Rundenturnier

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Zur Navigation springen Zur Suche springen

Als Rundenturnier, auch Jeder gegen jeden oder Liga-System (englisch Round Robin), wird eine Turnierform oder ein Ligamodus bezeichnet, bei der jeder Turnierteilnehmer gleich oft gegen alle anderen Turnierteilnehmer antritt.

Dieses System wird u. a. in den meisten Sport-Ligen angewandt. Nach einem festen Spielplan spielt jede Mannschaft gegen jede andere Mannschaft einmal zuhause und einmal auswärts (exakte Bezeichnung: Double Round Robin, d. h. Doppelrundenturnier, da jede Mannschaft jede andere zweimal trifft).

Bezeichnungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einfachrunde[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In einer Einfachrunde tritt jedes Team genau einmal gegen jeden Gegner an. Es werden keine Rückspiele ausgetragen.

Verschiedene Sportarten bezeichnen in Anlehnung an die Formulierung einfache Runde mit Hin- und Rückspiel auch einen Wettbewerbsmodus aus je einem Hin- und Rückspiel als Einfachrunde.

Damit jeder Teilnehmer gleich oft Heimrecht hat, ist die Zahl der Teilnehmer bei einer Einfachrunde oft ungerade. In der bis 2009 einrundigen Gruppenphase des UEFA-Pokals hatte daher jede Gruppe fünf Teilnehmer. Ist die Teilnehmerzahl gerade, hat die Hälfte einmal öfter Heimrecht, während die andere Hälfte einmal mehr auswärts spielt.

Doppelrunde[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Eine Doppelrunde besteht aus zwei Einfachrunden. Damit nicht bei jeder Runde einer pausieren muss, ist die Zahl der Teilnehmer bei einem Doppelrundenturnier meist gerade.

In manchen Sportarten (z. B. im Eishockey) bezieht sich die Bezeichnung auf zwei Einfachrunden mit Hin- und Rückspiel. Dann tritt in einer Doppelrunde jedes Team viermal gegen jeden Gegner an, in je zwei Heimspielen und zwei Auswärtsspielen. Daraus lässt sich die Anzahl der Spiele pro Team in einer Doppelrunde errechnen, indem man Anzahl der Gegner × 4 rechnet.

Weitere Bezeichnungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Analog zu Doppelrunde sind auch andere Vielfache von Einfachrunden möglich. Dabei kann die Definition von Einfachrunde analog zu oben unterschiedlich sein. Die ungarische Fußballliga spielt mit zwölf Mannschaften eine Dreifachrunde: Jeder spielt dreimal gegen jeden Gegner (33 Spiele). Im Eishockey wird dieses System als Eineinhalfachrunde bezeichnet, so spielt die Regionalliga Ost 2019/20 mit neun Mannschaften je drei Mal gegen jede andere (24 Spiele). Dreifachrunden bezeichnen dagegen drei Runden mit jeweils Hin- und Rückspielen, siehe z. B. die Saison 1993/94 der 2. Eishockey-Bundesliga.

Bewertung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Rundenturnier, insbesondere das Doppelrundenturnier, wird allgemein als gerechtestes System angesehen; tatsächlich liefert es theoretisch eine korrekte durchgehende Reihung vom ersten bis zum letzten Platz.

Bei einem reinen Rundenturnier treffen im Allgemeinen die beiden Bestplatzierten nicht erst in der letzten Runde aufeinander. Daher fällt die Entscheidung über den Gewinn des Titels sehr häufig bereits vor der letzten Spielrunde, sodass die letzten Spiele kein Interesse mehr hervorrufen, was aus Sicht des Veranstalters unerwünscht ist. Fällt die Entscheidung über den Titel tatsächlich erst in der letzten Spielrunde, so gibt meist ein sogenanntes „Fernduell“ den Ausschlag und nicht ein direkter Vergleich. Auf diese Weise entstehen „Königsmacher“-Konstellationen, aber auch die Möglichkeit zu betrügerischen Absprachen (sogenannte Kollusion, vgl. Bundesliga-Skandal).

Feinwertung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nach Abschluss aller Spielrunden ist es möglich, dass zwei Teilnehmer gleichauf platziert sind, sodass Feinwertungen (Tie-breakers) angewendet werden:

  • verschiedene Formen der Feinwertung
  • Punkte aus direkten Begegnungen, Tordifferenz, Anzahl der erzielten Tore, Anzahl der Auswärtstore usw.
  • eigene Play-off-Spiele, die im Anschluss an die regulären Spielrunden durchgeführt werden. Die Play-Off-Spiele werden wiederum nach dem K.o.-System abgehalten, sodass sich hierdurch insgesamt ein gemischtes Turnierformat ergibt.

Durchführung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ablauf eines einrundigen Rundenturniers mit 10 teilnehmenden Mannschaften

Wenn die Anzahl Teilnehmer ist, gibt es bei einem Doppelrundenturnier n·(n−1) Spiele. Ein einrundiges Turnier bzw. reines Rundenturnier benötigt Spiele. Wenn gerade ist, können in jeder der Runden Spiele gleichzeitig gespielt werden, vorausgesetzt es existieren genug Spielplätze. Wenn ungerade ist, gibt es Runden mit je Spielen und einem Kontrahenten ohne Spiel in dieser einen Runde. Aus dem Satz von Baranyai folgt, dass es tatsächlich bei jeder Teilnehmerzahl möglich ist, einen solchen Spielplan zu erstellen.

  • Die übliche Vorgehensweise für ein Rundenturnier besteht darin, jedem Teilnehmer eine Nummer zuzuweisen und dann die Begegnungen jeder Runde aus so genannten Paarungstafeln (engl. Berger pairing tables) zu entnehmen (siehe Beispiel bei den Weblinks).
  • Für Brettspiele, bei denen die Teilnehmer sich an einer Tischreihe paarweise gegenübersitzen, ist das Rutschsystem eine einfach funktionierende Vorgehensweise zur Austragung eines Rundenturniers.

Abwandlungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In vielen Fällen wird eine Kombination aus K.o.-System und Rundenturnier angewandt. Siehe hierzu Turnierform.

Speed Trial (Verkürztes Rundenturnier)

Reicht bei einer großen Anzahl von Teilnehmern die Zeit für die Austragung aller Runden nicht aus, wird üblicherweise auf das Schweizer System zurückgegriffen. Das Schweizer System hat den Nachteil, dass die Paarungen der nächsten Runde erst nach Abschluss des letzten Spiels der vorherigen Runde ausgelost werden können. Eine Alternative dazu ist Speed Trial (verkürztes Rundenturnier). Hier werden bereits zu Turnierbeginn eine vorher festgelegte Anzahl von Runden aus allen Teilnehmern gelost, wobei zwei Teilnehmer nicht mehrfach gegeneinander spielen dürfen, z. B. bei 24 Teilnehmern 5 Runden a 12 Spiele (statt 23 Runden). Gegenüber dem Schweizer System ist Speed Trial nicht geeignet, den besten Spieler als Turniersieger hervorzubringen. Speed Trial kann aber sinnvoll als Vorrunde zur Ermittlung von Endrundenteilnehmern angewandt werden. Speed Trial findet bei diversen regionalen Backgammon-Turnieren, z. B. in Hannover, Hamburg, Berlin oder Dortmund, sowie bei Flyball-Turnieren[1] Anwendung.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. www.flyball.de. Abgerufen am 9. August 2017.