auf assyrisch-babylonischen Reliefs, Zeichnungen und Wandbemalungen Tiere nur im Profil gezeigt wurden, war häufig nur eines der beiden Hörner zu sehen, womit der Hörner-Irrtum der Übersetzer erklärt werden könne.[7]

Noch bis ins 18. Jahrhundert hinein war diese Auffassung verbreitet. Heinrich Sander wies 1779 auf den Übersetzungsfehler hin und kam zu dem Schluss, „daß man einmahl in der ganzen Schöpfung, soweit wir sie kennen, das Einhorn der Alten vergebens suchen wird, sodann, daß man in allen Stellen der Bibel, wo Luther und andere an das Einhorn denken, kein anderes Thier, als eine Ochsenart verstehen muß.“[8]

Das Horn[Bearbeiten]

Einhorndarstellung aus dem 18. Jahrhundert über der Ratsapotheke auf dem Holm in der Flensburger Innenstadt
Ein vergoldeter Einhornkopf über dem Eingang der Einhorn-Apotheke in Trier

Das Horn des Einhorns wird als schneckenartig gedreht und vorne spitz zulaufend dargestellt. Es soll weiß und bis zu einem halben Meter lang sein. Mit ihm soll das Einhorn gegen seine Feinde (unter anderem Löwen) kämpfen, heilen und sogar Tote wiederbeleben können. Das Horn soll dem Einhorn erst allmählich im Laufe seines Lebens wachsen; ein abgebrochenes Horn soll innerhalb von zehn Jahren nachwachsen. Dem Horn als Trinkgefäß werden Heilkräfte gegen Krankheiten wie die Pest und den Aussatz nachgesagt. Es soll außerdem unempfindlich gegen Feuer und Gift machen.[9]

Im Mittelalter und der Frühen Neuzeit wurden die Zähne des Narwals für das Horn gehalten und als Ainkhürn bezeichnet. Noch heute existieren mehrere Objekte, meist Herrscherinsignien, die aus Narwalzahn angefertigt wurden. Insbesondere die spiralige Struktur des Narwalhorns, die sich genau so auch praktisch in allen künstlerischen Darstellungen wiederfindet, legt nahe, dass diese Hörner den Mythos gefördert haben könnten.

  • Zwei Kreuzritter raubten in Konstantinopel zwei Narwalstoßzähne, die sie für Hörner des Einhorns hielten, und schenkten diese dem Markusdom in Venedig, wo sie noch heute aufbewahrt werden (Schatzkammer des Markusdoms).
  • Auch die Habsburger waren im Besitz eines „Ainkhürn“-Stoßzahnes sowie mehrerer Objekte aus Ainkhürn (Wiener Kronschatz).
  • 1671 wurde der dänische König Christian V. auf einem Krönungsstuhl gekrönt, der ausschließlich aus Ainkhürn hergestellt war. Er dient noch heute als Thron der Königin von Dänemark.

Dem Ainkhürn wurden magische Fähigkeiten zugeschrieben, so zum Beispiel, dass es Gift neutralisieren könne, weswegen auch Trinkgefäße aus Narwalelfenbein gefertigt wurden. Da das Horn als sehr vielseitiges Heilmittel galt, wurden in vielen Städten Apotheken Einhorn-Apotheke benannt, wie auch entsprechende Skulpturen an deren Gebäuden angebracht.

Einhörner und Jungfrauen[Bearbeiten]

Darstellung der Einhorn-Jagd auf einem Elfenbeinkästchen, Paris, 14. Jh.
Medaille „Unschuld und Einhorn in mondbeschienener Landschaft“ von Pisanello, 1447
„Jungfrau mit dem Einhorn“, Frankreich, 15. Jahrhundert
Gezähmtes Einhorn (Palazzo Farnese, wird Domenichino zugeschrieben, um 1602)

Wie sie gefangen werden.
Eben ist gemeldet worden / daß sie jung müssen außgenommen werden/sonst seyen sie lebendig nicht zu fangen. Doch wollen etliche / welcher Meynung auch Albertus ist / das Einhorn verehre die Jungfrauschafft so hoch / daß es / wo eine Jungfrau vorhanden / derselbigen zulauffe / sich in ihren Schoß lege / darinnen ruhe und schlaffe / biß es also gefangen und gebunden werde. Man schreibet auch / vornemblich aber Arlunnus , daß das Einhorn grosse Liebe zu den Jungfrauen trage / und dieselbige am Geruch erkenne.“

Conrad Gesner: „Thierbuch“ 1669, S.77[10]

In vielen Darstellungen von der Jagd auf Einhörner wird diese Vertrautheit genutzt, um die Fabeltiere zu fangen. Eine Jungfrau wartet auf das Einhorn. Ist es eingeschlafen, treten die Jäger aus den Verstecken hervor. In dem Zusammenhang sprechen einige christliche Legenden von stets männlichen Einhörnern, die sich ausschließlich durch eine Berührung einer Jungfrau mit ihrem Horn durch „Jungfernzeugung“ vermehren. Allerdings müssten die Einhörner gefangen werden, bevor sie zweijährig sind, da sie sonst zu stark und zu aggressiv seien. Einhörner werden als die keuschesten aller Tiere dargestellt. Männliche und weibliche Exemplare sollen ausschließlich zur Fortpflanzung aufeinander treffen. Die Seltenheit des Einhorns wird damit begründet, dass es zwar freundlich gegenüber anderen Tieren, jedoch außerordentlich aggressiv gegenüber Artgenossen sei.[11]

Einhörner und Alchemie[Bearbeiten]

Bei den mittelalterlichen Alchemisten symbolisierte das Einhorn das chemische Element Quecksilber.

Einhörner in der Kunst[Bearbeiten]

In der bildenden Kunst taucht das Einhorn schon in den Kulthöhlen der Jägerstämme auf. Im Pergamonmuseum in Berlin kann man es auf dem Ischtar-Tor aus Babylon bewundern.

Die älteste Darstellung eines Einhorns in der christlichen Kunst findet sich vermutlich in einem Antiphonale aus dem 12. Jahrhundert im Kloster Einsiedeln. Die Miniatur zeigt eine Verkündigungsszene mit Maria, die in ihrem Schoß das Einhorn beschützt. Vor ihr kniet der Erzengel Gabriel. Wie hier wird in der Kunst das Einhorn oft im Zusammenhang mit Jungfräulichkeit dargestellt. Dieses allegorische Motiv geht auf Physiologus im 2. Jahrhundert n. Chr. zurück, wonach ein Jäger das wilde Einhorn nur fangen könne, wenn es seinen Kopf in den Schoß einer Jungfrau legt. [12]

Im Mittelalter war das Einhorn deshalb das Zeichen für die Jungfrau Maria. Man findet es auf der Brosche des Bildes von Stephan Lochner („Madonna im Rosenhag“, um 1448, Wallraf-Richartz-Museum, Köln). Berühmt ist das Gemälde „Dame mit dem Einhorn“ von Raffael (um 1506, Galleria Borghese, Rom). Das Einhorn findet man ebenfalls auf dem Tafelbild „Der Garten der Lüste“ von Hieronymus Bosch (um 1500, Prado, Madrid) sowie bei Lucas Cranach der Ältere (Das Paradies, 1530, Kunsthistorisches Museum Wien).

Eine sehr bekannte Darstellung eines Einhorns gibt es im Museum für Mittelalter (französisch Musée national du Moyen Âge) in Paris zu sehen: Die Reihe von fünf Wandteppichen, die jeweils die fünf Sinne darstellen, und einen sechsten Teppich, der alle fünf Sinne in sich vereint. Die Wandteppiche wurden für Jaen Le Viste von Lyon gefertigt und tragen somit auch sein Wappen. Kopien der Teppiche werden in vielen Filmen als Hintergrundkulisse verwendet, zum Beispiel im Gryffindor-Aufenthaltsraum in den Harry-Potter-Filmen.

Das Einhorn-Motiv ist auch in Altären zu finden (zum Beispiel Einhornaltar im Dom zu Erfurt, frühes 15. Jahrhundert) und in der Bildhauerei, z. B. Einhornbrunnen von Prof. Geibel (1960) in Darmstadt.

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Eine in der Kunstgeschichte einmalige Darstellung des Einhorns, das nicht nur sein heilkräftiges Horn auf der Stirn trug, sondern auch „heilkräftigen Odem“ ausatmete, fand sich auf einer geschnitzten, kolorierten Eichenholztafel. Die Tafel tauchte beim Abriss und Neuaufbau der 1570 gegründeten Einhornapotheke in der Kirchstrasse in Darmstadt auf und zierte bis zur Zerstörung der Stadt durch einen Bombenangriff im Jahr 1944 die Schaufensterrückwand. Die Tafel stammte wohl aus dem 18. Jahrhundert. Heute existiert nur noch ein Foto dieser Tafel.

Einhörner in der Mythologie[Bearbeiten]

Das Einhorn findet sich unter anderem in der christlichen Mythologie, im indischen Mythos und in der persischen Schöpfungsgeschichte.

Seinen mythischen Ursprung soll das Einhorn in der griechischen Mythologie haben. Dort schlug Zeus der Ziege Almathea, die ihn gesäugt hatte, ein Horn ab (Füllhorn). Um den Stolz und das Edle des so entstandenen Einhorns zu verdeutlichen, gab man ihm den Körper eines Pferdes. Die gespaltenen Hufe und der Ziegenbart sind so ebenfalls auf die griechische Mythologie zurückzuführen.

Es heißt auch, dass die Einhörner Freunde des Elfenvolkes sind. Sie treffen sich mit ihnen in Vollmondnächten und wohnen den magischen Elfentänzen bei. Unter anderem werden sie auch „das Auge Gottes“ genannt.

John Layard, ein Verwandter von Lady Charlotte Guest, vermutet in der Episode von Ysgithyrwyn in der walisischen Sage Mal y kavas Kulhwch Olwen („Wie Kulhwch Olwen errungen hat“) einen Hinweis auf das sagenhafte Einhorn.[13]

Weitere Berichte[Bearbeiten]

Unicornis ein Einhorn. Albertus Magnus: De animalibus, Frankfurt am Main, 1545

In der Antike wird das Einhorn unter anderem von Aristoteles, Plinius dem Älteren und Claudius Aelianus erwähnt. Diese Berichte gehen auf Ktesias von Knidos zurück, der in seinen stark romanhaften Indika vom Vorkommen dieser Tiere in Indien berichtet: Das Tier sei wild, schnell und kräftig, sein Horn habe eine antitoxische Wirkung, weswegen es am Hof der Achämeniden als Trinkgefäß verwendet werde.[14] Ob es sich bei dem von Gaius Iulius Caesar in einer wahrscheinlich pseudoepigraphen Schilderung der Fauna des Hercynischen Wald erwähnten hirschartigen Tieres mit langem, geraden Horn, das sich an der Spitze palmenartig verzweige, um ein Einhorn handelt, ist umstritten.[15]

Im Mittelalter werden Einhörner unter anderem im Physiologus, bei Hildegard von Bingen (12. Jahrhundert), Albertus Magnus (13. Jahrhundert) und in Arzneibüchern erwähnt. Vor allem der Physiologus hatte, neben der Bibel, besondere Bedeutung für den christlichen Glauben an Einhörner.[16]

Marco Polo berichtete Ende des 13. Jahrhunderts in seinen Reisebeschreibungen („Il Milione“), auf Sumatra ein Einhorn gesehen zu haben. Die Beschreibung lässt vermuten, dass es sich dabei um das Sumatra-Nashorn gehandelt hat. Andere Details lassen zudem vermuten, dass er das Tier nicht selbst gesehen hat, sondern lediglich vom Hörensagen kannte.[16] Der englische Abenteurer Edward Webbe (1554–1590) berichtet, er habe drei Einhörner im Serail eines indischen Sultans gesehen, wohingegen der portugiesische Jesuit Jerónimo Lobo (1593–1678) angibt, ihm sei eines in Äthiopien begegnet. Der schottische Reisende John Bell (1691–1780) berichtet noch 1713, eines dieser Tiere gesehen zu haben. Nach Umberto Eco sind diese Berichte auf die prägende Kraft der Reisenden schon vor Abreise bekannten Legenden zurückzuführen, die sie bewogen, nicht nur zu berichten, was sie wirklich sahen, sondern auch das, von dem sie meinten, es gesehen haben zu müssen.[17]

Biologie[Bearbeiten]

1638 zeigte der dänische Arzt und Naturforscher Ole Worm, dass die angeblichen Einhornhörner in Wirklichkeit Stoßzähne von Narwalen waren.

1827 versuchte der französische Paläontologe Baron Georges Cuvier zu beweisen, dass Einhörner nicht existiert haben können. Sein Argument: Einhörner werden üblicherweise als Paarhufer dargestellt. Diese haben aber ein in der Mitte geteiltes Stirnbein, an dem ein Horn gar keinen Halt fände.

Allerdings konnte der amerikanische Biologe Franklin Dove 1933 in einem praktischen Versuch zeigen, dass Cuviers Argument so nicht stimmt. Er entnahm einem neugeborenen Stierkalb die Hornknospen und verpflanzte sie in die Schädelmitte. Es entwickelte sich ein einziges, gerades Horn.[16]

Eine in Vergessenheit geratene, aber vielleicht zutreffende zoologische Bestimmung des Einhorns der Antike nahm Mitte des 19. Jahrhunderts Johannes Leunis anhand von Größe, Fellfarbe, Paarhufigkeit und räumlicher Verbreitung vor. Ihm zufolge handelt es sich um die Beisa-Antilope aus der Gattung der Oryxantilopen, wahrscheinlicher aber ist nach Josef H. Reichholf die Arabische Oryx („Körper milchweis, Hals und Nase rostbräunlich; Hirschgröße, Arabien“). Die langen, geraden Hörner sehen auf den ägyptischen Reliefdarstellungen wie ein Horn aus. Die Reliefs geben auch einen Hinweis, wie die Antilope zum Fabeltier werden konnte: Es ließ sich nicht zähmen und so domestizieren. Domestikation wäre aber gerade in der Wüste wünschenswert gewesen, da die Tiere mit wenig Futter und monatelang ohne Wasser auskamen.[18]

Der Narwal, dessen Horn lange Zeit genutzt wurde, um die Nachfrage nach Einhornprodukten zu befriedigen, wird manchmal auch „Einhorn des Meeres“ genannt und trägt den wissenschaftlichen Namen Monodon monoceros (altgriechisch: monoceros Einhorn).

Einhörner in der Magie[Bearbeiten]

Bei Abraham von Worms[19] findet sich ein magisches Buchstabenquadrat, mit dem man ein Einhorn sichtbar machen könne.

R E E M
E L I E
E I L E
M E E R

Einhörner in der Heraldik[Bearbeiten]

Wappen der Familie Baldung, Holzschnitt um 1530
Hauptartikel: Einhorn (Wappentier)

In Wappen ist das Einhorn eine „Gemeine Figur“. Der Schild des britischen Staatswappens wird von einem Löwen und einem Einhorn gehalten, wobei das Einhorn Schottland symbolisiert. Beim Palio (Pferderennen) in Siena gibt es eine Contrade mit dem Wappen des Einhorns.

Literatur[Bearbeiten]

Symbolkundliche Forschung
  • Winfried Hagenmaier: Das Einhorn. Eine Spurensuche durch die Jahrtausende. Eulen Verlag, München 2003.
  • Carl Cohn: Zur literarischen Geschichte des Einhorns. Gaertner, Berlin 1896 (Digitalisat)
  • Rüdiger Robert Beer: Einhorn. Fabelwelt und Wirklichkeit. Verlag Georg D. W. Callwey, München 1972.
  • Jochen Hörisch: Das Tier, das es nicht gibt. Eine Text-& Bild-Collage über das Einhorn. Krater Bibliothek. Franz Greno, Nördlingen 1986, ISBN 3-89190-409-6.
  • Jürgen (Pater Werinhard) Einhorn: Spiritalis unicornis. Das Einhorn als Bedeutungsträger in Literatur und Kunst des Mittelalters. Wilhelm Fink Verlag, 2. Aufl. München 1990, ISBN 3-7705-3143-4
  • Klaus Minges: Das Sammlungswesen der frühen Neuzeit. Lit-Verlag, Münster 1998. ISBN 3-8258-3607-X.
  • Jacques Le Goff: Ritter, Einhorn, Troubadoure. Helden und Wunder des Mittelalters. Aus dem Franz. von Annette Lallemand, München 2005, ISBN 3-406-53585-2.
Symbolkundliche Darstellungen
  • Karen Duve / Thies Völker: Lexikon berühmter Tiere. Eichborn Verlag, Frankfurt am Main 1997, ISBN 3-8218-0505-6.
  • Hans Biedermann (Hrsg.): Lexikon der Symbole. Mit über 600 Abbildungen. Droemer Knaur Verlag, Augsburg 2000, ISBN 3-8289-4153-2.
Zoologie
Kunstgeschichte
  • Thomas Blisniewski: Die Jungfrau und das Einhorn. Eine Kölner Kissenplatte des späten Mittelalters im Museum Schnügen Köln. In: Kölner Museums-Bulletin. Berichte und Forschungen aus den Museen der Stadt Köln (4) 2006, S. 4–11

Theater, Filme und Belletristik[Bearbeiten]

Theater
Filme
Serien
Musik
Musikvideos
  • Lady Gaga – Born this Way
  • Lafee – Prinzessin
Romane
Erzählungen
Märchen
  • Das tapfere Schneiderlein aus der Sammlung der Brüder Grimm: Das hier dargestellte Einhorn wird als böse dargestellt und durch eine List gefangen, als es in blinder Wut auf den Schneider zurennt und sein Horn in einen Baum rammt. Aus dieser Situation gibt es keine Möglichkeit mehr für das Einhorn, zu entfliehen.

Aufsätze

Lyrik

„O dieses ist das Tier, das es nicht gibt.
Sie wußtens nicht und haben jeden Falls
– sein Wandeln, seine Haltung, seinen Hals
bis in des stillen Blickes Licht – geliebt.“

Rainer Maria Rilke: Die Sonette an Orpheus. Zweiter Teil, Vers IV

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Einhörner – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
 Wiktionary: Einhorn – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Conrad Gesner: Allg. Thierbuch. 1669, S. 71-83
  2. Gesner, S.73
  3. Alexandra Anna Enrica van der Geer: Animals in stone: Indian mammals sculptured through time. Brill, Leiden 2008, S. 112–114
  4. Gautama V. Vajracharya: Unicorns in Ancient India and Vedic Ritual. In: Electronic Journal of Vedic Studies (EJVS) Vol. 17, Issue 2, 2010, S. 135–147
  5. Reichholf, S. 213–226.
  6. T-Online Nachrichten – Eine lebende Legende in italienischem Naturpark
  7. GEOlino.de Jens Wiesner: Fabelwesen: Das Einhorn - Die Wahrheit hinter dem Mythos.
  8. Heinrich Sander: Kleine Schriften, Bd.1, 1779. S.101f.
  9. Gesner, S.73
  10. Conrad Gesner: „Thierbuch“. Nachdruck des Originals von 1669. Schlüttersche Verlagsanstalt und Druckerei GmbH 1995. ISBN 3-87706-429-9. S. 77
  11. Gesner, S.77
  12. Wilhelm Molsdorf: Christliche Symbolik der mittelalterlichen Kunst. Karl W. Hiersemann, Leipzig 1926, S. 23
  13. John Layard, Anne S. Bosch (Hsg.): A Celtic Quest, Spring Publications, Dallas (Texas) 1975, ISBN 978-0-88214-110-7, S. 76, 166. (eingeschränkte Vorschau in der Google-Buchsuche)
  14. Heinrich und Margarethe Schmidt: Die vergessene Bildersprache christlicher Kunst. Ein Führer zum Verständnis der Tier-, Engel- und Mariensymbolik. Beck, München 1981, S. 47.
  15. Gaius Julius Cäsar: De Bello Gallico VI, 26; vgl. Curt Woyte: Anmerkungen, in: derselbe (Hrsg.): Gaius Julius Cäsar: Der gallische Krieg. Reclam, Stuttgart 1975, S. Heinrich und Margarethe Schmidt: Die vergessene Bildersprache christlicher Kunst. Ein Führer zum Verständnis der Tier-, Engel- und Mariensymbolik. Beck, München 1981, S. 47.
  16. a b c Karen Duve, Thies Völker: Lexikon berühmter Tiere. Eichborn Verlag, Frankfurt am Main, 1997, ISBN 3-8218-0505-6.
  17. Umberto Eco: Die Geschichte der legendären Länder und Städte. Hanser, München 2013, S. 109.
  18. Josef H. Reichholf u.a.: Artikel In: Berliner Morgenpost, 6. Januar 2008.
  19. Buch IV, XXVII. Kapitel, Ausg. Dehn, S. 321
  20. Besprechung von „Das letzte Einhorn“ bei sf-radio.net