Ross-Verlag

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Künstlerpostkarte des Verlags „Ross“

Der Ross-Verlag in Berlin war ein deutscher Verlag, der in den 1920er bis 1940er Jahren Ansichtskarten und Fotos mit Porträts von Schauspielern und Sängern sowie Ansichtskarten mit Filmszenen herausgab.

Verlagsgeschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Anlässlich seines 60. Geburtstages würdigt die Filmwoche 1930 die Arbeit von Heinrich Roß

Der Ross-Verlag wurde 1912 von Heinrich Ross (* 10. August 1870 in Rokytno, Österreich-Ungarn, heute Tschechien; † 3. August 1957 in Chicago, Illinois)[1] gegründet. Das Pferd als Firmenlogo des Verlags bezieht sich auf den Namen des Gründers. Der Firmensitz war in der Alexandrinenstraße 10 in Berlin SW68.

In den 1920er- und 1930er-Jahren galt der Ross-Verlag als der in ganz Europa führende Verlag für Postkarten mit Porträts bekannter Filmschauspieler und Postkarten mit Filmszenen – zunächst nur für Deutschland, später auch für das internationale Filmschaffen. Schätzungsweise bis zu 40.000 verschiedene Motive wurden ausgegeben. Zu den Fotografen, deren Fotos der Verlag in den 1920er-Jahren veröffentlichte, gehörten auch die seit 1921 in Berlin lebende Wanda von Debschitz-Kunowski (1870–1935) und Hanni Schwarz.

Neben seiner beruflichen Tätigkeit engagierte sich Heinrich Ross in der jüdischen Brüdergemeinde Neukölln, von 1922 bis 1934 als erster Vorsitzender. Seine Ehefrau, die 1936 verstorbene Berta Ross, war seit 1926 Schriftführerin des Israelitischen Frauenvereins in Berlin-Neukölln.[2]

In der Zeit des Nationalsozialismus wurde der Ross-Verlag 1937 „arisiert“ und in die Tobis Filmkunst GmbH integriert. Heinrich Ross emigrierte und schiffte sich am 13. Mai 1939 in Hamburg auf der St. Louis ein, die ihn nach Kuba bringen sollte. Er wurde unfreiwillig Teilnehmer der

und musste im Juni 1939 wieder nach Europa zurückkehren. Ross hatte Glück und erhielt eine Einreiseerlaubnis für Großbritannien, von wo aus er am 29. Oktober 1942 in die USA reisen durfte. Am 19. April 1943 stellte dort einen Einbürgerungsantrag, dem allerdings erst 1947 stattgegeben wurde.[2] In Deutschland wurde ihm später eine Wiedergutmachung gewährt, die aber in keinem angemessenen Verhältnis zu dem Vermögen stand, das er in Deutschland zurücklassen musste. Bis ins hohe Alter war er deshalb gezwungen, einer Berufstätigkeit als Maschinenarbeiter nachzugehen.[2]

Von Ross' drei Kindern – Edith (* 1899; † 14. Januar 1966), verheiratet mit dem Opernsänger Gerhard Pechner[1], Egon (* 1900; † 10. Dezember 1978 in Chicago) und Helene – konnten Edith und Egon bereits vor ihrem Vater in die USA emigrieren. Tochter Helene war in Berlin geblieben. Von ihrem Schicksal erfuhr Ross erst nach dem Krieg. Sie war am 8. Mai 1945 im Alter von 48 Jahren in Berlin verstorben.[2]

Das von Heinrich Ross gegründete Unternehmen firmierte nach dem Zweiten Weltkrieg einige Jahre noch als Film-Foto-Verlag, bis es in UFA/Film-Foto umbenannt wurde. Die vom Ross-Verlag veröffentlichten Porträtkarten sind heute begehrte Sammelobjekte.

Rotophot AG[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das markante Signet des Rotophot Verlags: Die von einem Kreis umschlossenen Buchstaben R P H.

Heinrich Ross war auch Mitglied des Aufsichtsrates der Rotophot AG und der Rotophot Bromsilberdruck GmbH, Firmen an der gleichen Adresse.[3] Das sehr bekannte RPH-Signet der Rotophot Berlin ist auf vielen Bildern zu finden. Die um 1900 gegründete Rotophot GmbH (seit 1912 Rotophot AG), ein Bildverlag für Fotografien und Plakate, war vermutlich Arbeitgeber von Heinrich Ross, bevor er seinen Verlag gründete.

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b THE MAN BEHIND THE CARDS: HEINRICH ROSS
  2. a b c d Bettina Müller: Eine Geschichte von Ruhm und Sehnsucht, taz am Wochenende, 13./14. Juni 2020, S. 51
  3. Edith Hamann: Der Vater der Künstlerpostkarte, in: Die Filmwoche, Nr. 33, Jg. 1930, S. 1053

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Commons: Ross-Verlag – Sammlung von Bildern
Commons: Rotophot AG – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien