Roeckl (Unternehmen)

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ROECKL Handschuhe & Accessoires GmbH & Co. KG

Logo
Rechtsform GmbH & Co. KG
Gründung 1839
Sitz München
Leitung

Annette Roeckl (Geschäftsführerin)[1]

Mitarbeiterzahl

150 (Stand: 2017)[2]

Umsatz 17,9 Mio. Euro (5/2015–4/2016)[3]
Branche Handel mit Handschuhen, Seidentüchern und Accessoires[2]
Website www.roeckl.com

Altes Logo bis 2014
Geschäft von Roeckl in der Wiener Innenstadt (2010)

Roeckl ist seit 1839 ein Hersteller von Handschuhen und Accessoires mit Sitz in München. 2007 war das Unternehmen mit einem Jahresumsatz von 20 Millionen Euro und rund 230 Mitarbeitern Marktführer für hochwertige Lederhandschuhe in Deutschland und Österreich.[4]

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Inserat aus dem Jahr 1904
Reithandschuhe von Roeckl

Das Unternehmen wurde 1839 vom Handschuhmacher Jakob Roeckl gegründet. Er betrieb zunächst ein Ladengeschäft mit Handwerksfertigung in der Münchner Kaufingerstraße 19. Später folgten eine Gerberei und eine Färberei sowie die Entwicklung eines neuen patentierten Gerbverfahrens. Mit seiner Ausrichtung auf die „gehobene Gesellschaft“ erreichte Roeckl die Ernennung zum Königlich-Bayerischen Hoflieferanten und zählte König Ludwig II. und Kaiserin Sissi zu seinen Kunden. Das von Christian, Sohn Jakob Roeckls, 1870 südlich des Münchner Stadtzentrums am heutigen Roecklplatz errichtete Fabrikgebäude ist auch jetzt noch Hauptsitz des Unternehmens. Zudem folgten zu dieser Zeit erste Verkaufsfilialen in Berlin, Wiesbaden, Frankfurt, Köln und Bremen. 1890 übernahm Heinrich Roeckl mit 24 Jahren nach dem frühen Tod des Vaters die Leitung des Unternehmens. Die Firma expandierte durch weitere Filialgründungen und exportierte nach Amerika. Im Nationalsozialismus beteiligte sich die Firma an der Ausbeutung von Zwangsarbeitern unter Heinrich Roeckl, unter dessen Führung die Firma Gasmasken für den Kriegseinsatz herstellte.

Nach der Zerstörung im Krieg wurden 1948 unter der Leitung seines Sohnes Heinrich Franz Roeckl die Leder- und Handschuhproduktion sowie das Filialnetz neu aufgebaut. Mit der Übernahme der Unternehmensführung durch Stefan Roeckl wurde 1966 die Zentrale am Roecklplatz neu gebaut; eine Erweiterung des Filialsortiments um Modeaccessoires wie Tücher fiel ebenfalls in diese Zeit. 1972 folgte die Entwicklung eines neuen Handschuhschnittes, des „patented cut“ als Auftakt zum Aufbau der Roeckl Sporthandschuhe. Die traditionelle, ursprünglich aus Frankreich stammende, Arbeitsweise lautete Tafelschnitt. Der Beruf des Handschuhmachers ist in Deutschland so gut wie ausgestorben. Der letzte noch bei Roeckl angestellte deutsche Handschuhmacher-Meister ist 2007 Olaf Gebhard.

1992 wurde die rumänische Produktionsstätte Roeckl Romania gegründet. Die komplette Verlagerung der Fertigung von Bayern nach Südosteuropa war einer der kritischsten Momente in der Geschichte des Unternehmens. 2003 übernahm Annette Roeckl in der sechsten Generation die alleinige Geschäftsleitung der Roeckl Handschuhe und Accessoires GmbH & Co. KG, nachdem der Bruder Stefan Roeckl junior im Jahr 2000 der Übernahme des Sportbereichs zugestimmt hatte. Im gleichen Jahr wurde der Produktbereich Sporthandschuhe als Roeckl Sports (Roeckl Sporthandschuhe GmbH & Co. KG) unter der Leitung von Stefan Roeckl ausgegliedert. Annette Roeckl baute die Accessoires-Kollektion aus und gründete im Jahr 2009 eine eigene Taschen-Produktionsstätte im rumänischen Sebeș. Im Jahr 2009 wurden weitere Roeckl-Partnerstores in Amsterdam und Warschau sowie vier Shop-in-Shop Verkaufsflächen bei Karstadt München, Hamburg, Berlin und Köln eröffnet. Roeckl hatte im Jahre 2010 23 eigene Filialen und eine weltweite Vertriebspräsenz.

Am 24. März 2017 meldete das Unternehmen Insolvenz in Eigenverwaltung an.[5] Der Insolvenzantrag wurde im Mai 2017 wieder zurückgenommen.[6]

Familiengrabstätte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Familiengrabstätte Röckl auf dem Alten Südlichen Friedhof in München Standort

Die Familiengrabstätte Röckl befindet sich auf dem Alten Südlichen Friedhof in München (Gräberfeld 34 - Reihe 1 - Platz 29/30) Standort.

Roeckl-Brunnen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Roeckl-Brunnen am Roecklplatz in München

1908 stiftete Geheimrat Heinrich Roeckl einen Brunnen zur Verschönerung des Unternehmensstandortes in München. 1915 wurde dieser Standort in Roecklplatz umbenannt.

Roeckl-Schloss[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das von Christian Roeckl 1871 erbaute Firmengebäude wurde nach den Plänen von Gabriel von Seidl vor den Toren Münchens errichtet. Es wurde im Volksmund „Roeckl-Schloss“ genannt. Von rund 50 Mitarbeitern der ersten Generation wuchs damals die Mitarbeiterzahl auf über 1.000 in der zweiten Generation.

Kollektion[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Zum Produktsortiment gehören Lederhandschuhe und eine Tuchkollektion, bestehend aus edlen Seiden und Kaschmirmischungen. In den jeweiligen Sommerkollektionen ergänzen Hüte und spezielle Summer-Knits wie beispielsweise Sticksets oder Haarbänder das Produktsortiment. Für den Winter gibt es Strickaccessoires. Roeckl Sports bietet Sporthandschuhe für Rad- und Reitsport, Langlauf, Biathlon, Ski Alpin, Multisport/Outdoor und Nordic Walking an.

Anlässlich des Kooperationsprojektes mit dem Kinofilm „Das Parfum – Die Geschichte eines Mörders“ im Jahre 2006 wurde eine spezielle Handschuhreihe aufgebaut. Zur Fußball-Weltmeisterschaft 2006 in Deutschland wurde eine Handschuh- und Tuchkollektion mit dem Namen „Go for Goal“ entworfen. Im Jahre 2010 kooperierte Roeckl mit der Zeitschrift Madame und fügte jeder abonnierten Februarausgabe Stulpen bei.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Marita Krauss: Die königlich-bayerischen Hoflieferanten. Volk Verlag, München 2008, zu Roeckl S. 96–110. ISBN 978-3-937200-27-9.
  • Marita Krauss: "Der letzte echte Patrizier Münchens" - Geheimer Kommerzienrat Konsul Heinrich Roeckl, Hofhandschuhfabrikant, in: Marita Krauss (Hrsg.): Die bayerischen Kommerzienräte - Eine deutsche Wirtschaftselite von 1880 bis 1928, Volk Verlag, München 2016, S. 319–327. ISBN 978-3-86222-216-2
  • Das schönste Geschenk. Redaktionell erscheinende Anzeige in der Zeitschrift Die Woche vom 15. Oktober 1904 (Scan der Seite).

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Creditreform, Deutsche und Österreichische Finanzprofile – Roeckl Handschuhe und Accessoires GmbH & Co. KG, 4. Januar 2018, abgerufen am 1. Februar 2018 (via Nexis).
  2. a b Bisnode, Bisnode Firmenprofile – Roeckl Handschuhe & Accessoires GmbH & Co. KG, 13. Dezember 2017, abgerufen am 1. Februar 2018 (via Nexis).
  3. Roeckl Handschuhe & Accessoires GmbH & Co. KG, Jahresabschluss zum Geschäftsjahr vom 01.05.2015 bis zum 30.04.2016, 4. November 2016 (via bundesanzeiger.de).
  4. Die tapferen Schneiderlein, brand eins, Ausgabe 06/2007
  5. sueddeutsche.de: Münchner Traditionsunternehmen Roeckl ist insolvent
  6. Pia Ratzesberger, Das Geschäft zieht wieder an, Süddeutsche Zeitung (Landkreisausgabe München), 18. November 2017, S. R3.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Roeckl – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Koordinaten: 48° 7′ 13,9″ N, 11° 33′ 41,2″ O