Rolf Glasmeier

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche

Rolf Glasmeier (* 28. März 1945 in Pewsum; † 30. März 2003 in Gelsenkirchen) war ein deutscher Künstler, Grafikdesigner und Ausstellungsmacher.

Rolf Glasmeier

Leben[Bearbeiten]

Rolf Glasmeier wurde 1945 in Pewsum bei Emden geboren. 1949 zog er mit seinen Eltern nach Gelsenkirchen. Nach seiner Ausbildung als Schriftsetzer, die er ab 1962 in Gelsenkirchen absolvierte, studierte er 1965-1968 an der HfG Ulm Visuelle Kommunikation, u.a. bei Otl Aicher. 1967, noch während seines Studiums, entsteht sein erstes „Kaufhausobjekt mit Fenstergriffen“. 1968 nahm er an der Ausstellung der internationalen Künstlervereinigung der Neuen Tendenzen „Tendencije 4“ in Zagreb teil. 1985-1989 war Glasmeier Dozent für Typografie an der Fachhochschule Dortmund und ab 1989 Professor für Kommunikationsdesign an der Muthesius Kunsthochschule Kiel. Glasmeier erhielt zahlreiche Auszeichnungen, darunter den 1. Preis für Skulptur der 6. Biennale Paris und den Villa-Massimo-Preis, Rom. 1994 wurde er in den Deutschen Werkbund berufen. Glasmeier starb 2003 in Gelsenkirchen. 2007 übernahm die Stiftung für Konkrete Kunst und Design Ingolstadt den Nachlass von Rolf Glasmeier.

Wirken[Bearbeiten]

Für Rolf Glasmeier waren Kunst und Leben eng verknüpft. Er war auf nahezu allen Feldern der bildenden Kunst aktiv: als Fotograf und Typograf, Bildhauer und Grafiker, Zeichner und Objektemacher. Rolf Glasmeier war ein politischer Mensch, der sich auf vielfältige Art und Weise für die Gesellschaft und die Umwelt einsetzte. Sein von ihm initiierter Kunstraum Atelier Rolf Glasmeier gab Künstlern und Musikern in regelmäßigen Abständen Gelegenheit, ihre Arbeiten einer Öffentlichkeit zu präsentieren. Künstler aus unterschiedlichen Genres wie z. B. Mario Reis, Claus van Bebber, Klaus Küster, Jochem Ahmann, John Fischer, Knut Wolfgang Maron, Theo Jörgensmann oder F. K. Waechter waren hier zu Gast.

Werk[Bearbeiten]

In seinen frühen Arbeiten, den zur Partizipation einladenden Kaufhaus-Objekten, setzt Glasmeier industriell in Serie gefertigte Alltagsgegenstände als künstlerische Elemente ein und schafft dabei interaktive Werke, die Bekanntes in einem ungewohnten Kontext zeigen und auf Veränderbarkeit angelegt sind. Dazu der Kunstkritiker Heiner Stachelhaus: „Wo Jesús Rafael Soto und François Morellet mit konkreten Mitteln den Raum visueller Erfahrbarkeit und Erlebnisse bis zu letzter Klarheit ausrecherchiert haben, ist für Glasmeier als Ziel seiner Bemühungen die haptische Qualität mit ausschlaggebend.“ Auch seinen Fotografien liegt ein freier spielerischer Kunstbegriff zugrunde. Indem Glasmeier mit Spiegelungen und Schatten vergängliche Ausschnitte der Wirklichkeit festhält und Strukturen sichtbar macht, zeigt er, was im alltäglichen Fluss des Wahrnehmens oft untergeht. War in seinem Frühwerk die Technikbegeisterung der sechziger Jahre deutlich spürbar, änderte sich ab Mitte der siebziger Jahre der Materialschwerpunkt im Werk Glasmeiers. Mit der Verwendung von Fundstücken und natürlichen Materialien statt Elementen der Konsumgesellschaft weitete Glasmeier die Auseinandersetzung mit der Struktur auf universale Fragen aus.

Mitgliedschaften[Bearbeiten]

Kinetische Skulptur in Gelsenkirchen

Preise und Auszeichnungen[Bearbeiten]

  • 1967 Kunstpreis der Stadt Gelsenkirchen
  • 1969 1. Preis für Skulptur der 6. Biennale Paris
  • 1970 Villa Massimo Preis
  • 1979 Kunstpreis junger westen der Stadt Recklinghausen
  • 1981 Barkenhoff-Stipendium Worpswede
  • 1987 1. Preis beim Gestaltungswettbewerb Wasseraufbereitungsanlage Überruhr, Stadtwerke Essen
  • 1990 Preis des Kommunalverbands Ruhrgebiet für die Gestaltung der Siloanlage UTR in Gladbeck
  • 1992 2. Preis beim IBA-Wettbewerb zur Gestaltung der Halde Rungenberg Gelsenkirchen

Einzelausstellungen (Auswahl)[Bearbeiten]

  • (op) art galerie, Esslingen, 1968
  • "Spielobjekte", Die Neue Sammlung München, 1969
  • Galerie Denis Rene Hans Mayer Düsseldorf, 1971
  • "Objekte, Zeichnungen, Typografie", Museum Folkwang Essen, 1972
  • "Objekte und fotografische Bilder", Galerie St. Johann, Saarbrücken, 1978
  • „Realität – Irrealität“, Kunsthalle Recklinghausen, 1979
  • Skulpturenmuseum Glaskasten Marl, 1985
  • "Rolf Glasmeier - Retrospektive", Museum für Konkrete Kunst Ingolstadt, 2008

Werke in öffentlichen Sammlungen (Auswahl)[Bearbeiten]

Literatur (Auswahl)[Bearbeiten]

  • Rolf Glasmeier, Kaufhaus Objekte. Hrsg.: Wulf Herzogenrath. Kat. Ausst. Städtische Galerie Sohle 1 Bergkamen, Hauptschule Hachhausen Datteln, Museum Folkwang Essen. Essen 1972
  • dokumentation einer ausstellungsreihe 1969-75. atelier rolf glasmeier. Hrsg.: Rolf Glasmeier. Gelsenkirchen 1975
  • Merkmale eine Landschaft. 6 Gelsenkirchener Künstler. Stadtstrukturen von: Andreas Böttcher, Rolf Glasmeier, Rüdiger Goeritz, Jiři Hilmar, Mario Reis, Many Szejstecki. Hrsg.: Stadt Gelsenkirchen. Ausst. Kat. Haus Nordrhein-Westfalen. Gelsenkirchen 1981
  • Kunst Landschaft Skulpturen Objekte Projekte Aktionen Konzerte Lesungen. Dokumentation eines Kunstfestes auf dem Barkenhoff Worpswede, Hrsg.: Rolf Glasmeier, Peter-Jörg Splettstößer. Worpswede 1982
  • Atelier Rolf Glasmeier, 14 Jahre 100 Feste. Hrsg.: Rolf Glasmeier. Gelsenkirchen 1982
  • Das revier: motiv und motivation, Dokumentation eines Symposion auf dem Gelände der Zeche Carl mit Bildenden Künstlern, Architekten, Literaten und Musikern, Essen 1983
  • Vier Aspekte zeitgenössischer deutscher Fotografie. Rolf Glasmeier, Robert Häusser, Hans-Rudolf Thull, Pan Walther. Hrsg.: Goethe House New York. Essen 1984
  • Chronologie Rolf Glasmeier, Zum Begreifen nahe… Hrsg.: Uwe Rüth. Kat. Ausst. Skulpturenmuseum Glaskasten Marl, Städtische Galerie Lüdenscheid, Städtische Galerie Sohle 1 Bergkamen. Marl 1985
  • gerade. Helmut Bettenhausen, Rolf Glasmeier, Jiri Hilmar, Diethelm Koch, Horst Linn, Heinz Wieck. Hrsg.: Stadt Gelsenkirchen, Städt. Museum Kunstverein Gelsenkirchen. Kat. Ausst. Museum Bochum, Kunstverein Gelsenkirchen. o.O. 1985
  • Rolf Glasmeier. Fotografische Bilder aus einer Aluminiumfabrik. Reihung Schichtung Spiegelung. Hrsg.: Stadt Gelsenkirchen. Kat. Ausst. Kommunale Galerie der Stadt Gelsenkirchen. Gelsenkirchen 1985
  • Symposion Drinnen – Draussen I und II. Hrsg.: Rolf Glasmeier, Gerhard Reinert, Günther Zins. Kat. Ausst. Alte Musikschule Lüdenscheid. Lüdenscheid 1988
  • Rolf Glasmeier, Monde + Sonnen. Hrsg.: Flachglas AG. Gelsenkirchen 1993
  • Papier und Konkrete Kunst : Rolf Glasmeier, Erwin Heerich, Vera Loermann ... Hrsg.: Alexander von Knorre. Kat. Ausst. Flottmann-Hallen Herne. Herne 1993
  • Dewerny, Glasmeier, Küster, Quast, Zech. 5 Ansichten zum Thema Installation…Dokumentation. Hrsg.: Brigitta C. Quast. Berlin 1994
  • Rolf Glasmeier, Dinge Welt, 1967-1994. Hrsg.: gfg…gruppe für gestaltung. Gelsenkirchen 1995
  • Rolf Glasmeier, zaubermärchen(t)raum: 13 künstlerisch gestaltete Postkarten, Hrsg.: Skulpturenmuseum Glasmkasten Marl 1994
  • Mandala Aktion. Rolf Glasmeier. Hrsg.: Rolf Glasmeier. Gelsenkirchen 1997
  • Kreislauf…2. Thema „recycling“. Hrsg.: Stadt Gelsenkirchen. Kat. Ausst. eines Projekts der gfg… gruppe für gestaltung, der Künstlersiedlung Halfmannshof und der Stadt Gelsenkirchen im Rahmen der 3. Gelsenkirchener Umwelttage. Gelsenkirchen 1998
  • Kunstführer Gelsenkirchen. Hrsg.: Stadt Gelsenkirchen. Gelsenkirchen 1999
  • Blue chips. Strukturen in Buer. Siegfried Danguillier, Rolf Glasmeier, Many Szejstecki. Hrsg.: Sparkasse Gelsenkirchen. Gelsenkirchen 2000
  • hautnah. Hrsg.: Stadt Remscheid. Kat. Ausst. Galerie der Stadt Remscheid. Remscheid 2000
  • Naturgeister, Magische Orte. Fotografische Bilder, Dokumentationen, Zeichnungen, Installationen, Inszenierungen. Hrsg.: Stadt Gelsenkirchen. Dokumentationsheft einer Ausstellung zum Sommerfest 2001, Atelier Rolf Glasmeier, Gelsenkirchen-Buer. Gelsenkirchen 2001
  • RevierAtelier, Rolf Glasmeier. Hrsg.: Jörg Loskill. Essen 2005
  • Die Neuen Tendenzen. Eine europäische Künstlerbewegung 1961-1973. Hrsg.: Tobias Hoffmann. Kat. Ausst. Museum für Konkrete Kunst, Ingolstadt, Leopold-Hösch-Museum, Düren. Ingolstadt, 2006.
  • Rolf Glasmeier. Retrospektive. Hrsg.: Stiftung für Konkrete Kunst und Design Ingolstadt. Kat. Ausst. Museum für Konkrete Kunst, Ingolstadt, 2008.

Weblinks[Bearbeiten]