Roque Joaquín de Alcubierre

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Dieser Artikel behandelt den Archäologen Roque Joaquín de Alcubierre. Für weitere Bedeutungen siehe Alcubierre.


Roque Joaquín (de) Alcubierre, auch Rocque Joaquín (de) Alcubierre oder kurz Rocco de Alcubierre (* 16. August (Geburt oder Taufe) 1702 in Saragossa; † 14. März 1780 in Neapel) war ein spanischer Archäologiepionier.

Leben[Bearbeiten]

Roque Joaquín de Alcubierre machte zunächst Karriere beim spanischen Militär und stand im Dienst des Grafen von Burette. Zum Ende seiner Karriere in Spanien war er Assistent des Ingenieurs Cobos. Als dieser 1734 von Spanien nach Italien ging, folgte ihm Alcubierre. Im mit Spanien eng verbundenen Königreich Neapel brachte er es als Ingenieur zum Rang eines Hauptmanns. Als er 1738 bei der Errichtung eines Palastes für Karl III. in Portici auf antike Artefakte stieß, begann er sich mit diesen zu beschäftigen. Auf die Anregung seines Freundes, des Chirurgen Giovanni de Angelis, konnte er Karl III. für die Idee von gezielten Ausgrabungen antiker Kunst begeistern. Im Herbst 1738 begann er mit zwei oder drei Arbeitern mit der Ausgrabung der Ruinenstätte von Herculaneum.

In Herculaneum betätigte sich Alcubierre mehr als Schatzsucher denn als Ausgräber. Mit seinen Arbeitern suchte er gezielt nach repräsentativen Funden wie Skulpturen, Münzen oder Fresken. Alcubierre interessierte sich persönlich nur für die Skulpturen. Bei der Ausgrabung des Theaters ging seine beschränkte Sicht so weit, dass er die bronzenen Inschriften des Theaters auf den Müll werfen ließ. Er leitete die Ausgrabungen bis zu ihrer vorübergehenden Einstellung 1745. Eine im Theater gefundene, bronzene Quadriga wurde zu Büsten der bourbonischen Herrscher umgeschmolzen.

1748 begann der Geistliche Martorelli unter der Oberaufsicht Alcubierres mit der Ausgrabung in Pompeji. Obwohl einige interessante Funde gemacht wurden, verlor Alcubierre schnell das Interesse an Pompeji, das er auch fälschlicherweise für Stabiae hielt, beendete die Ausgrabungen nach kurzer Zeit wieder und wandte sich danach wieder Herculaneum zu. Ab 1755 wurden auch wieder Ausgrabungen in Pompeji durchgeführt. Die wissenschaftlichen Arbeiten wie die Führung des Grabungstagebuches oder die Anfertigung von Zeichnungen überließ Alcubierre seinen beiden Assistenten Karl Weber (bis 1764) und Francesco La Vega (ab 1764). Dank der beiden geriet Alcubierres Wirken nicht gänzlich zur Katastrophe.

Alcubierres beschränkte Sicht der Dinge und seine rabiaten Methoden, die viel zerstörten, zogen schon zu seiner Zeit viel Kritik auf sich. Einer seiner großen Kritiker war beispielsweise der Begründer der modernen Archäologie, Johann Joachim Winckelmann. In seinen Sendschreiben von den Herculaneischen Entdeckungen ließ Winckelmann nach seinem Besuch der Grabungsstätte 1758 kein gutes Haar an de Alcubierre und lobte einzig dessen Assistenten Weber, ohne den seiner Meinung nach die Lage der Ausgrabungen am Vesuv viel katastrophaler wären. Aus Neid auf Webers Können und Reputation behinderte Alcubierre diesen bei der Arbeit, wo er nur konnte. Trotzdem war er zumindest formell bis zu seinem Tod 1780 Leiter der Ausgrabungen der Vesuvstädte.

Literatur[Bearbeiten]

  • Franco Strazzullo: Alcubierre – Weber – Paderni. Un difficile „tandem“ nello scavo di Ercolaneo – Pompei – Stabia. Accademia di Archeologia, Lettere e Belle Arti, Napoli 1999 (Memorie dell’Accademia di Archeologia, Lettere e Belle Arti in Napoli, 12).

Weblinks[Bearbeiten]