Robert von Ostertag

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Geburtshaus mit Gedenktafel in Schwäbisch Gmünd

Robert von Ostertag (* 24. März 1864 in Schwäbisch Gmünd; † 7. Oktober 1940 in Tübingen) war ein deutscher Veterinär und gilt als Vater der Fleischbeschau.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Von Ostertag studierte Medizin in Berlin und Veterinärmedizin in Stuttgart, anschließend erhielt er die Professur für Hygiene an der (1912 aufgehobenen) Tierärztlichen Hochschule Stuttgart (1891–1892) und an der Hochschule für Veterinärmedizin (heute Fachbereich Veterinärmedizin an der FU) in Berlin (1892–1907).

Zwei Forschungsreisen zur Erforschung von Schafs- und Rinderkrankheiten führten ihn 1907 und 1913 nach Afrika. In den 1890er-Jahren initiierte er ein umfangreiches Programm der Fleischbeschau in Berlin, in dessen Folge die Fälle von Tuberkulose des Rindes beim Menschen stark zurückgingen. Von Ostertag verfasste das einflussreiche Lehrbuch für Fleischbeschauer. Zusammen mit dem Pathologen Otto Lubarsch gründete er 1896 die Zeitschrift Ergebnisse der allgemeinen Pathologie und pathologischen Anatomie der Menschen und der Tiere. 1890 entdeckte er den heute nach ihm benannten Braunen Magenwurm (Ostertagia ostertagi).

Das von Robert von Ostertag 1899 entwickelte und nach ihm benannte Programm zur Bekämpfung der Rindertuberkulose (die offen an Tuberkulose erkrankten Tiere sollten erfasst, aber nur die bakterienausscheidenden getötet werden. Die Rinderbestände eines Hofes sollten jährlich klinisch untersucht werden, jedoch nur bei äußerlich erkennbarer Tuberkulose sollte eine dreimalige bakteriologische Untersuchung des Gemelkes folgen) wurde in Deutschland und in der Schweiz eingeführt. In Skandinavien wurde dagegen ein vom Dänen Bernhard Bang entwickeltes strengeres Verfahren angewandt, das erst in den 1950er Jahren auch im deutschsprachigen Raum übernommen wurde.

Für seine Verdienste wurde ihm 1937 die Cothenius-Medaille der Leopoldina verliehen, in die er 1929 als Mitglied aufgenommen worden war. Den Adlerschild des Deutschen Reiches erhielt er am 20. April 1939.[1]

Im Berliner Bezirk Steglitz-Zehlendorf und in Schwäbisch Gmünd sind Straßen nach ihm benannt. Die Bundestierärztekammer verleiht eine Robert-Ostertag-Plakette. Das Institut für Veterinärmedizin des früheren Bundesgesundheitsamtes, zuständig für Hygiene tierischer Lebensmittel, Tierkrankheiten und Rückstandsforschung, ist ihm ebenso namentlich gewidmet worden.

Seine Heimatstadt Schwäbisch Gmünd verlieh ihm 1929, „zum 65. Geburtstag in Anerkennung seiner überragenden Persönlichkeit und seiner bedeutenden wissenschaftlichen Tätigkeit auf tierärztlichem Gebiet“,[2] die Ehrenbürgerschaft.

Robert von Ostertag war Mitglied des Corps Suevia Stuttgart im Rudolstädter Senioren-Convent (aufgegangen im heutigen Corps Suevo-Guestphalia München).[3] Der Neuropathologe und Hochschullehrer Berthold Ostertag war sein Sohn.[4]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Wolfgang Steguweit; Der „Adlerschild des Deutschen Reiches“; Edition Luisenstadt, Berlinische Monatsschrift Heft 6/2000
  2. zit. nach Die Ehrenbürger der Stadt in 800 Jahre Stadt Schwäbisch Gmünd, Schwäbisch Gmünd 1962
  3. CORPS - das Magazin (Deutsche Corpszeitung), 110 Jahrgang, Heft 1/2008, S. 25
  4. Wer ist wer?, Band 14, Schmidt Römhild, 1962, S. 1127