Rock & Wrestling

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Rock & Wrestling ist eine Veranstaltungsreihe, die seit 2003 jährlich in Hamburg-St. Pauli stattfindet.

Charakter[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Rock & Wrestling ist eine subkulturelle Wrestling-Show in Form eines einen Abend dauernden Turniers. Wie beim professionellen Wrestling werden Charaktere entworfen, die durch Wrestler verkörpert werden. Diese treten paarweise gegeneinander an und führen einen im Vorfeld choreographierten Kampf auf, aus dem ein Wrestler als Sieger hervorgeht. Nachdem alle Kämpfer gegeneinander angetreten sind, wird der Gesamtsieger des Abends durch schriftliches Publikumsvotum ermittelt. Es kann mithin auch der Verlierer einer Partie als Gesamtsieger des Abends hervorgehen. Begleitet wird das Event durch einen Moderator sowie durch Auftritte von Bands vor den Kämpfen sowie in der Pause.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Veranstaltung geht auf eine Idee der Mitarbeiter der Komet Bar in St. Pauli zurück; Inspiration war ein Song des Schweizer Musikers Beat Zeller, Gründer von Voodoo Rhythm Records.[1] Zielsetzung der Veranstalter war, Rock ’n’ Roll-Musik mit US-amerikanischem Wrestling und mexikanischem Lucha Libre zu kombinieren. Zwei Jahre lang existierte Rock & Wrestling als Partyreihe in der Komet-Bar, bevor 2003 die erste Veranstaltung im heutigen Sinne mit choreografierten Kämpfen und Musikeinlagen auf dem Dach einer Garage im Hinterhof der Bar abgehalten wurde. Wegen der steigenden Besucherzahlen wechselte sie 2005 in die deutlich größere Lokalität Hafenklang. 2007 kam es auf Grund einer nicht genehmigten Verwendung der Comicfigur „Superman“ zu einer Abmahnung, deren Kosten durch eine Solidaritätsveranstaltung auf der MS Stubnitz refinanziert werden mussten.[2] Dort wurde ebenfalls eine Wrestling-Show veranstaltet, so dass es 2007 einmalig zwei Gesamtsieger gab. 2011 wurde zusätzlich zum Event im Hafenklang eine Show auf dem Fusion Festival im Mecklenburg-Vorpommerschen Lärz aufgeführt.[3] 2013 erschienen ein Printmagazin zum Event sowie eine an die Panini-Bilder angelehnte Serie von Sammelbildchen.[4] 2017 fand die Veranstaltungsreihe anlässlich der 15. Aufführung an zwei Abenden statt.

2018 wurde in der Roten Fabrik in Zürich eine zusätzliche Veranstaltung mit identischem Ablauf durchgeführt. Im September 2018 wurde auf der „opera-stabile“-Bühne der Hamburgischen Staatsoper die fünfteilige „Operanovela“ Ring & Wrestling aufgeführt, die unter Einbeziehung der Darsteller und Charaktere des Rock & Wrestling eine Alternativversion des Ring des Nibelungen präsentierte.[5] Die Musik des Formats wurde von Leo Schmidthals komponiert, Regisseur war Dominik Günther.

Beim zweiten Besuch in Zürich im Jahr 2019 kämpften zusätzlich zu den Hamburger Gästen zwei Züricher Wrestler gegeneinander; der Erlös der Veranstaltung wurde für Flüchtlinge tätigen Seenotrettungsorganisationen gespendet.[6] Ebenfalls 2019 gastierte Rock & Wrestling auf dem Computerspielfestival Play in der Markthalle Hamburg. Dabei konnten Zuschauer interaktive Einfluss auf einen Kampf nehmen.

2020 fand die Show bedingt durch die grassierende Covid-19-Pandemie online statt. Es gab keine Kämpfe und somit keinen Sieger, stattdessen präsentierten Standardmoderator Don Pedro und Nik Neanderthal aus den Räumlichkeiten des Hafenklang heraus für die Show gedrehte Kurzfilme, Videomaterial aus den Anfangstagen der Show sowie Livemusik der Band Thee Drongos.[7]

Die Show entstammt dem linksalternativen Milieu in St. Pauli. Gelegentlich nimmt die Veranstaltung Bezug auf aktuelle politische Themen, indem Personen oder Institutionen, die nach Meinung der Veranstalter negativen Einfluss auf die Entwicklung St. Paulis nehmen, als Heels dargestellt und demütigend besiegt werden. So wurden 2009 Immobilienspekulanten dargestellt und 2014 das Auftreten Corny Littmanns in der Lokalpolitik von St. Pauli aufgegriffen. Rock & Wrestling ist gemeinsam mit dem Kölner Rock'n'Roll Wrestling Bash die erste derartige Veranstaltung in Deutschland und dient als Vorbild für ähnlich ausgerichtete Events wie das NBG Trash Wrestling in Nürnberg.

Jahr Veranstaltungsort Sieger Bands
2003 Komet (Hamburg)
2004 Komet (Hamburg) Haidi Hitler Nik Neandertal, Mr. Brain W. Williams
2005 Hafenklang (Hamburg) Nik Neandertal Nik Neandertal, Digger and the Pussycats
2006 Hafenklang Captain Penis Bitchfinga
2007 Hafenklang-Exil (Hamburg) Bento III Ohlsen Syndrom, The Stilettos
2007 MS Stubnitz (Hamburg) Dolly Duschenka Reverend Beat-Man, Chung, Muttersöhnchen
2008 Hafenklang-Exil Jesus Ohlsen Syndrom, Muttersöhnchen
2009 Hafenklang Muhfumba
2010 Hafenklang Loony Lobster Boy Division, D-66
2011 Hafenklang Iron Maidel Boy Division
2012 Hafenklang Haidi Hitler Animal Grind, Caracho
2013 Hafenklang & MS Dockville (Hamburg) Nik Neandertal Hallo Werner Clan, Testsieger, Cheating Hearts, OB & BRRR
2014 Hafenklang Loony Lobster Mächtig, The Ricky Kings
2015 Hafenklang Team Bento El Cantina, The Bucky Rage
2016 Hafenklang Pinkzilla The Beasts, Leafoot Tea
2017, Tag 1 Hafenklang Renate & Die Katzenladys Cheating Hearts, The Black Drongos
2017, Tag 2 Hafenklang Thunder Cunt The Haemorrhoids, Boy Division
2018 Hafenklang Dolly Duschenka The Dutts, Hipbone Slim
2018 Rote Fabrik (Zürich)
2019 Hafenklang Mr. Cheese Rantanplan
2019 Rote Fabrik (Zürich) Aargauer Putzhilfe Dÿse, Paranoid Pictures, De_bris
2019 Markthalle (Hamburg) St. Pauli auf’s Mauli
2020 Hafenklang (keine Kämpfe wegen Covid-19) Thee Drongos

Medienrezeption[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Norddeutsche Medien berichten regelmäßig über die Veranstaltung[8][9], ebenso überregionale Blogs[10][11]. Die Hamburger Morgenpost definierte das Event dabei als "trashiges Kult-Catchen",[12] das Hamburger Abendblatt als „Subkultur-Institution (...) mit (...) gesellschaftspolitischen Hintergedanken“.[5] Der Regisseur Dominik Günther, der Ring & Wrestling an der Hamburgischen Staatsoper inszeniert hatte, bezeichnete Rock & Wrestling als „die bunteste, kreativste, energetischste und aufregendste Veranstaltung des Jahres in Hamburg“.[13] 2008 erfolgte in der Hamburger Galerie Linda eine Ausstellung mit Fotos der Fotografen Anne Gabriel-Jürgens und Frank Egel, die diese im Laufe der Jahre im Showroom sowie im Backstagebereich der Veranstaltung erstellt hatte.[14] Im "Zuender"-Magazin von Zeit Online erschien in diesem Jahr außerdem eine Videoreportage über die Veranstaltung.[15] 2010 wurde die Dokumentation "Smash Trash Wrestling Bash" der Hamburger Filmemacherin Bianca Wiehmeier veröffentlicht.[16] 2012 folgte eine Soloausstellung von Egel im Kulturraum Projektor im Hamburger Karoviertel.[17]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Daniel van Eendenburg (Hrsg.): So fing alles an. In: Rock & Wrestling – Das Heft. 2015, S. 5.
  2. Hamburger Abendblatt vom 13. Dezember 2007, online abrufbar
  3. Fusion-Festival.de: Willkommen. Abgerufen am 20. April 2018. (PDF, 1,79 MB)
  4. Ankündigung auf Facebook. Abgerufen am 30. November 2014.
  5. a b Abendblatt.de: Wagner-Wrestling sorgt für Schnappatmung bei Wagnerianern. Abgerufen am 4. Juni 2019.
  6. RAWZH.ch: Rock and Wrestling. Abgerufen am 28. Oktober 2019.
  7. klub forward: Rock & Wrestling Online Show! auf YouTube
  8. Hamburger Morgenpost vom 23. Juli 2011, online abrufbar
  9. Eintrag im St. Pauli-Blog des Hamburger Abendblatts vom 26. Juli 2014. Abgerufen am 4. Dezember 2014.
  10. Artikel auf Sounds Like Me. Abgerufen am 4. Dezember 2014.
  11. Artikel auf Das hermetische Café. Abgerufen am 4. Dezember 2014.
  12. Mopo.de: Showkampf der Anarchos. Abgerufen am 23. Juli 2016.
  13. Staatsoper-Hamburg.de: Im Gespräch mit: „Ring & Wrestling“-Macher Dominik Günther und Leo Schmidthals. Abgerufen am 4. Juni 2019.
  14. Website der Galerie Linda. Abgerufen am 2. Dezember 2014.
  15. Zuender-Reportage auf Youtube. Abgerufen am 10. Dezember 2014.
  16. Eintrag auf Moviepilot.de. Abgerufen am 10. Dezember 2014.
  17. Ausstellungsankündigung auf Page Online. Abgerufen am 30. November 2014.