Rischenau

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Koordinaten: 51° 52′ 50″ N, 9° 16′ 50″ O

Rischenau
Stadt Lügde
Wappen von Rischenau
Höhe: 212 m ü. NN
Fläche: 11,78 km²
Einwohner: 1059 (31. Dez. 2015)
Bevölkerungsdichte: 90 Einwohner/km²
Eingemeindung: 1. Januar 1970
Postleitzahl: 32676
Vorwahl: 05283
Karte

Lage von Rischenau in Lügde

Rischenau gehört zu den zehn Ortsteilen der Stadt Lügde im Kreis Lippe in Nordrhein-Westfalen. Der Ortsteil hatte am 31. Dezember 2015 1059 Einwohner. Der derzeitige Ortsbürgermeister ist Dieter Diekmeier.

Lage[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Rischenau liegt auf einer Höhe von 212 m ü. NN, rund 10 km südöstlich von der Kernstadt Lügde entfernt. Die Flächengröße der Ortschaft beträgt 11,775 km²; damit ist Rischenau hinter der Kernstadt und Elbrinxen der drittgrößte Ortsteil von Lügde.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Rischenau wurde im Jahr 1269 als Ryschenawe erstmals urkundlich erwähnt. Die Grafen von Schwalenberg gründeten die Siedlung, errichteten eine Burg[1] und verliehen Rischenau 1280 Stadtrechte. Stadt und Burg existierten etwas über 100 Jahre, bis beide 1407 in der Eversteiner Fehde und 1447 Soester Fehde niedergebrannt wurden. Aus einem Messregister des Jahres 1529 geht hervor, dass der Ort aus 21 Hausstätten und rund 180 Einwohnern bestand. Nach der Einrichtung der Postkutschenlinie Kassel-Bremen 1737 wurde Rischenau zu einer Poststation im lippischen Südosten. Im 19. Jahrhundert gab es eine Postlinie von Thurn und Taxis, die von Rischenau nach Detmold, Lemgo und Rinteln führte. Eine zweite preußische Linie führte von Höxter über Rischenau, Bad Pyrmont, Alverdissen und Rinteln über Minden nach Bremen. 1903 wurde die letzte Postkutschenlinie von Höxter nach Rischenau eingestellt. 1847 bekam der Ort die Genehmigung, einen Kram- und Viehmarkt abzuhalten. Nach einer 133 jährigen Tradition wurde der Viehmarkt 1980 in Oktoberfest umbenannt und weitergeführt.[2]

Paradiesmühle in Rischenau

Südlich von Rischenau an der L 946 liegt der zu Rischenau gehörende Ort Biesterfeld. Hier errichtete Graf Simon VI. zur Lippe im 16. Jahrhundert eine Meierei, die später in den Besitz der Witwe Maria Magdalena Simons VII. zur Lippe überging. Anlässlich seiner Hochzeit 1655 erbte ihr Sohn Jobst-Hermann die Meierei und begründete die Seitenlinie Lippe-Biesterfeld. In seiner Regierungszeit erbaute er ein Herrenhaus und mehrere Wirtschaftsgebäude. Erbfolgestreitigkeiten innerhalb des Hauses Lippe wurden vor Gericht zugunsten der Lippe-Biesterfeld-Linie entschieden, die Ende des 19. Jahrhunderts die Regentschaft im Fürstentum Lippe übernahm. Letzter regierender Fürst war Leopold IV., der 1918 abdanken musste. Im Laufe der Jahrhunderte verfielen die Bauten in Biesterfeld. Vom ehemaligen Herrensitz und der Domäne sind heute nur noch vier Gebäude erhalten, nämlich die Biesterfelder Mühle (die heutige Paradiesmühle), das ehemalige Schloss, auf den Grundmauern des heutigen ausgebauten Forsthauses erbaut, das Mägdehaus und die Außenmauern des ehemaligen Brauhauses mit Brennerei, woraus ersichtlich ist, welches Ausmaß die Gesamtanlage einst hatte.[3]

Am 1. September 1921 trat Rischenau Gebietsteile an die neue Gemeinde Falkenhagen ab.[4]

Die vorher selbständige Gemeinde wurde im Rahmen der Kommunalreform am 1. Januar 1970 eingemeindet.[5][6]

Politik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Wappen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Wappen der ehemaligen Gemeinde Rischenau

Das Wappen der ehemaligen Gemeinde Rischenau nimmt anschaulich Bezug auf die fast 750-jährige urkundlich belegte Geschichte der Burg und Stadt Rischenau: In der Mitte ist die Lippische Rose zu erkennen, das Wahrzeichen der Region Lippe, darunter stilisiert die Burgmauern der alten Feste Rischenau, auf den Turmzinnen rechts und links jeweils eine Schwalbe, die den Bezug auf die ehem. Grafschaft Schwalenberg nimmt.

Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Paradiesmühle am Ortsrand von Rischenau ist die ehemalige Mühle zu Lippe-Biesterfeld. Heute beherbergt sie einen Gastronomiebetrieb und ein Mühlenmuseum.

Infrastruktur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In Rischenau gibt es ein Dorfgemeinschaftshaus, eine Grundschule, mehrere Gewerbebetriebe (u. a. eine Tankstelle), drei Gaststätten, einen Lebensmittelmarkt, eine Bäckerei, eine Fleischerei, zwei Geldinstitute, einen Allgemeinmediziner, einen Zahnarzt.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Heinz Dietz: Burg und Stadt Rischenau. Detmold 1980.
  • Willy Gerking: Die Grafen zur Lippe-Biesterfeld. Bad Oeynhausen 2001. ISBN 3-928700-62-6

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Eintrag zur Burg Rischenau in der EBIDAT, der wissenschaftlichen Datenbank des Europäischen Burgeninstituts
  2. Christian Kuhnke: Lippe Lexikon, Stichwort: Rischenau. Boken Verlag, Detmold 2000. ISBN 3-935454-00-7
  3. Willy Gerking: Die Dörfer der Großgemeinde Lügde in Heimatland Lippe vom August 1984. Seite 276.
  4. Stephanie Reekers: Die Gebietsentwicklung der Kreise und Gemeinden Westfalens 1817–1967. Aschendorff, Münster Westfalen 1977, ISBN 3-402-05875-8, S. 276.
  5. Hauptsatzung der Stadt Lügde (PDF; 340 kB) vom 28. Mai 2014
  6. Martin Bünermann: Die Gemeinden des ersten Neugliederungsprogramms in Nordrhein-Westfalen. Deutscher Gemeindeverlag, Köln 1970, S. 106.