Rundfunk-Störsender in der Volksrepublik China

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Rundfunk-Störsender in der Volksrepublik China ist eine Form der Zensur in der Volksrepublik China, die bewusste Versuche von staatlichen oder kommunistischen Parteiorganen beinhaltet, um Radiosendungen zu stören. In den meisten Fällen zielen Rundfunk-Störsender, auch Jammer oder Noise Jamming genannt, auf ausländische Sender, darunter Voice of America (VOA), Radio Free Asia (RFA), Voice of Tibet (VOT), den BBC World Service und Stationen mit Sitz in Taiwan.[1]

Methoden[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Stören von Rundfunksendern wird durch das Senden von Funksignalen auf derselben Frequenz wie derjenigen des beabsichtigten Ziels erreicht. Die Regierung der Volksrepublik China stört die Kurzwellen-Funkkommunikation durch diese Methode, in der Regel durch die Ausstrahlung von Musik, Trommeln oder anderen Geräuschen. Auf Kurzwelle besteht der Klang aus chinesischer Volksmusik, namentlich eine Komposition, bekannt als The Firedrake, die etwa eine Stunde dauert. Der 60-minütige Audioclip wird als Mono-Audiosignal über Chinasat 6B zu den auf einer der zu China gehörenden Inseln in der südlichen Provinz Hainan stationierten Kurzwellenstörsenderanlage übertragen.[2] Das Signal von The Firedrake wird dabei als sogenannter Audiofeed zur Anlieferung auf dem rechten Audiokanal von dem Programm CNR 8 auf Chinasat 6B übertragen, der linke Audiokanal wird als Audiokanal in Mono für reguläre chinesische Rundfunkprogramme genutzt. Im Internet existieren hochwertige Mitschnitte von The Firedrake welche in Australien direkt von der Satellitenübertragung via Chinasat 6B aufgezeichnet wurden und mit den Störausstrahlungen auf Kurzwelle zeitlich exakt übereinstimmen.[3][4]

Das französische Rüstungsunternehmen Thales Group wurde beschuldigt chinesische Zensurbemühungen durch den Verkauf von Kurzwellensendeanlagen an chinesische Behörden zu unterstützen. Die Firma hat darauf hingewiesen, dass der Verkauf von Anlagen für zivile Zwecke bestimmt war und dass es identische Anlagen seien, wie sie in zahlreichen anderen Ländern auch installiert seien.[5]

Ziele[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Seit Radio Free Asia im Jahre 1996 begann nach China zu senden, haben die chinesischen Behörden dessen Übertragung konsequent gestört und andere asiatische Länder versucht davon abzubringen, Sendestationen zuzulassen.[6] Im Jahr 2002 berichtete das Rundfunkdirektorium der US-Regierung, dass "praktisch alle VOAs und RFAs Kurzwellen-Funkübertragungen nach China [...] gestoppt sind", einschließlich deren Mandarin-, Kantonesischen, Tibetischen und Uyghur-Sprachdienste. In der Erklärung vor der Exekutivkommission des Kongresses hieß es, dass sie in China bei der Erfüllung ihres Mandates vor einem ernsthaften Probleme stünden, weil Peking schwer daran arbeite, zu verhindern, dass Chinesen die Nachrichten erhielten, die sie berichten. In Lhasa, der Hauptstadt von Tibet, ist es zum Beispiel unmöglich, ein gutes Signal für Voice of America Tibet zu bekommen, obwohl die Anlage je nach Tageszeit auf drei oder fünf Frequenzen sendet.[1][7]

Im Jahr 2008 berichtete die Oslo-basierte Voice of Tibet, dass die Störung ihrer Funkkommunikation während der tibetischen Unruhen im Jahr 2008 verstärkt wurde, da die Behörden die Anzahl der gestörten Signale erhöhten, die sie für die Verlagerung von Außenübertragungen benutzten.[1]

Weitere Ziele der Störsender sind der BBC World Service und das Rundfunknetz von Sound of Hope. SWLing Post hat auf seiner Website einige Artikel über Störsender aus China und betroffene Ziele veröffentlicht.[8]

Reaktionen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Jahr 2011 haben einige internationale Radiosender, darunter die BBC und VOA, angekündigt, ihren Mandarin-Kurzwellen-Service für China zu reduzieren oder zu schließen, weil sie Ausgabenkürzungen und Frustrationen hinnehmen mussten, die durch Störungen verursacht wurden. BBC hat seinen Mandarin Sender nach beinahe 70 Jahren Sendezeit im März 2011 eingestellt.[9][10] BBC und VOA wählten stattdessen, stärker ins Internetradio zu investieren; beide erhielten finanzielle Unterstützung vom Außenministerium der Vereinigten Staaten, um Software zur Umgehung der Internet-Zensur, wie Freegate und Ultrasurf, zu fördern und zu entwickeln, damit ihren chinesischen Zuhörern der online Zugriff auf die Programme ermöglicht wird.[11][12]

Die Rundfunkveranstalter haben auch versucht, ihren Zuhörern die Anwendung von Anti-Jamming-Technologie beizubringen.[13]

Betroffene Frequenzen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

HFU HF Underground, ein Forum für Kurzwellen Piratensender, führt auf seiner Website eine Liste der von Jamming betroffenen Frequenzen in kHz. Im Jahre 2017 z. B. waren dies 6080, 7210, 9350, 9355, 9370, 9745, 9780, 9965, 11540, 11560, 11670, 13830, 15250.[3]

Verwendete Musik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Feng Shou Luo Gu (Drum & Gong for Harvest), Erntefest-Musik, die mit der chinesischen Flöte, Gong, Erhu und Trommeln orchestriert wird. Dauer: ca. eine Stunde (wird oft wiederholt).

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b c Voice of Tibet says China ‘jamming’ quake condolences. In: norskpen.no. Nowegian PEN, 22. April 2010, abgerufen am 21. August 2017 (englisch).
  2. Fighting the Chinese Government Firedragon - Music Jammer. DARC, abgerufen am 11. September 2017.
  3. a b Firedrake Störsender Fequenzen. In: hfunderground.com. HFU HF Underground, abgerufen am 22. August 2017 (englisch).
  4. Firedrake - The source of China's Radio Jammer found on Chinasat 6B. satdirectory.com, abgerufen am 22. August 2017 (englisch).
  5. Reuters Staff: Thales denies selling radio jamming kit to China. In: reuters.com. REUTERS, 31. März 2008, abgerufen am 21. August 2017 (englisch).
  6. Jim Mann: China Bars 3 Journalists From Clinton's Trip. In: latimes.com. Los Angeles Times, 23. Juni 1998, abgerufen am 21. August 2017 (englisch).
  7. Statement of the Broadcasting Board of Governors before the Congressional-Executive Commission on China. In: bbg.gov. Broadcasting Board of Governors, 9. Dezember 2002, abgerufen am 22. August 2017 (englisch).
  8. Eine Serie von Artikeln über Radio Jamming, das von China ausgeht. swling.com, abgerufen am 22. August 2017 (englisch).
  9. Vivien Marsh: BBC Chinese Service makes final broadcast in Mandarin. In: bbc.com. BBC News, 28. März 2011, abgerufen am 22. August 2017 (englisch).
  10. Jerome Socolovsky: Critics Attack VOA Decision to Cut Radio Broadcasts to China. In: voanews.com. Voice of America, 24. Mai 2011, abgerufen am 22. August 2017 (englisch).
  11. By Neal Ungerleider: U.S. State Department to Pay BBC's Anti-Jamming Campaign in China, Iran. In: fastcompany.com. FAST COMPANY, 21. März 2011, abgerufen am 22. August 2017 (englisch).
  12. Anne Applebaum: Why has the State Department run into a firewall on Internet freedom? In: washingtonpost.com. The Washington Post, 4. April 2011, abgerufen am 22. August 2017 (englisch).
  13. Anti-Jamming Antenna. In: rfa.org. Radio Free Asia, abgerufen am 22. August 2017 (englisch).