Rotteck-Welckersches Staatslexikon

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche

Das StaatslexikonEncyklopaedie der Staatswissenschaften (in späteren Ausgaben unter dem Titel: Das Staats-Lexikon. Encyklopädie der sämmtlichen Staatswissenschaften für alle Stände) wird heute nach den Herausgebern und maßgeblichen Autoren der Erstausgabe von 1834, Karl von Rotteck und Carl Theodor Welcker als Rotteck-Welckersches Staatslexikon bezeichnet.

Staats-Lexikon Ausgabe 1845–1848

Autoren, Inhalt und Erscheinungsweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

An dem Werk, das ursprünglich von Friedrich List angestoßen worden war, waren neben den beiden Herausgebern viele der „angesehensten Publicisten Deutschlands“ beteiligt. Unter ihnen befanden sich viele liberale und demokratische Politiker und Publizisten: Friedrich Daniel Bassermann, Carl Joseph Anton Mittermaier, Georg Waitz, Georg Friedrich Kolb, Jacob Venedey, Karl Mathy, Karl Jaup, Friedrich Wilhelm Schulz, Friedrich Bülau, Johannes Weitzel, Heinrich Eberhard Gottlob Paulus, Friedrich Murhard, Paul Pfizer, Gustav von Struve und Wilhelm Heyd. Es erschien in seiner ersten Ausgabe von 1834 bis 1843 in 15 Bänden. Die Bände versuchten das politisch relevante Wissen der damaligen Zeit zu sammeln und der bürgerlichen Öffentlichkeit zugänglich zu machen. Dabei spiegelten die Beiträge deutlich den Standpunkt des Frühliberalismus, insbesondere in seiner badischen Spielart, wider. So plädierte das Lexikon für einen liberalen Staat auf einer konstitutionellen Grundlage.[1] Es fand in der bürgerlichen Öffentlichkeit eine weite Verbreitung, erlebte mehrere Auflagen und hat zum politischen Diskurs im Vormärz stark beigetragen. Der Historiker Franz Schnabel bezeichnete es gar als das „Grundbuch des vormärzlichen Liberalismus“; andere sprechen von der „Bibel“ des deutschen Frühliberalismus[2].

Trotz (oder eher wegen) ihres parteilichen Standpunkts hatten die meisten der oft seitenlangen Beiträge ein hohes wissenschaftliches Niveau. So umfasst der zentrale Artikel „Liberalismus“ von Paul Achatius Pfizer deutlich mehr als zehn doppelspaltig bedruckte Seiten. Seine Entstehungsmöglichkeit verdankt das Werk den trotz der Karlsbader Beschlüsse relativ freizügigen Zensurbestimmungen im Großherzogtum Baden. Das Lexikon erschien aber in Altona, das damals zum Herzogtum Holstein und damit zu Dänemark gehörte. Da der Verlag von Johann Friedrich Hammerich auch in Leipzig ansässig war, erschien es unter sächsischer Aufsicht. In Preußen und Österreich waren die Bände von der Zensur verboten, und ihre Einfuhr war untersagt. Nach dem Tod Rottecks 1840 wurde die zweite Auflage von Welcker allein herausgegeben. Eine dritte Auflage, herausgegeben von Welcker und Heinrich Brockhaus, erschien mit 14 Bänden von 1856 bis 1866 in Leipzig. Diese Ausgabe erzielte nicht mehr die politische Wirkung ihrer Vorgänger.

Auch in weltanschaulicher Hinsicht standen spätere Ausgaben des Staats-Lexikons u. a. mit dem Deutschen Staatswörterbuch von Johann Caspar Bluntschli und Karl Brater (11 Bände, 1857–1870) in Konkurrenz. Katholisch orientiert war deutlich später das Staatslexikon der Görres-Gesellschaft (5 Bände, 1889–1897), das bis in die 1890er Jahre im Verlag Herder erschien.

Quellen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Das Staats-Lexikon. Encyklopädie der sämmtlichen Staatswissenschaften für alle Stände. In Verbindung mit vielen der angesehensten Publicisten Deutschlands herausgegeben von Carl von Rotteck und Carl Welcker. Neue durchaus verbesserte und vermehrte Auflage. Mit einer Einleitung zum Nachdruck von Hartwig Brandt und einem Verzeichnis der Mitarbeiter von Helga Albrecht, 12 Bde., Keip, Frankfurt am Main 1990.
  • Rechtsphilosophie bei Rotteck / Welcker. Texte aus dem Staatslexikon 1834-1847. Hrsg. u. mit einem Anhang versehen von Hermann Klenner, Haufe, Freiburg/Br. u.a. 1994 (Haufe-Schriftenreihe zur rechtswissenschaftlichen Grundlagenforschung, 6).

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Ralf Gießler: "Die Wissenschaft folgt dem Leben". Verfassungsdenken und Realpolitik in der dritten Auflage des "Staatslexikons", 1856–1866. In: Jahrbuch zur Liberalismus-Forschung 11 (1999), S. 135–148.
  • Rolf Grawert: Die Staatswissenschaft des Rotteck-Welcker'schen "Staats-Lexikons". In: Der Staat 31 (1992), S. 114–128.
  • Wolfgang von Hippel: Das Mittelalterbild in politischen Entwürfen der 1. Hälfte des 19. Jahrhunderts. Das Staatslexikon von Rotteck und Welcker. In: Hansmartin Schwarzmaier: Das Mittelalterbild des 19. Jahrhunderts am Oberrhein. Stuttgart 2004, S. 189–212.
  • Frank Nägler: Von der Idee des Friedens zur Apologie des Krieges. Eine Untersuchung geistiger Strömungen im Umkreis des Rotteck-Welckerschen Staatslexikons (= Nomos-Universitätsschriften, Geschichte, Band 4). Nomos, Baden-Baden 1990, ISBN 3-7890-2213-6 (Dissertation Universität Bonn 1990, 557 Seiten).
  • Gertrud Savelsberg: Enzyklopädie, sozialwissenschaftliche. In: Handwörterbuch der Sozialwissenschaften. Bd. 3, Stuttgart u.a. 1961, S. 258–262.
  • Rudolf Walter: Liberalismus. In: Otto Brunner u.a. (Hrsg.): Geschichtliche Grundbegriffe. Historisches Lexikon zur politisch-sozialen Sprache in Deutschland. Bd. 3, S. 741–815.
  • Eva-Maria Werner: Das Rotteck-Welckersche Staatslexikon. In: Forum Vormärz-Forschung 15 (2009), S. 205–219.
  • Hans Zehntner: Das Staatslexikon von Rotteck und Welcker. Eine Studie zur Geschichte des deutschen Frühliberalismus (= LIst-Studien, Heft 9), G. Fischer, Jena 1929, DNB 361347227 (Dissertation Universität Basel, Philosophisch-historische Fakultät, [1929], 148 Seiten).
  • Thomas Zunhammer: Zwischen Adel und Pöbel. Bürgertum und Mittelstandsideal im Staatslexikon von Karl von Rotteck und Karl Theodor Welcker. Ein Beitrag zur Theorie des Liberalismus im Vormärz. Nomos, Baden-Baden 1994, ISBN 3-7890-3607-2.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]